Samstag, 30. Mai 2015

Die "mißratene Tschandala"-Rasse ...

Ernsthaft behandelt in "Mensch & Maß" im Mai 2015

Es gab in den letzten Jahren und Monaten Anlässe, den folgenden, ursprünglich 2011 erschienen Aufsatz immer wieder neu zu aktualisieren und seine Feststellungen mit neu hinzukommendem Belegmaterial zu unterfüttern. Zuletzt am 30. Mai 2015. - - - Und man wird in der Überschau dieses Materials wohl allgemein sagen dürfen: Wenn eine politische Partei wie die "Grünen" unterwandert und umgedreht wird, dann werden aus Pazifisten gerne einmal Kriegsbefürworter, aus armen Schluckern reiche Vorstands-Bosse. Wenn eine weltanschauliche Bewegung wie die Ludendorff-Bewegung unterwandert und umgedreht wird, dann - - - beginnt sie (man glaubt es wiederum kaum), die "gottgewollte" und "natürliche Verbindung zwischen Thron und Altar" zu glorifizieren, in Martin Luther keinen Befreier mehr zu sehen und über die angeblich "mißratene Tschandala-Rasse" orientalischer und afrikanischer Zuwanderer zu schwadronieren, nein, besser: zu hetzen. So unglaublich das erscheinen mag - - - so geschehen in den Jahren 2014 und 2015 "nach Christi Geburt" im Deutschland der allgemeinen Vermerkel- und Vergauckelung. ... Doch im folgenden zunächst der Ausgangsartikel aus dem Jahr 2011, danach chronologisch "Aktualisierungen" bis vorläufig, wie gesagt: 30. Mai 2015.

Die Antiquiertheit der heutigen "Ludendorff"-Bewegung
Eine in Alkohol eingelegte Subkultur?

Man könnte es aus mancherlei Gründen als wünschenswert empfinden, wenn es heute wirklich noch eine Ludendorff-Bewegung geben würde, an der man sich "reiben", und an der sich Öffentlichkeit und Wissenschaft "abarbeiten" können. Eine Ludendorff-Bewegung, die tatsächlich existiert, lebendig wäre, könnte heute ja nur eine sein, die Mathilde Ludendorff so behandelt, wie heute Friedrich Nietzsche, Immanuel Kant oder ein beliebiger anderer "Dichter oder Denker" behandelt wird. Wobei vor allem auch der Umgang mit antisemitischem Gedankengut ähnlich kritisch und distanziert geschehen müßte, wie dies heute etwa gegenüber Friedrich Nietzsche oder Richard Wagner geschieht. Oder die Geschichte der Ludendorff-Bewegung müßte von dieser selbst so behandelt werden, wie die Geschichte der Jugend-Bewegung vom "Archiv der deutschen Jugendbewegung" behandelt wird. Und das heißt, daß - natürlich! - nicht jedes Wort, das ein Dichter oder Denker oder ein jeweiliger Vertreter einer Bewegung jemals ausgesprochen hat, das in einer solchen Bewegung jemals Thema war, für 100 Prozent für wahr für sich selbst heute noch übernommen würde und man sich damit identifizieren würde.

Abb. 1: In Alkohol eingelegt
Also eine Bewegung, die nicht antiquiert daher käme und nicht die Sprache von vorgestern sprechen und nicht in den Denkkategorien von vorgestern denken würde. Sondern die die Sprache von heute spricht und in den Denkkategorien von heute denkt. Eine Ludendorff-Bewegung, die Mathilde Ludendorff nicht wie eine "Heilige" behandelt, die ihre Bücher nicht wie eine Bibel abhandelt, die sich nicht wie eine Kirche organisiert (genannt "Weltanschauungsgemeinschaft"). Sondern schlicht wie eine der vielen sonstigen Philosophen-Gesellschaften und -Archive. Und die schlicht ebenso wissenschaftlich arbeitet wie diese. 

