Donnerstag, 29. Dezember 2011

Ein deutscher Generalstabschef und die "Armeniergreuel" von 1915/16

Einiges zum Lebensweg des deutschen Generals Friedrich Bronsart von Schellendorf (1864 - 1950)

General Friedrich Bronsart von Schellendorf (1864-1950) (Wiki, s.a.: ab) war ein lebenslanger enger Freund und Mitarbeiter Erich Ludendorffs. Er wird in der Geschichtswissenschaft seit Jahrzehnten - zusammen mit vielen anderen deutschen Offizieren und Beamten - in seiner Rolle als Generalstabschef der mit Deutschland verbündeten türkischen Armee der Mitverantwortung angeklagt an dem Völkermord an den Armeniern in den Jahren 1915/16 (Wiki) (siehe etwa: 1-10, zuletzt: 11). Wie dem diesbezüglichen Wikipedia-Artikel zu entnehmen ist, gibt es zu diesem Thema eine sehr umfangreiche Literatur. In dieser wird - soweit übersehbar - auch die Rolle von Bronsart von Schellendorf unterschiedlich bewertet.

Abb. 1: Friedrich Bronsart von Schellendorf
Von 1914 bis 1917 war er der Chef des Generalstabs der Osmanischen Armee und verstand sich als solcher sehr gut mit dem türkischen Staatschef Enver Pascha. 1916 besuchte er mit Enver Pascha Jerusalem, wovon sich eine Fotographie im Internet findet (Abb. 4). Die unterschiedliche Bewertung seiner Rolle geht auch aus Internetdiskussionen hervor. So sagte im Februar 2007 ein Dr. Christoph Heger in Reaktion auf ein diesbezüglich gebrachtes Zitat von Gunnar Heinsohn:
Was das Zitat von Prof. Heinsohn mit seiner monströsen Beschuldigung des nicht besonders sympathischen, aber mitnichten massenmörderisch gesonnenen Bronsart v. Schellendorf angeht: Ich kenne die Quellen, auf die sich Heinsohn stützt, und zwar die genannten (Vahakn Dadrian) wie auch die nicht genannten (Christoph Dinkel). Dazu kann ich nur sagen: Christoph Dinkel hat (wohl ohne Arglist) seine Quellen überinterpretiert und zum Beispiel nicht unterschieden zwischen militärisch notwendigen Evakuierungen und Deportationen mit Mordabsicht. Dadrians „History of the Armenian Genocide“ ist dagegen ein ambitiöses Machwerk.
In diesem Artikel wollen wir uns noch kein eigenes Urteil anhand der Forschungsliteratur bilden. Das bedürfte doch umfangreicherer Lektüre als wir sie bislang leisten konnten. Diese Urteile seien hier deshalb einmal einfach nur in den Raum gestellt. Sicherlich sinnvoll wird es aber sein, zunächst einmal eine Eigendarstellung von General Bronsart von Schellendorf aus dem Jahr 1921 zur Kenntnis zu nehmen (12), auf die im Internet ebenfalls recht häufig verwiesen wird.

"Ein Zeugnis für Talaat Pascha" (1921)

Bronsart von Schellendorf hat schon selbst anlässlich eines Prozesses im Jahr 1921, in dem er zuerst als Zeuge aussagen sollte, dann aber doch nicht vorgeladen wurde, öffentlich "Ein Zeugnis für Talaat Pascha" abgelegt, einen damals führenden türkischen Politiker. Darin schrieb er über den Völkermord an den Armeniern, den er ja keinesfalls leugnet, folgendes (12):
Um die dem ermordeten Großwesir zur Last gelegten Armeniergreuel zu verstehen, ist es nötig, einen kurzen Rückblick zu tun.
Armeniergreuel sind uralt! Sie geschahen immer wieder, seit Armenier und Kurden im Grenzgebiet Rußlands, Persiens und der Türkei dicht beieinander wohnen.
Der Kurde ist Nomade und Viehbesitzer, der Armenier Ackerbauer, Handwerker oder Händler. Der Kurde hat keine Schulbildung, kennt Geld und Geldeswert nicht genau und weiß, daß Zinsennehmen durch den Koran verboten ist. Der Armenier nutzt als Händler die Unerfahrenheit des Kurden skrupellos aus und übervorteilt ihn. Der Kurde fühlt sich betrogen, rächt sich an dem Wucherer und – die "Armeniergreuel" sind fertig! Es muß ausdrücklich betont werden, daß Gegensätze in der Religion dabei niemals mitspielten.
Der uralte Zwist bekam neue Nahrung, als die Armenier während des großen Krieges einen gefährlichen Aufstand in den östlichen Grenzprovinzen der Türkei unternahmen; ein besonderer Grund dazu lag nicht vor, den die von den "Mächten" der Türkei auferlegten Reformen begannen gerade zu wirken. Die Armenier hatten Sitz und Stimme in dem neuen Parlament, stellten sogar zeitweise den Minister des Auswärtigen. Sie hatten die gleichen sozialen und politischen Rechte wie die übrigen Völker des Staates. Die Ruhe in ihrem Lande wurde durch die von den französischen General Baumann ausgebildete Gendarmerie aufrecht erhalten.
Der Aufstand war von langer Hand vorbereitet, wie die zahlreichen Funde an gedruckten Aufrufen, aufhetzenden Broschüren, Waffen, Munition, Sprengstoffen usw. in allen von Armeniern bewohnten Gegenden beweisen; er war sicher von Rußland angestiftet, unterstützt und bezahlt. Eine armenische Verschwörung in Konstantinopel, die sich gegen hohe Staatsbeamte und Offiziere richtete, wurde rechtzeitig entdeckt.
Da sich alle waffenfähigen Mohammedaner beim türkischen Herren befanden, war es den Armeniern leicht, unter der wehrlosen Bevölkerung eine entsetzliche Metzelei anzurichten, denn sie beschränkten sich nicht etwa darauf, rein militärisch gegen die Flanke und gegen den Rücken der in der Front durch die Russen gebundenen türkischen Ostarmee zu wirken, sondern sie rotteten die muselmanische Bevölkerung in jenen Gegenden einfach aus. Sie begingen dabei Grausamkeiten, von denen ich als Augenzeuge wahrheitsgemäß bezeuge, daß sie schlimmer waren, als die den Türken später vorgeworfenen Armeniergreuel.
Zunächst griff die Ostarmee ein, um ihre Verbindungen mit dem Hinterlande aufrecht zu erhalten; da sie aber alle Kräfte in der Front gegen die russische Überlegenheit brauchte, auch der Aufstand immer weiter, sogar in entfernteren Gegenden des türkischen Reiches, um sich griff, wurde die Gendarmerie zur Dämpfung des Aufstandes herangezogen. Sie unterstand, wie in jedem geordneten Staate, dem Ministerium des Inneren. Der Minister des Inneren war Talaat, und er mußte als solcher die nötigen Anweisungen geben. Eile tat not, denn die Armee war in ihren sehr empfindlichen rückwärtigen Verbindungen schwer bedroht, und die muselmanische Bevölkerung flüchtete zu Tausenden in Verzweiflung vor den Greueltaten der Armenier. In dieser kritischen Lage faßte das Gesamtministerium den schweren Entschluß, die Armenier für staatsgefährlich zu erklären und sie zunächst aus den Grenzgebieten zu entfernen. Sie sollten in eine vom Krieg unberührte, dünn besiedelte aber fruchtbare Gegend überführt werden, nach Nord-Mesopotamien. Der Minister des Inneren und die ihm unterstehende, von dem französischen General Baumann für ihren Beruf besonders ausgebildete Gendarmerie hatten lediglich diesen Entschluß auszuführen.
Talaat war kein unzurechnungsfähiger, rachsüchtiger Mörder, sondern ein weitblickender Staatsmann. Er sah in den Armeniern die zwar jetzt von den Russen und den russisch-armenischen Glaubensgenossen aufgehetzten, aber in ruhiger Zeiten doch sehr nützlichen Mitbürger, und hoffe, daß es ihnen, entfernt von russischen Einflüssen und kurdischen Streitereien, in den neuen fruchtbaren Wohnsitzen gelingen würde, diese zukunftsreiche Gegend durch ihren Fleiß und ihre Intelligenz zu höherer Blüte zu bringen.
Talaat sah ferner voraus, daß die Ententepresse die Ausweisung der Armenier dazu benutzen würde, eine scheinheilige Propaganda gegen die "Christenverfolgungen" der Türken in Szene zu setzen und hätte schon deshalb gern jede Härte vermieden. Er hat Recht behalten! Die Propaganda setzte ein und hatte tatsächlich den Erfolg, daß überall im Auslande diese unglaubliche Dummheit geglaubt wurde. Christenverfolgung! Man bedenke; just in einem Lande, daß mit christlichen Großmächten eng verbündet, eine große Zahl christlicher Offiziere und Soldaten in seinem Heere als Mitkämpfer hatte.
Ich komme nun zur Ausführung des Planes der armenischen Umsiedelung. In einem Lande von der Ausdehnung des türkischen Reiches, daß aber so mangelhafte Verbindungen hat, befinden sich die Provinzen in einer mehr oder weniger großen Unabhängigkeit von der Zentralstelle. Die Gouverneure (Walis) haben mehr Gerechtsame als z.B. unsere Oberpräsidenten. Hierauf fußend, nehmen sie für sich in Abspruch, die Verhältnisse an Ort und Stelle oft richtiger beurteilen zu können als dies in Konstantinopel möglich war. Befehle des Ministeriums wurden daher gelegentlich anders ausgeführt, wie beabsichtigt. So ging es auf der Beamtenstufenleiter nach unten weiter, wo in vielen Fällen die Einsicht fehlte.
Die ungewöhnlich schwierige Aufgabe, außer vielen Tausenden von muselmanischen Flüchtlingen auch ebenso viele Armenier auf die richtigen Marschstraßen zu leiten, sie zu ernähren und unterzubringen, überstieg die Kräfte der wenigen vorhandenen und noch dazu ungeschulten Beamten. Hier griff Talaat mit größter Tatkraft und allen Mitteln ein. Die von ihm erlassenen zweckmäßigen Anweisungen an die Walis und an die Gendarmerie müssen noch vorhanden sein. Zahlreiche Schreiben des Ministeriums des Innern an das Kriegsministerium, die mir durch meine Dienststellung bekannt wurden, verlangten dringend Hilfe von der Armee; sie wurde gewährt, soweit die Kriegslage es zuließ: Nahrungs- und Beförderungsmittel, Unterkunftsräume, Ärzte und Arzneimittel wurden zur Verfügung gestellt, obwohl die Armee selbst empfindlichen Mangel litt. Leider sind trotz aller Mühe, ihr Los zu erleichtern, Tausende von muselmanischen Flüchtlingen und armenischen Ausgesiedelten den Anstrengungen der Märsche erlegen.
Hier liegt die Frage nahe, ob man solche Zustände nicht hätte voraussehen und die Umsiedelung unterlassen können. Abgesehen davon, daß die türkischen Flüchtlinge in ihrer berechtigten Angst vor den armenischen Schandtaten sich einfach nicht hätten aufhalten lassen, muß auch die Staatsnotwendigkeit der armenischen Abwanderung aus den Aufruhrgebieten bejaht werden! Die Folgen mußte man auf sich nehmen!
Nehmen wir einmal unsere jetzigen Zustände in Deutschland. Wenn ein Ministerium sich fände und die Macht hätte, anzuordnen: "Alle polnischen Aufrührer werden aus Oberschlesien entfernt und in Gefangenenlager gebracht!" – oder: "Alle gewalttätigen Kommunisten werden eingeschifft und an den Küsten Sowjet-Rußlands ausgebootet!", würde nicht ein Beifallssturm durch ganz Deutschland brausen? --
Vielleicht legen sich die Richter im Teilirian-Prozeß solche Fragen nachträglich vor. - - - Sie werden dann zu der harten Maßnahme der Armenier-Aussiedelung einen neuen Standpunkt gewinnen!
Talaat hat sich der militärischen Forderung, an der Mittelmeerküste alle Griechen ausweisen zu lassen, widersetzt, denn dort wurde "nur Spionage" getrieben. Ein gefährlicher Aufruhr, wie in Armenien, erfolgte nicht, obwohl der Gedanke dazu nahe lag. Talaat war ein Staatsmann, aber kein Mörder!
Nun aber die Greuel, die absichtlich an den Armeniern begangen worden sind. Sie sind so vielfach bezeugt, daß an der Tatsache nicht zu zweifeln ist.
Ich beginne mit den Kurden. Selbstverständlich benutzte dieser Volksstamm die seltene, vielleicht nie wiederkehrende Gelegenheit, die verhaßten Armenier, die noch dazu solche Schleußlichkeiten gegen Mohammedaner begangen hatten, bei ihrem Durchmarsch ausplündern und gegebenenfalls totzuschlagen. Der Leidenszug der Armenier führte viele Tage und Wochen lang durch Kurdistan! – Es gab keinen anderen Weg nach Mesopotamien.
Über das Verhalten der den armenischen Scharen truppenweise beigegebenen türkischen Gendarmen lauten die Urteile verschieden. An manchen Stellen haben sie ihre Schützlinge gegen kurdische Banden tapfer verteidigt: an anderen Orten sollen sie geflohen sein. Es wird ihnen auch vorgeworfen, mit den Kurden gemeinsame Sache gemacht, oder auch allein die Armenier ausgeraubt und getötet zu haben; der Beweis, daß sie hierbei auf höheren Befehl gehandelt hätten, ist nicht erbracht worden. Talaat kann nicht dafür verantwortlich gemacht werden; die Ereignisse spielten sich 2000 km von ihm entfernt ab, und die Gendarmerie hatte, wie bereits erwähnt, bis zum Ausbruch des Krieges eine lediglich französische Ausbildung erhalten.
Es kann auch nicht geleugnet werden, daß türkische Offiziere sich an Armeniern bereichert und vergriffen haben, wo aber eine derartige Handlungsweise zur Kenntnis der Vorgesetzten kam, wurde sofort scharf eingegriffen. So ließ Wehib Pascha, Oberbefehlshaber der türkischen Ostarmee, zwei Offiziere aus solchem Grunde kriegsgerichtlich erschießen; Enver Pascha bestrafte den Gouverneur von Aleppo, einen türkischen General, der sich auf Kosten der Armenier bereichert hatte, mit sofortiger Dienstentlassung und langer Freiheitsstrafe. Ich denke, diese Beispiele genügen, um zu beweisen, daß man die Armeniergreuel nicht wollte! Aber es war Krieg, und die Sitten waren verwildert. Ich erinnere an die Grausamkeiten, die Franzosen an unseren Verwundeten und Gefangenen verübt haben. Hat das Ausland endlich diese Schandtaten erfahren?
Außer dem ermordeten Großwesir ist, wie ich gehört habe, auch Enver Pascha vor dem deutschen Gericht angegriffen worden. Enver liebt sein Vaterland glühend; er ist ein ehrenhafter Soldat von großer Begabung und beispielloser Tapferkeit, deren Augenzeuge ich wiederholt war. Seiner Tatkraft allein ist die Neuschaffung des türkischen Feldheeres zu danken, das, von seinem Geist erfüllt, jahrelang gegen eine erdrückende Übermacht kämpfte – und heute noch für die Heimat kämpft! Kein deutscher Offizier ist berufener, über ihn und seinen Freund Talaat Pascha zu urteilen, wie ich, der ich von 1914 bis Ende 1917 als Chef des Generalstabes des türkischen Feldheeres in den engsten Beziehungen zu diesen beiden Männern stand.
Talaat Pascha ist ein Opfer seiner Vaterlandsliebe geworden! Möge es Enver Pascha gelingen, wenn seine Zeit gekommen ist, seiner Vaterland zu neuer Größe zu erheben! Daß diese beiden Männer mir in schwerer Zeit ihr volles Vertrauen, ich darf sagen, ihre Freundschaft, geschenkt haben, ist eine stolze Erinnerung für mich.
In seiner allgemeinen Haltung stellte Bronsart von Schellendorf in damaliger Zeit gewiss keine Ausnahme dar. Selbst die Politiker der deutschen SPD und der deutschen liberalen Parteien während des Ersten Weltkrieges
beschworen in der Regel die deutsch-türkische Waffenbrüderschaft und wollten den Burgfrieden mit dem Kaiser nicht gefährden
und verzichteten deshalb auf eine öffentliche Kritik der Armeniermorde. Darüber, welche Handlungsspielräume ein Bronsart von Schellendorf hatte, der sehr viel näher am Geschehen war als die deutsche Politik im allgemeinen, soll damit aber noch nicht beurteilt sein.

