Sonntag, 24. April 2016

"Sie war eine glänzende Rednerin"

Erich und Mathilde Ludendorff auf Vortragsreisen (1928 bis 1933)

In einem anderen Beitrag wurden inzwischen schon die Vortragsreisen Erich Ludendorffs nur allein im Jahr 1926 dokumentiert (7). Und in einem weiteren eine Vortragsreise beider im Januar 1928 in Württemberg (8). In dem vorliegenden Beitrag sollen alle erreichbaren Fotografien zusammen gestellt werden, die auf Vortragsreisen von Erich und Mathilde Ludendorff in ganz Deutschland zwischen 1928 und 1933 entstanden sind.

Welche Wirkung konnte Mathilde Ludendorff als Rednerin haben?

Schon am 3. Februar 1929 wurde in der Verbandszeitung des Tannenbergbundes, der "Deutschen Wochenschau" in dem Bericht "Ludendorff und Frau Ludendorff in Heilbronn und Ulm" festgehalten (zit. n. 8):
Lange vor Beginn der Versammlung war der Gartensaal der Harmonie in Heilbronn gedrückt voll. (...) Die Versammlungsteilnehmer kamen aus allen politischen Parteien und Verbänden und ganz besonders fiel die große Anzahl der Jungbauern auf. Es mögen 400 gewesen sein. (...) Die Versammlung verlief ruhig und würdig. Nach dem Vortrag konnten dem Schirmherrn und seiner Gemahlin die Führer der Jungbauern vorgestellt werden. (...) Die Vortragsreise in Württemberg endete am 16. 1. in Ulm. (...) Die Polizei verhinderte "aus Sicherheitsgründen" die Ausgabe von mehr als 1500 Karten (Fassungsvermögen 2000). (...) Jeder fühlte, da oben steht der Mann, in dessen Kopf die gewaltigen Schlachtenpläne des Weltkrieges reiften. (...) Der anschließende Vortrag seiner Gemahlin (...) begeisterte Männer und Frauen in gleichem Maße und man bedauerte, daß man ihren Worten nicht noch länger lauschen durfte.
Man hört hier insbesondere heraus die starke Wirkung von Mathilde Ludendorff als Rednerin. Von solchen Eindrücken über Erich und Mathilde Ludendorff als Redner gibt es von Zeitgenossen noch viele. Und sie sollen hier nach und nach gesammelt werden. Der eben geschilderte Eindruck wird noch bekräftigt von einem Eindruck nicht aus der Anhängerschaft selbst heraus, sondern wie er 1932 in einer Schrift über den Tannenbergbund (5) von Seiten des Pfarrers Dr. Kurt Hutten (1901-1979) (Wiki) über Mathilde Ludendorff als Rednerin festgehalten wurde (zit. n. 6, S. 31):
... Sie war außerdem eine glänzende Rednerin - in einer Versammlung 1932 in Stuttgart konnte ich den General Ludendorff und seine Frau hören; sie stellte ihn weit in den Schatten und faszinierte die Versammlung mit der Klarheit und dem leidenschaftlichen Schwung ihrer Rede.
Der Lebenslauf von Kurt Hutten ist im übrigen ein nicht ganz uninteressanter Lebenslauf in der protestantischen Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts. Hutten hat in den 1930er Jahren und danach viel über Fragen rund um den religiösen Aufbruch der damaligen Zeit zwischen Neuheidentum, Deutschen Christen und Bekennender Kirche publiziert. 1928 hatte er in Tübingen auffallender Weise bei dem Religionswissenschaftler Jakob Wilhelm Hauer promoviert. Er hat dann viele Jahre mit den völkischen "Deutschen Christen" sympathisiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er dann ... - nun: nichts weniger als der langjährige Leiter der "Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen", jene Zentralstelle, die heute zum Thema Ludendorff und völkische Religiosität wohl zumeist weniger wohlwollende Töne von sich hören läßt als ihr erster Leiter.

