Montag, 26. Dezember 2016

Ein Zeitdokument aus dem Oktober 1915

Hintergrundmächte brauchen lange, die Völker entnervende  und "ermattende" Kriege
Ein Lied des Berliner "Charly Chaplin's": Otto Reutter

Einer sehenswerten Fernsehdokumentation des Jahres 2011 kann man entnehmen, dass dem Berliner Kabarettisten, Blänkel- und Couplet-Sänger Otto Reutter (1870-1931) (Wiki) als Humorist die gleiche Weltbedeutung zugesprochen wird wie dem zeitgleich in München wirkenden Karl Valentin und dem zeitgleich in New York wirkenden Charly Chaplin (1). 

Leider können die Lieder dieses Otto Reutter leicht zu Ohrwürmer werden. Und diese Eigenschaft kann man dann doch als ein Merkmal für nicht besonders hohes musikalisches Niveau erachten. Dennoch kann mancher Liedtext zumindest als Zeitzeugnis dienen (Otto-Reutter). So etwa sein Lied "Nur Geduld" aus dem Oktober 1915 (Yt). In ihm spiegelt sich die damalige Kriegslage und die Stimmung im deutschen Volk wieder. Der Text dieses Liedes lautet:
Nur Geduld, nur Geduld, nur Geduld,
Wenn mal 'ne Pause kommt, die Deutschen sind nicht schuld.
Nur Geduld, wenn mal 'ne Kugel nicht gleich knallen will,
Nur Geduld, wenn mal 'ne Festung nicht gleich fallen will,
Nur Geduld, wenn sie sich etwas länger hält,
Weil 'se später doch auf alle Fälle fällt.
Nur Geduld, wenn nicht sofort ein Sieg zu haben ist,
Nur Geduld, wenn unser Heer im Schützengraben ist,
Nur Geduld, wenn uns're tapfere Armee
Schwingt zur rechten Zeit sich in die Höh, juchhe!
Nur Geduld, nur Geduld, nur Geduld,
Wenn mal 'ne Pause kommt, die Deutschen sind nicht schuld.
Solang ein Kämpfer noch wohlauf ist,
Solang ein Degen noch am Knauf ist,
Solange noch ein Schuss im Lauf ist,
Solang geht Deutschland nicht zu Grund!
Nur Geduld, wenn uns der Sturmwind um die Ohren weht,
Nur Geduld, wenn mal 'ne Kolonie verloren geht,
Nur Geduld, wenn der Japaner höhnisch grinst,
Denn wir holen alles wieder gut verzinst.
Nur Geduld, wenn mal der Brite was erreichen will,
Nur Geduld, wenn der Franzose nicht gleich weichen will,
Nur Geduld, kommt auf uns zu ein Russentrupp,
Schließlich krieg'n se doch 'n schönen Jruss von Krupp.
Nur Geduld, nur Geduld, nur Geduld,
Wenn mal ne Pause kommt, die Deutschen sind nicht schuld.
Solang ein Luftschiff im Verkehr ist,
Solang noch ein Soldat im Heer ist,
Solang ein Kreuzer noch im Meer ist,
Solang geht Deutschland nicht zu Grund!
Nur Geduld, wenn auch die Deutschen mal zurücke geh'n,
Nur Geduld, wenn sie nicht gleich durch Dünn und Dicke geh'n,
Nur Geduld, zur rechten Zeit, da kehr'n se um,
Geh'n energisch vor, dann weiß der Feind, warum.
Nur Geduld und nicht gleich sagen, "Nein, so geht das nicht",
Nur Geduld, wer nicht dabei ist, der versteht das nicht,
Nur Geduld, wer täglich lauert auf'nen Sieg,
So ein Schaf hat keene Ahnung von 'nem Krieg.
Nur Geduld, nur Geduld, nur Geduld,
Wenn mal ne Pause kommt, die Deutschen sind nicht schuld.
Solange noch die Erde rund ist,
Solang ein Gott mit uns im Bund ist,
Solang ein deutscher Arm gesund ist,
Solang geht Deutschland nicht zu Grund!
                                                             Otto Reutter
Otto Reutter
Im Mai 1916 sollte Otto Reutter seinen eigenen Sohn in der Schlacht von Verdun verlieren. Im August 1919 sang er über die "Kriegsgewinnler" (Yt).

Im Oktober 1920 sang er ein nachdenkliches Lied über die "gute, alte Zeit" vor 1914, die damals noch ganz nah war: "Ich möcht erwachen beim Sonnenschein" (Yt).

Im gleichen Monat das ironische "Seh'n Sie, darum ist es schade, daß der Krieg zu Ende ist". Nach Einführung der Rentenmark 1924 sang er "Man wird ja so bescheiden" (Yt). Ganz richtig wird wohl vermerkt (Hans-Werner Kühl, 2006):
Chronologisch geordnet, vermitteln Reutters Couplets aufschlussreiche Einblicke in das gesellschaftliche Leben der Zeit wilhelminischer Hochkonjunktur. Im Unterschied zu Kabarettisten wie Rudolf Nelson u. a., die überwiegend für das Amüsement der mondänen Welt schrieben, wandte sich Otto Reutter mehr den alltäglichen Ereignissen und dem Leben der werktätigen Schichten zu.
Bis an sein Lebensende hielt "Reutters schöpferische Unruhe" an, wie es heißt:
Reutters Monatsgagen erreichten bald Caruso'sche Höhen. Sein Fleiß blieb indes der gleiche.
Der oben angeführte Liedtext macht nachdenklich und lässt sich auch noch etwas grundlegender geschichtlich einordnen. Heute ist ja erahnbar und erkennbar, dass der Erste Weltkrieg - ebenso wie der Zweite - von den Hintergrundmächten, die bis heute die Kriege weltweit schüren, nicht nur zum Ausbruch gebracht worden ist, sondern auch am "Laufen" gehalten worden ist über vier Jahre hinweg dadurch dass man die beiderseitigen Kräfte jeweils gut im Gleichgewicht zueinander gehalten hat.

So schlug man den Deutschen durch das "Wunder an der Marne" im Herbst 1914 den Sieg aus den Händen. Dadurch, dass man Ludendorff Ende August 1914 den Oberbefehl in Ostpreußen gab, schlug man auch den Russen den dortigen sicheren Sieg aus den Händen. 

Weiterhin verlängerte man den Krieg dadurch, dass man nun auf deutscher Seite erst im Herbst 1916 Erich Ludendorff den Oberbefehl über die deutsche Gesamtkriegsführung gab. Hätte er ihn früher erhalten, wäre der Krieg wesentlich früher - durch einen deutschen Sieg über Russland - zu Ende gewesen. Wäre er nur wenig später ernannt worden, wäre der Krieg wahrscheinlich ebenfalls - und zwar durch einen alliierten Sieg - zu Ende gewesen. Dann hätte es aber hinwiederum nicht zur Oktoberrevolution in Russland kommen können. Auch das Ringen zwischen der "Ermattungsstrategie" von Falkenhayns und der "Vernichtungsstrategie" Ludendorffs gehört in diese Zusammenhänge.

Man brauchte und braucht lange und die Völker schwächende und entnervende - "ermattende" - Kriege. Mit diesem Hintergrundwissen erhält das angeführte Lied von Otto Reutter aus dem Oktober 1915 natürlich noch einmal eine ganz andere Bedeutung. Es entstand jedenfalls aus Stimmungslagen heraus, die durch die von der damaligen deutschen, militärischen Führung bevorzugten "Ermattungsstrategie" hervorgerufen wurden.  
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  1. Lebensläufe - Otto Reuter. Ein Film von Hans-Jürgen Teske und Heike Stejskal. 30 Min., MDR 2011, https://www.youtube.com/watch?v=ndQeTS9IUIo

Samstag, 17. September 2016

Das steil absinkende Niveau der Zeitschrift der Ludendorff-Bewegung

Einige Worte zu dem Autor Dr. Josef Haas

Hier auf dem Blog ist über die merkwürdige Zeitschrift der Ludendorff-Bewegung, die Zeitschrift "Mensch & Maß", spätestens seit dem Jahr 2011 mancher kritische Artikel erschienen (1-3). Dabei sind seit 2013 auch mehrere in dieser Zeitschrift erschienene konkrete Artikel (4-7) kritisch besprochen, beurteilt und eingeordnet worden. Es war da - immer wieder - auf merkwürdige Dinge hinzuweisen. Zuletzt im Mai 2015.

Im Jahr seither - bis zum August 2016 - strotzte die Zeitschrift "Mensch & Maß" weiter von merkwürdigsten Dingen und Unmöglichkeiten. Um sie alle zu behandeln, ist die Zeit zu schade. Leser, die einigermaßen ihre Sinnen beeinander haben und nicht nur von Ressentiment, Verbitterung und Haß zerfressen sind, haben das längst selbst gemerkt. Viele werden es gar nicht mehr bemerken können, da sie - mit viel Recht - diese Zeitschrift längst abbestellt haben werden.

Viele Aufsätze der letzten Monate in dieser Zeitschrift - und zwar dem oberflächlichen Eindruck nach zunehmend mehr - stehen im Niveau derart niedrig, dass man es kaum glauben kann. Auf dieser Ebene jedenfalls bewegt sich neuerlich ein Aufsatz des Autors Josef Haas (8). Bei der Lektüre desselben fragt man sich mit zunehmendem Nachdruck, warum Autoren gerade dieser "untergehenden" Zeitschrift (denn die Leserzahlen sind doch stark rückläufig wie man annehmen darf) die "Stirn" haben, das Unmöglichste vom Unmöglichen zu veröffentlichen in derselben. Warum gerade in dieser? Finden sie keine andere? Warum werden gerade sie vom Schriftleiter dieser Zeitschrift ausgewählt?

Man ist zunehmend gezwungen, das als den groteskesten Hohn der Leserschaft gegenüber zu empfinden. Vielleicht ist das ja auch die Absicht. Der Leserschaft zu zeigen, was man ihr alles bieten kann, ohne dass sie "aufmuckt". Sollte das jedenfalls die Absicht sein, dann freilich macht man in dieser Zeitschrift alles richtig.

Das Verhalten etwa des inzwischen regelmäßig in der Zeitschrift veröffentlichenden Autors Dr. Josef Haas erinnert an das Verhalten des vormaligen Chefs des  Thüringer Verfassungsschutzes Helmut Roewer. Dieser hatte während seiner Amtszeit, in der der NSU ("Nationalsozialistische Untergrund") entstand und gefördert wurde, einmal ein merkwürdiges Bedürfnis, sich öffentlich in der Fußgängerzone von Weimar mit Erich Ludendorff auseinanderzusetzen. Indem er sich als solchen verkleidete. Es gibt halt Geheimdienstleute, die bauen zu ihren Beobachtungsgegenständen so ihre ganz besondere Haßliebe auf. Und diese muss sich dann auch irgendwann einmal - irgendwie - äußern. Immer nur Schweigen und Beobachten und schweigend reagieren (auf "das Leben der anderen") - da wird man halt auch ganz schön "gefordert". Und man muss es mal rauslassen, muss seinem Beobachtungsgegenstand irgendwann einmal zu fühlen geben, dass man auch noch "da" ist. Man hat - auch - bei Josef Haas das Gefühl, seine Artikel sind die Art und Weise, in der sich eine solche eigenartige Haßliebe dann äuußern kann, in der sie kund gibt, dass die auch noch "da" ist. Und zwar, so fühlt es sich an: schon "lange". Viel zu lange.

Otto Skorzeny ...

Abb.: "Mensch & Maß" (1981)
Da hatten wir auf unserem Paralellblog also einmal - eher aus zufälliger Anwandlung und eher in einem bloßen Seitenblick - im Jahr 2012 unsere uns selbst überraschende Hochachtung vor dem eigentlichen, nämlich dem deutschen "James Bond" zum Ausdruck gebracht. Nämlich vor dem Vorbild für die Romanfigur. Und das war Otto Skorzeny (1908-1975) (9). Wäre dies nicht geschehen, würden wir vielleicht auch auf den neuesten, abstoßenden Artikel von Josef Haas in "Mensch & Maß" (8) gar nicht weiter zu sprechen kommen wollen. Aber weil uns Otto Skorzeny durch den Artikel aus dem Jahr 2012 doch ein wenig ans Herz gewachsen ist, kann dieser neueste Artikel ausnahmsweise einmal nicht unkommentiert bleiben. 

Da haben also einige israelische Historiker und Zeitungen behauptet, Otto Skorzeny sei 1962 ein Auftragsmörder im Dienste des Mossad gewesen. Er habe sogar fünf Ägypter mit Paketbomben getötet. Das sind ja so die Verbrechen, für die der Mossad so seine Schuldigen suchen muss, damit ihm nicht selbst gar zu viel Schuld zugesprochen wird. Wenngleich inzwischen so viele Auftragsmorde ihm zugeschrieben werden, dass es auf einen mehr oder weniger wohl auch nicht mehr ankommen wird ...

Und jetzt ist natürlich jedermann "sehr erschüttert". Nachdem diese Behauptungen im März 2016 - geradezu wie auf Kommando - auch von den großen deutschen Tageszeitungen behandelt worden sind, wird über diese nun neuerdings auch auf dem Wikipedia-Eintrag zu Otto Skorzeny geschrieben. Aber doch immer noch mit der gebotenen Zurückhaltung und kritischen Distanz. Wo doch selbst einem Autor und Zeithistoriker wie Sven Felix Kellerhoff, dem ansonsten zutiefst zu mißtrauen ist, weil er - wie viele "Spiegel"-Historiker - in Büchern und Aufsätzen politische Morde und Geheimdienstätigkeit der Zeitgeschichte verharmlost und kleinredet, etwa nach dem Tenor:
Wenn sich die Dienste an Gesetze hielten, bräuchte man sie nicht,
wo also selbst ein solcher Autor gegenüber diesen abstrusen Behauptungen zurückhaltend bleibt und schreibt (Welt 3/2016):
Solange es die Autoren des "Haaretz"-Artikels allerdings bei vagen Schilderungen belassen, ist das kaum zu beurteilen. Zumal andere Details ihrer Story Zweifel an der Kompetenz ihrer Quellen stützen.
Selbst ein Sven Felix Kellerhoff also wahrt Distanz und Zurückhaltung in der Beurteilung dieser wahrhaft merkwürdigen Unterstellung.