Abb. 2: Die deutsche Militärmission für die Türkei vor ihrer Abreise im Dezember 1913 am Bahnhof - vierter von links: Oberst Bronsart von Schellendorf
(Herkunft: Wikipedia)
Schon 1919 hatte Bronsart von Schellendorf in einem weit verbreiteten Denken der damaligen Zeit die häufig  zitierten Worte geäußert:
Der Armenier ist wie der Jude, außerhalb seiner Heimat ein Parasit, der die Gesundheit des anderen Landes, in dem er sich niedergelassen hat, aufsaugt. Daher kommt auch der Hass, der sich in mittelalterlicher Weise gegen sie als unerwünschtes Volk entladen hatte und zu ihrer Ermordung führte.
In diesen Worten schwingt - wie auch sonst - natürlich eine "Nachsicht" gegenüber dem damaligen türkischen Verbündeten durch, die heute nur noch wenige werden teilen wollen.

Abgesehen von den "Armeniergreueln" ...

Was ist aber über General Friedrich Bronsart von Schellendorf noch zu sagen, ganz abgesehen von seiner Zeugenschaft der Armeniermorde oder gar seiner Mitverantwortung für diese? Auch sonst hat er in seinem Leben viel erlebt und viel selbst handelnd gestaltet.

Schon die Kadettenschule hatte er im gleichen Jahrgang besucht wie der spätere General Erich Ludendorff (1864-1937). Und er war Erich Ludendorff dann sein Leben lang so eng verbunden geblieben, dass er Ludendorff auch auf seinen - für die damalige Zeit ungewöhnlichen - Wegen auf politischem und weltanschaulichem Gebiet bis an sein Lebensende folgte. Schon vor dem Ersten Weltkrieg hat sich Bronsart von Schellendorf für die Anschaffung von Feldküchen im deutschen Heer eingesetzt (12):
Für die Einführung der modernen Feldküche setzte sich der Generalleutnant Fritz Bronsart v. Schellendorf beim preußischen Kriegsministerium ein, nachdem er im russisch-japanischen Kriege die russische Feldküche kennen gelernt hatte. Bei einem Wettbewerb 1906 wurden 40 Modelle vorgeführt. ...

Gespräche mit Lyncker 1912 und 1924 über die Personalie der obersten deutschen Kriegsführung (Moltke, Ludendorff)

1912 hatte er ein geschichtlich bedeutsames Gespräch mit dem damaligen Chef des Militärkabinetts General Moriz Feriherr von Lyncker (1853-1932) (Wiki). In diesem legte Bronsart aufgrund guter persönlicher Kenntnis von Moltkes und seiner Familie dem General von Lyncker die Ungeeignetheit von Moltkes als Leiter in einem künftigen Krieg dar. Er begründete dies mit der Kränklichkeit von Moltkes, mit dem Pessimismus von Moltkes, der sicher glaube, dass der nächste Krieg für Deutschland verloren ginge, und mit den spiritistischen Interessen seiner Frau, die Moltke ihm, Bronsart gegenüber, sehr ernsthaft verteidigt und gerechtfertigt habe. von Bronsart nannte Lyncker nach anderen Vorschlägen Ludendorff als die damals bedeutendste militärische Begabung für die Leitung in einem künftigen Krieg. Lyncker jedoch meinte, dass keine der genannten Alternativen für Moltke beim Kaiser durchzusetzen seien, am wenigsten Ludendorff (19).

Ist der Ernst im Gesicht von Bronsarts im Dezember 1913 auch von solchen Erfahrungen her bestimmt (Abb. 2)?

Abb. 3: Fritz Bronsart v. Schellendorf
Als von Bronsart Lyncker im Jahr 1924 an dieses Gespräch erinnerte, betonte Lyncker, dass man Hindenburg Ludendorff nur an die Seite gestellt habe, weil und damit Hindenburg Ludendorff niemals reinreden würde (19). Die Aufzeichnungen über diese beiden Gespräche (19) stellen eine wesentliche Geschichtsquelle dar.

Abb. 4: von Schellendorf, Enver, Jamal
Im Herbst 1927 hatte Bronsart von Schellendorf auf Wunsch von Ludendorff die Leitung des Tannenbergbundes übernommen, der unter der Schirmherrschaft von Ludendorff stand, und der bis dahin von Konstantin Hierl geleitet worden war (Wiki) (s. Abb. 6 und 7). Bronsart von Schellendorf trat in der Folgezeit wie Erich Ludendorff aus der Kirche aus und bekannte sich zur Philosophie von Mathilde Ludendorff.

Abb. 5: F. Bronsart v. S. in der Mitte umgeben von türkischen Politikern
Noch 1935 war er deshalb beim Geburtstagsbesuch des Kriegsministers von Blomberg bei Erich Ludendorff mit eingeladen (siehe Abb. 8 ganz rechts).

Abb. 6: Ludendorff mit Bronsart von Schellendorf
Der Nachlaß des Generals Friedrich Bronsart von Schellendorf liegt heute im Bundesarchiv Freiburg (14). Er enthält auf drei Mikrofiche-Rollen laut Nachlassdatenbank:
Lebenserinnerungen, u. a. über Tätigkeit in der Türkei 1913-1917, 1914-1917 als Chef des Generalstabes der türkischen Armee; Aufzeichnungen; Schriftwechsel, u. a. mit Ludendorff; Zeitungsausschnitte. 
Erich Ludendorff beschreibt 1932 in einer Würdigung (15) auch, in welcher Weise General Bronsart tätig war, nachdem er im September 1919 aus dem aktiven militärischen Dienst ausgeschieden war:
Er schuf sich ein neues Leben. Er besuchte die landwirtschaftliche Hochschule in Hohenheim bei Stuttgart und kaufte sich den kleinen Besitz Runenberg bei Brunshaupten in Mecklenburg. Er bewirtschaftet ihn zusammen mit seinem früheren Burschen und dessen Frau, die seit 27 Jahren im Hause Bronsart angestellt sind. Auch wenn er den Bauern der Umgebung mannigfache Anregung zu geben vermochte und sich so seinen Wirkungskreis örtlich ausdehnte, genügte ihm dieses Leben nicht. Er musste eintreten in den Lebens- und Freiheitkampf des Volkes.
Brunshaupten liegt zwei Kilometer südlich der Ostsee bei Kühlungsborn. Am Thema dieses Blogs Interessierte berichten, dass eine Frau Michaelis zusammen mit ihrem Sohn den General Bronsart von Schellendorff noch 1947 in Mecklenburg besucht hat. Dort habe Bronsart damals zusammen mit seinem Kutscher in einer "Bütnerei" gelebt, da er von den Kommunisten wohl enteignet worden war. Diese Frau Michaelis hat ihren Besuch auch in Lebenserinnerungen festgehalten, die sie für das Ludendorff-Archiv des "Bundes für Gotterkenntnis" vorgesehen hatte, denn sie übergab sie dem früheren Vorsitzenden dieses Bundes, Gunther Duda. Heute befinden sie sich vermutlich im Privatnachlass von Gunther Duda.

