Dienstag, 19. Februar 2013

"Parteigenossin Ihre Exzellenz Frau Margarethe Ludendorff"

Eine Familiegeschichte zwischen Adolf Hitler und Erich Ludendorff

Frau Barbara Pernet stellt uns freundlichsterweise - mit Zuschrift vom 14. Februar 2013 - 13 weitere Photografien aus der Familie Pernet zu Verfügung, in die Erich Ludendorff im Jahr 1909 eingeheiratet hatte. Mit herzlichstem Dank an Frau Pernet sollen sie hier mit ihrer Erlaubnis veröffentlicht werden. Und sie sollen - soweit möglich - erläutert und eingeordnet werden. Zu dem Thema sind hier auf dem Blog schon zwei frühere Beiträge erschienen (1, 2).

Um so mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, um so mehr wird einem klar, daß die sozusagen "politische" und damit geschichtliche Bedeutung der Familie Pernet sich aus dem Zusammenhang heraus ergibt, daß ein großer Teil der Kreise, die mit Erich Ludendorff nach 1925 politisch und religiös nicht mehr gemeinsam gehen wollten, die Verantwortung für die politische und weltanschauliche Entwicklung Erich Ludendorffs - die sie als zum Teil krasse "Fehlentwicklung" empfanden - vor allem seiner zweiten Ehe, seiner zweiten Ehefrau Mathilde Ludendorff, zuschoben. Auch in der Familie Pernet wurde über Mathilde Ludendorff, wie Barbara Pernet berichtet, nicht besonders gut gesprochen. Dies ist ja auch von Erich Ludendorffs Schwester Gertrud bekannt (siehe letzter Beitrag).

Um so schwärzer man diese zweite Ehe Erich Ludendorffs auch aus politischer und weltanschaulicher Sicht sah, um so mehr glaubten verschiedene Kreise in betonterer Weise die erste Ehe Ludendorffs als die gute Ehe, bzw. bessere Ehe wahrnehmen zu können oder - mitunter sogar um Erich Ludendorffs selbst willen (aus ihrem Selbstverständnis heraus) - hinstellen zu müssen. Oftmals glaubten sie richtiggehend, Erich Ludendorff in dieser Hinsicht "vor sich selbst" und seinen "Irrtümern" in Schutz nehmen zu müssen.

Dies gilt insbesondere auch für die Nationalsozialisten, die das "militärische Genie" Erich Ludendorffs verehren wollten, auch den völkischen Vorkämpfer von 1923, die aber - natürlich - seine Gegnerschaft gegen den Nationalsozialismus, wie sie sich insbesondere ab dem Jahr 1929 immer deutlicher herauskristallisierte, als eine krasse "Fehlentwicklung" empfinden mußten. Sehr deutlich findet sich dieses Denken auch in dem Buch "Die Tragik Ludendorffs" (1953) von Wilhelm Breucker. Er war ein Jahrzehnte langer Freund Erich Ludendorffs, der 1933 - über Heinz Pernet - an Adolf Hitler berichtete über seine Versuche, Ludendorff mit Hitler und Hindenburg zu versöhnen und ihn in das Dritte Reich "einzuschalten" (siehe letzter Beitrag).

Von den Nationalsozialisten und Hitler selbst mußte die Ludendorffsche "Fehlentwicklung" ja sogar als eine Gefahr für sich selbst empfunden werden. In diesem Zusammenhang ist ja auch das Wirken des Georg Ahlemann im Auftrag Adolf Hitlers zu sehen, der ab 1931 das Privatleben Mathilde Ludendorffs vor ihrer Ehe mit Erich Ludendorff öffentlich herabzusetzen suchte, und der dafür noch 1944 von Adolf Hitler mit einem Gut im Wartheland belohnt werden sollte (3). Was einmal mehr die Brisanz dieser Dinge aufzeigt wie sie von Adolf Hitler gesehen wurde. Aber auch von Heinrich Himmler, Joseph Goebbels, Alfred Rosenberg. Von diesen allen gibt es ja ähnliche feindliche Aussagen über Mathilde Ludendorff und ihren schädlichen Einfluß auf Erich Ludendorff. Und all dies zeigt umgekehrt, mit wie viel Recht diese Brisanz von Erich und Mathilde Ludendorff und ihren Anhängern gesehen wurde.

Aber nicht nur die Nationalsozialisten, auch die traditioneller konservativen Militärs - etwa an der Spitze der Wehrmacht - haben ja die zweite Ehe Erich Ludendorffs in ähnlicher Weise als eine Fehlentwicklung gesehen. Auch etwa Paul von Hindenburg und zahllose weitere Generalstabsoffiziere kannten ja Margarethe Ludendorff persönlich. So ja auch wiederum der Generalstabsoffizier Wilhelm Breucker.

Zur Überraschung des Nachlebenden findet man nun auf der uns von Frau Barbara Pernet zugesandten Todesanzeige ihrer Großmutter Margarethe Ludendorff (1875-1936) aus dem Jahr 1936 (siehe unten) die Angabe "Parteigenossin Ihre Exzellenz Frau Margarethe Ludendorff". Und Frau Barbara Pernet erzählt auch, daß eine Todesanzeige im "Völkischen Beobachter" erschienen sei. Dieser Umstand dürfte bis heute wenigen bekannt gewesen sein. Daß ihr Sohn Heinz Pernet schon 1931 der NSDAP beigetreten war, war ja schon länger bekannt. Aber auch dieser neu bekannt gewordene Umstand einer Parteimitgliedschaft seiner Mutter, der eine im früheren Beitrag gebrachte längere Erzählung des Journalisten von 1923 noch einmal erneut um so unglaubwürdiger erscheinen läßt, ja, ad absurdum führt, und zugleich aufzeigt, daß von dieser Mitgliedschaft auch dieser Journalist nachmalig nichts erfahren hatte (2), macht vielleicht noch einmal deutlich, daß und wie sehr Adolf Hitler selbst und die ihn umgebenden Nationalsozialisten versuchten, Margarethe Ludendorff und ihren Sohn für ihre Zwecke zu vereinnahmen. Und auch daß beide womöglich diesem Ansinnen nicht nur wenig Widerstand entgegengestellt haben, sondern ihm sogar - mit einer Parteimitgliedschaft - entgegengekommen sind. Dies geht auch aus dem uns zugleich zugesandten Lebenslauf von Heinz Pernet aus dem April 1935 hervor (siehe unten). Ebenso wie aus der Tatsache, daß der Sarg von Margarethe Ludendorff 1936 umgeben war von Kränzen der NS-Frauenschaft und - womöglich - der Ortsgruppe der NSDAP (siehe unten).