... Er ist zu verabscheuen

Eine solche Distanz und Zurückhaltung ist nun freilich die Sache eines so abstoßenden Autors wie Josef Haas nicht. Sein Mund tropft vor Geifer über, es kann ihm gar nicht schnell genug gehen, nun endlich - endlich! :) - seinen schon lange gehegten Abscheu vor Leuten wie Otto Skorzeny zum Ausdruck bringen zu können. Und da läßt er sich dann gehen und schreibt:
In der Anschauungswelt der Nonkonformisten 
.... jener Nonkonformisten, nicht wahr, die Josef Haas eben bislang - sprachlos - beobachtet hat, nicht wahr?, und zu denen er keinesfalls gehörte und gehört ....
konnte sich (...) Otto Skorzeny ja sehr lange eines hohen Ansehens erfreuen.
Und wie musste man ständig innerlich aufbegehren gegen dieses Ansehen. Und konnte doch nichts sagen. Allerdings musste man es immerhin wissen, wenn man die "Nonkonformisten" beobachtet, nicht wahr? Haas also weiter ohne jede eigene innere Anteilnahme, ohne auch nur eine Spur menschlicher Enttäuschung zu zeigen, sondern mit klarer emotionaler Distanz, ja, eigentlich mit offen zur Schau getragenem Zynismus:
Und nun das! (...) Dennoch scheint diese Bluttat von Skorzeny begangen worden zu sein. (...) Hier kommen wahre Untiefen eines vermeintlichen Kriegshelden zum Vorschein, welcher sich - immer vorausgesetzt, die zionistische Presse hat nicht gelogen - ....
.... ja, ja, lieber Leser, und warum sollte sie auch lügen, nicht wahr, die - - - "zionistische Presse" (!!!) (aus der Sicht eines Nonkonformisten, bzw. "Nonkonformisten" wie Josef Haas ...) ...
durch seine verbrecherische Handlung für alle Zukunft selber moralisch diskreditiert und deswegen bei jedem noch anständig gebliebenen Deutschen jedwede Achtung oder gar Sympathie verloren hat. 
Aber darunter geht es nun gar nicht bei einem Autor wie Josef Haas. Der Geifer muss tropfen. Aber ja doch. Und dann geht es fröhlich weiter bei dem Herrn Josef Haas:
Diese totale Ächtung hat aber keinesfalls nur Otto Skorzeny verdient. Gleiches trifft auf Franz-Josef Strauß zu, den viele "Nationale" einst als "Retter Deutschlands" ansahen.
Aber natürlich, aber natürlich. Franz-Josef Strauß, eine ähnliche Ikonoe wie Otto Skorzeny. Irgendwie hat Herr Josef Haas doch nicht genau genug beobachtet. Irgendwie blieb er zu oberflächlich. Denn es stimmt schlichtweg nicht. Nicht "viele Nationale", sondern höchstens Leute wie Josef Haas, also Leute wie Armin Mohler. Oder Leute wie der damalige Münchener Erzbischof und nachmals tausendfache Pädokriminalität vertuschend habende Josef Ratzinger. Solche Leute, Herr Josef Haas, nicht wahr. Die sahen Franz-Josef Strauß als "Retter Deutschlands" an. Weil das irgendwelchen Stichwortgebern aus dem Hintergrund sehr genehm war. Das wissen wir schon. Es sind einem aber doch wenigstens Leserbriefe aus "Mensch & Maß" erinnerlich aus der Hochzeit des Franz Josef Strauß, die zeigen, dass damals in der Leserschaft dieser Zeitschrift - freilich: damals - solche Politiker keineswegs als Retter Deutschlands erachtet wurden.

Nein. Es ist schon wieder viel zu viel gesagt worden. Über einen Autor wie Josef Haas. Wer hören will und noch kann, hat schon genug gehört.

Ergänzung, 24.10.2016

Als ein Gegenbeispiel für den eben erörterten abartigen Aufsatz des Herrn Josef Haas kann neuerdings verwiesen werden auf einen in "Mensch & Maß" vom Oktober 2016 erschienen Aufsatz des Autors Gerhard Bracke (10). Dieser handel von den Kriegseinsätzen eines Kampfbomberpiloten des Zweiten Weltkrieges. Da derselbe - ein im April 2016 verstorbener Oberstudienrat a.D. namens Wilhelm Nolte - zugleich Anhänger der Philosophie Mathilde Ludendorffs war, würde dieser Aufsatz nicht zuletzt auch gut in die Rubrik dieses Blogs passen: "Lebensläufe von Ludendorff-Anhängern". Der Aufsatz von Bracke besticht durch seine gerade, stringente Sprache, durch seine knappe, auf das Wesentliche reduzierte, ganz und gar sachliche Darstellungsart. Welten liegen zwischen einem solchen Aufsatz und dem hier zuvor behandelten Aufsatz eines - Josef Haas.

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  1. Bading, Ingo: Die Antiquiertheit der heutigen "Ludendorff"-Bewegung - Eine in Alkohol eingelegte Subkultur? Studiengruppe Naturalismus, 1012.2011, http://studiengruppe.blogspot.com/2014/10/die-naturliche-verbindung-zwischen.html
  2. Bading, Ingo: Die "mißratene Tschandala"-Rasse - Ernsthaft behandelt in "Mensch & Maß" im Mai 2015. Studiengruppe Naturalismus,  30.5.2015, http://studiengruppe.blogspot.com/2014/10/die-naturliche-verbindung-zwischen.html
  3.  Bading, Ingo: "Ludendorffs fernöstlicher" - buddhistisch-imperialistischer - "Freund" - Schreibt ein Autor von "Mensch und Maß" auch für das Muslim-Forum? Auf: Studiengruppe Naturalismus, 1. Mai 2015, http://studiengruppe.blogspot.de/2015/05/ludendorffs-fernostlicher-buddhistisch.html
  4. Gramse, Falko: Otto der Große. Erster Kaiser des "Römisch-Deutschen Kaiserreichs." In: In: Mensch & Maß, Folge 9, 15.9.2013, S 417-430, Folge 10, 15.10.13, S. 493-500, Folge 11, 15.11.13, S. 534-541, Folge 12, 15.12.13, S. 590-594, Folge 1, 15.1.14, S. 18-29, Folge 2, 15.2.14, S. 62-76
  5. Heuermann, Hartmut: Martin Luther - der Lichtgestalt dunkle Seite. In: Mensch & Maß, Folge 9, 15.9.2014, S. 452-454
  6. Scharf, Johannes: Der Zorn des Odysseus - Wie Kleists Novelle "Der Findling" noch zu lesen ist ... In: Mensch & Maß, Folge 5, Mai 2015, S. 228-238
  7. Haas, Josef: Ludendorffs fernöstlicher Freund. In: Mensch und Maß, Folge 4, April 2015, S. 202-206 
  8. Haas, Josef: Die deutsche Krankheit. In: Mensch & Maß, Folge 8, August 2016, S. 411-414 
  9. Bading, Ingo: Otto Skorzeny, der "deutsche James Bond"  - Gefürchtet und bewundert von Geheimdiensten und Revolutionären auf der ganzen Welt. - Aber warum eigentlich? Auf: GA-j!, 30.5.2012, http://studgenpol.blogspot.de/2012/05/otto-skorzeny-der-deutsche-james-bond.html
  10. Bracke, Gerhard: Einsätze beim Kampfgeschwader 51 ("Edelweiß"). In: Mensch & Maß, Oktober 2016, S. 513-518

Sonntag, 28. August 2016

Erich Ludendorff in Fotografien des Jahres 1914

Für die öffentliche bildliche Wahrnehmung der Personen Erich Ludendorffs und Paul von Hindenburgs während des Ersten Weltkrieges spielten anfangs Gemälde und Fotografien eine wohl gleichwertige Rolle. Erst etwa ab 1916 trat die Rolle von Gemälden (Schlachtenpanoramen und Portraits) mehr in den Hintergrund. Diese Entwicklung in der öffentlichen Wahrnehmung Erich Ludendorffs sollt hier auf dem Blog in fünf Beiträgen mit allen erreichbaren Fotografien Erich Ludendorffs zu jedem Jahr des Ersten Weltkrieges zusammen getragen. Da aber die Bedeutung von Gemälden in den Anfangsjahren des Ersten Weltkrieges eine ähnliche war (wie sich bei der Bearbeitung dieser Beiträge herausstellte), werden diese gleichwertig (die schon in einem früheren Beitrag gesammelt wurden) nach und nach ebenfalls hier einzuarbeiten sein. Der vorliegende Beitrag behandelt das Jahr 1914.

Fotografien als historische Quelle

Fotografien können für sich genommen das unglaublich spannungs- und abwechslungsreiche Geschehen, das es im inneren und äußeren Leben Erich Ludendorffs ab dem Kriegsausbruch am 1. August 1914 gab, nicht wieder geben. Kein Menschenleben stand wie das Erich Ludendorffs vom ersten Kriegstag an so dicht im Zentrum der entscheidensten Ereignisse dieses Krieges. Da er sehr bald als "der" Fachmann schlechthin für militärische Erfolge in Deutschland galt, für den es an keiner Stelle und durch keine andere Person einen Ersatz gab, wurde er immer wieder ins Zentrum der Ereignisse gerufen. Andererseits wäre der Krieg schnell zu Ende gewesen, hätte man ihm von Anfang an freie Hand gelassen - wie das an sich nicht völlig unrealistisch hätte sein brauchen, war doch sein Chef Generalfeldmarschall von Moltke der Jüngere von der militärischen Begabung Ludendorffs schon vor 1914 überzeugt.

Dass der Krieg also überhaupt vier Jahre dauerte, ist darauf zurück zu führen, dass es immer wieder verhindert wurde, dass Ludendorff die kriegsentscheidensten Maßnahmen treffen konnte. Das wird in der Literatur behandelt im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung zwischen der "Ermattungsstrategie" von Falkenhayns und der "Vernichtungsstrategie" Ludendorffs.

Da Deutschland aus militärischer Unterlegenheit heraus einen Zweifrontenkrieg führte, konnte jeder Mißerfolg, jede Fehlentscheidung, die deutscherseits getroffen wurde, kurz-, mittel- oder langfristig zu einer Gesamtniederlage Deutschlands führen. Dieser Umstand erklärt die hohe Nervenspannung, unter der alle Entscheidungen fast vom ersten Kriegstag an zumindest durch Ludendorff getroffen wurden und auch die hohe Arbeitsanspannung, unter denen diese Entscheidungen getroffen wurden.

All diese Dinge spiegeln sich in den Fotografien selten so konkret wieder. Die Fotografien können deshalb das Studium von Kriegserinnerungen und geschichtlichen Darstellungen nur durch den visuellen Eindruck vervollständigen, ergänzen und erläutern. Wie auch sie selbst nur durch das Studium der Ereignisse (etwa von Ludendorffs "Meine Kriegserinnerungen" [1] und den Ludendorff-Biographien von Manfred Nebelin [2] oder Franz Uhle-Wettler) vollständig verständlich werden können.

Wolfram Pyta hat sich in seiner bedeutenden Hindenburg-Biographie in seinem Kapitel über "Die mediale Selbstinszenierung Hindenburgs" nur mit den vielen Malern beschäftigt, die nach dem Sieg in der Schlacht von Tannenberg nach Ostpreußen pilgerten, um Portraits Hindenburgs - und damit zugleich fast immer auch Ludendorffs - anzufertigen (1, 2). Er geht in seiner Biographie noch gar nicht ein auf Fotografen und Portrait-Fotografen, die ebenfalls nach Ostpreußen und später Kowno pilgerten, um Portraits Hindenburgs - und damit zugleich auch Ludendorffs - anzufertigen, auch Gruppenfotos ihres Stabes. Aber natürlich spielte auch die Fotografie in der medialen Inszenierung während des Ersten Weltkrieges eine wichtige Rolle. Wenig später (ab 1917) kam auch der Film hinzu, wozu hier auf dem Blog ebenfalls schon ein Beitrag erschienen ist.

Illustrierte oder Illustrierten-Beilagen brachten in jenen Jahren ausführliche Bildberichte über das Leben der Kaiser-Familie und prominenter Persönlichkeiten und so eben auch über das Leben Hindenburgs und Ludendorffs (auch über beider Privat- und Familienleben - etwa über Geburtsort, Eltern und Geschwister). In solchen Bildberichten sind viele der bekanntesten Fotografien der damaligen Zeit enthalten, die die öffentliche Wahrnehmung beeinflussten. Es haben sich bis heute aber auch Fotografien aus dem rein militärischen Umfeld erhalten, die Soldaten anfertigten und in ihre Erinnerungsalben klebten, und die bis heute im Wesentlichen die große Öffentlichkeit gar nicht erreicht haben. Fotografien beiderlei Herkunft werden in den genannten Beiträgen zusammen getragen. 

Zunächst eroberte Ludendorff in einem militärischen Handstreich die belgische Grenzfestung Lüttich.

26. bis 30. August 1914 - Die Schlacht von Tannenberg

Sodann wurde er nach Osten gerufen. Die erste von ihm geleitete Schlacht, nämlich die von Tannenberg dauerte vom 26. bis 30. August 1914. Sie endete mit einem überwältigenden Sieg der deutschen Truppen, der den weiteren russischen Vormarsch in Ostpreußen stoppte.