Abb. 7: Mit General Ludendorff am Grabe Bismarks, Friedrichsruh, 1926
Ein anderer, 2015 verstorbener Leser dieses Blogs erinnerte sich, dass er von Frau Bronsart von Schellendorf in den 1950er Jahren noch einen Brief bekommen hat, eventuell von Sylt (?) aus, als er ein Flugblatt über Äußerungen von Konrad Adenauer zur Wiedervereinigung verbreitete. (Dieser persönliche Brief hat sich allerdings bisher noch nicht wieder finden lassen.) Veronika Bronsart von Schellendorff feierte im Jahr 1967 ihren hundertsten Geburtstag (16):
Im hohen Alter von 90 Jahren musste Frau von Bronsart mit Tochter und Schwiegersohn ihren Hof in Mecklenburg verlassen, weil ihr das Bleiben durch Maßnahmen der LPG unmöglich gemacht wurde. Bald nach ihrer Übersiedlung nach Bad Ditzenbach/Württ. schrieb sie: "Vierzig Jahre lang habe ich auf unserem kleinen Bauernhof ein sehr glückliches Leben geführt; man verlässt nicht gerne Haus und Hof, aber es blieb mir keine andere Wahl. Mein Schicksal ist das Schicksal von Millionen, ich darf kein Wort darüber verlieren."
Ein Jahr später starb sie (17). Weitere Erinnerungen, Lebenszeugnisse und Hinweise nehmen wir jederzeit gerne entgegen. Insbesondere steht auch noch eine gründliche Auswertung des genannten Nachlasses in Freiburg aus, zu der mit diesem Beitrag gerne auffordert sein soll.

Abb. 8: Blomberg bei Ludendorff in Tutzing, 9.4.1935 (aus Blombergs privatem Fotoalbum)
/letzte Überarbeitung 
dieses Beitrages: 
18.2.2017/
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  1. Gust, Wolfgang: Der Völkermord an den Armeniern. Die Tragödie des ältesten Christenvolks der Welt. Carl Hanser Verlag, München 1993 S. 267 (zit. n. Ulla Kux, 2005)
  2. Gust, Wolfgang: Der Völkermord an den Armeniern 1915/16. Dokumente aus dem Politischen Archiv des deutschen Auswärtigen Amts, Verlag zu Klampen, 2005
  3. Gust, Wolfgang: Antwort auf die Kritik Hilmar Kaisers. Auf: http://www.wolfgang-gust.net/
  4. Dadrian, Vahakn N.: German Responsibility in the Armenian Genocide: A Review of the Historical Evidence of German Complicity. Blue Crane Books, U.S., Mai 1996 (300 Seiten) 
  5. Dadrian, Vahakn N.: Warrant for Genocide: Key Elements of Turko-Armenian Conflict. Transaction Publishers. New Brunswick [u.a.] 1999 (224 Seiten)
  6. Dadrian, Vahakn N.: The History of the Armenian Genocide: Ethnic Conflict from the Balkans to Anatolia to the Caucasus. Berghahn Books Inc; 2004 (490 Seiten)
  7. Dinkel, Christoph: German Officers and the Armenian Genocide. In: Armenian Review, vol. 44, no. 1 (1991), 77-133
  8. Bloxham, DonaldA Reassessment of the German Role in the Armenian Genocide. Auf Hist.net
  9. Gottschlich, Jürgen: „Das ist hart, aber nützlich“. Der Völkermord an den Armeniern. die tageszeitung, 20. April 1995 (Rezension von Gust 1993)
  10. Schoeps, Julius H.: Der verdrängte Genozid. Armenier, Türken und ein Völkermord, für den bis heute niemand die Verantwortung übernehmen will. In: Compass - Informationsdienst für christlich-jüdische und deutsch-israelische Tagesthemen im Web, Februar 2005
  11. Schmid, Thomas: „Das ist hart, aber nützlich“. Der Völkermord an den Armeniern. In: Berliner Zeitung, 28.12.2011
  12. Bronsart von Schellendorf, Friedrich: Ein Zeugnis für Talaat Pascha. In: Deutsche Allgemeine Zeitung, 24.7.1921. Auf: Scribd.com oder auch auf: Politikcity.de ("Europas größtes türkisches Politikforum"), 30.12.2005 Siehe auch: A German Officer's "Genocide" Eyewitness Testimony. A Witness for Talaat Pasha General Lieutenant a.d. Bronsart von Schellendorf. Auf: The Other Side of the Falsified Genocide.
  13. Transfeldt, W.; Frhr. von Brand, K.: Wort und Brauch im deutschen Heer. Geschichtliche und sprachkundliche Betrachtungen über Gebräuche, Begriffe und Bezeichnungen des deutschen Heeres in Vergangenheit und Gegenwart. Verlag Helmut Gerhard Schulz (6. Aufl.), Hamburg 1967 (zit. n. "Historischer Service")
  14.  http://www.nachlassdatenbank.de/viewsingle.php?category=B&person_id=1906&asset_id=2078&sid=124db5da4a4cb13ca807c . Lebenserinnerungen, u. a. über Tätigkeit in der Türkei 1913-1917, 1914-1917 als Chef des Generalstabes der türkischen Armee; Aufzeichnungen; Schriftwechsel, u. a. mit Ludendorff; Zeitungsausschnitte. - Umfang: 3 Mikrofilmrollen. - Erschließungsstand: Findkartei. 
  15. Ludendorff, Erich: 50 Jahre im Dienst. (Eine Würdigung des Lebens von General Bronsart von Schellendorff.)  In: Ludendorff's Volkswarte, Folge 14 vom 10.4.1932, S. 5f
  16. Karg von Bebenburg, Franz Freiherr: Glückwünsche zum hundersten Geburtstag von Veronika Bronsart von Schellendorff. In: Mensch & Maß, Folge 16, 23.8.1967, innere Umschlagseite
  17. Todesanzeige für Veronika Bronsart von Schellendorf, geb. von Bronsart. In: Mensch & Maß, Folge 9, 9.5.1968, äußere Umschlagseite
  18. Bronsart von Schellendorf, Friedrich: Deutscher Adel und Freimaurerei. K. H. Heine, Wismar i. Mecklbrg. 3. Auflage 1930 (Scribd)
  19. o.V.: Wen die Götter verderben wollen, den schlagen sie vorher mit Blindheit. Zwei historische Gespräche vor dem Hintergrund des Ersten Weltkrieges. In: Mensch & Maß, Folge 13, 9.7.1985, S. 577 - 595 [Bronsarts Gespräche mit Lyncker 1912 und 1924 über die Ungeeignetheit von Moltkes und die Wahl Ludendorff als Nachfolger für ihn]

Samstag, 17. Dezember 2011

Um "seiner Verdienste um die Bewegung" willen ...

Ein nationalsozialistischer Ludendorff-Gegner erhielt noch 1944 seinen Judaslohn von Adolf Hitler

Abb. 1: Georg Ahlemann
Der nationalsozialistische Ludendorff-Hetzer Georg Ahlemann (1870 - 1962) (s. Abb. 1) der Jahre 1929 bis 1932 ist noch während des Zweiten Weltkrieges großzügig von Adolf Hitler mit mindestens 100.000 Reichsmark und einem Rittergut im Wartheland belohnt worden - um "seiner Verdienste um die Bewegung" willen. Dies kann man neuerdings der Online-Findmitteldatenbank des Archivs des "Instituts für Zeitgeschichte" in München (1), sowie einem privaten Kassenbuch von Adolf Hitler (2) entnehmen. Diese "Verdienste" bestanden in der übelsten Schmutzkampagne, die wohl jemals gegen Erich und Mathilde Ludendorff geführt worden ist.

Eine solche Belohnung hatte Adolf Hitler sonst nur für den Reichspräsident Paul von Hindenburg und dessen Sohn als "Gegenleistung" für die Ernennung zum Reichskanzler übrig (3). Oder für verdienteste Parteigenossen und Gauleiter (2). Daran kann die Bedeutung erkannt werden, die Hitler der Schmutzkampagne des Georg Ahlemann in den Jahren 1929 bis 1932 für den damaligen "Erfolg" der NS-Bewegung zumaß. Nur wenige erhielten von Hitler noch höhere Summen. Etwa jene Frau, die Carl Goerdeler 1944 an den Galgen lieferte. Sie erhielt von Hitler eine Million Reichsmark (2). Aktuell tappt "Spiegel-Online" noch im Dunkeln (2):
... Der Oberstleutnant a.D. und NSDAP-Reichstagsabgeordnete Georg Ahlemann bekam dieselbe Summe (100.000 Reichsmark) ohne erkennbaren Grund. ... 
Tatsächlich ist dieser Grund aber sehr wohl bekannt. Denn just zu gleicher Zeit wie das Kassenbuch Adolf Hitlers in den USA versteigert wird, werden durch die neue Online-Findmitteldatenbank des Archivs des "Instituts für Zeitgeschichte" in München (1) die genaueren Umstände dieses Judas-Lohnes für Georg Ahlemann deutlich.

Schon in zwei früheren Beiträgen (4, 5) ist darauf hingewiesen worden, daß Adolf Hitler noch während des Zweiten Weltkrieges in seinem Tresor Aktaufnahmen, aus heutiger Sicht übrigens ziemlich harmloser Art, seiner politischen und weltanschaulichen Gegnerin Mathilde Ludendorff aufbewahrt hat. Der größere politische Zusammenhang, in den das Aufbewahren dieser Aktaufnahmen als politisches Druckmittel gestellt werden muß, ist in diesen beiden Beiträgen nur angedeutet worden. Auch ein Aufsatz in der "Zeitschrift für Geschichtswissenschaft" aus dem Jahr 2006, der die Quellen zu dieser Thematik nur sehr einseitig benutzt und ausgewertet hat, hat diesen Zusammenhang bei weitem nicht deutlich genug herausgearbeitet (6). 

Es geht hier um eine unglaublich üble politische Schmutzkampagne gegen Erich und Mathilde Ludendorff von Seiten Adolf Hitlers und der NSDAP, nachdem Erich und Mathilde Ludendorff seit Ende der 1920er sehr scharf gegen die "hirnverbrannte" Außenpolitik und gegen die Mordmoral Adolf Hitlers und der Nationalsozialisten Stellung genommen hatten, und seit sie ihnen vorwarfen, mit Hilfe der katholischen Kirche, mit Hilfe von Freimaurern, mit Hilfe amerikanischer Gelder und mit Hilfe der Bestechung der Kamarilla Hindenburgs an die Macht kommen zu wollen. SA-Horden hatten darauf nur die Antwort, daß sie in Versammlungen "Ludendorff verrecke!" und "Mathilde verrecke!" gröhlten.

Im Zentrum der Schmutzkampagne gegen Erich und Mathilde Ludendorff zur Abwehr ihrer zum Teil ziemliches Aufsehen erregenden Kritik stand nun eben jener gewisse Georg Ahlemann, der selbst ein vorheriger enger Mitarbeiter der Ludendorffs gewesen war. (Ein weiteres Foto von ihm befindet sich auch im Reichstagshandbuch von 1924.) Auf  Wikipedia heißt es über ihn:
1925 trat Ahlemann in die NSDAP ein, verließ jedoch 1926 die Partei, um sich dem Tannenbergbund um Ludendorff anzuschließen. Bis 1929 war er der Berliner Landesleiter des Tannenbergbundes und gleichzeitig bevollmächtigter Leiter des Verlages der Deutschen Wochenschau, dann trat er erneut in die NSDAP ein. 
Erich Ludendorff trennte sich 1929 von der Wochenzeitung "Deutsche Wochenschau" und deren beiden Inhabern Georg Ahlemann und einem weiteren Mitarbeiter in Berlin und gründete seine eigene Wochenzeitung "Ludendorffs Volkwarte" in München. Dies bedeutete einen herben wirtschaftlichen Verlust für die "Deutsche Wochenschau", für die Erich und Mathilde Ludendorff bis dahin unentgeltlich gearbeitet hatten und deren Auflage sie durch ihre Mitarbeit und dadurch, daß sie die "Deutsche Wochenschau" zur Verbandszeitung des Tannenbergbundes erklärt hatten, um ein Bedeutendes gesteigert hatten.