Wenn man all diese Dinge aus ihren inneren Zusammenhängen heraus besser verstehen will, ist es sicher gut, möglichst viele Details aus der Geschichte der Familie Pernet zu kennen. Insbesondere Fotografien geben oft neue Anregungen, neu entdeckten Zusammehängen weiter nachzugehen. Sie seien hier deshalb zusammen gestellt und erläutert. Die folgende "Bildserie" fängt vergleichsweise harmlos und unscheinbar an und gewinnt erst ab dem Jahr 1923 Brisanz.

Abb. 1: Margerethe Schmidt (spätere Pernet, spätere Ludendorff) um 1895
Der Vollständigkeit halber werden hier auch schon in zwei früheren Beiträgen eingestellte Photografien von Margarethe Ludendorff mit eingestellt. Abbildung 1 dürfte Margarethe Schmidt etwa im 20. Lebensjahr, also etwa um 1895 herum zeigen, vielleicht kurz vor oder nach ihrer Heirat.

Abb. 2: Margarethe Pernet (spätere Ludendorff) mit ihren Kindern Heinz und Margot am Strand, etwa 1905
....

Abb. 3: Margarethe und Carl Pernet mit ihren drei Söhnen Heinz, Franz und Erich am Strand, etwa 1905
Erich Ludendorff hat sich in seinen Lebenserinnerungen fast nirgendwo ausführlicher über seine weitere Verwandtschaft geäußert, in die er 1909 durch seine erste Ehe hineingeheiratet hat. Allerdings wird es auch nicht ganz unwichtig sein, daß der leibliche Vater seiner vier (Stief-)Kinder, der erste Ehemann seiner Frau, Carl Pernet, zu den bedeutendsten Unternehmergestalten Berlins gehörte. Nämlich als Direktor der "Vereinigten Berliner Mörtelwerke". Als solcher hat er maßgeblich an der Errichtung des modernen Berlin als Großstadt mitgewirkt. Darüber soll im Anhang dieses Beitrags noch mehr mitgeteilt werden.

Abb. 4: Carl Pernet mit seinen vier Kindern, Heinz, Franz, Erich und Margot in Müritz, Hotel Anastasia, etwa 1906
Margarethe Schmidt (1875-1936) hatte außerdem eine Schwester, Paula Schmidt (4). Diese war in Kiel verheiratet mit einem Herrn Brachmann und hatte vier Kinder. Zum Beispiel in den Sommerferien des Jahres 1907 besuchten die vier Pernet-Kinder ihre Cousinen und Cousins Brachmann in Kiel (Abbildung 5).

Abb. 5: Die Pernet-Kinder in den Sommerferien im Juli 1907 in Schönberg bei Kiel mit ihren Cousinen und Cousins Brachmann
Auf Abbildung 5 handelt es sich laut rückseitiger Beschriftung um: Lotte Brackmann, Franz Pernet, Ursel Brachmann (hintere Reihe), Erich Pernet, Margot Pernet, H. G. Brachmann, Lilie Brachmann (mittlere Reihe), Heinz Pernet und zwei mal v. Köppen (Sitzende ganz vorne).

Womöglich hat Margot Pernet ihren Ehemann, den Marineoffizier und späteren Admiral Kurt Schuhmacher, während des Ersten Weltkrieges hier in Kiel bei ihren Verwandten kennengelernt. Sie heiratete ihn 1916 in Berlin, wozu Erich Ludendorff ebenfalls nach Berlin kam (siehe voriger Beitrag). Margot Schuhmacher lebte dann mit ihrer Familie selbst in Kiel. Die Kieler Cousins und Cousinen hatten viele Nachkommen (4):

- Charlotte war verheiratet mit einem Herrn Mercks. Sie hatte zwei Kinder.
- Ursula war in erster Ehe verheiratet mit einem Bruder des Herrn Mercks, also ebenfalls einem Herrn Mercks und hatte mit ihm ein Kind. In zweiter Ehe war sie verheiratet mit einem Herrn Weber und hatte mit ihm ebenfalls ein Kind.
- Gerda war verheiratet mit einem Peter Löwisch und hatte drei Söhne und zwei Töchter, und zwar: Hildegard (1924), Wolf (1932), Peter (1937), Jan (1939) und Ina (1942). Mit Ausnahme von Jan hatten diese wiederum einen Sohn (Hildegard), zwei Kinder (Wolf), drei Kinder (Peter) und vier Kinder (Ina).
- Hans-Georg Brachmann hatte drei Kinder.

Abb. 6: Leutnant von Reden mit seiner Abteilung o.D., etwa 1910, wohl Kadettenanstalt Bensberg
Abbildung 5 zeigt die drei Pernet-Kinder in der Kadettenanstalt. Es handelt sich laut Bildaufschrift (wohl von Heinz Pernet) um die drei vorderen sitzenden Kinder: Erich, Franz und Heinz. Beschriftet sind von den Stehenden außerdem wohl Freunde von Heinz Pernet: Ebersor, von Ostermann, Franz von Osten. 1912 wechselte Heinz Pernet laut seines Lebenslaufes (siehe unten) in die Kadettenanstalt Berlin-Lichterfelde.

Abb. 7: Franz Pernet in Düsseldorf, wohl 1913
Abbildung 7 ist in der gleichen Handschrift beschriftet wie Abbildung 5 (wohl von Heinz Pernet). Tat Franz Pernet Dienst im Regiment seines Vaters Erich Ludendorff? Die beiden Personen im Hintergrund lassen an ein Kasernengelände denken.

Abb. 8: Margarethe Ludendorff, Dezember 1915
Abbildung 8, 9 und 12 stammen nicht von Barbara Pernet und sind hier der Vollständigkeit halber eingefügt.