Abb. 1: Erich Ludendorff und Hindenburg besichtigen nach der Schlacht von Tannenberg das Kampfgebiet (etwa 30. August 1914) (entnommen: Morgenpost)
Die Schlacht von Tannenberg steht einzigartig in der Weltgeschichte da. Sie war eine Einkreisungsschlacht gegen eine russische Armee (diejenige Samsonows) bei gleichzeitiger Rückenbedrohung durch eine zweite russische Armee, nämlich diejenige Rennenkampfs. Erich Ludendorff schreibt in seinen Kriegserinnerungen (1, S. 45):
Ich konnte mich des gewaltigen Sieges nicht aus vollem Herzen freuen; die Nervenbelastung durch Rennenkampfs Armee war zu schwer gewesen. Wir waren aber stolz auf die Schlacht. Durchbruch und Umfassung, kühner Siegeswille und einsichtige Beschränkung hatten diesen Sieg zuwege gebracht. Trotz unserer Unterlegenheit im Osten war es gelungen, auf dem Schlachtfelde den feindlichen annähernd gleichstarke Kräfte zu vereinigen. Ich dachte an General Graf v. Schlieffen und dankte diesem Lehrmeister. (...) Es blieb keinen Augenblick Zeit, mich zu entspannen.
Die durch die Schlacht in Unordnung geratenenen militärischen Einheiten mussten neu aufgestellt und für die nächste Schlacht, nämlich die an den Masurischen Seen, bereit gestellt werden.

Ab 4. September 1914 - Die Schlacht an den Masurischen Seen

Abb. 2: Das AOK der 8. Armee in Ostpreußen im September 1914 (Wiki)
Über die Schlacht an den Masurischen Seen sagt Erich Ludendorff (1, S. 48ff):
Der Vormarsch gegen die Armee Rennenkampf begann am 4. September. (...) Die Leistungen der 8. Armee waren hervorragend. Der ganze Vormarsch, der in vier Tagen weit über 100 km gewann, war ein glänzender Siegeszug dieser durch lange Kämpfe und Anstrengungen aller Art hart mitgenommenen Truppen.
Abb. 3: Der Stab der 8. Armee beobachtet den Vorgang der deutschen Truppen in der Schlacht an den Masurischen Seen, September 1914
Diese Fotografie wird von Manfred Nebelin (2, S. 123) der Schlacht bei Tannenberg zugewiesen, scheint aber doch erst in der Schlacht an den Masurischen Seen entstanden zu sein.

Abb. 3: Stab der 8. Armee während einer Schlacht in Ostpreußen, Spätsommer 1914 (Wiki)
Von dem mit abgebildeten Verbindungsoffizier der österreichisch-ungarischen Armee, Fleischmann, sagt Ludendorff in seinen Kriegserinnerungen, dieser habe auch Klatsch an den damaligen Chef der österreichisch-ungarischen Armee weiter gemeldet, was nicht immer hilfreich gewesen sei.

Abb. 4: Der Stab der 8. Armee, Ostpreußen, Spätsommer 1914 (Wiki)
Max Hofmann am Scherenfernrohr.
Abb. 5: Paul von Hindenburg am Scherenfernrohr, im Hintergrund Ludendorff - Ostpreußen, Spätsommer 1914

14. September - In Insterburg


Abb.: Insterburg - Hotel Dessauer Hof
Über die Zeit nach der Schlacht an den Masurischen Seen schreibt Ludendorff (1, S. 53):
Wir hatten eine Reihe neuer Quartiere. In Nordenburg kamen wir das erste mal in einen Ort, der längere Zeit im Besitz der Russen gewesen war. Die Verschmutzung war dort unglaublich. Der Markt lag voll von Unrat. Die Stuben waren widerlich verunreinigt. In Insterburg wohnten wir im Dessauer Hof, in dem gleichen Quartier, das Rennenkampf vorher verlassen hatte. Auch der Großfürst Nikolai Nikolajewitsch soll erst sehr spät aus der Stadt abgefahren sein. (...) Die russische Armee hatte auf Ostpreußen schwer gelastet. Jetzt war es das stolze Gefühl, deutsches Land vom Feinde befreit zu haben. Der Jubel und die Dankbarkeit der Bevölkerung waren groß. Das Land ist nicht errettet worden, damit es unter fremdes Joch kommt. Vor solcher Schmach bewahre uns der Himmel.
Diese Worte Ludendorffs sind in den ersten Monaten des Jahres 1919 geschrieben, die Volksabstimmungen über den Verbleib Masurens und Westpreußens beim Deutschen Reich fanden erst 1920 statt. Vielleicht entstand das folgende Bild, dessen Ort und Datierung zunächst nicht bekannt sind, am 14. September in Insterburg.

Abb.: Der Stab OberOst im Familienkreis - vielleicht noch 1914 oder Sommer 1915? in Posen oder Ostpreußen?
Ludendorff schreibt weiter:
In Insterburg waren wir am 14. September im Vollgefühl des Sieges und großer Leistungen. Um so überraschender traf mich meine Versetzung als Chef der unter dem General v. Schubert in Breslau zu bildenden Südarmee. 
Die österreichisch-ungarische Armee war in Galizien so schwach, dass sie durch deutsche Hilfe gestützt werden musste. Ludendorff wurde nach Breslau gerufen, um dort die Leitung der 9. Armee zu übernehmen, die in Südpolen an der Seite der k.u.k.-Armee gegen die Russen vorgehen sollte. Ludendorff schreibt (1, S. 55, 57):
In dem Befehl, den ich am 14. abends in Insterburg bekam, war ausgeführt, dass zwei Armeekorps der 8. Armee die Südarmee in Oberschlesien zu bilden hätten. Das sah nur nach Abwehr und wie eine Schutzmaßnahme aus. Es genügte jedenfalls nicht, um die Lage in Galizien auch nur einigermaßen wiederherzustellen. Ich schlug (...) deshalb der Obersten Heeresleitung und auch noch General v. Moltke persönlich sofort vor, die Masse der 8. Armee (...) nach Oberschlesien und Posen zu senden. (...) Am 16. September früh traf ich in Breslau ein.

Ab 16. September 1914 - In Breslau

In Breslau wurde also das Armeeoberkommando 9 unter Hindenburg und Ludendorff zusammengestellt. Ludendorff bat seine Frau, nach Breslau zu kommen. Diese erlebte dadurch die dortigen Vorgänge der Einrichtung eines neuen Hauptquartiers und die Reaktion der deutschen Bevölkerung mit. Sie berichtet (3, S. 110 - 113):
Das Haupt-Quartier wurde später von Ostpreußen nach Schlesien herunter gezogen. (...) Als Hindenburg mit dem ganzen Stabe seiner Offiziere ankam, war das Hotel Metropole (wohl gemeint: Hotel Monopol) im Nu von einer hastig durcheinanderstürzenden Menge erfüllt. Offiziere, Ordonnanzen, Burschen: alle waren in größter Eile und in größtem Eifer. Dazwischen arbeiteten viele Postbeamte. Innerhalb von drei Stunden mussten dreißig verschiedene Telephon-Zentralen eingerichtet werden.
Draußen auf der Straße stand dicht gedrängt die Bevölkerung und tobte vor Begeisterung. Die Nationalhymne wurde gesungen und "Deutschland, Deutschland über alles". Immer wieder wurden Hindenburg und Ludendorff gerufen. Sie konnten sich nicht oft genug zeigen und wurden mit Blumen überschüttet. (...)

Gleich nach dem gemeinsamen Abendessen gingen die Herren wieder an die Arbeit, die sie bis Mitternacht festhielt. Ich sprach mit Ludendorff überhaupt nur bei diesen kurzen Mahlzeiten oder wenn er müde und abgespannt ins Zimmer trat, um sich zum Schlafen niederzulegen. Er hat während des Krieges nie Urlaub genommen. Wenn wir uns trafen, war es immer nur für Tage und Stunden.
Es handelt sich offenbar um das berühmte, auch kulturgeschichtlich bedeutsame Hotel Monopol in Breslau, das heute noch existiert (Wiki).

Abb.: Das Hotel Monopol in Breslau (1925)
In verschiedenen pädagogischen und anderen Zeitschriften und Schriften der Jahres 1914 und 1915 (z.B. "Abstrakte Begriffe im Denken und Sprechen des Kindes" [1914]; "Jugendliches Seelenleben im Krieg - Materialien und Berichte" [1915]; "Das Interesse der Schulkinder an den Unterrichtsfächern" [1915]) ist der folgende Bericht enthalten:
Von Hindenburgs Aufenthalt in Breslau schreibt ein Mädchen: "Noch will ich Dir erwähnen, dal's dieser Tage Generaloberst von Hindenburg in Breslau im Monopolhotel gewesen ist. Als er im Auto vom Bahnhof nach dem Hotel fuhr, wurde er jubelnd begrüßt. Vor diesem hatte sich eine große Menschenmenge gesammelt, welche Hochrufe auf die Heldentaten dieses berühmten Mannes ausbrachte. Meine Schwester sagte, dass er sich einigemale am Fenster blicken ließ, um den Leuten zu danken. Du kannst Dir ja denken, dass ich es sehr bedauert habe, ihn nicht gesehen zu haben. Von den Taten dieses großen Mannes ... "
Um die Pläne des weiteren Vorgehens gegen die Russen mit General von Falkenhayn zu besprechen, fuhr Ludendorff Ende Oktober 1914 nach Berlin (1, S. 73ff):
Es war ein neuer großer Entschluss zu fassen. Er konnte, wie mir immer klarer wurde, nur darin bestehen, starke Teile der Armee mit der Eisenbahn in die Gegend von Hohensalza und Thorn zu fahren und von dort längs der Weichsel in Richtung Lodz-Lowitsch gegen die Flanke des russischen Vormarsches vorzugehen, um ihn zum Stehen zu bringen. (...) Noch Ende Oktober hatte mich General v. Falkenhayn nach Berlin gerufen. (...) Es war noch alles in der Schwebe. (...) In Berlin kam ich mir vor wie in einer anderen Welt. Der Unterschied zwischen der ungeheuren Anspannung, die ich seit Kriegsbeginn durchlebt hatte, und dem Treiben in Berlin war zu gewaltig. Es herrschte Vergnügungs- und Genußsucht. Der Ernst gegenüber der schwierigen Kriegslage fehlte. Ich gewann einen unangenehmen Eindruck und fühlte mich fremd. Als ich wieder nach Tschenstochau zurückkam und mich im Kameradenkreise befand, war ich zufrieden. (...) Am 1. November hatte Seine Majestät den Generaloberst v. Hindenburg zum Oberbefehlshaber Ost unter gleichzeitiger Enthebung von der Stellung als Oberbefehlshaber der 9. Armee ernannt. (...) Ich blieb Chef bei Generaloberst v. Hindenburg. Die Mehrzahl meiner Mitarbeiter trat zum neuen Stabe. (...) Das Hauptquartier des Oberbefehlshabers Ost wurde nach Posen verlegt. Wir nahmen Quartier im Königlichen Schloß und sind dort bis Anfang Februar 1915 geblieben. Es war eine ungemein aufreibende und arbeitsreiche Zeit. Hier bildete sich das Leben heraus, das ich bis zu meiner Verabschiedung geführt habe.
Abb.: Kaiserschloss in Posen (zeitgenössische Postkarte)
Ab November 1914 - "OberOst" wird gebildet - Im Königlichen Schloß in Posen 

Über das Ende des Jahres 1914 schreibtErich Ludendorff (1, S. 87):
Im Schloß zu Posen entwickelte sich beim Stab ein harmonisches Leben, wir waren zusammengeschweißt durch gemeinsam getragene Sorgen, wie durch gemeinsam erworbenen Ruhm. Es bildete sich die Gewohnheit heraus, dass wir nach dem Abendessen noch eine Zeitlang zusammenblieben. Wir saßen dann um einen runden Tisch, auf dem eine Fächerpalme stand, ein Geschenk Ihrer Majestät, unserer Kaiserin, einer wahrhaft deutschen Frau, deren ich stes in tiefster Verehrung gedenke. Für mich war die kurze Stunde eine Zeit der Ruhe in der fast erdrückenden Arbeit dieser vier Kriegsmonate.
Die deutschen Truppen sollten mit Schwerpunkt in Südpolen Richtung Warschau vorgehen. Ludendorff schreibt (1, S. 77):
Je mehr ich mich in die uns bevorstehende neue Aufgabe hineindachte, je schärfer sich die Lage und die ungeheure Gefahr abzeichneten, desto klarer wurde mir der Entschluss, die in Tschenstochau beschlossene Operation falls möglich zu einem großen Vernichtungsschlage auszugestalten; der allein konnte uns endgültig retten. Es genügte nicht, den Feind nur zum Stehen zu bringen. 

10. November 1914 - Beginn der Operation auf Warschau

Die Verstärkungen aus dem Westen - aus Flandern - kamen von dort aber sehr abgekämpft, so dass ein Vernichtungsschlag gegen die Russen zu diesem Zeitpunkt unwahrscheinlicher wurde (1, S. 80f):
Die Mittel, die uns zu Beginn der Operation am 10. November zur Verfügung standen, waren unvollkommen. Trotzdem musste versucht werden, die russischen Kräfte im Weichselbogen nicht nur durch einen entscheidenden Schlag zum endgültigen Stehenbleiben und zum Verzicht auf die Fortsetzung des Vormarsches zu bringen, sondern sie vernichtend zu treffen. Dies gelang, wenn wir sie von Warschau abdrängten. Waren wir hierzu zu schwach, so mussten wir uns mit dem geringeren Ergebnis begnügen. Auch dies war ein gewaltiges.
So kam es dann auch. Die deutschen Truppen kamen bis vor Warschau, mussten dann aber Ende November wieder zurück genommen werden (1, S. 84):
Das große operative Ziel, die Vernichtung der russischen Armee im Weichselbogen, war nicht erreicht. Wir hatten nicht die nötige Kraft dazu gehabt.
In den Tagen, in denen sich dies herausstellte, werden die folgenden Fotografien von Ludendorff und seinem Stab vor dem Kaiserschloß in Posen (Wiki) entstanden sein.

Abb. 6: "Generaloberst von Hindenburg mit seinem Stab" (Berliner Illustrierte Zeitung, 29. November 1914)
Auf dem ersten, zumeist wiedergegebenen blickt Ludendorff sehr ernst.