Der "Rachefeldzug" des Georg Ahlemann

Daraufhin führte Georg Ahlemann eine Art "Rachefeldzug" gegen Erich und Mathilde Ludendorff. Dieser geriet aber mehr oder weniger zu einer außerordentlich üblen "Schmutzkampagne" (7 - 9). Das hinderte Adolf Hitler aber keineswegs, ihr Rückendeckung zu geben. Im Gegenteil: Noch 1944 belohnte der Ahlemann mit einem Rittergut und 100.000 Reichsmark. Schon 1932 war Ahlemann mit einem Reichstagstagsmandat der NSDAP belohnt worden, auch um ihn "immun" zu machen gegen Verleumdungsklagen. Diese Schmutzkampagne also war sein "Verdienst um die Bewegung". Dieses Verdienst muß also von Hitler bei weitem als größer erachtet worden sein, als bislang bekannt war. Auf Wikipedia heißt es:
Ab 1940 wohnte Ahlemann auf Gut Ruhenheim bei Oppenbach im Landkreis Grätz (Wartheland).
Abb. 2: Schloß Rudnik bei Opalenica
Das ist das Schloß Rudniki bei Opalenica  (siehe Abb. 2 und 3), 150 Kilometer östlich von Frankfurt an der Oder und 50 Kilometer westlich der Stadt Posen in der vormaligen deutschen Provinz Posen, in der auch General Ludendorff selbst geboren worden war (allerdings in einem viel bescheideneren Gutshaus in Kruszewnia, östlich der Stadt Posen). Das Schloß Rudniki scheint gerade (2011) renoviert worden zu sein.

Die genaueren Umstände des Erwerbens dieses Wohnsitzes während des Zweiten Weltkrieges werden nun in der Online-Findmitteldatenbank des Archivs des "Instituts für Zeitgeschichte" in München genannt (1). Im Bestand "Reichskommissar für die Festigung des deutschen Volkstums" findet sich nämlich der folgende Briefwechsel laut Findmitteldatenbank (Hervorhebung nicht im Original):
Stabshauptamt, Korrespondenz mit Oberstleutnant a.D. Georg Ahlemann, Bodenamt Posen, Reichsminister und Chef der Reichskanzlei Lammers, Deutsche Ansiedlungsgesellschaft Posen, "Reichsland" , Gauleiter Greiser 1942 - 1944: Bevorzugter Ankauf des Oberstleutnant a.D. und Mitglied des Reichstages Georg Ahlemann im Warthegau auf Anordnung Hitlers wegen seiner Verdienste um die Bewegung.
- Gesuch Georg Ahlemann an Hitler, 10. August 1942 mit Anschreiben Ahlemann an Lammers: Ahlemann völkischer Abgeordneter seit 1924; Vertreter des Ludendorff-feindlichen Flügels in der NSDAP; Tätigkeit als Redner
- Chef der Reichskanzlei an RKF, 10. Oktober 1942: Zuteilung eines Gutes im Warthegau an Ahlemann wegen seiner Verdienste im die Bewegung
- Schreiben (Fotokopie) Georg Ahlemann an Lammers, 19. November 1942, mit Anschreiben Lammers an RKF: Dank für Unterstützung durch Lammers; Persönliche Verhältnisse
- Vermerk Stabshauptamt, 27. November 1942: Ankaufschwierigkeiten für Ahlemann durch seinen Gutsnachbarn von Bernuth; Verwalter von Bernuth auf Hessenhof ist ein Neffe des Reichsfinanzministers
- Vermerk Stabshauptamt, 27. Dezember 1942: Verhaftung von Mausberg durch Gestapo aufgrund von Intrigen des kommissarischen Verwalters auf Gut Hessenhof, von Bernuth
- Vermerk (Durchschrift) Ministerialrat Lauenstein von der "Reichsland" für Stabshauptamt, 01. Dezember 1942: Vorkommnisse während des Besuchs Ahlemanns bei Lauenstein
- Gauleiter Greiser an Lammers, 13. Dezember 1942, mit Anschreiben Greiser an Greifelt: Bedenken gegen Ansiedlung Ahlemanns
- Schreiben Lammers an Gauleiter Greise, 23. Dezember 1942, mit Anschreiben Lammers an Greifelt: Unterstützung der Absicht Ahlemanns, sich im Warthegau anzukaufen
- Vermerk Stabshauptamt, 22. Mai 1943: Endgültige Ansetzung Ahlemann auf Gut Ruhenheim; Erhöhung der Dotation durch die Reichskanzlei
- Ansetzungsvertrag zwischen RKF und Oberstleutnant Georg Ahlemann, ohne Datum: Übergabe von Ruhenheim
- Ahlemann an Lammers, 08. Oktober 1943, mit Anschreiben Lammers an Stabshauptamt: Bitte um Abänderung der Gutsgrenzen; Grundbesitz im Osten soll 2000 Morgen nicht übersteigen
- Vorschläge Ahlemann an Reichskanzlei, mit Anschreiben Lammers an Stabshauptamt, 03. April 1944: Bevorzugte Sesshaftmachung von Kriegsversehrten, Kriegsbeschädigten des Weltkrieges, Kämpfern der nationalen Erhebung etc.
- Ahlemann an Stabshauptamt, 04. August 1944: Gewährung einer Dotation vom 100 000 Reichsmark durch die Reichskanzlei für den Ankauf des Gutes Ruhenheim
Abb. 3: Schloß Rudnik bei Opalenica
Ein wohl doch recht "ansehnliches" Anwesen - wohl zuvor von einer polnischen Adelsfamilie enteignet (?) -, mit dem Hitler seinen Getreuen Ahlemann belohnte.

Worin aber nun hatte eigentlich die Schmutzkampagne bestanden, für die man während des Dritten Reiches so "fürstlich" belohnt werden konnte?

Dazu müssen einige Daten aus der Biographie, bzw. dem Privatleben von Mathilde Ludendorff rekapituliert werden. Mathilde Ludendorff wurde 1877 als Mathilde Spieß in Wiesbaden geboren. Einer der von ihren Eltern in Pension genommenen Schüler, Gustav Adolf von Kemnitz, wurde 1904 ihr erster Ehemann und der Vater ihrer drei Kinder. Gustav Adolf von Kemnitz ging aber nach vielen glücklichen Ehejahren eine Beziehung zu einer anderen Frau ein. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde Mathilde Ludendorff (damalige von Kemnitz) Leiterin eines Offiziersgenesungsheimes in Garmisch-Partenkirchen, während Gustav Adolf von Kemnitz weiter in seinem Zivilberuf als Zoologe in München arbeiten mußte. Denn alle seine Meldungen als Kriegsfreiwilliger waren aufgrund eines Augenleidens abschlägig beschieden worden.

Das Privatleben der Mathilde Ludendorff

1917 kam Gustav Adolf von Kemnitz bei einem Schifunfall gemeinsam mit zwei Begleiterinnen ums Leben. 1919 schloß Mathilde von Kemnitz die Ehe mit einem Major Kleine, der Patient ihres Offiziersgenesungsheimes in Garmisch gewesen war.

Abb. 4: Dr. med. Mathilde von Kemnitz im Kreise ihrer Mitarbeiterinnen und Patienten im Offiziersgenesungsheim Garmisch 1917 (aus: "Mensch & Maß", 23.9.1967)
Die Ehe mit diesem Major Kleine wurde aber schon zwei Jahre später auf Betreiben von Mathilde von Kemnitz wieder geschieden. 1926 ging sie die Ehe mit Erich Ludendorff ein und nahm im Jahr 1927 gemeinsam mit ihm den Kampf gegen "das Unheil der Geheimbünde" auf, wie sie in ihren Lebenserinnerungen schreibt. Der Kampf gegen die Freimaurerei erweiterte sich bald auf andere Hintergrundmächte und schließlich 1929 auch auf den von all diesen Hintergrundmächten geförderten Nationalsozialismus.

Georg Ahlemann zog nun 1929 nach seinem Bruch mit Ludendorff diesen zweiten Ehemann von Mathilde Ludendorff, den genannten Major Kleine "hervor", der von einer eheliche Freizügigkeit seiner nachmaligen Frau noch zu Lebzeiten ihres ersten Ehemannes Gustav Adolf von Kemnitz und in dessen Anwesenheit wissen wollte während einer Skitour, die sie zu dritt unternommen hätten, auf einer Skihütte.

Obwohl Mathilde Ludendorff diese Behauptungen des Majors Kleine entschieden bestritten hat, und obwohl Kleine diese Behauptungen auch schon während ihres Scheidungsprozesses 1921 wieder zurückgenommen hatte, baut noch der Historiker Florian Mildenberger im Jahr 2006 (6) einigermaßen "süffisant" auf diesen seine These auf, Mathilde Ludendorff hätte in früheren Jahren ihres Lebens in moralischen Fragen der Ehe noch sozusagen "erstaunlich moderner" gedacht und gehandelt, als später. Wobei er großzügig die Eigendarstellung Mathilde Ludendorffs in ihren eigenen Lebenserinnerungen unbeachtet läßt.

Die Frage, wie "modern" Mathilde Ludendorff im Jahr 1916 über die Ehe gedacht hat, ist wohl - abgesehen von einem Florian Mildenberger (?) - für eine heutige Generation nicht mehr gar so relevant. Relevanter wäre schon eher, ob es angängig ist, ohne jede Quellenkritik Mathilde Ludendorff freiweg eine Lüge über ihr eigenes, früheres Leben zu unterstellen und andererseits der Wahrheit eines Rachefeldzuges eines Nationalsozialisten im Dienste der nationalsozialistischen Sache von vornherein zu trauen.

Aber auch das soll an dieser Stelle gar nicht in den Vordergrund gestellt werden. Relevant ist viel mehr vor allem - und das arbeitet Florian Mildenberger völlig ungenügend heraus -, daß noch heute, mehr aber noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Vorwürfe auf dem Gebiet des Ehe- und Geschlechtslebens als bevorzugte Waffen im Kampf mit politischen Gegnern angesehen und benutzt worden sind. Zumindest von solchen Leuten, die sich nicht zu schade dafür waren.  Adolf Hitler und die Gestapo beispielsweise hatten demgegenüber nicht die geringsten Skrupel. Die Blomberg-Fritsch-Krise von 1938 - oder auch der Vorwand für die Röhm-Morde von 1934 - liefern dafür schon das beste Anschauungsmaterial. Aber sicherlich sind damit nur die geschichtsträchtigsten Beispiele genannt. (Viele Erpressungen auf diesem Gebiet sind ja sicherlich nie öffentlich bekannt geworden und können eventuell nur von der "Gefügigkeit" und "Stromlinienförmigkeit" politisch Handelnder abgeleitet werden.)

Der wesentlichste Zusammenhang, in den die Schmutzkampagne des Georg Ahlemann unter den Fittichen Adolf Hitlers gegen Mathilde Ludendorff gestellt werden muß, sind also die vielen weiteren Fälle von Vorwürfen auf dem Gebiet des Sexuallebens, die man in Tresoren liegen hat, und die man zum gegebenen Zeitpunkt als Waffe in der der Politik zu benutzen gewillt war und ist. Und für den Sozialdarwinisten Hitler waren Politik und Moral getrennte Gebiete. Der wesentlichste Zusammenhang, der hier zu erörtern ist, scheint also der zu sein, daß Hitler offenbar im Jahr 1929 "sonstige Argumente" gegen die Angriffe und Warnungen des Hauses Ludendorff  ("Weltkrieg droht auf deutschem Boden") ausgegangen waren.