Abb. 9: Margarethe Ludendorff, Dezember 1915
Über die Zeit des Ersten Weltkrieges ist in den beiden anderen genannten Beiträgen schon viel zusammengetragen (1, 2). Margarethe Pernet war in dieser Zeit häufig in ärztlicher Behandlung. Sicherlich auch - oder vor allem - wegen ihres Morphinismus.

Abb. 10: Erich Pernet - "Du weißt, wie sehr ich ihn geliebt habe," schrieb Erich Ludendorff im Sommer 1918 an seine Frau
Erich Ludendorff mußte im März 1918 die auf dem Schlachtfeld in Frankreich entdeckte Leiche seines Sohnes Erich Pernet identifizieren. Er ließ ihn im Garten des Hauptquartiers in Spaa in Belgien vorläufig beisetzen und überführte ihn nach seiner Entlassung Ende Oktober 1918 nach Berlin, wo er neben seinem Bruder beigesetzt wurde, und wo 1936 dann auch die Urne seiner Mutter beigesetzt wurde.

Abb. 11: Margarethe Ludendorff, o.D., etwa 1917 oder 1918
...

Abb. 12: "General Ludendorff mit seiner Gemahlin" - aus: "Illustrirte Zeitung", Leipzig, April 1918

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Abb. 13: Margarethe Ludendorff, 1919
1923

Abb. 14: Adolf Wagner, Heinz Pernet, Wilhelm Brückner, o.D., wohl 1923 oder 1924
Abbildung 14 stammt wohl aus der Zeit um 1923 oder 1924 herum. Abgebildet sind in der Mitte Heinz Pernet und - laut rückseitiger Beschriftung - der spätere Gauleiter von Baden, Adolf Wagner (1890-1944), (wohl links). Und (wohl rechts, weil körperlich kräftiger) ein "Brückner 1. Adj. v. [unleserliches Wort, wohl:] Hitler". Womöglich handelt es sich also um den späteren Chefadjutanten Adolf Hitlers, Wilhelm Brückner (1884-1954). Heinz Pernet bewegte sich schon früh in später politisch einflussreichen Kreisen und kannte ja auch schon aus der Haftzeit her, wie Barbara Pernet erzählt, Adolf Hitler persönlich sehr gut.

Womöglich ist das Foto auch am gleichen Tag aufgenommen worden wie das berühmte Foto der Angeklagten des Hochverratsprozesses in München. Auf diesem sind die drei Personen jedenfalls in gleicher Weise mit Uniform abgebildet (Wiki). Dort steht ganz links Heinz Pernet und ganz rechts steht Leutnant Adolf Wagner, der spätere Gauleiter von Baden und dem Elsaß. Hinter Röhm und Hitler steht Oberleutnant Wilhelm Brückner, der spätere Chefadjutant Adolf Hitlers (siehe voriger Beitrag).

Dezember 1931 - Heinz Pernet nimmt öffentlich gegen Erich Ludendorff Stellung


Erich Ludendorff schreibt in seinen Lebenserinnerungen über den Dezember 1931 (1951, S. 329f):
Auch für mich brachten die Notverordnungen einschneidende Maßnahmen, da meine Pension um beinahe 1/3 gekürzt (...) wurde. Das wäre mir nicht so empfindlich gewesen, wenn ich nicht seinerzeit auf Grund der bisherigen wirtschaftlichen Lage bei meiner Scheidung freiwillig Lasten übernommen hätte, die ich nun nicht mehr erfüllen konnte.
Deshalb musste Ludendorff einen Prozess mit seiner geschiedenen Frau führen, bei dem es schließlich zum Vergleich kam. Zur gleichen Zeit ging Erich Ludendorff gerichtlich gegen die Anwürfe seines früheren Mitarbeiters Georg Ahlemann, der nun aus den Reihen der NSDAP heraus gegen das Ehepaar Ludendorff wirkte, vor. Ludendorff dazu (1951, S. 330):
Gleichsam als Antwort auf mein Vorgehen gegen das Ahlemann-Pamphlet wurde der Schmähkampf gegen meine frau und mich innerhalb der nationalsozialistischen Partei und von der christlichen Reaktion, angeführt von Priestern, noch widerlicher als bisher geführt. Auch der Sohn der geschiedenen Frau Ludendorff, der seinerzeit durchaus nicht auf Seite seiner Mutter stand, beteiligte sich alsbald an ihm. Alle bösen Tiefengeister schienen losgelassen zu sein; christlicher Haß offenbarte sich herrlich.
Wie die hier genannte Beteiligung von Heinz Pernet konkret ausgesehen hat, ist uns einstweilen nicht bekannt. Das müsste noch einmal heraus gesucht werden.

1932 - Heinz Pernet und seine Mutter werden Mitglieder der NSDAP

Während Heinz Pernet noch im Dezember 1931 in die NSDAP eingetreten ist (siehe gleich), hat seine Mutter Margarethe Ludendorff drei Monate später, im 1. April 1932, dasselbe getan. Sie hatte die Mitgliedsnummer 934007. Ihr Parteibuch ist noch im Besitz ihrer Enkeltochter (14). 

Abb. 15: Heinz Pernet nach seiner Reaktivierung als Offizier, also 1935 oder später (14)
Der Lebenslauf von Heinz Pernet, 23. April 1935

Am 9. März 1935 wurde die Existenz einer durch den Versailler Vertrag verbotenen deutschen Luftwaffe durch Hermann Göring verkündet. Nachdem massive Proteste aus dem Ausland ausgeblieben waren, wurde die ebenfalls im Versailler Vertrag untersagte allgemeine Wehrpflicht wieder eingeführt. Dies geschah am 16. März 1935. Mit dem "Gesetz über den Aufbau der Wehrmacht" wurde schließlich die Reichswehr in Wehrmacht umbenannt (DHM). Wohl in diesen Zusammenhang ist auch die Reaktivierung Heinz Pernets als Offizier einzuordnen. Seine Tochter vermutet (14), daß der ihr in Abschrift vorliegende Lebenslaufes ihres Vaters, niedergeschrieben "München, Prinzregentenstr. 7", also im damaligen "Bayerischen Armeemuseum" (heute Bayerische Staatskanzlei), am 23. April 1935 in Zusammenhang steht mit der Reaktivierung ihres Vaters als Offizier. (Sie hat ihn von einem Mitarbeiter des Militärarchivs in Freiburg/Potsdam erhalten.) Darin heißt es (Hervorhebung nicht im Original):
Geboren am 5. 9. 1896 zu Charlottenburg. Vater Carl Pernet (geb. 19. Dez. 1867, gest. 7. Nov. 1927), Mutter geschiedene Pernet, wiederverheiratet mit General Ludendorff, geschieden von diesem 1926 im Juli, lebt seit dem in München-Solln Böcklinstr. 2.