Abb.: Ludendorffs Stab in Posen, Ende November 1914
(Wiki)(Bundesarchiv, Bild 146-1993-132-12A / CC-BY-SA 3.0)
Die Personen von links nach rechts: Rittmeister de la Croix, Major von Baehr, Hauptmann Moritz Fleischmann von Theissruck (östereichischer Verbindungsoffizier), Leutnant von Bismarck, Hauptmann Caemmerer, Ludendorff, Oberleutnant d. R. Markau, Hindenburg, Hauptmann Frantz, Max Hoffmann, Oberleutnant Steinide, Hauptmann von Walbow, Hauptmann von Bollrad-Bodelberg. Nur als der Fotograf einen anderen Blickwinkel wählt und den Stab offenbar durch heitere Bemerkungen zum Lächeln auffordert, löst sich unter den Beteiligten etwas die Stimmung.

Abb.: "Generalfeldmarschall von Hindenburg mit seinem Stabe" in Posen Ende November 1914
In der Zeitung vom 29. November 1914 wird Hindenburg noch "Generaloberst" genannt. Er war aber zwei Tage zuvor zum Generalfeldmarschall befördert worden, Ludendorff war gleichzeitig vom Generalmajor zum Generalleutnant befördert worden. (Dies blieb Ludendorffs Rang, bis er am 30. August 1916 zum "Ersten Generalquartiermeister" ernannt worden und dann als solcher tituliert worden ist.)

Abb.: Der Stab der 8. Armee im Schloß zu Posen, Ende November 1914
Der Stab steht auf der Treppe des früheren Haupteingangs des Schlosses im Innenhof, eine Treppe, an deren unterster Stufe heute eine Mauer grenzt (s. Wiki, a, b). Übrigens ist Ludendorff hier noch auffallend schlank.

27. November 1914 - Beförderung Ludendorffs vom Generalmajor zum Generalleutnant


Am 6. Dezember wurde Lodsch (Lodz) erobert (1, S. 85).

Abb. 2: "General v. Ludendorff - Generalstabschef in Hindenburgs Armee - Der Sieger von Lodz" (November/Dezember 1914)
Ludendorff schreibt über die Ostfront in der Zeit zum Jahresende 1914 (1, S. 87):
Ein gewaltiger Kampf war zu Ende. Neues war im Werden! Deutschland und Österreich-Ungarn waren von der Russengefahr geretttet. Alle Pläne des Großfürsten waren gescheitert. Sein Angriff auf die Ostgrenze Preußens, der Vormarsch auf dem westlichen Weichselufer und damit alle Hoffnungen der Entente auf eine siegreiche Beendigung des Krieges im Jahre 1914 waren zusammengebrochen. (...) Auch der zweite Teil des Feldzuges in Polen war eine Tat. Die Kriegsgeschichte kennt nur wenig Ähnliches. Unsere Truppen, die seit Anfang August dauernd im Kampf oder in Bewegung waren, hatten sich über alles Lob erhaben gezeigt. Sie hatten auh jetzt wieder eine beinahe doppelte Überlegenheit besiegt. Nur mit solchen Führern und Soldaten war es uns möglich gewesen, kühne Absichten auch gegen Übermacht in die Tat umzusetzen. Ehre und ewiges Gedenken der deutschen Armee des Jahres 1914!
Auf Wikipedia heißt es aber auch schon mit Blick auf das Jahr 1915 (Wiki: Ostfront):
Während und nach dieser Operation (in Polen Richtung Warschau) entwickelte sich die erste einer Reihe von schweren Auseinandersetzungen zwischen Oberost und der neuen OHL um Erich von Falkenhayn. Hindenburg, Ludendorff und deren wichtigster Mitarbeiter Max Hoffmann warfen Falkenhayn vor, durch die Verweigerung weiterer Truppenzuführungen und die Fortsetzung der deutschen Angriffe im Westen (→ Erste Flandernschlacht) eine kriegsentscheidende Niederlage Russlands verhindert zu haben. Falkenhayn bewertete die Situation dagegen weitaus zurückhaltender und hielt allenfalls ein Zurückdrängen der russischen Truppen auf Warschau für möglich.
Diese Auseinandersetzungen zwischen Ludendorff und Falkenhayn sollten auch das Jahr 1915 bestimmen.

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  1. Ludendorff, Erich: Meine Kriegserinnerungen 1914 - 1918. Verlag Mittler & Sohn, Berlin 1919
  2. Nebelin, Manfred: Ludendorff - Diktator im Ersten Weltkrieg. Siedler-Verlag, Berlin 2010
  3. Ludendorff, Margarethe: Als ich Ludendorff's Frau war. Hrsg. von Walther Ziersch. Drei Masken Verlag A.-G., München 1929 (Google Bücher)
  4. Pyta, Wolfram: Hindenburg. Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler. Siedler-Verlag, München 2007 

Erich Ludendorff in Fotografien des Jahres 1915

In diesem Blogbeitrag sollen Fotografien Erich Ludendorffs aus dem Jahr 1915 zusammen gestellt werden. Künftig werden die hier auf dem Blog in verschiedenen Beiträgen gesammelten Fotografien noch in konkreteren Bezug zu setzen sein zum jeweiligen Kriegsverlauf und den sonstigen historischen Zusammenhängen, in denen sie entstanden sind. Sie sollten also möglichst genau nach Datum und Örtlichkeit eingeordnet und erläutert werden.

Am 2. Januar 1915 schrieb Erich Ludendorff vom Schloss in Posen an den Generalfeldmarschall von Moltke, den Jüngeren, der nach seiner Ersetzung durch von Falkenhayn in Berlin im Ruhestand lebte (1, S. 199f):
Ich habe zu meinem großen Schmerz gestern zu Euer Exzellenz nicht kommen können. Ich war bis 3 Uhr festgehalten und musste dann zu meiner schwer leidenden Frau nach Schlachtensee hinaus, um endlich auch mit dem Arzt sprechen zu können. Um 7 Uhr Abend verließ ich Berlin, um noch rechtzeitig hier zu sein. Ich darf Euer Exzellenz von Herzen wünschen, dass Euer Exzellenz sich wieder zur vollen Geltendmachung durchringen. Der Herr v. Falkenhayn ist ein Unglück für uns, er ist ein Spieler sein Leben lang gewesen und kennt nur seinen Ehrgeiz, nicht das Vaterland. ich kann Euer Exzellenz versichern, dass ich und mit mir viele Andere mit Euer Exzellenz mitfühlen aus vollem dankbaren Herzen. ich verstehe den General von Lyncker nicht, dass er den Herrn v. Falkenhayn so stützt, sieht er denn nicht die Gefahr, die dadurch entsteht, sieht er denn nicht, wie sehr er dem Kaiser schadet. Der Reichskanzler weiß das alles und er tut nichts. Wer soll denn handeln, wenn es nicht der verantwortliche Mann macht. Ich höre so viele Stimmen aus der Armee, keiner hat Vertrauen zu diesem Mann, der uns nach Ypern geführt hat. Exzellenz kennen mein Empfinden, ich kann hassen und diesen Mann hasse ich.
Die Besprechung gestern in Berlin sollte eine Vereinbarung unserer nächsten Operationen darstellen. Viel ist nicht herausgekommen. 
Im Brief an denselben vom 9. Januar meldet er ihm, dass er zum Chef der Südarmee ernannt worden ist und in die Karpathen abreist. In den folgenden Briefen äußert Ludendorff sich immer wieder ganz abfällig über die österreichischen Generäle und Offiziere, auch über von Conrad:
Er ist ein gelehrter Offizier, kein großer Mann.
Oder:
Zudem verachte ich unsere Bundesgenossen vom Grund meiner Seele aus.
Abb.: Aus "Illustrierte Zeitung", Januar 1916

Mitte Februar 1915 - Das Hauptquartier wechselt nach Lötzen

Erich Ludendorff schreibt (1, S. 105):
Das Hauptquartier befand sich seit Mitte Februar in Lötzen. Für mich waren es bis Anfang April schwere Tage gewesen. Die Hoffnungen, die ich auf eine unmittelbare strategische Ausnutzung der Winterschlacht gehegt hatte, musste ich beiseite legen. (...) Der Entscheidung gegen Russland, und auf die kam es mir in meinem innersten Denken und Fühlen zunächst an, hatten wir uns aber doch nur um einen Schritt genähert. (...) Die einzelnen taktischen Lagen hatten meine volle seelische Spannkraft gefordert. Es läßt sich nicht alles auf dem Papier niederschreiben, das stolze Hoffen, das Zagen des Herzens, die Enttäuschung, das Durchringen zum Entschluss, Mißmut über dies und jenes. Es lassen sich nicht die Reibungen schildern, die in vielen Fällen zu überwinden waren, auch nicht das wiedergeben, was ich für die Truppen empfand, die bei ungünstigster Witterung die Anstrengungen des Winterfeldzuges zu ertragen hatten. Später erlebte ich in Lötzen bessere Tage. Unser Quartier und die Geschäftszimmer waren eng, ich habe mich aber in ihnen wohlgefühlt. Gern denke ich an jene Zeit in dem freundlichen ostpreußischen Städtchen zurück.

Abb. 1: "Ludendorff - Chef des Generalstabes der Ostarmee" (Postkarte, wohl Sommer 1915)

März 1915 - Der Portrait-Fotograf Nicola Perscheid

Wie schon im ersten Beitrag zu 1914 gesagt, kamen nicht nur Portraitmaler in Hindenburgs und Ludendorffs Hauptquartier im Osten (2), sondern auch Fotografen. Ein bedeutender deutscher Portrait-Fotograf der ersten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts, der auch in den Künstlerkreisen Berlins seinen Rang als Künstler behauptete, war Nicola Perscheid (1864-1930) (Wiki). Von ihm gibt es historisch recht einflussreiche Portrait-Fotografien etwa von dem Dramatiker Gerhart Hauptmann (1914), dem Maler Max Klinger (1915) oder dem Biologen Ernst Haeckel (1918).

Abb.: "Generaloberst Ludendorff im Kriegsjahr 1915 - Aufnahme von Nicola Perscheid" (wohl vor März 1915)
Auf Wikipedia heißt es über Perscheid:
Nicola Perscheids Arbeit war bei seinen Zeitgenossen beliebt und geachtet. Er ist auch heute noch dafür bekannt, meisterhaft die Persönlichkeit der Dargestellten in seinen Bildern herausgearbeitet und so im fotografischen Männerportrait einen Höhepunkt erreicht zu haben.
Und auch Perscheid hat während des Ersten Weltkrieges bekannte deutsche Militärpersonen porträtiert. Etwa das "Fliegerass" Manfred von Richthofen. Und dementsprechend dann "natürlich" auch Paul von Hindenburg (s. zum Beispiel Wikieanswers) und damit Erich Ludendorff.

Ungefähr im März 1915 entstand seine erste Portraitfotografie von Erich Ludendorff (DHM) (s. Abb.) Sie ist durch Postkarten recht gut zu datieren, die Verleger von ihnen verbreitet haben. Es gibt allerdings von dieser Fotografie sehr unterschiedliche Versionen. Perscheid scheint sie nachträglich bearbeitet und dadurch womöglich auch zu stark "stilisiert" zu haben, so dass Ludendorff darauf "steifer" und unnatürlicher wirkt als in der - vermutlich - ursprünglichen Fassung, die wir hier bringen. Die Verleger brachten auch Postkarten heraus, die Gemälde zeigten "nach" dieser Porträtfotografie ("General Ludendorff nach Originalaufnahme von N. Perscheid") (3). Im März 1916 entstand eine zweite Portraitfotografie Erich Ludendorffs durch Nicola Perscheid (siehe nächster Blogbeitrag).

Abb. 2: Erich Ludendorff an seinem Schreibtisch in Lötzen (in der Berliner Illustrierten Zeitung 1915)

1. April 1915 - Das "österreichisch-ungarische Jammervolk"

Am 1. April 1915 schreibt Ludendorff an Generalfeldmarschall Molke d. J. (1, S. 208):
Die kriegerischen Sorgen sind ja allerdings keineswegs gehoben, da Österreich immer mehr versagt und die österreichischen Generale Menschen sind, von deren Mehrzahl nur mit Verachtung gesprochen werden kann. Nicht gegen eine Überlegenheit kämpfen sie, sondern gegen eine Unterlegenheit und von dieser lassen sie sich angreifen und schlagen. (...) Ich habe überhaupt die Empfindung, dass alle unsere Stellen, auch die Diplomatie viel kräftiger mit diesem Jammervolk reden muss. (...) Weshalb sollen wir unser Schicksal mit diesem sterbenden Mann vereinigen. Von dem Hochmut und der Unfähigkeit macht man sich keinen Begriff und ich glaube nicht, dass Österreich-Ungarn je wieder ein Machtfaktor wird.
Am selben Tag schreibt er an Arthur Zimmermann (1, S. 210):
Die österreichische Truppe leistet keinen Widerstand oder richtiger der österreichische Reserveoffizier und das sind 60 bis 70 % schlägt sich nicht und lässt die Truppe im Stich. (...) Eine tiefe Erbitterung ist im Ostheer gegen die Österreicher und kann eine rücksichtsvolle Behandlung dieses Jammervolkes - verzeihen Sie den Ausdruck - nicht verstehen. (...) Ich habe da einen zu tiefen Blick in die österreichisch-ungarische vaterlandslose Verkommenheit getan. Ein Volk, das keinen Staatsgedanken hat, das den Begriff Vaterland nicht kennt, das richtet sich nicht auf, das ist verloren. (...) Den unberufenen Ratgeber spiele ich ungern, aber der tiefe leidenschaftliche Hass gegen dieses Jammervolk, die Liebe zum eigenen Lande lässt schließlich doch alle Bedenken zurücktreten.