Und die insbesondere das naturalistische (also naturwissenschaftsnahe) Denken der Ludendorff-Bewegung einbetten würde in die übrige Geschichte des naturalistischen (naturwissenschaftsnahen) Denkens während des 20. Jahrhunderts. Eine Bewegung, die nicht hohle, bombastische - oder auch gerne dümmliche - Phrasen drischt, die nicht aufgeblasen daher kommt oder im allgemeinen "Weltschmerz" des heutigen typischen deutschen "Christ-Konservativen" versinkt ("Ach, man will auch hier schon wieder nicht so wie die Geistlichkeit ..."), in der nicht Vorträge wie Predigten, Sermone und christliche Abendandachten abgehalten werden.

Gewollt und beabsichtigt?

All dies gibt es heute nicht. So gut wie nicht. Die offizielle Ludendorff-Bewegung - sowieso nur noch ein kleines Grüppchen - ist in einer Antiquiertheit und Verquastetheit versunken und stecken geblieben, die nur noch ein Hohn ist auf die ursprünglichen Anliegen Erich und Mathilde Ludendorffs, wie man sie zumindest verstehen könnte. Sie ist also de facto eine Bewegung, die nur noch den Namen "Ludendorff" trägt. Die aber wenig von dem aufbegehrenden, widerständigen, kämpferischen Aufbruchgeist der früheren, sprich "originalen" Ludendorff-Bewegung verspüren lässt.

Es gibt viele Anzeichen dafür, dass genau diese genannte Antiquiertheit auch genau so "gewollt" und beabsichtigt gewesen ist und dass heute immer noch auf genau diese biedermeierliche, ja, oft geradezu dummblöde Antiquiertheit hingearbeitet wird. Dass Menschen, ja, ganze Familien innerhalb dieser Ludendorff-Bewegung Jahrzehnte lang auf ein solches Ziel hingearbeitet haben. Dass sie diese Antiquiertheit gefördert haben und fördern. Anders lässt sich das Verhalten derselben, das man Jahrzehnte lang beobachten konnte und mit dem man Jahrzehnte lang hat Erfahrungen sammeln können, heute nicht mehr erklären und einordnen.

Da alles Neue, Frische, Belebende, Zeitgemäße von der Naturwissenschaft ausgeht, war es gut, wenn diese Leute eine naturwissenschaftliche Bildung aufgewiesen haben oder aufweisen. Wenn sie etwa praktizierende Ärzte sind, Gymnasiallehrer für Biologie oder Chemiker. Dann fällt es nur ganz wenigen auf, dass sie Jahrzehnte lang alle Themen behandeln, nur keine naturwissenschaftlichen. Und dass sie deshalb auch so ganz hervorragend antiquiert daher kommen können. Denn würde man die ganze Breite der Philosophie Mathilde Ludendorffs mit der modernen Naturwissenschaft konfrontieren, was allein im Sinne dieser Philosophie wäre, wäre es ganz unmöglich, noch weiter so antiquiert daher kommen zu können.

Erst dann würde einem selbst und anderen die Brisanz des hier vorliegenden Gedankengutes bewusst werden.

Natürlich ist die Auseinandersetzung mit moderner Naturwissenschaft anspruchsvoller, "schwerer", abstrakter, weniger eingängig, als die Auseinandersetzung mit Politik und Hintergrundmächten. Dieser Umstand hat die eben skizzierten Entwicklungen erleichtert ganz unabhängig von ihrer etwaigen bewussten Förderung.

"Hijacking"?

Viele Menschen, die der Philosophie Mathilde Ludendorffs mit Interesse gegenüberstehen, möchten es sich bequem machen und sagen: Naja, das sind eben so Entwicklungen, wie sie Bewegungen erfahren, die in Alkohol eingelegt sind oder die wie vakuumverpackt agieren. Die geistig isoliert für sich weiter existieren. Typisch für eine degenerierende statt prosperierende Subkultur.