Erziehung im elterlichen Haus bis 1903, dann Schulbeginn im Mommsengymnasium 1 - 3 Vorschulklasse. Eintritt ins kgl. preuß. Kadettenkorps Kadettenhaus Bensberg bis 1912, Versetzung nach Großlichterfelde H.K.A. 8. Kompagnie. Verbleib im Kadettenkorps bis März 1914. Eintritt in die Armee als (...) Fähnrich in das IR. 31 Altona.
Nach dem Tod der beiden Brüder:
Auf Befehl des Kaisers und Veranlassung des Feldmarschall von Hindenburg Kdo. zum kommandierenden General der Luftstreitkräfte als Ordonnanzoffizier im Generalstab kommandiert. Von März 1918 bis Februar 1919. Ausscheiden aus der Fliegertruppe und Meldumg beim Freikoprs. Versetzt zum Husaren Reg. 8 Garde (...) Schützendivision. Freikorpskämpfe in Berlin Februar udn März (Schloß, Lichtenberg, Wer [...?]). Ende April Abtransport nach München ebenfalls Kämpfe um die Befreieung an maßgeblicher Stelle (?). Einrücken des Husaren Regt. in seine Garnison Paderborn im Juli 1919. Kämpfe im Ruhrgebiet und Gefangennahme durch die Kommunisten, zum Tode verurteilt. Befreiung durch Freikorpos. 1. 4. 1921 Übernahme in 100 000 Mannheer und Verbleib bis März 1923, dann freiwilliger Abschied.

Auf Hochschule TH München und Studium, zwischenzeitlich Privatsekretär des General Ludendorff und fühlungnahme mit der N.S.D.A.P. Eintritt in die SA und N.S.D.A.P. im Juli 1923. Beteiligung am 9. November 1923 beim Stabe des Führers beim damaligen Führer der SA Hauptmann Göring. Verhaftung und Einlieferung in das Amtsgerichtsgefängnis Au-München. haft bis März 1924, dann Prozeß bei den ersetn 10 Angeklagten. Strafe 1 Jahr 3 Monate Festung. 1. 4. 24 Haftentlassung und Bewährungsfrist. (...) Firma Siemens (...) Anstellung am 10. 6. 1929 und Verbleib bis zum freiwilligen Ausscheiden am 1. Juli 1933. Politische Tätigkeit während dieser Zeit. Bis 1926 mit Ludendorff zusammen. Nach der Wiederverheiratung von Ludendorff mit Frau Mathilde von Kemnitz Trennung von diesem, da ich andere politische Überzeugung habe. Zweiter Eintritt in die Partei N.S.D.A.P. Dezember 1931 und 1932 in den Nationalsozialistischen Flugsportverein Südwestdeutschland. Von dort 1. Juli 1933 hauptamtlich in die SA als Stabsführer der SA Brigade 53 Karlsruhe. Am 10. 5. 1934 mit der Führung der Brigade 53 beauftragt bis 1. III. 35. Zwischenzeitlich Kommando zur Reichsführerschule November 1934. (...)

Arische Abstammung. Parteimitglied.

Am 1. III. 35 bin ich auf Veranlassung des Reichsstatthalters in Bayern bzw. der obersten SA-Führung als Adjutant des Reichsstatthalters in Bayern tätig.

Verheiratet seit dem 21. III. 34 mit Gertrud Behrmann aus Hamburg, arische Abstammung gegeben.
gez. Heinz Pernet
Heinz Pernet wohnte im August 1936 in München in der Felix-Dahn-Str. 8 (siehe gleich).

Abb. 16: Margarethe Ludendorff, undatiert, wohl 1930er Jahre
Margarethe Ludendorff starb schon vier Jahre später mit 61 Jahren. Offenbar noch an ihrem letzten Lebenstag hat sie den folgenden "letzten Gruß" aufgeschrieben:

Abb. 17: Margarethe Ludendorff: "Meinen letzten Gruß", 13. 8. 1936
Im Wortlaut:
Ich bitte verbrannt und bei meinen gefallenen Söhnen begraben zu werden.

Meinen letzten Gruß meinen Kindern und allen Lieben.

Margarethe Ludendorff.
Solln, den 13. August 1936 
Dieser "letzte Gruß" veranlasste unsere folgende Frage an Frau Barbara Pernet:

Warum starb eigentlich Margrethe Ludendorff so früh? Wenn sie bei so klarem Bewusstsein diesen letzten Gruß schreiben konnte an ihrem Todestag und wenn es noch andere Fälle von Freitod in Ihrer Familie gibt, könnte sich ja auch der Eindruck aufdrängen, sie habe selbst den Freitod gewählt. Kann man das sicher ausschließen?
Frau Pernet antwortete (14):
Ich habe keine Ahnung. Sicher kann man auf Grund des letzten Grußes den Freitod nicht ausschließen.
Auf dem Leichenschauschein steht (wie uns Frau Pernet am 26.2. noch mitteilt) als Grunderkrankung "Herzinsuffizienz" und als Todesursache "akute Herzschwäche". -

Auf der Photographie von der Aufbahrung Margarethe Ludendorffs sieht man wohl auch ein wenig von der Inneneinrichtung ihrer Wohnung.

Abb. 18: Aufbahrung von Margarethe Ludendorff, 13. August 1936
Hinter dem Sarg steht ein Kranz der N.S.-Frauenschaft. Womöglich steht vor dem Sarg ein Kranz mit der Aufschrift "[Unserem Parteimit]gliede, Orts[gruppe München-Solln]".