Abb. 3: Hindenburg und Ludendorff auf dem Bahnhof in Lötzen in Erwartung eines Besuchers ihres Hauptquartiers (veröffentlicht in Illustrierte am 16. März 1915)
Auf der Abbildung 1 steht Erich Ludendorff als "Chef des Generalstabes der Ostarmee" noch sehr jugendlich wirkend und verwegen in der Landschaft Ostpreußens oder Litauens (vermutlich in Kowno, wohin er von Herbst 1915 bis Hochsommer 1916 "abgeschoben" war [1, S. 178ff]). In Abb. 2 sitzt Erich Ludendorff an seinem Schreibtisch in Lötzen in Ostpreußen. Abb. 3 zeigt Erich Ludendorff beim Empfang von Besuchern des Hauptquartiers in Lötzen in Ostpreußen auf dem Bahnsteig in Lötzen.

Abb. 4: Ludendorff und Hoffmann (Wiki), 1915 oder 1916
Abb. 4 zeigt Erich Ludendorff zusammen mit seinem engsten Mitarbeiter im Osten, Max Hoffmann, der ab 30. August 1916 dort auch auf Vorschlag Ludendorffs dessen Nachfolge antrat.

Abb. 5: "Wo die deutschen Siege entworfen werden: Der Generalstab im Osten beim Kartenstudium"
(In: Die Wochenschau, 3.7.1915)
Abb. 5 zeigt einen Blick in den Kartenraum des Hauptquartiers im Osten, ganz links Erich Ludendorff. Eine wichtige Rolle spielten auch die Telegrafen, bzw. Telefone, die im Raum verteilt sind.

2. Juli 1915 - Besprechung in Posen - "Zusehen wie gewurstelt wird mit des Volkes Kraft"

Erich Ludendorff plante eine Umfassungs- und Vernichtungsschlacht gegen die Russen, die in Polen standen. Um diesen Plan zu besprechen, kamen der Kaiser und Generalfeldmarschall von Falkenhayn nach Posen (5, S. 164f). Erich Ludendorff berichtet darüber in seinen Lebenserinnerungen aus Anlass des Besuches von Lötzen im Herbst 1927 (7, S. 111f):
Wir fuhren durch die Straßen von Lötzen und an dem Hause vorbei, in dem vom Februar 1915, d. h. nach der Winterschlacht in Masuren, bis nach der Einnahme von Kowno unser Hauptquartier gewesen war. Es war natürlich, dass auch hier viele Erinnerungen blitzartig durch mein Gedächtnis zogen; vor allem weilte es bei dem ernsten Tage, den ich während der Lötzener Zeit verleben musste. Es war dies der 2. 7. 1915 im Schloß in Posen. Hier wollte der Oberste Kriegsherr entscheiden, ob die Operation, die General v. Falkenhayn zur Fortführung der Kriegshandlung im Osten vorgeschlagen hatte, ein frontales Bedrängen der ins Wanken geratenen Front oder meine Absichten durchgeführt würden: Angriff mit dem Schwerpunkt auf und nördlich Kowno in Richtung Wilna und dann gleichzeitigem frontalen Nachdrängen weiter südlich. Der Generalfeldmarschall, der meine Ansichten vorgetragen hatte, wich indes vor den ersten Einwendungen des Kaisers zurück und meinte, welche Operation gewählt würde, wäre Gefühlssache. Der Kaiser entschied darauf natürlich für die Operation des Generals v. Falkenhayn. Zwischen mir und Generalfeldmarschall v. Hindenburg war durch sein Versagen eine ernste Spannung eingetreten. Sie glättete sich erst allmählich, nachdem ich auch die Versicherung erhalten hatte, ein solcher Vorfall würde sich nicht wiederholen.
Ludendorff schrieb noch eineinhalb Monate später, am 15. August, an Moltke d. J. (1, S. 219):
Ich schrieb nicht, weil zu viel Bitterkeit, zu viel Gift in mir aufgespeichert waren, allerdings auch noch sind. Wir wollten hier eine große Operation von Kowno herunter, um Russen tödlich zu treffen. Alles war eingeleitet, ein Teil der Truppen schon an Ort und Stelle, da kam der Befehl zur Bildung einer neuen Narewstoßgruppe und eine Zusammenkunft in Posen. (...) 8 Divisionen wollte ich haben, einige von der 9. Armee als Warschau gefallen war, einige von Mackensen, der so eng steht, dass er seine Kraft nicht verwerten kann, alles jedes wurde abgeschlagen. Wir sollen nur keinen Erfolg haben, mag sonst alles in die Brüche gehen. Mit schwachen Kräften griffen wir trotzdem Kowno an und operierten gewagt in Kurland. Sind aber zu schwach gelassen, um wirklich etwas zu machen. (...) Euer Exzellenz werden eine solche Operation von mir erwartet haben, vielleicht auch die Welt. Dass wegen Schuld anderer mein Ruf leiden muss, ist schwer für mich. Denn mein guter Name, das ist das einzige, das ich mir nehmen will, wenn Friede ist. (...) Zusehen zu müssen, wie gewurstelt wird mit des Volkes Kraft, das ist unendlich schwer. 

August 1915 - Warschau und Nowo Georgiewsk erobert

Abb.: "Im eroberten Nowo Grodiesk - Der Kaiser besichtigt die eroberten Gechütze"
Erich Ludendorff schreibt über sein betont sorgfältiges Ausführen der Befehle der Obersten Heeresleitung, auch wenn er dies für "Wursteln" hielt, weil es sich um ein bloß frontales Zurückdrängen der russischen Armeen handelte, folgendes und erläutert damit zugleich auch das damals entstandene Gemälde des Historien- und Schlachtenmalers Erst Zimmer (Bamberg) "Der Kaiser verleiht den Helden von Nowo Georgiewsk das Eiserne Kreuz" (1, S. 119-121):
Die 9. Armee besetzte am 5. August die Hauptstadt Polens. Die Armee schied aus unserem Befehlsbereich aus und trat unmittelbar unter die Oberste Heeresleitung. (...) Für mich erwuchs hieraus keine Vereinfachung. (...) Die Einnahme von Warschau erfüllte uns mit besonderer Genugtuung. Hatten wir doch im Herbste 1914 schwer darum gerungen. Durch jene Feldzüge war die Grundlage zu den jetzigen Erfolgen gelegt, für die die Besetzung Warschaus das äußere Wahrzeichen bildete. (...) Inzwischen waren Serotzk und Segershe, auch Dombe gefallen, die Einschließung von Nowo Georgiewsk auf allen Seiten beendet. General v. Beseler war vom Generalfeldmarschall mit der Einnahme der Festung betraut worden. Die von der 9. und 12. Armee vor Nowo Georgiewsk eingesetzten Truppen wurden ihm unterstellt. Auch erhielt er eine größere Zahl schwerster österreichisch-ungarischer Steilfeuergeschütze. Die Weisungen für die Wegnahme von Nowo Georgiewsk, die einheitliche Leitung der 8. und 10. Armee, der Angriff auf Kowno, die Verhältnisse in Litauen udn Kurland stellten weiterhin hohe Anforderungen an meinen Stab und mich. (...) Es kamen Meinungsverschiedenheiten mit dem General v. Falkenhayn hinzu, wie sie bei selbständigen Charakteren nur zu natürlich sind, die mir aber die besondere Verpflichtung auferlegten, von den meinigen abweichende Gedanken der Obersten Heeresleitung wenn möglich mit noch größerer Sorgfalt zur Tat umzusetzen, als übereinstimmende oder eigene.
Die Weggnahme von Nowo Georgiewsk berührte die Fortsetzung der Operationen nicht unmittelbar. Sie war eine Handlung für sich im Rücken der nach Osten vordrängenden Armeen. General v. Beseler, der Bezwinger Antwerpens, und sein überaus tatkräftiger Chef, Oberst v. Sauberzweig, bürgten dafür, dass jeder Gedanke an eine sogenannten Belagerung mit allen ihren Umständlichkeiten abgewiesen wurde. Schon eine Einschließung hätte Nowo Georgiewsk zu Fall gebracht. Die 80.000 Mann Kriegsbesatzung der Festung konnten sich nicht lange behaupten. Es ist erstaunlich, dass der Großfürst es hierauf ankommen ließ, während später Brest-Litwosk und Grodno aufgegeben wurden. Er musste sich sagen, dass die Festung nicht zu halten und der Zustand der Werke wirklich nicht ausreichend war, schwerem Steilfeuer zu widerstehen. (...) Unsere Truppen, die im wesentlichen nur aus Landsturm und Landwehr bestanden, fassten fest zu; Nowo Georgiewsk fiel am 19. August. Seine Majestät der Kaiser besichtigte gleich darauf die Festung und dankte den Truppen. Der Generalfeldmarschall und ich waren dazu befohlen. Ich konnte mich von der verheerenden Wirkung der schweren Artillerie ebenso überzeugen, wie von der schlechten Bauart der Werke. (...) Das russische Generalgouvernement Polen war Ende August ganz in den Händen der Verbündeten. (...) Es entstand das deutsche Generalgouvernement Warschau. (...) Nowo Georgiewsk wird vielleicht die letzte Gürtelfestung gewesen sein, die nach einer Einschließung genommen wurde. Nicht dass ich an Abrüstung glaube. Über diesen Wahn wird die Welt recht bald belehrt wurden.
In der Tat. Ludendorff sollte nur zu recht behalten bezüglich dieser Worte, die er in der ersten Jahreshälfte 1919 nieder schrieb. Und weiter:
Die Menschheit kommt, man mag dies bedauern, nie dahin. Aber die Zeit der Gürtelfestungen ist vorüber. Sie kann der modernen Artillerie und deren ungeheuren Munitionsmengen Gleichwertiges nicht entgegenstellen und muss erliegen. Landesbefestigungen werden nötig bleiben, sie werden aber mehr den Charakter lang ausgedehnter Grenzstellungen tragen.
Über die Belagerung von Nowo-Georgiewsk gibt es auch einen eigenen Wikipedia-Artikel (Wiki). Der Kaiser telegrafierte damals an den Reichskanzler Bethmann-Hollweg:
Dank dem gnädigen Beistand Gottes und der bewährten Führung des Eroberers von Antwerpen, Generals v. Beseler, sowie der heldenhaften Tapferkeit unserer prächtigen Truppen und der vortrefflichen deutschen und österreichisch-ungarischen Belagerungsarmee ist die stärkste und modernste russische Festung, Nowo-Georgiewsk, unser. Tief ergriffen habe ich eben Meinen braven Truppen Meinen Dank ausgesprochen, sie waren in prachtvoller Stimmung. Eiserne Kreuze ausgeteilt. Alles Landwehr und Landsturm. Es ist eine der schönsten Waffentaten der Armee. Die Zitadelle brennt, lange Kolonnen Gefangener begegneten Mir auf Hin- und Rückfahrt. Dörfer meist von Russen auf Rückzug total zerstört. Es war ein erhabener Tag, für den ich in Demut Gott danke.
Wie deutlich wurde, dachte Erich Ludendorff über dieses zwar - äußerlich erfolgreiche - "Wursteln" anders. Er sah nur, dass die russische Armee durch solche Erfolge eben immer noch nicht vernichtet und Rußland nicht friedenswillig war. Und das angesichts des schweren Ringen mit Frankreich und England an der Westfront. Das Gemälde von Ernst Zimmer findet sich auch auf dem Wikipedia-Artikel "Liste von Gemälden und Grafiken zum Ersten Weltkrieg" (Wiki). Über Ernst Zimmer (1864-1924) ist zu erfahren (AntikBayreuth):
Ernst Zimmer erlangte als Deutscher Schlachtenmaler des 1. Weltkrieges große Berühmtheit.
Seine Bilder muten allerdings ein wenig kitschig an und gehören für uns eher in die Kategorie "Kunst, Kitsch und Krempel", eine Kategorie, die aber nichtsdestotrotz für die öffentliche Wahrnehmung Erich Ludendorffs von Seiten der Zeitgenossen keineswegs vernachlässigt werden darf. Zumal für historische Vorgänge, von denen es sonst nur wenig überlieferten Fotografien zu geben scheint. Von der Einnahme von Nowo Georgiewsk wurden aber sogar Filmaufnahmen angefertigt und vorgeführt (Yt).

..

Unter den zahlreichen Fotografien der eroberten Festung hat sich auch eine erhalten "Kaiser besichtigt eroberte Geschütze". Man darf annehmen, dass sich auf dem Foto in Begleitung des Kaisers auch Hindenburg und Ludendorff befunden haben werden neben dem General von Beseler.

Abb.: Ernst Zimmer: "Der Kaiser verleiht den Helden von Nowo-Georgiewsk das Eiserne Kreuz" (19. August 1915)
Auch der Münchner Militärmaler Anton Hoffmann (1863-1938) (Wiki, GermanArtGallery) wohnte der Szene bei.

Abb.: Prof. Anton Hoffmann - "Der Kaiser in Nowo-Georgiewsk"
/./

August 1915


Abb.: Das Hauptquartier des Oberbefehlshabers Ost, in: Illustrirte Zeitung, Leipzig, 19. August 1915 (Wiki)
Diese Fotografie entstand offenbar in Lötzen. Hier sind abgebildet von links nach rechts (lt. Wiki): Rittmeiser Steinicke, Hauptmann v. Waldow, Hauptmann Drück, Hauptmann Hofmann, Major v. Baehr, Generalleutnant Ludendorff, Major Caemmerer, Generalfeldmarschall v. Hindenburg, Rittmeister de la Croix, Oberstleutnant Hoffmann, Oberstleutnant Rostock, Major v. Bockelberg, Rittmeister Freiherr v. Maltzahn, Prinz Joachim v. Preußen (der als Einziger die Uniform richtig trägt)

Abb. 6: "Generallt. Ludendorff - Chef d. Gen.St. O.B.O. (Hindenburg)" (undatiert, 1915 oder 1916) (Herkunft: Ebay 4/2014)
Abb. 6 zeigt den Generalleutnant Ludendorff als "Chef des Generalstabes des Oberbefehlshabers Ost (Hindenburg)" noch einmal recht jugendlich und verwegen wohl auf einem Gutshof stehen. Vielleicht auch in Kowno. Im Hintergrund sind wohl einquartierte Soldaten zu sehen. Die genauere Einordnung solcher Fotografien nach Örtlichkeit und Datum wird wohl am leichtesten über die Durchsicht von damaligen Illustrierten möglich sein.