Dass eine so breit angelegte naturalistische Philosophie und Psychologie wie diejenige Mathilde Ludendorffs, dass ebenso ein so breit angelegtes Geheimpolitik-kritisches Anliegen wie das des Eheapaares Erich und Mathilde Ludendorff noch heute gefürchtet wird und Gegner hat, da in ihm viele gesellschaftlich gestaltende Kräfte beschlossen sind, wird von dem Kenner derselben nicht bestritten werden können. Wer solche Gegner sein müssen und wie sie arbeiten, ist im allgemeinen auch bekannt.

Wenn Jesuiten und Katholiken sich nicht zu schade sind, die amerikanischen Freikirchen und den deutschen Protestantismus zu unterwandern (jüngeres Beispiel: Klaus Berger), um sie "zurück" in die alleinseligmachende katholische Kirche zu führen - warum sollten sie einer ihnen womöglich noch viel gefährlicheren Ludendorff-Bewegung gegenüber zögern? Warum sollten sie zögern, eine originale Ludendorff-Bewegung nach dem Tod Mathilde Ludendorffs in das biedermeierliche, antiquierte "Imitat" einer solchen umzuwandeln? Wo doch gleichzeitig der Kardinal Schönborn in Wien viele philosophische Gedanken Mathilde Ludendorffs über Evolution übernimmt, ohne ihren Namen zu nennen (siehe seine "Katechesen" über Evolution und Schöpfung im Jahr 2006) (1)?

Wir wissen von Flugzeug-Entführungen. Englisch werden sie "Hijacking" genannt. Können auch ganze weltanschauliche Bewegungen "gehijackt" werden, "entführt" werden? Indem sich einfach unerkannt Piloten mit ganz anderen Zielen ins Cockpit setzen? Zu dieser Vermutung sind viele Menschen und auch Leser dieses Blogs, die damit in Berührung gekommen sind, ganz unabhängig voneinander bezüglich der heutigen offiziellen Ludendorff-Bewegung gekommen.

Erstarrung

(Ergänzung 22. 9. 2012:) Erich Ludendorff warnte schon im November 1932 vor solchen in diesem Beitrag beschriebenen Entwicklungen (2). Kräfte seien an der Arbeit, "den Freiheitdrang des Volkes zu erstarren":
Neue Kerkermauern sollen das Volk von den wissenschaftlichen Naturerkenntnissen und von der Deutschen Gotterkenntnis trennen, die sie frei macht und denken lehrt. Das Volk soll, suggeriert und gebunden, innerhalb der neuen Kerkermauern ein Zuchthausleben weiterführen und immer mehr für die Aufseher und deren "Geist" arbeiten, statt in Freiheit für sich selbst zu schaffen, wie das in Deutscher Gotterkenntnis begründet liegt.
Ein passendes Wort für die in diesem Beitrag erörterten Beobachtungen ... Erstarrung.

Jedenfalls: Der Blick auf in Alkohol eingelegte Tiere in Naturkundemuseen hat etwas Beklemmendes.

Und nun eine Ergänzung der bisherigen Ausführungen mit Beobachtungen, die auf den 14. Oktober 2014 datieren. Eine bislang beobachtbare gewisse Erstarrung scheint sich wieder gelöst zu haben. Man scheint wieder "fröhlicher" geworden zu sein ....

"Die natürliche Verbindung zwischen Thron und Altar" (September 2013)

Zu den bis hier geschilderten Entwicklungen passt nahtlos, dass in einem Aufsatz des Jahrgangs 2014 der Zeitschrift der Ludendorff-Bewegung "Mensch & Maß", deren Schriftleiter Wilfried Duppel heißt, die geschichtliche Gestalt des Martin Luther gewürdigt wird (5) wie man das seit vielen Jahrhunderten gewiss von Seiten der "Soldaten Christi" gewohnt war, also von Seiten der Jesuiten und ihrer Freunde (heute öffentlich sicher seltener ...). Wie man das aber geschrieben von und für Menschen, die in der geistigen Tradition des Hauses Ludendorff stehen, bislang sicher kaum für möglich wird gehalten haben. Da wird Martin Luther persönliche Rachsucht als Hauptantrieb für seine Reformation unterstellt. Und ihm wird die Eigenschaft, ein geistiger Befreier der Deutschen, Europas und der Welt gewesen zu sein, rundweg abgesprochen. Was? In einer Zeitschrift der "Ludendorff-Bewegung"? Etwa ein - schlechter - Aprilscherz?