Abb. 19: "Parteigenossin Ihre Exzellen Frau Margarethe Ludendorff", Todesanzeige, 13.8.1936
Das in dieser Todesanzeige genannte Grab ist erhalten (Abb. 20). Im Hintergrund ist offenbar die Kaiser Wilhelm-Gedächtnis-Friedhof-Kapelle zu sehen.

Abb. 20: Das Grab Margarethe Ludendorffs und ihrer beiden gefallenen Söhne in Berlin
(Es wäre zu prüfen, ob dieser Grabstein insgesamt erst im Jahr 1936 gesetzt worden ist, da die beiden Fliegergräber zuvor womöglich nur kleine Hinweistafeln zur Kennzeichnung hatten.) Erich Ludendorff hatte schon am 23. November 1919 in einer Ansprache zu einer Gefallenen-Ehrung in Berlin-Charlottenburg gesagt, welche Bedeutung dieser Friedhof für ihn hatte (15):
Meine Frau und ich sind hierhergekommen, um, obschon nicht Charlottenburger, diese Totenfeier mit Ihnen zu begehen. Droben auf dem Kirchhofe am Fürstenbrunner Weg liegen meine lieben Eltern, liegen liebe Verwandte, liegen endlich auch zwei tapfere Söhne, die den Heldentod starben für Kaiser und Reich. Jung, glühend vor Begeisterung zogen sie hinaus, wie Millionen deutscher Männer. Als Fliegeroffiziere erreichte sie die feindliche Kugel, und sie ließen ihr Leben wie zwei Millionen deutscher Kameraden.
(Er stellt in den weiteren Ausführungen seiner Ansprache dann das Handeln der Soldaten im Weltkrieg als Vorbild und Verpflichtung für die Gegenwart hin.)

Frau Barbara Pernet schreibt über das Parteibuch von Margarethe Ludendorff (14):
Das Parteibuch ist in meinem Besitz. Unter amtlichen Eintragungen steht:
"Auf Grund der Anordnung des Reichsschatzministers 52/36 vom 30.7.36 wird das Mitgliedsbuch der verstorbenen Pgn. Margarethe Ludendorff deren Sohn, Herrn Heinz Pernet, München Felixdahnstr. 8 überlassen.
Solln, 25.9.36
(Unterschrift)
Komm. Abteilungsleiter"
Mit solchen Zeugnissen wird deutlicher, was dahinter gesteckt haben konnte, wenn Heinz Pernet und seine Schwester Erich Ludendorff die Briefe, die dieser an Margarethe Ludendorff geschrieben hatte, nicht aushändigen wollten, wie Erich Ludendorff in seinen Lebenserinnerungen berichtet. Es scheint das aus politischen Gründen geschehen zu sein. Warum hätten sie einer solchen Bitte sonst nicht nachkommen sollen? Womöglich hätten also auch diese Briefe von den Nationalsozialisten gegen Erich Ludendorff - und mehr noch: gegen Mathilde Ludendorff - verwendet werden sollen.

Gertrud Ludendorff und ihre Nachkommen

Abschließend noch zwei Photographien der Schwester Erich Ludendorffs, Gertrud Ludendorff, verheiratete Jahn, aus späteren Jahren.

Abb. 21: Gertrud Ludendorff, verheiratete Jahn mit Ehemann und Tochter (o.D.),  um 1939
Auf der Rückseite von Abbildung 19 stehen verzeichnet: "Herr Jahn, Excellenz, Frau G. Jahn, geb. Ludendorff und Tochter, jetzt Frau von Tengg Kobligk". Da Gustav Jahn im April 1940 starb, seine Tochter Annemarie 1909 geboren worden ist, wird das Foto nicht lange vor dem Tod Gustav Jahns entstanden sein. Es handelt sich bei der Tochter um Annemarie von Tengg Koblick (1909 - 2000), eine Nichte Erich Ludendorffs. (Womöglich ist der jüngere Mann rechts ihr Verlobter oder Ehemann Tengg Koblick.) Sie wurde 1941 die Patentante ihrer damals geborenen Nichte Ehrengard Elisabeth Annemarie Pernet (1941 - 2004), die Schwester von Barbara Pernet (14).

Abb. 22: Gertrud Ludendorff, verheiratete Jahn, eingerahmt von ihrer Enkeltochter Irmgard von zur Mühlen und deren Ehemann anläßlich von deren Hochzeit, 1967
Auf der Rückseite des jüngsten uns von Frau Barbara Pernet zugesandten Fotos (Abbildung 20) ist verzeichnet: "Tante Trude Jahn. Hochzeit von Irmi v. Tengg Kobligk". Wir bringen das Foto, nachdem wir das sie einrahmende hübsche Brautpaar weggeschnitten haben - links die Braut, eine Großnichte Erich Ludendorffs, rechts ihren Bräutigam.

Annemarie Jahn, verheiratete Tengg Kobligk, hatte, wie ihrer Todesanzeige zu entnehmen ist, zwei Kinder. 1936 kam Irmgard (Irmi) Tengg Kobligk zur Welt, heutige Irmgard von zur Mühlen. Sie heiratete 1967. Die damalige Braut ist heute eine bekannte Dokumentarfilm-Produzentin (WDR, IMDB, Amazon, Youtube) und auch Malerin. (Sie hat, wenn die Angaben der Todesanzeige richtig gedeutet werden, einen Sohn und zwei Töchter.) Ob man von ihr noch - angesichts der langen Liste der von ihr erstellten Dokumentarfilme (IMDB) - den seit längerem ausstehenden Dokumentarfilm über ihren Großonkel Erich Ludendorff, den Gründervater der Ufa, erwarten darf? Der Versicherungsvertreter Heinz von Tengg Koblick wird ihr Bruder sein. (Mit zwei Töchtern: Stephanie und Ann-Catherine Christina, letztere womöglich geboren 1970.)
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  1. Bading, Ingo: Ludendorffs erste Frau. Ihre Erinnerungen als historische Quelle - beispielhafte Auszüge. Studiengruppe Naturalismus, 13.3.2012
  2. Bading, Ingo: Das Familienleben Erich Ludendorffs rund um seine ersten Ehe. Studiengruppe Naturalismus, 
  3. Bading, Ingo: Um seiner Verdienste um die Bewegung willen. Studiengruppe Naturalismus, ..
  4. Bading, Ingo: Einstündiges Telefonat mit Frau Barbara Pernet am 14. Februar 2013