Herbst 1929 - Berlin-Charlottenburg


Christliche Gemeinden fühlten sich durch die Vorträge von Mathilde Ludendorff oft scharf angegriffen und versuchten sich zu wehren. Einen Eindruck davon erhält man auf der Internetseite der Evangelisch-Lutherischen Dreikönigsgemeinde Frankfurt am Main-Sachsenhausen in einer dort wiedergegebenen Predigt von Pfarrer Thomas Sinning (geb. 1957 in Frankfurt am Main) aus dem Jahr 2008 (9):
Ein katholischer Christ namens August Biermann berichtete folgende Begebenheit. „Im Herbst 1929 ließ eine gewisse Mathilde Ludendorff Flugblätter verteilen und hielt Versammlungen, um das katholische Volk zum Austritt aus der Kirche zu bewegen. Diese Flugblätter wurden auch in unserer Pfarrei verteilt und riefen zu einer Versammlung in den Hohenzollernfestsälen. Tagesordnung: Austritt aus der Kirche.
An einem Sonntag war ich zum Hochamt in der Charlottenburger Herz-Jesu-Kirche. Pfarrer Lichtenberg bemerkte zum Schluß seiner Predigt: "Mathilde Ludendorff hat zu morgen, Montag Abend, 20 Uhr, eine Versammlung in den Hohenzollernfestsälen anberaumt mit dem Motto: ,Austritt aus der Kirche'. Wir gehen alle hin." Montag Abend war der Saal schon eine Viertelstunde vor Beginn der Versammlung beinahe überfüllt. Es waren etwa tausend Menschen anwesend. Ein Beauftragter von Mathilde Ludendorff eröffnete die Versammlung und hielt eine Rede, die mit Schmach und Hetze über den Papst und die Kirche erfüllt war. Der zweite Redner sprach ebenso und forderte zum Austritt aus der Kirche auf.
Da meldete sich Pfarrer Lichtenberg zur Diskussion. Er erhielt fünf Minuten Redezeit. Ruhig und souverän bestieg er die Bühne und begann: "Ich habe bloß fünf Minuten Redefreiheit, ich will mich kurz fassen." Er korrigierte dann sachlich, was an den Beiträgen der Vorredner falsch und verleumderisch war. Er forderte sie auf, wenn sie wieder in der Öffentlichkeit sprechen würden, sich zuerst die katholische Glaubenslehre anzusehen, damit sie nicht wieder Lug und Trug in die Welt posaunten. Dann schaute er auf seine Uhr und sagte: "Nun haben wir noch zwei Minuten Zeit, jetzt singen wir das Te Deum". Wie aus einem Mund erscholl das Lied: "Großer Gott, wir loben dich". Wenn ich an diesen Abend zurückdenke, dann muß ich sagen, nirgendwo, auch in keiner Kirche, habe ich das Te Deum so herzlich, so stürmisch und bekenntnisfroh gehört wie hier. Mathilde Ludendorff verließ über den hinteren Bühnenausgang eilig den Saal."
Der Pfarrer schließt daran die Lehre an:
Dieser Pfarrer und seine Gemeinde haben nicht unweise, sondern weise gehandelt. Denn hier haben die Christen mit ihren Lobgesängen und geistlichen Liedern mehr bewirkt als durch verbales Argumentieren möglich gewesen wäre.
Der hier handelnde katholische Pfarrer Bernhard Lichtenberg (1875-1943) (DHM) war Pfarrer der Herz-Jesu-Gemeinde in Berlin-Charlottenburg von 1913 bis 1930. Er war auch Mitglied der Zentrumspartei. Über ihn findet sich auf der Internetseite des Berliner "Deutschen Historischen Museums" folgende Angabe (DHM):
1929 In einem Schreiben an Reichspräsident Paul von Hindenburg protestiert er gegen die antikirchliche Agitation des "Tannenbergbunds" unter Erich von Ludendorff.
 Er forderte also - offenbar - den Staat zum Einschreiten auf. Das hat Pfarrer Thomas Sinning nicht erwähnt. 1932 bis 1941 ist Lichtenberg Dompfarrer, bzw. -propst an der Berliner St. Hedwigskirche gewesen und hat dann sehr vorbildlich öffentlich und unauffällig gegen den nationalsozialistischen Terror und die nationalsozialistische Mordmoral gearbeitet. Im Jahr 2011 hat auch ein katholischer Pfarrer, Professor Dr. Georg May aus Bingen diese Vorgänge im Jahr 1929 aufgegriffen (10):
Vor allem aber kämpfte er für seine Kir­che. Es gab damals in Deutsch­land einen Mann namens Erich Luden­dorff. Gene­ral Luden­dorff war der Gene­ral­stabs­chef von Hin­den­burg im Ers­ten Welt­krieg gewe­sen. Nach dem Kriege betä­tigte er sich als welt­an­schau­li­cher Agi­ta­tor gegen die katho­li­sche Kir­che, die er mit Schmä­hun­gen über­häufte. Was tat Lich­ten­berg? Er schrieb dem Reichs­prä­si­den­ten Hin­den­burg einen Brief, in dem er ihn um Schutz vor den Tira­den von Luden­dorff bat.
Es sollte noch einmal heraus gesucht werden, wie sich dieselben Geschehnisse aus der Sicht des Ehepaares Erich und Mathilde Ludendorff und ihrer Anhänger ausnahmen.