Wohl kaum. Es handelt sich um den Aufsatz eines Hartmut Heuermann, bei dem es sich offenbar um einen Braunschweiger Kulturwissenschaftler handelt. Er will in diesem die "dunkle Seite" der "Lichtgestalt" Martin Luther herausarbeiten (5). Und in seinem Aufsatz ist dann ganz altbekannt jesuitisch von dem "soziopathischen Hass" des Martin Luther auf den römischen Pontifex die Rede und davon, dass sich Martin Luther einer vulgären Sprache bedient hätte, deren man sich heute schämen müsse. Na so was aber auch! Es finden sich in diesem Aufsatz Sätze über Luther wie:
Die rebellische Geste, gegen das Papsttum, die ihn zu einem religiösen "Gewissenshelden" machte, war ein Akt, der eher seiner persönlichen Rancune (Rachsucht) als seinem sozialpolitischen Engagement entsprang.
Kleiner Scherz am Rande: Wer hat wohl für die Leserschaft das Wort Rancune übersetzt? Doch wohl nicht der Schriftleiter? Nun, wäre nahe liegend ... ;) Herrje, Leute, nun habt Euch mal nicht so. Da hat die Ludendorff-Bewegung nun viele Jahrzehnte lang gegen den Papst und gegen den Jesuitenorden gewettert und sich über Luther gefreut - da wird man doch wohl auch einmal "andere Stimmen" zu Gehör bringen können? Der letzte Satz des Aufsatzes lautet:
Es gab etliche Vordenker für ein neues Menschenbild. Martin Luther gehörte nicht dazu.
Klar, jeder darf eine Meinung haben! :) Nun, man wird unter solchen Umständen wohl auch formulieren dürfen: Es gibt etliche Vordenker für ein neues Menschenbild. Der Schriftleiter Wilfried Duppel und sein Autor Hartmut Heuermann gehören nicht dazu.

"Es gab etliche Vordenker für ein neues Menschenbild - Martin Luther gehörte nicht dazu" (September 2014)

Eine besondere Note erhält der Abdruck dieses Aufsatzes jedoch weiterhin in dem Umstand, dass schon im Frühjahr in dieser Zeitschrift eine Kritik an zuvor zum Abdruck gekommene krass klerikale Ansichten geäußert worden war (4). Der verstorbene, zuvor viel schreibende Autor und ehemalige Richter Falko Gramse hatte seine krass-klerikalen Ansichten in einem vielteiligen Gedenkaufsatz über den mittelalterlichen deutschen Kaiser Otto I. zum Ausdruck bringen können (3). Fritz Köhncke hatte nun Anlass, von Falko Gramse benutzte Phrasen zu kritisieren und "richtigzustellen" wie:
Otto I. betrieb "eine Wiederaufnahme der Kaiserpolitik Karls des Großen in christlichem Verantwortungsbewusstsein für eine gottgewollte Ordnung."
Und für welche "gottgewollte Ordnung"? Gramse:
Es gibt keine natürlichere Verbindung als die zwischen Thron und Altar im altdeutschen Staat.
Wenn neuerdings solche klerikalen Ansichten fröhlich "zur Diskussion" stehen in einer Zeitschrift wie der der Ludendorff-Bewegung, dann wird man sich nach und nach wohl noch auf immer "tollere" Dinge einstellen und gefasst machen dürfen. Man sage doch nicht, da wäre keine geistige "Innovationsfähigkeit" mehr vorhanden. Auf den ersten Blick will es fast so scheinen! Aber auf den zweiten Blick muss man sich sagen: Hey, das sind ja so krasse Uralt-Ansichten, wer will denn da von "Innovationsfähigkeit" sprechen. Vielmehr erinnert das an das alte Jesuitenwort von dem "Sie sollen sein, wie sie sind - oder sie sollen nicht sein", das ja offenbar unter dem derzeitigen Jesuitenpapst einmal erneut allerorten fröhliche Urständ feiert.