Anhang: Einige Angaben zur ersten Ehe und zum ersten Ehemann von Margarethe Ludendorff

1894 - Carl Pernet und Margarethe Schmidt heiraten

Der Familienname Pernet ist in Westfrankreich am häufigsten verbreitet, vor allem im Elsaß und im Departement Mosel, sowie in Baden. Er wird also aus dem Bereich der Sprachgrenze zwischen Deutschland und Frankreich stammen. Sodann findet er sich heute rund um Nürnberg und in Berlin. Carl Pernet wurde laut des Lebenslaufes seines Sohnes am 19. Dezember 1867 geboren. 1890 verzeichnete der "Verein deutsche Ingenieure" unter seinen "neuen Mitgliedern" (2, S. 168, Google Bücher Ausschnitt):
Carl Pernet, Techniker, Berlin N.W., Karlstr. 25
Damals war Carl Pernet 23 Jahre alt. Dieser Techniker Carl Pernet (richtiger vielleicht: Karl Maria Anton Robert Pernet) (13) - sein Vater war 1834 in Münster geboren worden (13) - fand schon vier Jahre später eine Frau, nämlich die Berliner Fabrikantentochter Margarethe Schmidt. Sie war 19 Jahre alt, als sie ihn am 26. Mai 1894 in der Jerusalem-Kirche in Berlin heiratete (3, S. 75; 13, S. 4). 1895 wurde ihr erster gemeinsamer Sohn geboren, dem noch drei weitere Kinder folgten. Carl Pernet heiratete also die sehr wohlhabende Berliner Fabrikantentochter Margarethe Schmidt und damit in eine Schicht und Berufsgruppe, der er zumindest wenig später dann auch selbst angehören sollte.

Direktor Carl Pernet hat in der Unternehmensgeschichte Berlins und in der Geschichte des Betonbaus keine unbedeutende Rolle gespielt. Man kann wohl sagen, daß er zu den "oberen Zehntausend" von Berlin gehörte, wie auch aus dem folgenden hervorgeht. Zu diesen gehörte sicherlich auch sein Schwiegervater. 

Carl Pernet ist unter anderem als Direktor des berühmten Berliner "Klingel-Bolle" in die Berliner Unternehmensgeschichte eingegangen. Dieser Carl Bolle (1832 - 1910), der Gründer des "Klingel-Bolle"-Unternehmens, das in Berlin Milch von Pferdewagen aus verkaufte, die sich durch populäres Läuten bemerkbar machten, war eine der bedeutendsten Unternehmergestalten in Berlin in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Carl Bolle stammte ursprünglich aus Milow im Westhavelland, wo seine Villa noch heute als Jugendherberge an einem Europäischen Radweitwanderweg fungiert. Er war der Begründer von Baufirmen und zahlreichen anderen Unternehmungen in der sich damals sehr schnell entwickelnden Stadt Berlin. Der Sohn von Carl Bolle war während des Ersten Weltkrieges Jagdflieger im Richthofen-Geschwader, ähnlich wie ja auch die drei Söhne seines Direktors Carl Pernet in dieser Zeit Militärflieger geworden sind.

In diesem Bolle-Unternehmen jedenfalls war Carl Pernet Direktor, wie schon aus willkürlichen Google-Bücher-Ausschnitten hervorgeht (4, S. 56) (offenbar Bildunterschriften):
... Direktor Carl Pernet
Bolle-Mitarbeiter in der typischen Bolle-Kleidung
Eine Bolle-Mannschaft vor ihrem Fahrzeug
Ein deftiger Hinweis an alle Bolle-Fahrer von Direktor Pernet
Beladen der Bolle-Milchwagen von der Rampe
Berliner kaufen am .... [diese Angaben sind noch herauszusuchen und zu ergänzen]
1897 - Carl Pernet Direktor der "Vereinigten Berliner Mörtelwerke"