Staatsbegräbnis: Hitler hinter dem Sarg Ludendorffs, Dezember 1937, München
Wenn Adolf Hitler Georg Ahlemann noch 1944 für seine "Großtaten" in der deutschen Geschichte mit 100.000 Reichsmark belohnt und mit einem Gut im Wartheland, kurz bevor der von Ludendorff vorausgesagte Weltkrieg deutschen Boden erreichte, dann wird hierdurch wahrscheinlich mehr als durch vieles andere beleuchtet, welch eine Bedeutung Hitler diesen "Großtaten" des Herrn Ahlemann der Jahre 1929 bis 1932 für den Erfolg seiner Bewegung noch im Jahr 1944 zumaß,  wie er über sie dachte, noch 1944. Und auch, mit welcher inneren Gesinnung Adolf Hitler im Dezember 1937 dem Sarg Erich Ludendorffs während des Staatsbegräbnisses an der Feldherrnhalle in München folgte.

Im Grunde doch nur als Schauspieler. Geradezu wie jene Charly Chaplin-Figur in "Der große Diktator".

"Die Reitpeitsche um die Ohren!" (1931)

Eigentlich hatten die öffentlichen Auseinandersetzungen um diese Dinge während der Jahre 1931 und 1932 in diesem Beitrag gar nicht "in extenso" behandelt werden sollen. Einen Eindruck davon kann man sich aber auch durch eine damals erschienene, gerade ins Netz gestellte "Aufklärungsschrift" aus dem Jahr 1931 verschaffen (9). Nicht uninteressant aber dürfte sein, auch für noch weitergehende Zusammenhänge, was sich in der damaligen „Ludendorffs Volkswarte“, Folge 21 vom 24.5.1931 findet:
Erklärung!
Ich bitte um Aufnahme folgender Erklärung in die nächste Nummer der Volkswarte:
„Widerlich und ekelerregend liest man, mit welch hämischer Freude ein „deutscher Offizier“, Oberstleutnant Ahlemann, im Schmutz wühlt. Fühlt denn die „gesamte nationale Front“, als deren Verteidiger er sich aufwirft, nicht den Ekel aufsteigen? So lange Oberstlt. Ahlemann im Gefolge Ludendorffs ging, konnte er nicht genug kriechen; heute übt er kleinlichste, widerlichste Rache, ein Zeichen, daß Ahlemann den Generalquartiermeister niemals verstanden hat. Diese Erkenntnis ist natürlich bitter für Ahlemann; was liegt daher näher, als mit jüdischer Unverfrorenheit Gemeinheiten loszulassen? Für diese Schmutzfinken gibt es nur eine Antwort: Die Reitpeitsche um die Ohren! Eine Deutsche Arbeiterfaust wird durch die Berührung mit solchen Elementen nur entehrt!“
Diese Antwort schulde ich als gemeiner Soldat und Arbeiter dem 1. Generalquartiermeister, General Ludendorff!
August Lindner, Seemann, Büsum (Holstein), Bahnhofstr. 25
Natürlich deutet sich in dieser Stellungnahme auch der Antisemitismus der damaligen Zeit an. Aber sie ist auch deshalb so interessant, weil August Lindner noch lange nach dem Zweiten Weltkrieg weitläufige Forschungen unternahm, die in einem bis heute unveröffentlichten Manuskript mit dem Titel "Ludendorff – Widerstandskämpfer im Dritten Reich?" mündeten (10). Für dieses Manuskript konsultierte August Lindner Erich Ludendorff selbst, nahestehende seiner Mitkämpfer und zahlreiche namhafte Historiker, die wiederum dann in ihren Arbeiten auch ihn zitierten.

Möglicherweise findet man in dieser Erklärung des Seemanns August Lindner über seine "Arbeiterfaust" einen der emotional tieferliegenden Ausgangspunkte für das verstärkte Interesse desselben an Ludendorffs Gegnerschaft zum Nationalsozialismus und der Nationalsozialisten gegen ihn, sowie an Ludendorffs Haltung überhaupt während des Dritten Reiches (10). Es ist dringend an der Zeit, daß dieses Manuskript einmal veröffentlicht wird.

"Schmähschriften nach Weisung des Braunhemden-Hitlers" - Erich Ludendorff 1932

Aber auch Erich Ludendorff selbst hat im Rahmen der Auseinandersetzungen einmal Stellung genommen. Seine Stellungnahme ist auch deshalb von Interesse, weil man nach ihrem Studium ein wenig besser versteht, warum Mathilde Ludendorff sich in ihren Lebenserinnerungen so sehr vor dem "Wühlen" späterer Historiker in ihren "Privatangelegenheiten" verwahrte (11):
Seit mehr als einem Jahr zieht ein Braunhemd im Auftrag des Regierungsrats Hitler, den dieser in seinem V. B. vom 7. 11. 1931 als „schneidigen“ Kämpfer gegen das Haus Ludendorff bezeichnet, im Reiche der Massenversammlungen herum, schmäht meine Frau auf das widerlichste, läßt mit Hilfe der röhmischen SA. und Beamten der Kirchen Schmähschriften verbreiten, deren Einstampfung in erster Gerichtsinstanz schon beschlossen ist. (…)
So reichte denn mein Münchener Rechtsbeistand beim Amtsgericht Zanow am 18. 2. 1932 gegen den so „schneidig kämpfenden“ Braunhemdmann eine Klage ein. (…)
Der Rechtsbeistand drängte auf Beschleunigung (…), namentlich als er hörte, daß Regierungsrat Hitler diesem befreundeten Braunhemde ein Mandat für den Landtag in Preußen versprochen hatte. (…)
Das Braundhemd ist nun in letzter Stunde von der Liste der Abgeordneten gestrichen worden. Damit machte Hitler, der Führer des Schmähkampfes gegen meine Frau und mich, sein Verschulden nicht wieder gut. Die Streichung erfolgte nur auf ungemein starken Druck doch noch anständiger Nationalsozialisten. (…)
Ich will den Deutschen wenigstens gesagt haben, um was es hier geht. Aus dem widerlichen Inhalt des neuen „schneidigen Kampfes“ der Braunhemden blitzt die katholische Aktion sehr plump hervor. (…)
Die katholische Aktion möchte mit meiner Frau verfahren, wie sie es bei der großen Seherin in Trier, Theothia tat, die sie nicht zum Tode verurteilte, sondern deren Frauenwürde und -ehre sie zu schänden versuchte. (…)
Ich, der „Antichrist“ und „Heide“, erkläre ein für alle mal der Christenherde:
Begeifert mit Eurer widerlichen Liguori-Phantasie meine Frau und seid weiter recht eifrig bei diesem wichtigen Treiben, auch beim Vertreiben eurer neuen Schmähschriften nach Weisung des Braunhemden-Hitlers gegen den Willen anständiger Nationalsozialisten.
Aus dem furchtbaren Schicksal der zweiten Ehe schuf meine Frau den „Triumph des Unsterblichkeitwillens“, der unsterblich triumphieren wird über Euer klägliches Treiben. Gegen die hohe Moral, die von meiner Frau ausgeht und aus ihren Werken spricht, hat die Christenherde nichts einzusetzen.
Ich war vor unserem Eheschluß tief erschüttert, als das unglückreiche Leben meiner Frau auf ihren Wunsch hin klar vor meinen Augen lag, und bewunderte, mit welcher göttlichen Kraft sie sich aus diesem zum großen weltbewegenden Erkennen und Schaffen gerettet hatte.
(Über eine Seherin Theothia in Trier läßt sich im Internet derzeit nichts finden.)

Es sei noch ein weiteres Zeugnis im Zusammenhang mit diesem politischen Kampf zwischen Adolf Hitler und dem Ehepaar Ludendorff angeführt. Am 15. Oktober 1938, zehn Monate nach dem Tod Erich Ludendorffs, feierte der vormalige Freikorps-Führer und nunmehrige "Reichsstatthalter in Bayern" Franz Ritter von Epp  (1868-1947) in München seinen 70. Geburtstag. An dieser Feier nahm auch der österreichische General Edmund Glaise von Horstenau (1882-1946) als Vertreter der österreichischen Landesregierung teil. Während des Festessens saß er neben dem geheimnisumwitterten "Reichsleiter Major a.D. Buch", dem obersten Parteirichter der NSDAP und berichtet darüber in seinen Erinnerungen (Bd. 2, S. 325f):
Er setzte mir die Gründe für die Abschaffung des Zweikampfes im Parteiehrwesen auseinander, kam nebenbei auch auf Frau Ludendorff, die "Philosophin", zu sprechen. Er sei einmal im Jahre 1931 auf einem Bahnhof mit dem Führer auf- und abgegangen und habe versucht, bei ihm eine etwas friedlichere Stimmung gegenüber Ludendorff zu erzielen. Der Führer meinte: "Das wird nicht möglich sein, denn Mathilde ist das unüberwindliche Hindernis." Der Führer berichtete dann, Mathilde habe ihn während der Haft in Landsberg heftig bedrängt, er möge sie heiraten. Er habe dieses Ansinnen schroffstens zurückgewiesen. "So etwas vergißt eine Frau nie." Im übrigen sei die Beziehung Ludendorff-Mathilde durchaus auf Basis sexueller Hörigkeit des alternden Mannes gegenüber einer sehr sinnlichen Frau gestanden. Ludendorff war für den Führer der große Feldherr des Weltkrieges und blieb es bis zu dessen Tod. Von der Politik und der Weltanschauung Ludendorffs hielt er wenig oder nichts.
Auch hier wieder ein Zeugnis für die Art des Denkens und der Argumente, die Hitler gegenüber dem Ehepaar Ludendorff ins Spiel brachte.
   

Weitere Beispiele für "Ludendorffiana" beim Archiv des Instituts für Zeitgeschichte in München

Die neu im Internet veröffentlichte Findmitteldatenbank des Archivs des "Instituts für Zeitgeschichte" in München (1) liefert übrigens derzeit 140 Treffer für das Suchwort "Ludendorff". Im folgenden soll noch auf eine kleine, bunte Auswahl derselben hingewiesen werden. Um zunächst noch im Jahr 1937 zu bleiben: Auch in den von dem britischen Historiker David Irving dem IfZ zur Verfügung gestellten Dokumenten taucht der Name Ludendorff auf. Etwa in Aufzeichnungen von Nicolaus von Below über die Beziehungen Hitlers zu Ludendorff während der 1930er Jahre:
Aufzeichnungen Obst. Nicolaus v. Below zu den Jahren 1937-1941, verfasst 1948/49, in auszugsw. masch. Übertragung Irvings, mit engl. Erläuterungen. Enthält: Angaben üb. Hitlers Verhältnis zu Italien/Mussolini 1934-1937 (1f.); Besprechung v. 5.11.1937 in d. Reichskanzlei (3f.); Verh. zu Ludendorff (6); Verh. zu Blomberg (7); Heer u. Fritsch-Krise (7-9); Besprechung Hitler/Schuschnigg auf dem Obersalzberg 1938 (9-11); Anschluß Österreichs (11f.) Bau des Westwalls (13-15); Hitlers Italienreise Mai 1938 (16-18); Führerwohnungen (19f.); Bormann (21); Rücktritt Gen. Becks (21f.) ... 
Da es insbesondere das Verhältnis Hitlers zum faschistischen Italien Mussolinis war, das Ludendorff seit 1929 scharf kritisiert hatte, und was der italienische Botschafter in dem gefälschten Landesverratsbrief "Ludendorffs" noch im Juni 1937 hinterhältig und für Ludendorff lebensgefährlich unterstellte, erhält hier die Erwähnung des "Verhältnisses zu Ludendorff" bevor auf die Blomberg-Fritsch-Krise eingegangen wird, wohl ihre eigene Beleuchtung. Sind diese in den schon 1980 veröffentlichten Erinnerungen von Belows enthalten?