Von Interesse dürfte da dann nämlich auch sein, dass dieser Aufsatz zur Bejubelung der natürlichen Verbindung zwischen Thron und Altar unter Otto I. zuerst erschienen ist im Jahr 2012 - - - in der rechtskatholischen Zeitschrift "Neue Ordnung", die ihre krass papistische Einstellung gleich in der Titelleiste mit einem Foto des Papstes Pacelli und ähnlicher geistiger "Befreier" Europas zum Ausdruck bringt (erscheint im Ares-Verlag des Wolfgang Dvorak-Stocker von Stocker-Verlag, wo als langjähriger Lektor tätig war auch Hans Becker von Sothen [1959-2014], s. GA-j!, 21.8.2014). Um diese "gottgewollte" (neu-uralte) "Ordnung" würde es also gehen? Dann wüsste man ja, aus welcher Ecke der Schriftleiter von "Mensch & Maß" offenbar so seine Gedanken und Aufsätze bezieht, anstatt genau solche Ecken so kritisch wie nur möglich auszuleuchten, so wie wir darum seit Jahren auf unseren Blogs bemüht sind.

Insgesamt ist hier jedenfalls im Grunde gar nichts anderes zu beobachten, als das, was erst kürzlich auf unserem Parallelblog einmal wieder zu Protokoll hatte gebracht werden müssen unter dem Titel "Veränderungen störend und unerheblich" (GA-j!, 21.8.2014).

Abb. 2: Eine DVD aus dem Jahr 2013
Gabriele Kuby - "Die Sehnsucht einer Konvertitin nach heiligen Priestern"

Weitere Ergänzung (12.11.2014)

Auch unter den hier genannten Umständen wird es noch nicht tunlich sein, die Autorin Adelheid Duppel als die "Gabriele Kuby der Ludendorff-Bewegung" zu bezeichnen. Dennoch dürfte es sinnvoll sein, einmal zu untersuchen, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede bestehen zwischen diesen beiden Autorinnen in ihrer Themenwahl und in der Behandlungsart ihrer Themen. Gemeinsamkeiten sind jedenfalls unübersehbar (s. Wiki, Amazon). Etwa was das Thema Gender-Mainstreaming betrifft. Und wo die "natürliche Verbindung zwischen Thron und Altar" bejubelt wird, dürfte man doch auch bald - wie Gabriele Kuby in einem ihrer Buchtitel - schmachten über die "Sehnsucht einer Konvertitin nach heiligen Priestern".

Schreibt ein neuer Johann von Leers für "Mensch & Maß"? (April 2015)

Im April 2015 erscheint in der Zeitschrift "Mensch & Maß" der Aufsatz eines Autoren (6), der offenbar auch für ein "Muslim-Forum" im Internet schreibt, und der in seinem Aufsatz "Ludendorffs fernöstlicher Freund" verschweigt, dass Erich Ludendorff jenen buddhistisch motivierten Imperialismus abgelehnt hat, für den der in dem Aufsatz behandelte angebliche "Freund" Ludendorffs stand. Auf dem Muslim-Forum fällt derselbe Autor mit einer wenig differenzierten, plakativen Wortwahl auf. In einem eigenen Blogbeitrag dazu schrieben wir (7): "Erinnerungen an Johann von Leers kommen auf ..."