Ab 21. Oktober 1915 in Kowno

Erich Ludendorff schreibt in seinen Kriegserinnerungen (1, S. 138f; s.a. 5, S. 191):
Um im Lande und den Armeen näher zu sein, gingen wir Ende Oktober nach Kowno. Der Generalfeldmarschall, die Herren des Generalstabes und ich fanden Unterkunft in zwei Villen, die Herrn Tillmanns gehörten, einem Deutschen, dessen Familienname unter den Deutschen Rußlands einen guten Klang hatte. Er selbst war seit Beginn des Krieges in Deutschland. Der Generalfeldmarschal, Oberst Hoffmann und ich wohnten zusammen in der einen Villa. In ihr aß auch der engere Stab. Ich habe viele Stunden in diesem Hause verlebt, es steht fest in meinem Gedächtnis. Die Geschäftszimmer des Stabes waren in dem Militärgouvernementsgebäude. (...) Die Räume waren groß, für unsere Zwecke geeignet und in dem kommenden Winter gut heizbar.

Kowno ist der Typ einer russischen Stadt mit niedrigen, unansehnlichen Holzhäusern und verhältnismäßig breiten Straßen. Von den Höhen, die die Stadt eng umschließen, hat man einen interessanten Blick auf die Stadt und den Zusammenfluß des Njemen mit der Wilija. Jenseits des Njemen liegt der Turm eines alten deutschen Ordensschlosses als ein Zeichen deutscher Kulturarbeit im Osten. (...) Ich hörte dort auf fremder Erde zum ersten Male als Kirchenlied die schöne, alte Weise:
Ich hab mich ergeben
mit Herz und mit Hand
Dir Land voll Lieb' und Leben
mein deutsches Vaterland.
Ich war tief ergriffen. Dies Lied sollte jetzt sonntäglich in allen Kirchen gesungen werden und fest in jedes deutschen Mannes Herz eingegraben sein.

12. Dezember 1915 - Parade der 10. Armee vor Kaiser Wilhelm II. in Wilna

Am 12. Dezember 1915 besuchten der Kaiser und sein Sohn, Prinz Oskar, Wilna, wo eine Parade der 10. Armee abgehalten wurde. Bei diesem Anlass entstand eine Fotografie, die sich in der Fotosammlung des Kaisers Wilhelm II. im Haus Doorn findet. Auf dieser Fotografie sind zu sehen "Prinz Oskar, Exzellenz Wegner, Exzellenz von Müller und General Ludendorff".

Abb.: Generalleutnant Ludendorff (E. Hoenisch, Hofphotograph, Leipzig)
Eine weitere Portraitfotografie aus dem Jahr 1915 stammt von dem Hoffotografen E. Hoenisch aus Leipzig (s. Abb.). Im Vergleich zu den Folgejahren gibt es Fotografien von Erich Ludendorff aus dem Jahr 1915 nicht sehr viele. Die bildliche Darstellung Ludendorffs (und Hindenburgs) erfolgte im Jahr 1915 in der deutschen Öffentlichkeit in wohl mindestens gleicher Wertigkeit über volkstümliche Darstellungen, die hier auf dem Blog schon in einem anderen Beitrag gesammelt worden sind (3).
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  1. Zechlin, Egmont: Ludendorff im Jahre 1915. Unveröffentlichte Briefe. In: ders.: Krieg und Kriegsrisiko. Düsseldorf 1979, S. 192ff
  2. Pyta, Wolfram: Hindenburg. Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler. Siedler-Verlag, München 2007
  3. Bading, Ingo: Künstler porträtieren Erich Ludendorff. Studiengruppe Naturalismus, 2012, http://studiengruppe.blogspot.com/2012/01/kunstler-portratieren-erich-ludendorff.html
  4. Bading, Ingo: Ludendorff-Verehrung zwischen "Kunst, Kitsch und Krempel". Studiengruppe Naturalismus, 10.3.2013, http://studiengruppe.blogspot.com/2013/03/ludendorff-verehrung-im-bereich-von.html 
  5. Ludendorff, Erich: Meine Kriegserinnerungen 1914 - 1918. Verlag Mittler & Sohn, Berlin 1919
  6. Nebelin, Manfred: Ludendorff - Diktator im Ersten Weltkrieg. Siedler-Verlag, Berlin 2010 
  7. Ludendorff, Erich: Vom Feldherrn zum Weltrevolutionär und Wegbereiter Deutscher Volkschöpfung. Meine Lebenserinnerungen, Bd. II, 1926 bis 1933. Verlag Hohe Warte, Stuttgart 1951

Erich Ludendorff in Fotografien des Jahres 1916

In diesem Blogartikel sollen Fotografien Erich Ludendorffs aus dem Jahr 1916 zusammen gestellt werden. Zu dem Sinn einer solchen Zusammenstellung ist schon im vorigen Beitrag einiges gesagt worden.


Abb. 1: Erich Ludendorff am Schreibtisch (ohne Datum, ohne Ort), wohl 1916
Abbildung 1 zeigt Erich Ludendorff am Schreibtisch. Laut Bildarchiv des Bundesarchives war es im Original beschriftet: "Generalquartiermeister Ludendorff in seinem Arbeitszimmer im Großen Hauptquartier". Danach wäre es erst in die zweite Hälfte des Jahres 1916 oder später zu datieren (das Bundesarchiv datiert es auf das Jahr 1918).

Abb. 2: Das Wohnzimmer Erich Ludendorffs in Kowno (ohne Datum) (aus dem Erinnerungs-Album eines Leutnants, der in Kowno Dienst tat) (Herkunft: Ebay 10/2013)
Abbildung 2 zeigt das Wohnzimmer Erich Ludendorffs in Kowno. (Das Foto stammt aus dem Erinnerungsalbum eines Leutnants, der 1916 in Kowno Dienst tat. Aus diesem Album folgen hier im Beitrag noch weitere Fotografien.

Abb.: "Prinz Heinrich, Generalfeldmarschall v. Hindenburg, Generalfeldmarschall v. Eichhorn in Kowno" (aus dem Erinnerungs-Album eines Leutnants, der in Kowno Dienst tat) (Herkunft: Ebay 10/2013)
Wohl im Winter 1915/16 weilten die Prinzen Heinrich und der Generalfeldmarschall von Eichhorn in Kowno als Besucher.
Abb.: Hindenburg und Ludendorff empfangen oder verabschieden einen Besucher, wohl auf dem Bahnhof in Kowno, vielleicht den Generalfeldmarschall von Eichhorn (aus dem Nachlass von Hans Tröbst)

Mitte März 1916 - In Berlin

Am 2. März 1916 schrieb Erich Ludendorff zwecks Verabredung mit dem Parteiführer der Nationalliberalen Partei (zit. n. 2, S. 205):
Ich (werde) vom 11. bis 14. III. In Berlin sein. Hochzeit des Prinzen Joachim. Einsegnung meiner Tochter und verschiedene Rücksprachen mit Berliner Behörden. (…) Ich wohne Kurfürstenstraße 112 und halte es nicht für ausgeschlossen, dass ich beobachtet werde. Ich bitte deshalb, dass sich die Herren ohne Namensnennung bei mir anmelden.

Portrait-Fotograf Nicola Perscheid

Spätestens Anfang März 1916 entstand eine zweite Portraitfotografie Erich Ludendorffs von Seiten des (schon im vorhergehender Blogbeitrag erwähnten) Porträt-Fotografen Nicola Perscheid (MKG Hamburg) (s. Abb. 3).

Abb. 3: Erich Ludendorff - Portraitfotografie von Nicola Perscheid (spätestens Anfang März 1916)
Von dieser zweiten Ludendorff-Fotografie Perscheids brachte ein Verleger eine Postkarte heraus, auf der der Schriftzug Ludendorffs aufgedruckt stand (s. Abb. 3a):
Unverzagt durch!
G.Q. Ost, den 5.3.16
Ludendorff,
Generalleutnant
Postkarten mit solchen Schriftzügen gab es damals auch von Hindenburg und anderen militärischen Führern, bzw. vom Kaiser. Sie waren also nichts Ungewöhnliches und sind nicht als etwas zu betrachten, was etwa für Ludendorff damals besonders kennzeichnend gewesen wäre. Eher für die Art der Inszenierung in der damaligen Zeit.

Abb.: "Unverzagt durch! H.Q. Ost, den 5.3.1916 Ludendorff" (Postkarte)
(Nachdem Erich Ludendorff mit Hindenburg ab dem 30. August 1916 die dritte Oberste Heeresleitung bildete, wurde dieselbe Fotografie verbreitet mit dem Titel: "General der Infanterie Ludendorff der erste Generalquartiermeister. Neueste Aufnahme nach dem Leben von Nicola Perscheid".)

7. April 1916 - Das 50. Dienstjubiläum Hindenburgs

Am 7. April 1916 feierte Paul von Hindenburg sein 50. Dienstjubiläum. Aus diesem Anlass entstanden mehrere Fotografien (betitelt "in Kowno am 7. April 1916", siehe: 5) (eine solche wird aber vom Bildarchiv des Bunddesarchivs wohl falsch auf den Herbst 1916 datiert).

Abb.: Das 50. Dienstjubiläum Hindenburgs in Kowno am 7. April 1916 (Wiki)
Ludendorff berichtet (1, S. 255):
Anfang April 1916 wurde in Kowno das 50jährige Dienstjubiläum des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg gefeiert. Ich hielt eine kurze Ansprache und sagte dabei ohne jede weitere Ausführung, dass der Generalfeldmarschall in seinem ersten Dienstjahre am Feldzuge 1866 teilgenommen habe. Kaum waren meine Worte irgendwo gedruckt, als ich ein Schreiben des Reichskanzlers v. Bethmann bekam, meine Rede wäre in Wien übel vermerkt, da ich den Feldzug 1866 erwähnt habe.

Abb.: Das 50. Dienstjubiläum Hindenburgs in Kowno am 7. April 1916
Wohl mindestens zwei Fotografien zeigen Hindenburg und Ludendorff in der Nähe ihrer Villa in Kowno. 

Abb. 4: Das 50. Dienstjubiläum Hindenburgs am 7. April 1916 in Kowno

Vermutlich sind an diesem Tag auch Gruppenaufnahmen des Stabes in Kowno gemacht worden, gegebenenfalls die folgende.

Abb.: Der Stab in Kowno vermutlich aus Anlass des 50. Dienstjubiläums Hindenburgs am 7. April 1916

Aus dem Erinnerungsalbum eines Landwehr-Leutnants (1916)

Das Fotoalbum eines schon erwähnten - namentlich nicht bekannten - Landwehr-, bzw. Landsturm-Leutnants, der von März 1916 bis Anfang 1917 in Kowno Dienst tat - danach an anderen Stellen der Ostfront - ist im Oktober 2013 bei Ebay zum Verkauf gelangt. In diesem findet sich auch das folgende Foto von Ludendorffs Stab in Kowno (Abb. 5).

Abb. 5: "S.E. Ludendorff, General Hoffmann und der Stab in Kowno"
 (aus dem Erinnerungs-Album eines Leutnants, der in Kowno Dienst tat)
(Herkunft: Ebay 10/2013)
Soweit übersehbar, hat diese Fotografie noch keine weite Verbreitung in der Literatur gefunden (?). Auf ihm steht in der Mitte Erich Ludendorff, links von ihm Hoffmann und um sie herum weitere Offiziere seines Stabes. Zu diesem Foto passt auch ein anderes, dessen Betitelung aber höchstens kurze Zeit gültig gewesen sein dürfte (Abb. 6).

Abb. 6: General Ludendorff mit seinem Stab (vermutlich in Kowno)
Denn als "Erster Generalquartiermeister" hatte Ludendorff ja ab 30. August 1916 nicht mehr Max Hoffmann als engsten Mitarbeiter.

29. Mai 1916 - Besuch des Kaisers in Kowno

"Jeden Tag Besuch hier", hatte Max Hoffmann bereits in Lötzen in seinem Tagebuch vermerkt und der Ludendorff-Biograph Nebelin knüpft daran an (2, S. 191):
Tatsächlich setzten alle, die im wilhelminischen Deutschland Rang und Namen hatten, ihr möglichstes daran, in die dem Fabrikanten Rudolf Tillmanns gehörende Villa (...) eingeladen zu werden und nach dem Abendessen an dem berühmten runden Tisch in Hindenburgs Salon Platz nehmen zu dürfen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich das Gästebuch wie ein Auszug aus Degeners "Wer ist's?" liest. Neben den Mitgliedern des preußischen Königshauses sowie anderer Dynastien (König Friedrich August III. von Sachsen, Großherzog Friedrich II. von Baden, Herzog Ernst Günther zu Schleswig-Holstein, Herzog Ernst August zu Braunschweig und Lüneburg) waren es vor allem Militärs, Politiker und Industrielle, welche Kontakt zu Hindenburg und Ludendorff suchten.
Tirpitz und Staatssekretäre wie Helfferich, Wilhelm Solf, Theodor Lewald, Arthur Zimmermann, sowie Industrielle wie Emil Kirdorf, Walther Rathenau und Hugo Stinnes waren Gäste wie Nebelin aufzählt. Erst am 29. Mai 1916 kam der Kaiser selbst das erste mal nach Kowno.

Abb.: "Hindenburg und Ludendorff erwarten S.M." (wohl 29. Mai 1916 in Kowno) (ganz links Max Hoffmann)
Eine Fotografie "Hindenburg und Ludendorff erwarten S.M." ist vermutlich aus diesem Anlass entstanden (wenn die Hügel im Hintergrund zu Kowno passen, allerdings ist hier der rote Teppich länger als auf den Folgefotografien). Aus Anlass des 50. Dienstjubiläums Hindenburgs kam der Kaiser am 29. Mai 1916 nach Kowno. Er wurde begleitet von Falkenhayn (2, S. 191).