Im weiteren vorwiegend eine Zusammenstellung von Fotografien, die in jener Zeit entstanden vor oder nach den eigentlichen Vorträgen.

Mai 1930 - In Schleswig-Holstein

Abb. 1: Tannenbergbund-Tagung auf dem Aschberg in Schleswig-Holstein am 31.5./1.6.1930 (aus: 1, S. 45)
Über die Veranstaltung auf dem Aschberg in Schleswig-Holstein Mai/Juni 1930 ist hier auf dem Blog ebenfalls schon ein eigener Aufsatz erschienen (Stud. Nat. 6/2015).

Juni 1930 - In Niedersachsen

Abb. 2: Tannenbergbund-Tagung in Seelenfeld, 2.6.1930 (aus: 1, S. 46)
Die Vortragsreise wurde am Folgetag, dem 2. Juni 1930 fortsetzt mit einer Vortragsveranstaltung in Seelenfeld in Westfalen. Links abgebildet ist der Lehrer Ludwig Peithmann (1887-1960), einer der Organisatoren dieser Tagung. Rechts von Erich Ludendorff geht wie auf Abb. 1 Major a. D. Hans Georg von Waldow. In der "Geschichte der Ludendorff-Bewegung" (von Hans Kopp, Bd. 1, S. 99) heißt es:
In Seelenfeld gründeten damals der Bauer Büsching und der Lehrer Peithmann die erste Ahnenstätte für Deutschgottgläubige. (...) "Mit einer Bauernmassenversammlung in Seelenfeld", berichtet Mathilde Ludendorff, "schloß diese Reise ab."
An der Tagung in Seelenfeld nahmen 2.000 Menschen teil.

Mai 1931 - In Mittweida, Thüringen

Am 12. Mai 1931 (zu Himmelfahrt) fand eine "Bundesführertagung" des Tannenbergbundes in Mittweida in Thüringen statt (Kopp 1975, S. 102f):
Das bleibende Ergebnis dieser Tagung war die Einrichtung einer Ludendorff-Buchhandlung in Berlin, der ersten Ludendorff-Buchhandlung.
Hiervon hat sich eine Fotografie erhalten.

Abb. 3: Bundesführertagung des Tannenbergbundes in Mittweida in Thüringen
Diese ist zunächst nur kleinformatig.

Dezember 1932 - In Berlin

Abb. 4: Landesverbandstagung des Tannenbergbundes am 3. und 4. 12. 1932 (1, S. 50)
Abbildung 4 zeigt Teilnehmer an einer Landesverbandstagung des Tannenbergbundes am 3. und 4. Dezember 1932 (1, S. 50). Rechts von Erich Ludendorff steht Robert Holtzmann (Landesführer Nordostdeutschland), der sitzende Mann ist ein Herr Swoboda (Landesführer Groß-Berlin). Links von diesem steht Major Wilhelm von Wedelstaedt (gest. 1950) (Gauführer Niederlausitz).

In Bispingen bei Soltau (undatiert)


Abb. 5: Mathilde Ludendorff und Erich Ludendorff vor der Kirche in Bispingen bei Soltau, undatiert (Herkunft: Ebay, Herbst 2014)
Das Foto aus Abbildung 5 ist auf der Rückseite handschriftlich beschriftet mit den Worten:
General Ludendorff und Frau in Bispingen vor einer uralten kleinen Kirche.
Womöglich verwechselt diese Beschriftung die hier abgebildete neugotische Backsteinkirche von Bispingen mit der urtümlichen, mittelalterlichen Feldsteinkirche ebendaselbst. Auf Wikipedia heißt es über Bispingen im Süden der Lüneburger Heide:
Zahlreiche Hügelgräber, Urnenfelder und prähistorische Funde beweisen, dass sich in diesem Raum bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit Menschen ansiedelten. (…) Ein Gräberfeld in Volkwardingen enthält bronzezeitliche Hügelgräber.
Abb. 6: "General Ludendorff und Frau Dr. M. Ludendorff bei einem Besuch in der Lüneburger Heide"
[Privataufnahme]" (in: Das Wikingerschiff, 2/1938, S. 44)
Eine weitere Aufnahme von "einem Besuch in der Lüneburger Heide" ist ebenfalls undatiert und auch ohne konkretere Ortsangabe. Zu sehen sind drei Männer in Jäger- oder Försteruniform. Das Foto ist enthalten in der Ausgabe vom Februar 1938 von "Das Wikingerschiff - Monatsschrift für unsere Deutsche Jugend", die "dem Andenken des Feldherrn Ludendorff gewidmet" ist.