Wesentlich bedeutender wird aber gewesen sein, daß sich Carl Pernet - wie zuvor auch schon Carl Bolle - in Berlin als Bauunternehmer engagierte.
Abb. a: Vereinigte Berliner Mörtelwerke, von Direktor Carl Pernet am Landwehrkanal erbaut 1897
Carl Pernet hat nämlich vor allem in der Geschichte der Vereinigten Berliner Mörtelwerke eine Rolle gespielt. Zunächst ein allgemeiner Überblick über die Geschichte dieser Gesellschaft, die maßgeblich an der Errichtung des modernen Berlins beteiligt war (Aktiensammler.de):
Gründung 1889 durch Zusammenschluß mehrerer Mörtelwerke in Groß-Berlin. 1897 wurde in Charlottenburg am Landwehrkanal zur zentralen Belieferung ein großes Mörtelwerk neu erbaut (bestand bis 1967).
Siehe Abbildungen a und b. Weiter:
Die Werke und Kalkgruben Niederlehme (mit eigener Schiffsbauanstalt), Phöben, Fohrde bei Brandenburg, das Kalksandsteinwerk Harsleben bei Halberstadt und Sandberge in Gosen fanden sich nach dem Krieg in der Sowjetischen Besatzungszone wieder. Im Westsektor verblieben der Gesellschaft Werke in Berlin (Schleusenufer 5/6), Charlottenburg (Salzufer 23) und Spandau sowie eine Kies- und Sandgrube in Staaken. Obwohl die Aktiengesellschaft nun nur noch ca. 60 Beschäftigte hatte, blieb sie an der Berliner Börse amtlich notiert. Als Aktienrats-Vorsitzender figurierte in den 1950er Jahren Heinrich Lübcke. Da Mehrheitsaktionär nach dem Krieg eine holländische Gruppe gewesen war, konnte die Aktiengesellschaft in der DDR nicht enteignet werden, was trotz des 1973 eröffneten Konkurses nach der Wende zu einer Reaktivierung zwecks Realisierung von Rückgabeansprüchen führte. Großaktionär ist heute der Haniel-Konzern, der seine Beteiligung seit den 1960er Jahren aufgebaut hatte.
(s.a.: a). Über das 1897 erbaute Mörtelwerk heißt es in der wohl zeitgenössischen Zeitschrift "Berliner Architekturwelt":
Auf ihrem neu erworbenen Besitztum am Salzufer 23 in Charlottenburg haben die Vereinigten Berliner Mörtelwerke sich nach den Plänen ihres Direktors Ingenieur Pernet und des Architekten Sasse eine neue Fabrikstätte errichtet, welche, an Stelle der nunmehr eingehenden Fabrik in der Bachstraße, ausschließlich der fortgesetzt sich steigernden Bauthätigkeit der westlichen Bezirke der Reichshauptstadt und des angrenzenden Charlottenburg sowie der westlichen Vororte gewidmet sein soll. Von der umfangreichen Anlage zeigt unsere Abbildung 171 den hart am Landwehrkanal, kurz vor dessen Einmündung in die Spree, sich erhebenden Teil. Das stattliche Bauwerk nimmt im Erdgeschoss und ersten Stockwerk die mustergiltig ausgestatteten Stallungen (für 160 Pferde des Unternehmers), in seinen oberen Stockwerken die erforderlichen Futtermagazine auf, die durch einen elek-....
Auch sonst finden sich in den Fachzeitschriften der damaligen Zeit viele Hinweise auf das Wirken von Carl Pernet. Im folgenden soll eine ziemlich willkürliche Auswahl derselben gegeben werden, so wie sie über "Google Büche Ausschnitte" zuerst und am mühelosesten zugänglich werden. So heißt es etwa im "Zentralblatt der Bauverwaltung" (Nr. 20, also womöglich 1900, S. 127):
Der Direktor der Berliner Mörtelwerke Pernet wies aber darauf hin, daß dieses Verfahren ...
Auch in der "Tonindustrie-Zeitung und Keramische Rundschau" aus dem Jahr 1901 wird erwähnt (5, S. 566, 587) ein:
Carl Pernet, Direktor, Berlin C, Vereinigte Berliner Mörtelwerke
Und so wohl noch in vielen anderen Folgen dieser Zeitung. Im gleichen Jahr heißt es in dieser Zeitung von ihm (5, S.  481, Google Bücher-Ausschnitt):
... wo Herr Direktor Pernet in liebenswürdiger Weise die Teilnehmer, etwa 30 an der Zahl, begrüßte. Er zeigte den Besuchern zunächst die Schlämmen, in welchen die Löschung des Kalkes für den Wister (?) mit warmem Wasser stattfindet. Von diesen Schlämmen wird der Kalk in Gruben geführt, um hier zu lagern und entweder als Mauerkalk oder als Putzkalk Verwendung zu finden. Der zur Herstellung von Mörtel nötige Sand wird in großen Kähnen von 200 cbm Inhalt aus Nieder-Löhme hergeschafft, und es ist eine Vorrichtung getroffen, daß jeder ...
Abb. b: Die von Direktor Carl Pernet am Landwehrkanal errichteten Vereinigten Berliner Mörtelwerke
1905:
Herr Direktor Pernet-Berlin: Als Teilhaber eines der größten Kalksandsteinwerke möchte ich das Wort ...
1906:
... In der Diskussion verteidigte Herr Direktor Pernet den Berliner Maschinenmörtel, der erst auf der Baustelle schlecht gemacht ...
1908 - Scheidung von Carl und Margarethe Pernet

Am 17. Februar 1908 ließen sich Carl und Margarethe Pernet einvernehmlich scheiden (3, S. 75). Der Historiker Franz Uhle-Wettler schreibt (3, S. 75):
Die Ehe wurde geschieden (...), einer Ludendorffschen Familientradition zufolge wegen einer Liason des Ehemannes mit einer Sekretärin.
Leider gibt Uhle-Wettler seinen Informanten - wie häufiger - nicht genau an. Für "Familientraditionen" kämen zwei seiner Kontakte in Frage: Hans-Joachim Ludendorff, ein Sohn von Erich Ludendorffs Bruder Hans oder Franz von Bebenburg, der Schwiegersohn Erich Ludendorffs (3, S. 10). In der schon erwähnten Zeitung findet Carl Pernet dann auch etwa 1911 Erwähnung (6, S. 332):
... Im Anschluß an diesen Bericht bat der Vorsitzende die Versammlung, sich für die Zieglerschule recht rege zu interessieren. (...) Herr Pernet (Berlin) regte an, die Namen der an der Zieglerschule in Laubahn geprüften Schüler in den Fachblättern und in der Presse der betreffenden Heimatorte zu veröffentlichen. ...
Und (6, S. 390):
... Herr Cramer beantragte die Anstellung eingehender Versuche über diese Fragen. Dem Antrage wurde zugestimmt. Die Aufgabe wurde dem Kalkprüfungsausschuß überwiesen, der durch die Wahl des Herrn Direktor Pernet (Berlin) ergänzt wurde. Dieser hatte in der Aussprache hervorgehoben, daß in der Großstadt nur der Naßmörtel, wie ihn die Mörtelwerke lieferten, in Frage kommen könne. ...
1912 gehörte Carl Pernet auch zu den Förderern der deutschsprachigen Werkausgabe Friedrichs des Großen, die damals als ein wichtiges preußisch-patriotisches Unternehmen angesehen worden ist. In der Zeitschrift "Armierter Beton" heißt es im Jahr 1913 (7, S. 171):
... Neuzeitliche Mörtel. Eine Erwiderung von Ingenieur Carl Pernet auf einen diesbezüglichen Aufsatz von Prof. Gary. Verfasser widerlegt zunächst die Bedenken, die Professor Gary gegen die fabrikmäßige Mörtelbereitung trägt; die Anfuhrüberwachung bei den neuzeitlichen Riesenbauten läßt nichts zu wünschen übrig und von ...
Im gleichen Jahr wird über diese Diskussionen auch in der "Chemiker-Zeitung" berichtet (8, S. 415):
... Gary einen steifen, nicht zu langsam erhärtenden Mörtel, während Direktor Pernet darauf hinwies, daß der nasse Mörtel den Vorzug der Reinheit des Bindemittels habe. Der Naßmörtel könne nicht dafür verantwortlich gemacht werden, wenn ...
Im gleichen Jahr heißt es auch über ihn:
... Was die Kontrolle des Kalkverbrauches anbelangt, so bestätigt Pernet meine Mitteilung, daß sie den Mörtelwerken erst ... 
1914 (9, S. 325):
Der Jahresbericht über die Tätigkeit des Vorstandes (...) Herr Pernet als Kassenprüfer hat die Kasse in Ordnung gefunden und beantragt Entlastung des Vorstandes. Bei der Ersatz- und Zuwahl von Vorstandsmitgliedern werden in den Vorstand gewählt die Herren Pernet (Berlin) (...). Der Vorsitzende teilt gleichzeitig mit, daß Herr Pernet ...
1914 (9, S. 980):
Der öffentlich angestellte beeidigte Sachverständige bei der Handelskammer zu Berlin für Kalk, Mörtel, Sand und Kies, Herr Carl Pernet (Berlin-Schöneberg), hat sein Amt niedergelegt.
1917 (10, S. 351):
Vereinigte Berliner Mörtelwerke (Berlin). Direktor Carl Pernet (Berlin-Schöneberg) ist auf ein Vierteljahr als Stellvertreter des zum Heeresdienst einberufenen Vorstandsmitglieds Adolf Richter bis 30. Juni 1917 aus dem Aufsichtsrat in den Vorstand abgeordnet.
1923 Inflation