Im Bestand "Leo Geyr von Schweppenburg" ist offenbar auch eine Schwiegertochter desselben vertreten,  die zugleich die Tochter des Wilhelm Groener war, und zwar mit einem: 
Schreiben Dora Groener-Geyrs vom 24. Juni 1966: Außenpolitische Vorstellungen ihres Vaters; Differenzen Groeners mit Ludendorff
Dieser Angabe ist zunächst nicht zu entnehmen, welche Zeiträume hier gemeint sind. Schließlich hat Ludendorff das Wirken Groeners bis 1932 kritisiert. Außerdem gibt es auch den Nachlaß von Walter Luetgebrune, einem der Rechtsanwälte Erich Ludendorffs in seinen Freimaurerprozessen 1928 und 1929, darunter zum Beispiel auch
Ludendorff an Rechtsanwalt Luetgebrune vom 10. Juli 1930: Bitte um Niederlegung der Verteidigung wegen Wirken Luetgebrune im Landvolk gegen den Tannenbergbund.
Es gibt auch den Bestand eines "Regierungsbaumeisters Gerd-Harald Ludendorff". Er enthält zwei Schreiben dieses Ludendorff an einen Sanitätsrat Ernst-Adolf Müller 
06./ 16. Februar 1977 mit Angaben zur Familie Ludendorff ab 1862. 
Darin werden offenbar Verwandtschaftsverhältnisse rund um Erich Ludendorff und seine Brüder, sowie die Familie Pernet erörtert. Außerdem gibt es ein Schreiben dieses Sanitätsrats Ernst-Adolf Müller an den Historiker Norbert Frei
01. Juli 1984, Kurzberichte betr. Erinnerungen an Ersten Weltkrieg, Erich Ludendorff, Gustav von Kahr, Paul von Hindenburg, Konstantin von Neurath (...) Schwarze Reichswehr (...) Die beiden Dioskuren etc.
Abschließend soll auf einen "Bestand Ricarda Huch" hingewiesen werden:
Frau Ricarda Huch sammelte in den Jahren 1946 - 1947 das vorliegende Material für ein Gedenkbuch über die hingerichteten Angehörigen von Widerstandskreisen. Der Arbetistitel lautete: "Bilder der Märtyrer".
In dem Material über die Hingerichteten muß auch von Mathilde Ludendorff die Rede sein. Denn ihr Name taucht im dazugehörigen Personenregister auf neben einer großen Vielfalt anderer, zum Teil recht interessanter Namen. Hier ein Auszug aus dem Personenregister: 
Dietrich Bonhoeffer, Klaus Bonhoeffer, Wihlem Canaris, Ludwig Beck, Alfred Delp, Hans von Dohnanyi, Carl Goerdeler, Werner und Hans Bernd von Haeften, Ulrich von Hassell,  Albrecht Haushofer, Hans Bernd Gisevius, Wilhelm Leuschner, Alexis und Ursula von Roenne, Claus von Stauffenberg, Robert Holtzmann, Werner von Fritsch, Mathilde Ludendorff, Hans Speidel, Hjalmar Schacht, Erwin von Witzleben, Erich Hoepner, Ernst Niekisch, Ewald von Kleist, Heinrich Brüning, Wolfgang Foerster etc.
Für eine künftige Biographie Erich Ludendorffs für die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg gibt es also noch viel Material auszuwerten. Im Zusammenhang mit dem von dem Historiker Manfred Nebelin in diesem Jahr erschienen Ludendorff-Biographie bis zum Jahr 1918 ist auf eine solche unter anderem von Ernst Piper als Desiderat hingewiesen worden (12):
"Die wenigen Seiten, die auf die zweite Lebenshälfte Ludendorffs verweisen, zeigen, dass es ein großer Gewinn wäre, wenn Nebelin seine Arbeit fortsetzen und ihr einen zweiten Teil folgen lassen würde."
_____________________
  1. Bestand "Reichskommissar für die Festigung des deutschen Volkstums" im Archiv des Instituts für Zeitgeschichte München, Signatur MA 125, Bandnummer 15, RDV 152:  Stabshauptamt, Korrespondenz mit Oberstleutnant a.D. Ahlemann ..., 1942 - 1944. Auf: Online-Findmitteldatenbank
  2. Friedmann, Jan; Frohn, Axel: Hitlers letzte Abrechnung. Kassenbuch aus dem "Dritten Reich". einestages - Zeitgeschichten auf Spiegel-Online, 6.12.2011
  3. Bading, Ingo: Zur Frage nach dem Anteil der Freimaurer an der Machtergreifung Adolf Hitlers, an der Gestapo und damit am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges (1. Teil). GA-j!, 23.11.2010
  4. Bading, Ingo: Fotos als politische Druckmittel. Studiengruppe Naturalismus, 9.10.2007
  5. Bading, Ingo: Fotos als politische Druckmittel II. Studiengruppe Naturalismus, 2.1.2008
  6. Mildenberger, Florian: Erotik, Polygamie, Muttertum. Die Wandlungen der Mathilde Ludendorff. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 07-08/2006
  7. Ahlemann, Georg: Die Wahrheit über Ludendorff. 1929 (59 Seiten)
  8. Ahlemann, Georg: Der Nationalismus in Abwehr. Antwort auf Ludendorffs "Weltkrieg droht".  Selbstverlag, Auslieferungsstelle und Druck Hans Plasnick, Grossenhain i. Sa. 1931
  9. Zemke, Kurt: Die Maske herunter! Hitlers Agitator Ahlemann und sein "Kampf" gegen General Ludendorff. Im Selbstverlage des Verfassers, Berlin 1931 (Scribd)
  10. Lindner, August (Büsum) (1893 - 1970): Ludendorff – Widerstandskämpfer im Dritten Reich? Unveröffentlichtes Manuskript im Nachlaß des Autors. Bundesarchiv Koblenz und Landesarchiv Schleswig. [Mit Briefwechseln des Autors mit den Historikern Walter Hubatsch, S. Kaehler, Egmont Zechlin und W. Foerster; sowie mit Erich Ludendorff und seinen Mitarbeitern  Robert Holtzmann und Karl von Unruh]
  11. Ludendorff, Erich: Richter und Anwälte, wehrt Euch! In:  In „Ludendorffs Volkswarte“ vom 30. 4. 1932
  12. Piper, Ernst: Der totale Krieger. Rezension von M. Nebelin: Ludendorff - Diktator im Ersten Weltkrieg. Siedler Verlag, München 2010. In: Der Tagesspiegel, 17.10.2011 
  13. Peter Broucek (Eingel. und hrsg.): Ein General im Zwielicht. Die Erinnerungen Edmund Glaises von Horstenau. Böhlau, Wien u.a.. Band 2: Minister im Ständestaat und General im OKW (= Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs. Bd. 70). 1983

Samstag, 26. November 2011

Tacitus - Grundsätzliche Hochachtung seiner Wahrheitsliebe oder grundsätzlicher Zweifel?


Die völkische Bewegung vor dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere auch die Ludendorff-Bewegung, war durch eine große Hochachtung vor dem römischen Geschichtsschreiber Publius Cornelius Tacitus (58 - 120 n. Ztr.) gekennzeichnet. Dies geht aus vielen Zeugnissen hervor. Eindrucksvoll aus dem hier gebrachten Werbeblatt für eine Buchveröffentlichung aus dem Jahr 1934 (1). Also ein Jahr nachdem die Nationalsozialisten mit Hilfe der christlichen Kirchen an die Macht gekommen waren und in einer Zeit, in der die christlichen Kirchen als vom Staat geförderte Institutionen meinten, kräftigen Aufwind verspüren zu dürfen.

Mit Tacitus "für Gewissens- und Glaubensfreiheit" im Dritten Reich

Dagegen stellten sich die nicht- und antichristlichen Völkischen. Die in diesem Werbeblatt beworbene Schrift "Von Tacitus bis Nietzsche" ist von dem langjährigen Schriftleiter der Zeitschrift der Ludendorff-Bewegung, von Walter Löhde, zusammengestellt worden. Löhde schrieb anfangs unter dem Pseudonym "von der Cammer". Noch im selben Jahr erschien die Schrift aber in erweiterter Form unter dem Titel "Für Gewissens- und Glaubensfreiheit". Diesmal schon nicht mehr unter Pseudonym (2). Als solche erlebte die Schrift bis 1941 insgesamt vier Auflagen und trug sicherlich zu ihrem Teil bei zu der Kirchenaustrittsbewegung der Jahre 1936 bis 1940. 

Die Hochachtung vor der Wahrheitsliebe der heidnischen Philosophen, Dichter und Denker der Antike war für das gebildete Bürgertum der Zeit um 1900 etwas Selbstverständliches. Zumindest soweit keine christlichen Auffassungen mehr hineinspielten. Sie war ja Teil der humanistischen Bildung. Und deshalb geht sie auch aus vielen Äußerungen von Mathilde Ludendorff hervor. Auch noch in Aufsätzen lange nach 1945.

Wenn diese Hochachtung heute an vielen Orten wieder verloren gegangen ist, wenn die Wissenschaft die Wahrheitsliebe und Aufrichtigkeit der antiken Philosophen, Dichter und Denker heute zum Teil sehr unterschiedlich beurteilt, dann darf man sich schon fragen, ob bei einer auffällig kritischen Beurteilung der Wahrheitsliebe dieser Philosophen, Dichter und Denker nicht auch immer noch oder wieder so manches typisch christliche Vorurteil und manche christliche Bigotterie mit einfließen.

Wo doch die archäologische Forschung die Wahrheit des von Tacitus Mitgeteilten in vielen, ganz unerwarteten Zusammenhängen bestätigen konnte.

Oftmals gewinnt man, was etwa auch die heutige Behandlung eines solchen Geschichtsschreibers wie des Publius Cornelius Tacitus betrifft, jenen Eindruck, den Schiller einmal in die klassischen Worte faßte:
"Es liebt die Welt, das Strahlende zu schwärzen. Und das Erhabne in den Staub zu ziehn."
Wer dazu neigt, der steht in anderen geistigen Traditionen als denen der Aufklärung, der humanistischen Bildung und des naturalistischen Denkens.
_________________
  1. von der Cammer (d. i. Walter Löhde): Von Tacitus bis Nietzsche. Die gedanklichen Grundlagen des Kulturkampfes in Aussprüchen und Meinungen aus zwei Jahrtausenden. Zusammenstellung widerchristlicher bzw. widerkirchlicher Äußerungen führender Männer der Geschichte und des Geisteslebens. Nordland-Verlag, Düsseldorf 1934 (116 Seiten)
  2. Löhde, Walter: Für Gewissens- und Glaubensfreiheit. Das Christentum im Urteil großer Dichter, Denker und Staatsmänner. Ausgewählt und herausgegeben von Walter Löhde. Nordland-Verlag, Berlin 1934 (185 Seiten); 3. Aufl. 11. bis 15. Tausend 1940; 4. Aufl. 16. bis 35. Tausend 1941

Freitag, 30. September 2011

Ernst Haeckel und "das Wahre, Gute und Schöne" in der Natur

Haeckel aus Sicht der Ludendorff-Bewegung

Die folgende Abbildung mit Kommentar ist "Ludendorffs Halbmonatsschrift" ("Am Heiligen Quell Deutscher Kraft") vom 5. Dezember 1936 entnommen. Sie geht wohl auf den Schriftleiter Walter Löhde zurück.