In Pommern (undatiert)

Abb. 7: Mathilde und Erich Ludendorff "zu Besuch beim Siedelbauern Anton Bücheler am Ulenhof in Ückerhof (Pommern)" (3)
Das Foto in Abbildung 7 ist entstanden in Ückerhof (Wiki), einem Dorf in Hinterpommern, gelegen etwa 40 km südöstlich von Stettin und etwa 15 km östlich von Pyritz, 1 km nördlich des Plönesees. 1910 zählte das Dorf knapp 100 Einwohner.

Februar 1933 in Hamburg

Abb. 8: "General Ludendorff und Frau Dr. M. Ludendorff in Hamburg am 19. 2. 1933
[E. Ziese, Wandsbek]" (in: Das Wikingerschiff, 2/1938, S. 39)
Das Foto in Abbildung 8 ist ebenfalls enthalten in "Das Wikingerschiff - Monatsschrift für unsere Deutsche Jugend" von 1938. Es ist offenbar angefertigt worden von der Verfasserin des parallelen Aufsatzes Elly Ziese aus Wandsbek bei Hamburg.
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  1. Duda, Gunther: Ein Kampf für Freiheit und Frieden. Ludendorffs Tannenbergbund 1925 – 1933. Verlag Hohe Warte GmbH, Pähl 1997
  2. Kopp, Hans: Geschichte der Ludendorff-Bewegung. Erster Band: 1925 - 1939. Verlag Hohe Warte, Pähl 1975
  3. Lichtbild von Else Scheidt. Beilage zur Monatsschrift "Deutschjugend" und "Heiho", Folge 4/1934, herausgegeben von Fritz Hugo Hoffmann, Frankfurt (Oder), gedruckt bei Karl Pfeiffer jun., Landsberg (Warthe)
  4. Das Wikingerschiff - Monatsschrift für unsere Deutsche Jugend. Druck und Verlag: "Das Wikingerschiff" (Lengerich i. Westf.) (Schriftleitung Frau Luise Raab-Goltz, Berlin-Pankow, Maximilianstraße 16), 5. Jahrgang 1938 (388 S.), Nr. 2, dem Andenken Erich Ludendorffs gewidmet
  5. Hutten, Kurt: Um Blut und Glauben - Evangelium oder völkische Religion? Steinkopf , Stuttgart 1932 (126 S.)
  6. Schnoor, Frank: Mathilde Ludendorff und das Christentum. Eine radikale völkische Position in der Zeit der Weimarer Republik und des NS-Staates. Dr. Hänsel-Hohenhausen, Egelsbach u.a. 2001
  7. Bading, Ingo: 1926 - Ein Jahr des Umbruchs im Leben Erich Ludendorffs Eine Art Chronologie zu einem wenig behandelten - aber vielleicht bedeutungsschwersten - Jahr im Leben Erich Ludendorffs. Stud. gr. Naturalism., 25. März 2016, http://studiengruppe.blogspot.de/2016/03/1926-ein-jahr-des-umbruchs-im-leben.html
  8. Bading, Ingo: "Wir verlebten schöne Stunden in diesem Hause" - Das Ehepaar Ludendorff in Wildberg im Schwarzwald im Jahr 1929. Stud.gr. Nat., 11. Juli 2017, http://studiengruppe.blogspot.de/2017/07/wir-verlebten-schone-stunden-in-diesem.html 
  9. Sinning, Pfarrer Thomas: Predigt: 18. Sonntag nach Trinitatis - Eph. 5, 15-21. Gehalten am 21.09.2008 im Kantatengottesdienst mit der Kantate „Nach dir Herr, verlanget mich“ BWV 150 in der Bergkirche, Frankfurt am Main
  10. May, Georg: Bernhard Lichtenberg – ein Kämpfer für Gott. Predigt, 17.7.2011, Bingen
  11. Kock, Erich: Er widerstand: Bernhard Lichtenberg, Domprobst bei St. Hedwig, Berlin. Morus-Verlag GmbH, 1996 (238 S.) (Google Bücher)

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