Abb.: Ankunft des Kaisers in Kowno am 29. Mai 1916 (aus dem Nachlass von Hans Tröbst)
(Übrigens feierte Erich Ludendorff sein eigenes fünfzigstes Dienstjubiliäum ohne alle öffentliche Aufmerksamkeit - wohl - im Jahr 1933. Nur der Deutsche Kronprinz Wilhelm erinnerte sich Ludendorffs und kam zu jenem Anlass zu Besuch.) Die bei der Begrüßung des Kaisers am 29. Mai 1916 auf dem Bahnhof in Kowno entstandenn Fotos sind sehr aussagekräftig.

Abb.: Ankunft des Kaisers in Kowno am 29. Mai 1916 - ganz rechts Falkenhayn (aus dem Nachlass von Hans Tröbst)
Hindenburg begrüßt den Kaiser, Falkenhayn steht abwartend daneben.

Abb.: Ankunft des Kaisers in Kowno am 29. Mai 1916 - ganz rechts Falkenhayn im Gespräch mit Ludendorff (aus dem Nachlass von Hans Tröbst)
Nachdem auch Ludendorff den Kaiser und Falkenhayn begrüßt hat, wendet sich der Kaiser den anderen begrüßenden Herren zu, während Falkenhayn - nach seiner oft kritisierten Art: ein wenig süffisant herablassend - ein Gespräch mit seinem Rivalen und nachmaligen Nachfolger Ludendorff beginnt. Die Fotos stammen aus dem Nachlass des einstmaligen preußischen Offiziers, Journalisten und Ludendorff-Anhängers bis 1926 Hans Tröbst.

Juni 1916 - Herzog Ernst-August in Kowno

In dem Album des namentlich unbekannten, schon erwähnten Landwehr-Offiziers finden sich Fotos von dem Besuch des Herzogs Ernst-August von Braunschweig-Lüneburg zusammen mit dem Prinzen Joachim von Preußen in Kowno im Juni 1916.

Abb. 7: "Ehrenkompagnie für Herzog Ernst-August"
 (aus dem Erinnerungs-Album eines Leutnants, der in Kowno Dienst tat)
(Herkunft: Ebay 10/2013)
Auch beim vorhergehenden Kaiserbesuch wird natürlich eine Ehrenkompagnie angetreten gewesen sein wie sie auf dieser Abbildung für den Empfang von Herzog Ernst-August angetreten ist.

Abb. 8: "Herzog Ernst-August, Prinz Joachim von Preußen, S. E. von Hindenburg, Ludendorff, Juni 1916 in Kowno"
 (aus dem Erinnerungs-Album eines Leutnants, der in Kowno Dienst tat) (Herkunft: Ebay 10/2013)
Abbildung 8 zeigt Hindenburg, im Hintergrund Ludendorff, zusammen mit den Besuchern auf dem Weg aus dem Bahnhof heraus. Nebelin schreibt (2, S. 192):
Nicht wenige Besucher verließen Kowno mit dem Eindruck, die von OberOst verwalteten Gebiete seien in Wahrheit Ludendorffs "Königreich". (...) Einige Grundzüge der Verwaltung von Ober-Ost verdienen in diesem Zusammenhang hervorgehoben zu werden. (...) Seine persönlichen Eindrücke von Ludendorffs rastloser Tätigkeit fasste der spätere Reichsinnenminister (Wilhelm Freiherr von Gayl) wie folgt zusammen: "Es war erstaunlich, was Ludendorff nebeneinander im Gedächtnis bewahrte. (Ludendorff) vergaß nie einen wichtigen Vorgang oder eine selbst gegebene Anregung. (...) Es war, als ob in seinem Kopf sich eine Unzahl von Schubladen befand. Man brauchte nur das Stichwort fallen zu lassen, dann zog er die Schublade auf und hatte die ganzen Vorgänge und eigene durchdachte Gedanken vor sich. (...) Diese Spannkraft und Leistungsfähigkeit gingen weit über normales Menschenmaß hinaus." Da erstaunt es nicht, dass einer der wichtigsten Mitarbeiter Ludendorffs in Kowno, Oberquartiermeister Oberst Ernst von Eisenhart Rothe, rückblickend bekannt hat, dass er Ludendorffs Wirken als Besatzungspolitiker als "Vorprüfung für den Reichskanzlerposten" angesehen habe.
Auch die Juden bekamen ungehinderte Religionsausübung gewährt und durften unter Ludendorff zwei berühmte Talmudschulen wieder eröffnen - im Beisein preußischer Offiziere (2, S. 193f).

Die "Ludendorff-Küche" in Kowno

In Kowno begründete der Felrabbiner Dr. Rosenak mit Unterstützung Erich Ludendorffs auch eine "Ludendorff-Küche".

Abb. 10: "Ludendorff-Küche" in Kowno, 1916 (Zeitungsausschnitt, 1916)
Diese sollte noch in späteren Jahrzehnten im späteren Verhältnis zwischen Erich Ludendorff und dem Judentum eine Rolle spielen, weil man jüdischerseits die Gründung dieser Küche im dankbaren Gedächtnis behielt.

25./26. Juli 1916 - Besprechung in Pless

Während der Besprechungen der Reichsspitze in Pless Ende Juli 1916 (2, S. 206) erschütterte der Reichskanzler Bethmann-Hollweg das Vertrauen des Kaisers in Falkenhayn. Max Hoffmann notierte sich am 31. Juli 1916 im Tagebuch (zit. n. 2, S. 209):
Der Feldmarschall und Ludendorff (kamen) von Pleß sehr befriedigt wieder. Falkenhayns Stern stark im Erblassen.
Ludendorff schreibt (1, S. 179):
Wir kehrten zunächst nach Kowno zurück. Ich nahm Abschied von der Stätte, wo ich eine glückliche Zeit friedlicher Arbeit und schließlich so kritischer Stunden verlebt hatte. Viele treue Mitarbeiter ließ ich in der Verwaltung zurück. Der militärische Stab blieb so, wie er zusammengesetzt war. Ich hatte vorgeschlagen, zunächst die Armee-Ober-Kommandos der bisherigen k.u.k. Front aufzusuchen, um ein eigenes Urteil über die Lage zu gewinnen. Bestimmungen über ein neues Quartier waren noch nicht getroffen. Ein Verbleiben in Kowno kam nicht in Betracht, es lag zu weit nördlich. Vorläufig wollten wir im Eisenbahnzug wohnen. General v. Eichhorn übernahm unter Beibehalt seines Oberkommandos über die 10. Armee den Heeresgruppenbefehel über die Armeegruppe Scholtz und die 8. Armee. Die 12. Armee trat unter den Befehl der Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. 

Anfang August 1916 - Weggang von Kowno

Nebelin berichtet weiter (2, S. 209f):
Um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen, besuchte (Ludendorff) Anfang August gemeinsam mit Hindenburg den Stab der Heeresgruppe Linsingen in Kowel sowie den der österreichisch-ungarischen 4. Armee in Wladimir. Es folgte eine Zusammenkunft mit dem Oberbefehlshaber der k.u.k. 2. Armee, General von Böhm-Ermolli, in Lemberg, zu welcher auch Seeckt hinzugezogen wurde. Da der künftige Schwerpunkt der Operationsführung im Süden der Ostfront liegen würde, schlug Ludendorff dem Generalfeldmarschall eine Verlegung des Hauptquartiers von Kowno nach Brest-Litowsk vor, wo er die stark beschädigte Zitadelle provisorisch wiederherstellen und zum Stabsgebäude umfunktionieren ließ.
Von dieser Reise nun scheinen sich mehrere Fotografien erhalten zu haben.

Abb. 12: "Hindenburg, Ludendorff und Linsingen, August 1916" - vermutlich in Kowel (ganz links Max Hoffmann)
Eine Postkarte (Abb. 12) zeigt "Hindenburg, Ludendorff und Linsingen" Anfang August 1916 bei der Besichtigung einer eroberten Ortschaft, vermutlich Kowel. Ludendorff schreibt (1, S. 180f):
Die Kämpfe bei der Heeresgruppe v. Linsingen hatten sich bis in die zweite Julihälfte hingezogen. Sie hörten nie völlig auf. Es lag schwer auf der Heeresgruppe. Die Front war nicht fest. (...) Die Stimmung dieses Oberkommandos war naturgemäß sehr ernst, aber entschlossen fest. Es herrschte volle Klarheit darüber, dass der Russe trotz seiner ungeheuren Verluste die Angriffe bald und auf lange Zeit hinaus fortsetzen würde. (...) Am Abend waren wir in Wladimir-Wolynsk beim k.u.k. 4. Armee-Kommando, das General v. Linsingen unterstand. Die Armee war ganz von deutschen Truppen durchsetzt. Der Oberbefehlshaber, Generaloberst v. Tertszczanski, ein nervöser Herr (...) hat dem General v. Linsingen viele Schwierigkeiten bereitet. Wir aßen bei ihm. (...) Die Soldaten machten einen guten und frischen Eindruck. General v. Tertszczanski sprach sich damals auffallend freimütig über das Verhalten der k.u.k. Truppen während der letzten Kämpfe aus. Es war kein erfreulichen Bild, das wir gewannen.

Abb. 13: Hindenburg und Ludendorff auf einer Landstraße (ohne Datum und Ort) - (ggfs. in Wladimir?)
Eine weitere Postkarte (Abb. 13) zeigt Hindenburg und Ludendorff mit militärischem Gefolge auf einer Landstraße. Im Hintergrund knien alte Frauen und Kinder am Straßenrand, letztere offenbar in festlicher Tracht.

3. August 1916 - In Lemberg

Schließlich kamen sie am 3. August 1916 nach Lemberg (Abb. 11).

Abb. 14: Besuch in Lemberg am 3. August 1916
Abbildung 14 zeigt Hindenburg und Ludendorff, umgeben von deutschen und österreichisch-ungarischen Offizieren am 3. August 1916 in Lemberg. Ludendorff schreibt (1, S. 181):
Am nächsten Morgen waren wir in Lemberg, dem Hauptquartier des k.u.k. 2. Armee-Kommandos. Ich war ganz überrascht von der Schönheit Lembergs und dessen deutschem Aussehen. Es stand damit ganz im Gegensatz zu Krakau, das durchaus den Charakter einer polnischen Stadt hat. Wir lernten in General v. Boehm-Ermolli und seinem Chef, General Bardolf, klar sehende und richtig urteilende Soldaten kennen, mit denen zusammenzuarbeiten allen deutschen Dienststellen immer eine Freude war. (...) Wir verlebten im Kameradenkreise des Armee-Oberkommandos noch einige Stunden und schieden mit dem Gefühl, dass es selbst auf voller Höhe sei. (...) Rückfahrt nach Brest-Litowsk, wo wir uns mit unserem Zug zunächst aufhalten wollten.
Abb. 11: Hindenburg und Ludendorff in Lemberg am 3. August 1916 (Herkunft: Lvivcenter.org)
Auf Abbildung 11 ist Erich Ludendorff etwas verdeckt von dem verbündeten österreichisch-ungarischen Soldaten ganz rechts im Vordergrund. Es handelt sich womöglich um die Abreise von Lemberg.

4. August - Hauptquartier in Brest-Litwosk

Ludendorff weiter (1, S. 182f):
Unser Hauptquartier im Zuge auf dem Bahnhofe von Brest-Litowsk bot nichts Glänzendes. Wir waren ungemein dürftig untergebracht. Es fehlte für die Arbeit an Raum. Die großen Karten allein sind in ihrer Größe anspruchsvoll, und dann gab es auch noch zu schreiben. Ich habe Oberstleutnant Hoffmann bewundert, wie er mit seinem sogenannten Salon auskam; noch weniger Raum hatten die anderen Herren, und dazu brannte die Sonne erbarmungslos auf die Dächer der Wagen und machte den Aufenthalt unerträglich. Ich beschloss deshalb, sobald als möglich den Zug zu verlassen, und schlug dem Generalfeldmarschall Brest-Litowsk selbst als Quartier vor. Die Herren des Stabes bekamen einen gelinden Schreck. Die vollständig ausgebrannte Stadt kam überhaupt nicht in Frage, die Zitadelle war ein kleines Gefängnis. (...) Alles war verwildert und verwachsen. (...) Die Luft war feucht und dumpfig. (...) Aber es nutzte nichts, ein Entschluss musste gefasst werden. Ich ordnete die Einrichtung des Hauptquartiers in der Zitadelle an. Natürlich dauerte es geraume Zeit, bis alles fertig war und wir aus dem Zug erlöst wurden. Ich bin gerne in Brest gewesen und aus der Zitadelle nicht herausgekommen. Die selten schönen, hohen Weiden, die mit ihrem Geäst tief in die Gewässer herabhingen, die die Zitadelle durchströmten, und einige kurze Alleen gaben dem Ganzen einen freundlichen Charakter. Außerhalb der Festung war Einöde. (...) Ich hatte an dem Inordnungbringen Freude.

28. August 1916 - Erster Generalquartiermeister

Am 27. August 1916 erfolgte die Kriegserklärung Rumäniens an Österreich-Ungarn. Damit war Falkenhayn am Ende (2, S. 212). Am Folgetag entschied sich der Kaiser für die Entlassung Falkenhayns, mit dem er einen Tag zuvor noch in Seelenruhe Skat gespielt hatte. Am gleichen Tag wurden Hindenburg und Ludendorff in Brest-Litowsk aufgefordert, nach Pless zu kommen. Ludendorff (1, S. 186):
Am selben Tage 4 Uhr nachmittags verließen wir Brest, um nicht wieder an die Ostfront zurückzukehren. Hinter uns lagen zwei Jahre großer, gemeinsamer Arbeit und gewaltiger Erfolge.
In Pleß wurde Ludendorff zum General der Infanterie befördert, ihm wurde auf seinen Wunsch hin der Titel "Erster Generalquartiermeister" verliehen und er trat die Nachfolge Falkenhayns an (2, S. 215). Auffallend ist, dass der Ludendorff-Biograph Manfred Nebelin bis zu diesem Zeitpunkt in seiner Ludendorff-Biographie zu aller größten Teilen mit Hochachtung und großem Verständnis von Erich Ludendorff und seinen Leistungen spricht.