Da der sehr komprimierte Text vielleicht sehr kennzeichnend ist für die Art der inhaltlichen Stellungnahme der "Ludendorff-Bewegung" zu der ihr vorausgegangenen "Haeckel-Bewegung" (dem Monistenbund), in der sie sowohl der Sache nach in vielen Aspekten wurzelt wie auch personell über die frühere Mitgliedschaft Mathilde Ludendorff im Monistenbund, die parallel zu ihrem Kirchenaustritt lange vor 1914 erfolgte (Kritik an Christentum und Kirche, Hochwertung der Naturwissenschaft, naturalistisches Denken, Suche nach einer neuen nicht-materialistischen Weltanschauung), sei er hier einmal zur Diskussion gestellt.
Abb.: Fotoseite aus der Zeitschrift "Am Heiligen Quell Deutscher Kraft", Folge 17, 5.12.1936
Kernsätze seien noch einmal wiederholt:
... So hätte man von ihm am ehesten auch erwarten sollen, daß er dem Materialismus der Naturwissenschaft den Untergang bereiten werde.
(Richtiger muß es wohl heißen und gemeint ist sicherlich auch: daß er der aus der Naturwissenschaft abgeleiteten materialistischen Weltanschauung den Untergang bereiten werde.)
Aber als er die letzten Rätsel in seiner "natürlichen Schöpfungsgeschichte" und in fünf weiteren wissenschaftlichen Bänden streifte, da verband er sich im Gegenteil mit ihm, und seine Philosophie des "Monismus" konnte sich nicht vom Materialismus befreien. Er war aber der erste deutsche Naturwissenschaftler, der offen den Irrlehren des Christentums in seinen "Welträtseln" entgegentrat. 
Diese Sätze sind anläßlich einer Besprechung eines Buches von Heinz Brücher über "Ernst Haeckels Bluts- und Geist-Erbe" (erschienen im J.F. Lehmanns Verlag München) von dem Rezensenten Walter Löhde mit dem darin gebrachten folgenden Haeckel-Zitat noch deutlich ergänzt worden (aus "Quell", 20.12.1936, S. 725):
"Denn überall in der freien Natur, wo er" (der Mensch) "seine Blicke auf das unendliche Universum oder auf einen Teil desselben richtet, überall findet er zwar den harten 'Kampf ums Dasein', aber daneben auch das 'Wahre, Gute und Schöne'; überall findet er seine 'Kirche' in der herrlichen Natur selbst ... Das Wahre, Gute und Schöne sind die drei hehren Gottheiten, vor denen wir anbetend unser Knie beugen; in ihrer naturgemäßen Vereinigung und gegenseitigen Ergänzung gewinnen wir den reinen Gottesbegriff. Diesem 'Dreieinigen Gottesideal' wird das herannahende 20. Jahrhundert seine Altäre bauen."
In diesen Sätzen stimmt Ernst Haeckel mit Kernaussagen der Philosophie Mathilde Ludendorffs überein.

Sonntag, 25. September 2011

Neue Dokumente zur Landesverrats-Affäre von 1937

Fühlungnahme zwischen NS-Parteikreisen und Erich Ludendorff nach dem März 1937

Die Frage, welche politische, weltanschauliche und kulturgeschichtliche Bedeutung den Personen Erich und Mathilde Ludendorff in der deutschen Geschichte während der Zeit des Nationalsozialismus zuzusprechen ist, ist jüngst auch von Charlotte Knobloch wieder aufgeworfen worden (6). Sie ist von der Geschichtswissenschaft bisher nur ansatzweise gründlicher aufgearbeitet worden. Dies gilt insbesondere für die Frage, ob Erich und Mathilde Ludendorff dem Widerstand gegen den Nationalsozialismus zuzurechnen sind oder nicht (1, 6). In vielen Bereichen mußte man sich bezüglich dieser Fragen an die Veröffentlichungen Erich und Mathilde Ludendorffs selbst halten, ohne Bestätigungen oder Falsifizierungen der dortigen Angaben durch unabhängig gewonnene Quellen und Dokumente erhalten zu können. Dieser Umstand ändert sich aber in den letzten Jahren immer mehr dadurch, daß ständig neue Dokumente aus jener Zeit bekannt und ausgewertet werden.

So wurden vor einigen Jahren die zahlreichen, offenen, ausgesprochen regimekritischen Eingaben Erich Ludendorffs an den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg während des Jahres 1933 im persönlichen Nachlaß von Adolf Hitler in Moskau entdeckt (2). Und sie bestätigen im Wortlaut die Richtigkeit des Abdrucks derselben Dokumente im Anhang des dritten Bandes der Lebenserinnerungen Erich Ludendorffs (3). Auch der sich über Monate hinziehende enge Kontakt zwischen dem Regimekritiker Ludwig Beck und Erich Ludendorff ist inzwischen ausgewertet und aufgearbeitet worden (9). Eine Anfang Mai 2009 über Ebay zum Verkauf gelangte Sammlung von Briefen bringt nun weitere, unabhängige Bestätigungen der Angaben in den Lebenserinnerungen Erich Ludendorffs und erläutert diese an einem Beispiel. Auf diese neuen Dokumente hinzuweisen und sie in den zeitgenössischen Kontext einzuordnen, soll der vorliegende Beitrag dienen.

Der 9. November 1933

In seinen Lebenserinnerungen schreibt Erich Ludendorff über den 9. November 1933, nachdem er darüber berichtet hatte, wie sein  Tannenbergbund und seine Wochenzeitung "Ludendorffs Volkswarte" von den neuen Machthabern verboten worden waren (3, S. 54):
Während ich mit der Umgestaltung des Verlages und namentlich mit den innerpolitischen Verhältnissen im Reich sowie meiner fortschreitenden  Arbeit für den "Am Heiligen Quell" voll beschäftigt war, fand nun auch die erste offizielle Feier des 9. 11. 23 statt. Dieser Tag jährte sich im Jahre 1933 zum zehnten Mal. Mit Befremden hörte ich, daß der Zug vom Bürgerbräukeller zur Feldherrnhalle wiederum dargestellt werden sollte. Dieser Zug war lediglich auf mein Wollen hin entstanden. (...)
Es erschien mir wie eine Ironie, daß die jetzigen Machthaber nun gerade diesen Zug in Erinnerung bringen wollten, obschon ich selbstverständlich nicht daran teilnehmen konnte. Mir erschien auch die Durchführung dieses Zuges, der am 9. 11. 23 so ernst beendet wurde, nicht richtig. Angemessen erschien mir eine würdige Feier an der Feldherrnhalle. Mein Fehlen an dieser Feier erregte natürlich Aufsehen, denn viele Deutsche ahnten nicht, welche Stellung ich gegenüber dem Nationalsozialismus zu nehmen gezwungen war. Viele empfanden mein Fehlen zwar tief schmerzlich, wie ich aus Briefen und Gesuchen entnahm, doch war mir meine Haltung vorgeschrieben.
Ludendorff schreibt dann auch noch von diversen "Lügen" über sein Handeln am 9. November 1923, die aus diesem Anlaß in nationalsozialistischen Kreisen ausgegeben wurden. Und er schreibt dazu:
Es war mir im höchsten Maße widerlich, das alles zu vernehmen, und erregte auch natürlich den Unwillen nicht nur von meinen Freunden, sondern auch bei alten Nationalsozialisten, die mir - der Haltung der Partei zuwider - nach wie vor warme Verehrung entgegenbrachten. (...) Tief bedauerlich war es nur, daß von seiten der Partei nicht gegen diese Lügen eingeschritten wurde.
Ein solcher "alter Nationalsozialist", der ihm "warme Verehrung" entgegenbrachte, war nun laut der neu bekannt gewordenen Dokumente auch der Leibwächter Adolf Hitlers an diesem 9. November 1923. Allerdings näherte sich auch er an Erich Ludendorff offenbar erst im Sommer 1937 wieder an.

Neue Dokumente

Es entstand also 1933 der alljährlich wiederholte Kult um den "Marsch zur Feldherrnhalle" vom 9. November 1923. Das Foto in Abb. 1 zeigt die Teilnehmer eines solchen Gedenkmarsches: Links von Adolf Hitler stehen in der ersten Reihe Dr. Weber und Hermann Göring, rechts von Adolf Hitler sein damaliger Leibwächter Ulrich Graf. Dieser heute ganz unbekannte Ulrich Graf (1878-1950) und sein Briefwechsel mit Erich und Mathilde Ludendorff in den Jahren 1937 und 1938 ist Thema des vorliegenden Beitrages.

"Nicht schießen, hier ist Exzellenz Ludendorff!" (1923)

Abb. 1: Gedenkmarsch zum 9. November in München
Ulrich Graf soll kurz bevor während des "Marsches zur Feldherrnhalle" am 9. November 1923 die Gewehrsalve gegen den von Adolf Hitler und Erich Ludendorff angeführten Zug losgebrochen sei, gerufen haben: "Nicht schießen, hier ist Exzellenz Ludendorff!" Wie über alles bei diesem Ereignis gibt es auch von diesem Ruf verschiedene Versionen. Dieser Ruf wurde aber von den absperrenden Landespolizisten nicht beachtet, sie schossen dennoch ihre Gewehrsalve. Ulrich Graf soll dabei Adolf Hitler mit seinem Körper gedeckt haben und soll dabei von mehreren Gewehrkugeln schwer verwundet worden sein. Dadurch soll er Adolf Hitler das Leben gerettet haben.

Eine noch vergleichsweise zeitnahe Schilderung der Ereignisse hat Alfred Rosenberg 1928 gegeben, sicherlich autorisiert von Hitler (7, S. 60f):
Als ich am Standquartier Hitlers und Ludendorffs ankam, hatten sich die Kolonnen schon gebildet. Ludendorff drängte zum Abmarsch und setzte sich mit Hitler an die Spitze.
In breiter Front ging es in die Stadt, bejubelt von ganz München. Vom Rathaus flatterten die schwarzweißrote und die Hakenkreuzfahne; die Hauptstraßen waren bunt von Flaggen wie noch nie. Bald bogen wir in die Residenzstraße ein. Vor uns gingen zwei Oberländler und schwenkten die schwarzweißroten Fahnen. Etwa hundert Schritt vor der grünen Schützenkette mit Maschinenpistolen zerbrach ein Fahnenschaft. .. Wir kamen näher. Die erste Linie der Polizei senkte die Gewehre. Dann fiel ein Schuß, gleich darauf setzte ein Geknatter ein. Der rechte Fahnenträger sank zusammen, bedeckt vom schwarzweißroten Tuch. Hitlers Begleiter erhielt vier Schüsse, im Fallen zog er Hitler mit sich mit einer Kraft, daß diesem der Arm aus dem Gelenk sprang. Ludendorff war aufrecht durch die Ketten gegangen.
Man merkt, wie hier das Verhalten Hitlers, nämlich - obwohl unverletzt - nicht wie Ludendorff aufrecht weitermarschiert zu sein, möglicherweise versucht wird, mit etwas drastischen Mitteln zu rechtfertigen. Die vier Schüsse in den Leib seines Begleiters hat man aber sicherlich nicht erdichten können. Sie werden  wohl der Wahrheit entsprechen.
Abb. 1a: Gedicht auf Ulrich Graf im "Simplizissimus", 1.4.1924
Während des Prozesses gegen Hitler und Ludendorff sagte auch Ulrich Graf aus, was das Witzblatt "Simplizissimus" in seiner Ausgabe vom 1.4.1924 zur Veröffentlichung eines Gedichtes veranlaßte (Abb. 1a).

Abb.2: Ulrich Graf
Am 30. März 1937 hatte schließlich die von der Wehrmachtführung schon seit Jahren gewünschte Aussprache zwischen Adolf Hitler und Erich Ludendorff im Wehrkreiskommando München stattgefunden. Auf ihre Vorgeschichte, ihren Ablauf und ihre Folgen kann im Rahmen dieses Beitrages nicht detaillierter eingegangen werden. Nur wenige Tage oder Wochen später nahm der durch den genannten Kult inzwischen reichsweit zu einer Legende gewordene "Begleiter Adolf Hitlers" von 1923, Ulrich Graf (siehe Abb. 1 - 3),  Verbindung mit Erich Ludendorff auf. Dem Wortlaut ist zu entnehmen, daß dies offenbar nach langen Jahren des Schweigens zwischen beiden geschah. Im folgenden wird der Briefwechsel, der sich aus dieser Verbindungsaufnahme zwischen beiden - und später mit der Witwe Mathilde Ludendorff - ergeben hat.