In der Inflation hat Carl Pernet, wie seine Enkeltochter berichtet, sein ganzes Geld verloren (1).

1927 wird er erwähnt als (11, S. 66):
Carl Pernet, Direktor und Königlicher Handelsrichter, Berlin
Zwei Töchter aus der zweiten Ehe Carl Pernets - Halbschwestern von Heinz Pernet und Margot Schuhmacher

In zweiter Ehe war Carl Pernet verheiratet mit einer Gertrud Elze (gest. 1962). Sie wurde in der Familie "Tina" genannt (1). Sie hatten zwei Töchter, Inge und Ilse, also Halbschwestern der Stiefkinder Erich Ludendorffs. Die Halbschwester Ilse Pernet hat in Berlin gelebt. Inge Pernet heiratete nach Dänemark einen Herrn Paulsen. Sie hatte eine Tochter mit Namen Marianne, die womöglich heute noch lebt und etwa siebzig Jahre alt ist. Inge starb durch Selbstmord irgendwann nach dem Zweiten Weltkrieg und Heinz Pernet hat zu dieser Zeit überlegt, ob er seine Nichte Marianne nicht nach Deutschland holen solle. Aber in Dänemark war sie in dieser Zeit wohl besser aufgehoben.

Carl Pernet starb - nach dem Lebenslauf seines Sohnes - am 7. November 1927.

Heinz Pernet wurde 1948 aus britischer Gefangenschaft entlassen (1). Er stirbt 1973. 2004 und 2005 sterben zwei seiner drei Töchter (Ehrengard und Gabriele) und zwei seiner drei Enkelkinder (Töchter von Gabriele, geboren 1964 und 1966) kurz hintereinander an Krebs.
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  1. Bading, Ingo: Einstündiges Telefonat mit Frau Barbara Pernet am 14. Februar 2013
  2. VDI-Z: Zeitschrift für die Entwicklung, Konstruktion, Produktion, Band 34. VDI-Verlag, 1890 (Google Bücher)
  3. Uhle-Wettler, Franz: Erich Ludendorff in seiner Zeit. Soldat - Stratege - Revolutionär. Eine Neubewertung. K. Vowinckel, 1996 (Google Bücher)
  4. Helmut Engel, Volker Koop: Der Spree-Bogen. Carl Bolle und sein Vermächtnis. Brandenburgisches Verlags, 1995 (148 S.), 2011  (Google-Bücher)
  5. Tonindustrie-Zeitung und Keramische Rundschau, Band 25, Teil 1 1901 (Google Bücher)
  6. Tonindustrie-Zeitung und Keramische Rundschau, Band 35, Teil 1, 1911
  7. Armierter Beton. Monatsschrift für Theorie und Praxis des gesamten Betonbaues, Band 6, 1913 (Google Bücher
  8. Chemiker-Zeitung. 1913, Band 37. Verlag der Chemiker-Zeitung (Google Bücher)
  9. Tonindustrie-Zeitung und Keramische Rundschau, Band 38, Teil 1, 1914 (Google Bücher)
  10. Tonindustrie-Zeitung und Keramische Rundschau, Zentralblatt für ... - Band 41, Teil 1, 1917, S. 351 (Google Bücher)
  11. Lehmann-Russbüldt, Otto: Der Kampf der Deutschen Liga für Menschenrechte, vormals Bund neues Vaterland, für den Weltfrieden 1914 - 1927. Hensel & Co., 1927 (190 S.) (Google Bücher)
  12. 50 Jahre Vereinigte Berliner Mörtelwerke A.G. 1889 - 1939. Hoppenstedt, Berlin 1939 (47 S.) (Mit ca. 50 fotografischen Abbildungen. Mit einem Abschnitt: "Die Neugestaltung Berlins im Dritten Reich".)
  13. Scheele, Hans: Ahnentafel des Feldherrn Erich Ludendorff. [Ahnentafeln berühmter Deutscher, Band 5, Ausgabe 1] Zentralstelle, für Deutsche Personen- und Familiengeschichte, 1939 (12 S.) (Google Bücher
  14. Pernet, Barbara: Email-Zuschrift an den Autor vom 23.2.2013
  15. Ludendorff, Erich: Rede zur Ehrung der Gefallenen in Berlin-Charlottenburg am 23.11.1919. In: Mensch & Maß, Folge 22, 23.11.1991, S. 1018 - 1022 [ohne Herkunftsangabe]  

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