Die "missratene Tschandala-Rasse" - ernsthaft behandelt (Mai 2015)

(Weitere Ergänzung 30.5.2015.) Die Unmöglichkeiten des Schriftleiters Wilfried Duppel reißen nicht ab. In der letzten Folge der von ihm herausgegebenen Zeitschrift erscheint auf zehn Seiten eine "zeitgemäße" Deutung einer Novelle von Heinrich von Kleist mit dem Titel "Der Findling" (8). Dieser Aufsatz lässt abstoßende Gefühle zurück. Sein Autor heißt Johannes Scharf. (Ob es sich dabei um ein Pseudonym handelt?) Der "Findling" der Novelle, also ein "Findelkind", ein "Waisenkind" wird in dieser "zeitgemäßen" Deutung mit den Migranten-Strömen gleichgesetzt, die heute in Europa und Nordamerika eine Rolle spielen. Gut und schön - oder nicht schön, sondern wohl schon für sich ziemlich verkorkst. Aber die Denkart und der abwertende Tonfall, die abwertenden Worte, mit denen hier einerseits über Sexualität und andererseits über Menschen aus anderen Ländern gesprochen wird, haben absolut keine Gemeinsamkeit mit der Geisteswelt Erich und Mathilde Ludendorffs. Keine. Und das sollte dem Schriftleiter Wilfried Duppel ganz entgangen sein? Über das missratene Waisenkind der Novelle und über seine Sexualität, die ja doch in diesem Aufsatz mit der "Mißratenheit" und der Sexualität der derzeitig nach Europa strömenden Flüchtlingen gleichgesetzt werden, heißt es etwa:
Unseres Erachtens speisen sich jene Wollust (nämlich des "Findlings" der Novelle) nebst den Rachegefühlen aus ein und derselben Quelle: dem Hass auf die Herren und Besseren, denen man im Wissen um die eigene Unzulänglichkeit ablehnend gegenübersteht, die man vernichten möchte, zu denen sich der Sklave jedoch gleichwohl sexuell hingezogen fühlt. (...) Wir fühlen in der sexuellen Anziehung in Kleists Novelle recht deutlich den neidischen Instinkt der Tschandala.
Das sind so die "erbaulichen" Themen dieses Aufsatzes. Im nächsten Satz ist noch einmal vom
Bereich der Tschandala-Rache des Mißratenen
die Rede. Was für seltsame, fast an Blödheit streifende, zumindest verdummende Abartigkeiten. Wenn aus der Sicht der Philosophie von Mathilde Ludendorff das Verschieben ganzer Bevölkerungen und das Vermischen mit anderen abgelehnt wird, so nicht, weil die eine Bevölkerung für die "bessere" und die andere für die "mißratene" gehalten wird, sondern weil vielmehr jedem Volk für sich auf dieser Erde ein "einzigartiges, unersetzbares Gottlied" zugesprochen wird. Aber ein solcher Geist spricht natürlich ganz und gar nicht aus solchen, gerade zitierten Worten. Aber soll man die Abartigkeiten dieses Aufsatzes nicht viel mehr verräterische nennen? Sind es nicht die okkulten, "ariosophischen" Lanz-von-Liebenfels-Leute gewesen, die ständig von "Tschandala-Rassen" gesprochen haben, die wie Hunde zu behandeln seien (oder schlimmer)? Und die dabei doch niemals so ganz ihre katholischen, frauenverachtenden Prägungen haben verleugnen können? Und für die eine gerade Linie gezogen werden kann zum Denken und Handeln in den Kategorien von "Herrenrasse" der Nationalsozialisten, insbesondere in Osteuropa? Und schon im nächsten, logisch ganz verkorksten, verdrehten, verschwurbelten Satz dieses Aufsatzes heißt es weiter:
Übertragen wir die Eigenschaft der relativen Impotenz von Piachi,
der nach der Deutung dieses Aufsatzes zu den "Herren ", den "Besseren" zu zählen ist,
auf das unzählige und dabei hoch potente Flüchtlinge aufnehmende Gastland, sei dies nun Schweden, die Russische Föderation oder die Bundesrepublik Deutschland, so erhalten wir doch recht bald eine zumindest vage Vorstellung davon, in welchem Ausmaß und mit welchem Tempo sich der Bevölkerungsaustausch in diesen Aufnahmeländern vollzieht. Dabei ist die vielfach höhere Fruchtbarkeit der Orientalen und Schwarzafrikaner keine Fiktion, sondern eine vollendete Tatsache. Nicht anders verhält es sich mit der Fertilität der "Hispanics" in Nordamerika.
Von solchen Sätzen und Gedanken muss sich ein Mensch, der von dem Werk von Heinrich von Kleist begeistert ist, ganz abgestoßen fühlen. Es kommt eigentlich nur die Frage auf, ob der Autor in seinen Gedanken wirklich so dümmlich und primitiv ist, wie er sich hier gibt? Wie kann man überhaupt auf solche gedanklich primitiven Sprünge kommen von dem Inhalt einer Novelle des beginnenden 19. Jahrhunderts zu der völkervernichtenden Politik des 21. Jahrhunderts? In der Novelle kommt keine einzige kinderreiche Familie vor, die solche eben zitierten Sätze auch nur ansatzweise rechtfertigen würden. Es wird bestenfalls die polygame Sexualität eines Findelkindes behandelt.