Abb. 15: Erich Ludendorff - Portraitfotografie von Arnold Overbeck, Düsseldorf
Zum Abschluss dieses Abschnittes noch einig nicht datierte Fotografien Erich Ludendorffs, die vor dem 30. August 1916 entstanden sein müssen, da ihm auf diesen der Rang eines Generalleutnants zugesprochen wird. Eine solche Portrait-Fotografie stammt von dem Fotografen Arnold Overbeck aus Düsseldorf.

Abb.: "Generalleutnant Ludendorff"
Ähnliches gilt für eine weitere Portrait-Fotografie.

Abb.: "Generalleutnant Ludendorff - Generalstabchef der Ostarmee"
Man wird als Faustregel sagen dürfen: Alle Fotografien, auf denen Erich Ludendorff als "Generalleutnant" bezeichnet wird, sind entstanden zwischen dem 27. November 1914 und dem 30. August 1916.

Ab 30. August - Im Großen Hauptquartier

Am 30. August 1916 wurde Erich Ludendorff also zum Ersten Generalquartiermeister ernannt und erhielt die militärische Gesamtleitung der deutschen Kriegsführung. Damit kam er in das "Große Hauptquartier", die wichtigste militärische Institution auf deutscher Seite während des Ersten Weltkrieges das war. Ihm gehörten neben der Obersten Heeresleitung (d.i. der Generalstab des Feldheeres) an: der Kaiser, der Reichskanzler, der Kriegsminister, die obersten Vertreter der Marine und andere Personen (s. Wiki). Der Sitz dieses "Großen Hauptquartiers" wechselte während des Ersten Weltkrieges folgendermaßen:
Bei Kriegsbeginn lag es vom 2. bis 16. August 1914 zunächst im Generalstabsgebäude in Berlin, dann vom 16. bis 30. August 1914 im Kurfürstlichen Schloß in Koblenz, ab 30. August 1914 in der ehemaligen deutschen Botschaft in Luxemburg, was nachträglich zu Spannungen führte. Ab dem 25. September in Charleville-Mézières. Im April 1915 verlegte es in das Schloß Pleß in Oberschlesien. Im Februar 1916 kehrte es nach Charleville-Mézières, im August 1916 wieder nach Pleß zurück. Vom 2. Januar 1917 bis zum 8. März 1918 war es in Parkhotel Kurhaus in Bad Kreuznach und Bad Münster am Stein-Ebernburg untergebracht. Der Kaiser residierte im Schloß Bad Homburg. Am 8. März 1918 wurde das Große Hauptquartier in das Hotel Britannique ins belgische Spa verlegt, wo es bis zum Kriegsende blieb. In Spa residierte der Kaiser in der Villa La Fraineuse des belgischen Großindustriellen Peltzer. Nach dem Waffenstillstand wurde das Große Hauptquartier nach Wilhelmshöhe verlegt, wo es bis zum 11. Februar 1919 verblieb. Letztmals wurde es dann nach Kolberg verlegt, wo es sich am 3. Juli 1919 auflöste. 
Zumeist lag der Sitz der Obersten Heeresleitung in unmittelbarer Nähe des Sitzes des Großen Hauptquartiers. Sich dies klar zu machen, ist wichtig, um viele Angaben zu Orten der Geschichte des Ersten Weltkrieges zu verstehen, an denen wichtige Entscheidungen getroffen wurden.

5. bis 9. September 1916 - Erste Besprechungen an der Westfront

Ludendorff schreibt (1, S. 208):
Am 5. September traten der Generalfeldmarschall und ich unsere erste Fahrt nach dem Westen an. Wir fuhren über Charleville, wo das Große Hauptquartier bisher noch seinen Sitz hatte, nach Chambrai, dem Hauptquartier des Kronprinzen Rupprecht von Bayern. Vor Charleville begrüßte uns der Kronprinz. Eine Kompagnie des berühmten Sturmbataillons v. Rohr bildete die Ehrenwache für den Generalfeldmarschall. (...) Die Oberste Heeresleitung musste aber in Pleß bleiben, da die Operationen gegen Rumänien eine enge Verbindung mit General v. Conrad in Teschen zur Voraussetzung hatten. Das Große Hauptquartier wurde daher nach dem Osten verlegt. Es fand in Pleß, Kattowitz und anderen Orten Unterkunft.
Und (1, S. 215f):
Die Besprechung in Cambrai war nutzbringend verlaufen. Die stille Größe der versammelten Führer und Chefs, die nun im Westen beinahe zwei Jahre in großen Abwehrkämpfen standen, während der Generalfeldmarschall und ich im Osten kühne Angriffsschlachten hatten gewinnen können, machte einen tiefen Eindruck. (...) Am 9. früh langten wir in Pleß wieder an. Ich war jetzt in meiner Stellung zu Haus und kannte mein Arbeitsgebiet. Es war ein gewaltiges Tätigkeitsfeld, das sich mir plötzlich auftat und das von mir vieles verlangte, dem ich bisher vollständig ferngestanden hatte. Ich musste tief in das Getriebe der Kriegführung und in das Heimatleben im großen und kleinen eindringen, mich aber auch in den großen Weltfragen mit ihren Problemen zurechtfinden. Die alten Geschäftszimmer - in einem Kavalierhaus des fürstlichen Schlosses - waren zu eng geworden; neue wurden in dem Fürsten Pleßschen Verwaltungsgebäude eingerichtet. Wir zogen in das Haus des Herrn Nasse, des Vermögensverwalters des Fürsten Pleß. Das regelmäßige Arbeiten begann.
Über die Geschichte des Gebäudes der Fürstlichen Zentralverwaltung hat es vor einigen Jahren einige Forschungen gegeben (6).

Fürstliche Zentralverwaltung in Pleß in Oberschlesien



Abb.: Fürstliche Zentralverwaltung, Pleß, Oberschlesien
Dabei ist wohl zu berücksichtigen, dass die folgenden Ausführungen nicht - wie angegeben - gültig sind für die Zeit ab Herbst 1914, sondern für die Zeit ab September 1916 (6):
Während des Ersten Weltkrieges, vom Herbst 1914 September 1916 bis Februar 1917, machte der Herzog von Pleß das Gebäude dem Großen Hauptquartier des deutschen Kaisers Wilhelm II. zugänglich. Der Kaiser selbst residierte im nahegelegenen herzoglichen Schloß. Vor einigen Jahren haben wir einen Versuch unternommen, die Verwendung der Räume während der Benutzung durch das Große Hauptquartier zu untersuchen.  Für uns war die Lage des Kabinetts Feldmarschall Paul von Hindenburgs, des Arbeitszimmers General Ludendorffs und der weiteren Dienststellen interessant. Leider konnten uns die deutschen Archive nicht helfen. Erst die Recherche im Plesser Archiv und in privaten Sammlungen erlaubten uns, dieses Problem zu lösen. Die entdeckten Akten bestätigten die Vermutung, daß sich die wichtigsten Stabsräume im ersten Stock befanden. Deswegen erstellten wir eine Skizze dieses Stockwerks mit Erklärungen zur Benützung der einzelnen Räume.
Hier die gebrachte Skizze.

Abb.: Fürstliche Zentralverwaltung in Pleß, Oberschlesien, 1. Stock mit Arbeitsräumen
Jeder der Räume konnte seinem Bewohner zugeordnet werden. Und das hieße, das Arbeitszimmer Ludendorffs hätte sich in obiger Abbildung auf der Stirnseite des Gebäudes hinten befunden, während Hindenburg vorn residierte. Weiter heißt es (6):
Im Palais empfing Hindenburg zahlreiche Persönlichkeiten. Selbst der Kaiser besuchte ihn und die Generäle der Mittelmächte, u.a. General Enver Pascha - der Gründer des späteren modernen türkischen Staates. Mit großer Hochachtung empfing der Feldmarschall den bulgarischen Zaren Ferdinand mit dem Thronfolger Boris, die zu einer Besprechung mit Wilhelm II. nach Pleß kamen.
Einen ungezwungenen Charakter hatten die Treffen mit den Helden der Kämpfe an Land, zu Wasser und in der Luft: unter ihnen der berühmte deutsche Flieger Manfred Baron v. Richthofen, Sieger in 80 Luftkämpfen. Wenn die Wände des Kabinetts von Hindenburg sprechen könnten, würden wir viele Erzählungen hören, wer hier zu Gast war und was für Entscheidungen über das Schicksal von Soldaten und Völkern hier getroffen worden waren. 
Jeden Morgen gingen Feldmarschall von Hindenburg und General Ludendorff die Schipka-Gasse vom Palais zum herzoglichen Schloß, um dem Kaiser über die aktuelle Lage an den Fronten Bericht zu erstatten und mit ihm eine politisch-taktische Besprechung abzuhalten.
"Es war hier in Pleß und nicht in Berlin, wo Kaiser Wilhelm II. mit Feldmarschall Paul von Hindenburg und General Erich Ludendorff während des ersten Weltkrieges Stabsberatungen führte, während derer politische und militärische Entscheidungen von höchster historischer Bedeutung getroffen wurden. Von da ging das Telegramm des damaligen Außenministers Arthur Zimmermann aus, das den Krieg in Nordamerika hervorrufen sollte. Hier wurde auch die Entscheidung über den totalen Unterwasserkrieg im Atlantik gefällt." Ausführlich schreibt darüber die amerikanische Schriftstellerin Barbara Tuchman in "Das Telegramm von Zimmermann".  (...) 

Der Aufenthalt von Kaiser Wilhelm II. in Pleß und die Verlegung des Großen Hauptquartiers dorthin bewogen die preußischen Zeitungen dazu, Pleß als "Klein-Berlin" zu bezeichnen. Für die deutschen Stadtbehörden war es eine große Ehre. Auf ihre Bitte änderte der Kaiser das alte Piastenwappen von Pleß in ein neues, mit den kaiserlichen Insignien. Ein Abschnitt der heutigen Bogedaina-Straße wurde in die Falkenhaynstraße umbenannt (zu Ehren des Vorgängers Hindenburgs als Chef des Generalstabs).
Auch nach dem Ende des Ersten Weltkrieges behielt das Gebäude noch eine politische Bedeutung (6):
1920 - 1922 verwaltete die Alliierte Regierungs- und Volksabstimmungskommission das schlesische Volksabstimmungsgebiet. Ihr ziviles und militärisches Personal bestand aus Franzosen, Briten und Italienern. Es wurde nach einem Sitz für die Kreiskontrollkommission der Alliierten gesucht.

30. November 1916 - Trauergottesdienst für Kaiser Franz Josef I.

Am 29. November 1916 starb in Wien der österreichischen Kaiser Franz Josef I.. Aus diesem Anlass wurde auch im deutschen Großen Hauptquartier in Pless ein Trauergottesdienst abgehalten. Dabei entstand eine Fotografie, die sich noch heute in der Fotosammlung des Hauses Doorn in den Niederlanden findet  ("Generalleutnant von Hindenburg und Generalleutnant Ludendorff begeben sich zum Gottesdienst") und es entstand auch eine solche Fotografie nach dem Gottesdienst.

Abb.: Ludendorff und Hindenburg nach dem Trauergottesdienst für den verstorbenen österreichischen Kaiser Franz Josef I. am 30. November 1916 in Pleß

19. Dezember 1916 - Im Schloss Pless 

Am 19. Dezember 1916 besuchte der König Ludwig III. von Bayern das Große Hauptquartier in Pless und aus diesem Anlass entstand die folgende Fotografie.
Abb.: "Im Großen Hauptquartier" im Schloss Pless, 19. Dezember 1916
Sie zeigt (s.a. Fotosammlung Haus Doorn) von links nach rechts Hindenburg, Kaiser Wilhelm II., den Reichskanzler Bethmann-Hollweg, König Ludwig III. von Bayern, Erich Ludendorff und Admiral Henning von Holtzendorff. Erich Ludendorff schreibt über seine Zeit nach Einritt in die Oberste Heeresleitung (1, S. 206):
Die Oberste Heeresleitung und der Reichskanzler waren gleichgestellt. (...) Unser Verkehr mit der Reichsregierung wurde bald ein sehr reger allerdings auch unerfreulicher. Wir fanden nicht das erforderliche Entgegenkommen, nachdem wir der Regierung mitgeteilt hatten, was die Kriegführung von ihr unbedingt erwartete, um das deutsche Volk zum Siege zu befähigen. Die Vertretung der militärischen Interessen in allen außenpolitischen Fragen während des Krieges und für den Friedensschluss führte gleichfalls viele Berührungs- aber auch Reibungspunkte herbei.
Ludendorff nahm sich unter anderem des "Hilfsdienstgesetzes" an, das am 6. Dezember 1916 in Kraft trat (Wiki). Er betrieb das noch weit umfangreichere sogenannte "Hindenburg-Programm" (Wiki). Ohne letzteres hätten Deutschland und Österreich-Ungarn die beiden weiteren Kriegsjahre wahrscheinlich nicht überstanden.
_______________________________________________
  1. Ludendorff, Erich: Meine Kriegserinnerungen 1914 - 1918. Verlag Mittler & Sohn, Berlin 1919
  2. Nebelin, Manfred: Ludendorff - Diktator im Ersten Weltkrieg. Siedler-Verlag, Berlin 2010
  3. Pyta, Wolfram: Hindenburg. Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler. Siedler-Verlag, München 2007
  4. komissbraut: Fotoalbum Hindenburg Ludendorff Herzog von Braunschweig Inf. Regiment 78. Ebay-Angebot zum 6.10.2013
  5. Ludendorff, Mathilde (Hg.): Erich Ludendorff - Sein Wesen und Schaffen. Ludendorffs Verlag, München 1938, S. 129 
  6. Orlik, Zygmunt: Die Herzogliche Generaldirektion zu Pleß. Auf: http://www.biurogk.com/palais_beschreibung.html [18.9.2013]

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