Donnerstag, 2. Juni 2011

Paul von Hindenburg - Ein Nachruf von Erich Ludendorff (1934)

Unheilsfiguren der deutschen Geschichte: Paul von Hindenburg, Adolf Hitler - 1933
Erich Ludendorff veröffentlichte in seiner Halbmonatsschrift "Am Heiligen Quell Deutscher Kraft" vom 20.8.1934 einen Nachruf auf Paul von Hindenburg. In seinem Tenor deckt sich dieser so auffallend mit dem heutigen Stand der Forschung zu dem Generalfeldmarschall von Hindenburg (1), daß er hier noch einmal wieder gegeben werden soll:
Der Reichspräsident v. Hindenburg ist am 2. 8. 9 Uhr früh gestorben. Er war im Weltkriege vom 22. 8. 1914 ab Oberbefehlshaber der 8., später der 9. Armee, sowie Oberbefehlshaber Ost, vom 29. 8. 1916 ab Chef des Generalstabes des Feldheeres.

Der Feldherr Ludendorff schreibt in "Meine Kriegserinnerungen", nachdem er auf Bitten von Bekannten, die sich später als Freimaurer entpuppt haben, den ursprünglichen Wortlaut um einiges geändert hatte:

"Ich trug dem Generalfeldmarschall nach Rücksprache mit meinen Mitarbeitern kurz und knapp meine Gedanken für Anlage und Leitung aller Operationen vor. Ich hatte die Genugtuung, daß der Generalfeldmarschall stets - von Tannenberg an bis zu meinem Abgang im Oktober 1918 - mit meinem Denken übereinstimmte und meine Befehlsentwürfe billigte."

Er hat stets das getan, was General Ludendorff vorgeschlagen hat; in diesem lag in den entsprechenden Bereichen der Schwerpunkt der Kriegführung.

Über das Handeln des Generalfeldmarschalls von Hindenburg am 9. und 11. 11. 1918 und am 23. 6. 1919 hat Archivrat Volkmann geschrieben. Wir weisen auf diese beachtenswerten Ausführungen hin.

General v. Hindenburg wurde im April 1925 von den Deutschnationalen und den völkischen Parteien als Reichspräsident gewählt. Er regierte indes im wesentlichen mit Zentrum und Sozialdemokratie. Demzufolge sagte er kurz vor dem Tannenbergtage 1925 den Besuch bei General Ludendorff, zu dem er sich selbst aus eigenem Antriebe angesagt hatte, ab. Locarno-Pakt und Young-Pakt kennzeichnen diese Amtsperiode des Reichspräsidenten.

Er wurde im März 1932 von Sozialdemokratie und Zentrum von neuem als Reichspräsident gewählt, und zwar gegen die Deutschnationalen und Nationalsozialisten. Er wandte sich dann diesen zu und regierte seit dem 30. 1. 1933 mit den Nationalsozialisten.

So der Lebensgang. -
Historiker Prof. Wolfram Pyta
Das - und nicht mehr - wußte General Ludendorff aus Anlaß des Todes von Paul von Hindenburg zu dessen Leben in seiner Zeitschrift zu sagen.

"Ich halte ihn für einen der schlechtesten Charaktere, die je gelebt haben."

In seinen Lebenserinnerungen, die 1936 niedergeschrieben und 1955 veröffentlicht wurden, drückte sich Ludendorff noch deutlicher aus (III. Band, S. 92f):
Ich halte ihn für einen der schlechtesten Charaktere, die je gelebt haben. Er sprach von der Liebe zum Könige und verriet ihn dadurch, daß er ihm den Rat gegeben hatte, nach Holland zu fahren, und zur schwer zu bewegen war, hierfür einen Teil der Verantwortung zu tragen. Mit seiner Zustimmung wurden die Soldatenräte im Heere eingeführt. Während er nach seinem Verrat an mir (am 26. 10. 18) einen Vergleich mit mir erstrebte, ließ er in seinem Buche "Aus meinem Leben" auf Seite 87 jene Stelle einfügen oder schrieb sie selbst - die den Verdacht erwecken sollte, ich hätte in der Durchführung der Schlacht von Tannenberg geschwankt, während er selbst stark geblieben sei -, um sich dadurch "einen Anteil am Siege von Tannenberg" zu sichern. Rechts gewählt, regierte er links, links gewählt, regierte er rechts und hatte als Staatsoberhaupt von der Industrie ein Geschenk angenommen in Neudeck, was ein Staatsoberhaupt nie hätte tun dürfen.
Der Sache nach hat Wolfram Pyta in seiner Hindenburg-Biographie nichts Besseres über Hindenburg zu sagen gewußt. Pyta hat sich höchstens "vornehmer" ausgedrückt.
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  1. Pyta, Wolfram: Hindenburg. Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler. Siedler, München 2007
  2. Wehler, Hans-Ulrich: Zwischen Bismarck und Hitler - Wolfram Pytas herausragende Biographie über Hindenburg, eine deutsche Unheilsfigur. In: Zeit, 46/2007, S. 16
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