Und das in einer eines Heinrich von Kleist würdigen Weise. Einer würdigen Weise, von der ein Johannes Scharf nicht den Ansatz eines Eindrucks zu vermitteln weiß. Hatte der Schriftleiter Wilfried Duppel bei der Auswahl dieses Aufsatzes etwa keine Sehnsucht nach Würde?

In Kleists Novelle wird auch sonst nicht ansatzweise "Demographie" behandelt. Dass sich dieser Johannes Scharf anmaßt, mit seinen schmutzigen Händen das Werk von Heinrich von Kleist auch nur von Ferne nur anzutasten, seine sehr "eigenen" Wertvorstellungen an dieses heranzutragen, ist das eine. Dass eine Zeitschrift, die vorgibt, die geistige Tradition der Ludendorff-Bewegung zu vertreten, das dann aber auch noch druckt, ist etwas ganz anderes.

All das liegt ganz auf der Linie dessen, was in diesem Beitrag schon ausgeführt wurde. Muss man angesichts all dieser Dinge noch darauf aufmerksam machen, dass in diesem Aufsatz ständig von dem "ruchlosen Klerus" (S. 234), dem "ruchlosen Kirchenstand" (S. 238) die Rede ist? Und dass das ja fast so klingt, als ob da jemand Selbsterkenntnisse hätte ... ? .... Auf dieser Linie wären dem Autor - und seinem Schriftleiter - jedenfalls noch allerhand weitere zu wünschen.

Johannes Scharf, der "aufrechte Christ" und Hetzer


Und so ist man geradezu gezwungen, Amazon-Rezensionen mit Zustimmung zu lesen zu einem früheren thematisch ähnlichen Buch (9) desselben Autors Johannes Scharf. Es ist dies übrigens auffallender - und stimmiger - Weise ein Buch, in dem von "aufrechten Christen" die Rede ist. Eine Amazon-Rezension jedenfalls dazu lautet (bege69 [Osnabrück], 4. März 2014):
Minderwertige rechte Hetze - nicht lesenswert
Europa wurde von Migranten "übernommen", einige wenige aufrechte Christen "fliehen" nach Neuseeland, wo noch fleißige, arbeitswillige Weiße aufgenommen werden. Der Autor zeichnet ein einfaches Schwarz-Weiß-Bild, wobei die "Migranten" allesamt faul und kriminell sind und eh nur im Sinn haben, auf Kosten der Gesellschaft zu leben und weiße Mädchen zu vergewaltigen. Höhepunkt der Hetze: "Ist das, frage ich euch, überhaupt noch unser Vaterland, in welchem ein Türke Bundeskanzler, eine Nigerianerin Familienministerin und eine Lesbe Außenministerin spielen?" Ansonsten treten die Migranten nur in Masse, sprich "kriminellen Banden" auf.
Dagegen sind die "weißen" Protagonisten allesamt fleißig, ehrlich, treu, aufrecht, rechtschaffen usw. Die Beschreibungen der Charaktere sind hölzern, die Dialoge und Beschreibungen zum Weglaufen. Weiße Frauen sprechen nicht, sie "flöten", wenn auch mit kratziger Stimme. Fazit: schlecht geschriebener, rechter Schrott auf Fünftklässlerniveau, absolut nicht lesenswert!
Genau das und nichts anderes kann auch nur von dem von uns oben behandelten Aufsatz dieses "aufrechten Christen", nämlich des Herrn Johannes Scharf gesagt werden. Dieser Aufsatz ist übrigens Teil eines weiteren, gerade erschienenen Buches des Autors (10), das erschienen ist - man soll es kaum glauben: im Klosterhaus-Verlag (sowie parallel im Libergraphix-Verlag). Hans Grimm kann sich angesichts solcher Verlagsprodukte eigentlich nur im Grabe herumdrehen. Wozu hat er sich von Goebbels anschreien und niedermachen lassen, wenn der von ihm gegründete Verlag heute solche Bücher herausbringt?

(zuerst veröffentlicht 10.12.2011; 
ergänzt wie im Text angegeben, 
letzte Überarbeitung 4.6.15) 

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  1. Schönborn, Christoph: Ziel oder Zufall?: Schöpfung und Evolution aus der Sicht eines vernünftigen Glaubens. Herder-Verlag, Freiburg 2007
  2. Ludendorff, Erich: Statt Tempel Salomos - Deutscher Dom - Germanischer Katholizismus. In: Ludendorffs Volkswarte, 6. November 1932
  3. Gramse, Falko: Otto der Große. Erster Kaiser des "Römisch-Deutschen Kaiserreichs." In: In: Mensch & Maß, Folge 9, 15.9.2013, S 417-430, Folge 10, 15.10.13, S. 493-500, Folge 11, 15.11.13, S. 534-541, Folge 12, 15.12.13, S. 590-594, Folge 1, 15.1.14, S. 18-29, Folge 2, 15.2.14, S. 62-76
  4. Köhncke, Fritz: Eine notwendige Richtigstellung. In: Mensch & Maß, Folge 5, 15.5.2014, S. 230-237
  5. Heuermann, Hartmut: Martin Luther - der Lichtgestalt dunkle Seite. In: Mensch & Maß, Folge 9, 15.9.2014, S. 452-454
  6. Haas, Josef: Ludendorffs fernöstlicher Freund. In: Mensch & Maß, Folge 4, April 2015, S. 202-206
  7. Bading, Ingo: "Ludendorffs fernöstlicher" - buddhistisch-imperialistischer - "Freund" - Schreibt ein Autor von "Mensch und Maß" auch für das Muslim-Forum? Auf: Studiengruppe Naturalismus, 1. Mai 2015, http://studiengruppe.blogspot.de/2015/05/ludendorffs-fernostlicher-buddhistisch.html
  8. Scharf, Johannes: Der Zorn des Odysseus - Wie Kleists Novelle "Der Findling" noch zu lesen ist ... In: Mensch & Maß, Folge 5, Mai 2015, S. 228-238
  9. Scharf, Johannes: Das Kreuz des Südens - Exodus aus Europa. Ein Zukunftsroman. Verlag Libergraphix, 2013
  10. Scharf, Johannes: Kassandrarufe - Fabeln wider den Zeitgeist. Klosterhaus-Verlag; Libergraphix-Verlag 2015

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