Betont sei noch einmal, daß es in diesem Beitrag mehr um die Dokumentation dieser Briefe geht, als schon um eine vollgültige historische Einordnung derselben.

Ulrich Graf war 1935 Ratsherr der Stadt München geworden. Ein Jahr später war er sogar Abgeordneter des Deutschen Reichstages geworden. (Eines Reichstages allerdings, der ja zwischenzeitlich seiner eigentlichen parlamentarischen Funktion völlig beraubt worden war und nur noch der Akklamation des Führers diente.)

Abb.3: Ulrich Graf
Erich Ludendorff erhielt nun im Mai 1937 in vielleicht etwas unangemessenem Verhalten ihm gegenüber die Einladung zu einer Feier, die nun ausgerechnet zu Ehren Ulrich Grafs gefeiert wurde. Diese Einladung war aber insofern ein "Novum", als der Nationalsozialismus von Erich und Mathilde Ludendorff spätestens seit dem Jahr 1929 erbittert in der Öffentlichkeit bekämpft worden war und es seither eine tiefe, fast unversöhnliche Feindschaft zwischen den Nationalsozialisten einerseits und der Ludendorff-Bewegung andererseits gegeben hat. "Ludendorff verreckte! Mathilde verrecke!" waren Sprechchöre, mit denen die SA damals durch die Straßen gezogen war. Die Aussprache zwischen Ludendorff und Hitler am 30. März 1937 (3, S. 164 - 170) hatte also nun offenbar nicht nur innerhalb der Wehrmacht, sondern auch innerhalb verschiedener Parteikreise, die Erwartung einer Entspannung im Verhältnis zwischen der Partei und Erich Ludendorff mit sich gebracht.

Lange Jahre hatte sich Ludendorff auf die von Hitler und der Wehrmacht gewünschte Aussprache nicht eingelassen und auch den ihm von Hitler angetragenen Feldmarschallstab abgelehnt. Erst 1937, verbunden mit der Überlegung, daß nach seinem Tod die von ihm geführte Bewegung nicht mehr durch das geschichtliche Ansehen seiner Person würde geschützt werden können wie bis dahin, nahm Ludendorff etwas deutlicher als zuvor seine schroffe Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus zurück. So stellen die Ludendorffs ihre Motivlage zumindest im Jahr 1937 von sich aus in ihren Lebenserinnerungen dar.

Als Anlaß zur Kontaktaufnahme von Seiten der regionalen Parteibehörden (wohl von Seiten der Kreisleitung in Augsburg) war also gewählt worden, daß am 3. und 4. Juli 1937 in der schwäbischen Geburtsgemeinde  Ulrich Grafs, in der Ortschaft Bachhagel, ein stillgelegtes Dieselkraftwerk, das zu einer "Schulungsburg" umgebaut worden war, nach Ulrich Graf benannt und eingeweiht werden sollte. Dies sollte zugleich zu Ehren des 59. Geburtstages von Ulrich Graf geschehen.

Abb. 4: Plakette zur Ulrich Graf-Burg
Inwieweit die Einladung zu einem so vergleichsweise untergeordneten Anlaß nicht als ein wenig "unangemessen" Ludendorff gegenüber empfunden werden mußte (auch von Ludendorff selbst natürlich), stehe hier dahin. Er hat diese Einladung jedenfalls und Ulrich Graf überhaupt in seinen Lebenserinnerungen gar nicht erwähnt.

Bachhagel liegt nun etwa 50 Kilometer nordwestlich der Stadt Augsburg. Die dortige neue "Schulungsburg" wurde ab diesem Zeitpunkt "Ulrich Graf-Burg" genannt. Auch eine Plakette wurde für diesen Anlaß hergestellt (s. Abb. 4).


Die "Ulrich-Graf-Burg" wird eingeweiht (1937)

Heute beherbergt das damals eingeweihte Gebäude in Bachhagel eine Grundschule und das Gemeindeheim (siehe --> hier). Die damals gegründete Schulungsburg spielt in den Lebenserinnerungen so manches Zeitgenossen eine Rolle (siehe etwa --> hier).

Erich Ludendorff jedenfalls antwortete Anfang Juni 1937 auf die Einladung zur Teilnahme an dieser Einweihungsfeier und "Fahnenübergabe" mit dem folgenden Brief an jenen NSDAP-Kreisleiter, der ihn eingeladen hatte:
Tutzing, den 9. 6. 37
Geehrter Herr Kreisleiter!

Nehmen Sie meinen aufrichtigen Dank für die Einladung zur Teilnahme an dem Ehrentage Ulrich Grafs. Sie wissen, wie ich diesen Deutschen Mann schätze. Aus grundsätzlichen Erwägungen halte ich mich aber von jeder öffentlichen Veranstaltung fern, da ich sonst zu stark in Anspruch genommen würde. So muß ich mich auch in diesem Fall enthalten, Ihrer Einladung zu folgen.

Ich wünsche von Herzen der Feier einen schönen Verlauf.

Mit Deutschem Gruß,

Ludendorff.
Soweit diese Antwort. Der Satz "Sie wissen, wie ich diesen Deutschen Mann schätze" ist im Original handschriftlich deutlich unterstichen. Dies muß von Empfängerseite aus geschehen sein oder von späteren Besitzern der Brieforiginale. In dieser Unterstreichung drückt sich jedenfalls ein gewisses Erstaunen über dieses Urteil aus: Es klingt aus diesem Wortlaut heraus, daß Ludendorff über Ulrich Graf noch mehr Schätzenswertes gewußt haben muß außer der Tatsache, daß Graf als Leibwächter das Leben Adolf Hitlers beschützt hat. (Der Brief trägt im übrigen den Stempel: "Kreisleitung ... ingen a.D., Eingang 10. Juni 1937".)

Ludendorff legte seinem Schreiben offenbar ein eigenhändig unterschriebenes Foto von sich selbst bei. Graf  nun schrieb nach der Feier persönlich an Erich Ludendorff den folgenden Brief:
München, den 20. Juli 1937

Euer Exzellenz!

Euer Exzellenz haben vor einiger Zeit für die in meiner Heimatgemeinde Bachhagel errichtete Schulungsburg ein Bild Eurer Exzellenz mit eigenhändiger Unterschrift gegeben, wofür ich herzlichen Dank sage.

Am 4. Juli 1937 wurde durch eine Fahnenübergabe die Burg durch mich Ihrer Bestimmung übergeben. Bei dieser Gelegenheit sprach ich zu rund 20 000 Volksgenossen und ich erlaube mir, Eurer Exzellenz den genauen Wortlaut meiner Rede, die in Stenogramm festgehalten wurde, zu übergeben. In unauslöschlicher Dankbarkeit und Verehrung
Euer Exzellenz ergebenster
Das Manuskript der Rede ist offenbar in dem zum Verkauf angebotenen Konvolut nicht enthalten. Es ist noch zu überprüfen, ob es etwa im Ludendorff-Archiv in Tutzing vorliegt. Erich Ludendorff dankte für die Zusendung:
Tutzing, den 21. 7. 1937
Sehr geehrter Herr Ulrich Graf !
Ich danke Ihnen die Zustellung Ihrer Deutschen Worte und begrüße es, daß die Einweihung der Burg so schön verlaufen ist.
Mit Deutschem Gruß,
Ludendorff.
Aus dem nächsten, vorliegenden Schreiben geht hervor, daß es zwischenzeitlich zu einer persönlichen Begegnung zwischen Ludendorff und Graf gekommen sein muß. Auch die führende Persönlichkeit der deutschen Geschichtswissenschaft während des Dritten Reiches, der Parteigenosse und sich öffentlich zu Ludendorff bekennende Verehrer Walter Frank, hat nach eigener Darstellung (4) im April 1937 Ludendorff in Tutzing besucht. Deshalb wird es plausibel, daß auch Ulrich Graf Ludendorff im Frühling oder Sommer 1937 in Tutzing besuchte.

"Ulrich Graf ist stets für die Wahrheit eingetreten" (August 1937)

Mitte August 1937 erschien von Erich Ludendorff die von ihm schon im März niedergeschriebene Schrift "Auf dem Weg zur Feldherrnhalle", die seine Lebenserinnerungen an das Jahr 1923 enthält und innerhalb eines halben Jahres in etwa 60.000 Exemplaren verkauft wurde (10). In dieser Schrift schreibt er über die Zeit nach dem 9. November 1923 (10, S. 75):
Ich mußte mich sehr bald auch gegen die ebenfalls aus der Umgebung des Generalstaatskommissariats verbreitete böswillige Lüge wehren, ich hätte mich am 9. 11. zwischen Residenz und Feldherrnhalle "im Straßenschmutze herumgesielt". (...) Die Lüge war schwer aus der Welt zu schaffen. Sie wurde wiederholt. Ich klagte auch einmal, dann verschwand sie.
Und in einer - womöglich erst im Juni oder Juli nachträglich eingefügten (?) - Anmerkung setzt er dazu:
Leider wurde später von völkischer Seite auch Wahrheitwidriges verbreitet, z. B. das Feuer wäre erst eröffnet worden, als ich die Feuerlinie durchschritten hätte, oder es wäre absichtlich nicht auf mich geschossen worden, und dergleichen mehr. Auch sei ich "mit stierem Blick" durch die Feuerlinie gegangen, obschon niemand meinen Blick hat sehen können usw. usw. Auch in Schulbüchern hat solche Darstellung Eingang gefunden. Gegen diese Entstellungen wehre ich mich ebenfalls. Gern erkenne ich hier an, daß der Begleiter Adolf Hitlers, Ulrich Graf, stets für die Wahrheit eingetreten ist und ihr auch in der Presse Ausdruck gegeben hat.
Wie gesagt, wäre noch einmal genauer zu überprüfen, wann diese Anmerkung eingefügt worden ist.

Morddrohungen gegen Ludendorff (1937)

Die im folgenden ursprünglich angegebene Datierung scheint ein wenig zweifelhaft, nachdem die hier zu behandelnde Thematik in einem eigenen Beitrag genauer aufgearbeitet worden ist (9). Das muß bei Gelegenheit noch einmal genauer geklärt werden. 

Am 24. September Im Sommer 1937 schreibt Erich Ludendorff an Ulrich Graf, dessen Einfluß innerhalb der NSDAP bei derzeitigem Kenntnisstand nicht ganz leicht einzuschätzen ist. Ludendorff weist ihn darauf hin, daß die Abmachungen des 30. März 1937 zwischen Ludendorff und Hitler (3, S. 164 - 170) "sabotiert" würden. Und zwar ohne daß Minister oder führende Parteikreise demgegenüber unverzüglich einschreiten würden. Über diese Abmachungen muß er also nach diesem Wortlaut zwischenzeitlich persönlich mit Ulrich Graf gesprochen haben:
Tutzing, den 21.08.1937 (?)
Mein lieber Herr Graf!
Ich muß Ihnen mitteilen, wie in der Partei, und zwar im ganzen Reich, in unerhörtester Weise gegen mich gehetzt wird, und zwar mit der verlogenen Schmähung, ich triebe Landesverrat durch Mitteilung ans Ausland. Es soll somit das Ergebnis der Besprechung vom 30. 3. sabotiert werden. Ich habe mich an den Führer und Reichskanzler, an die Minister Frick und v. Blomberg in dieser Angelegenheit gewandt, ich halte mich aber auch für verpflichtet, Ihnen Entsprechendes mitzuteilen, weil ich mit Ihnen über meinen Eindruck über das Ergebnis der Besprechung gesprochen habe. Ich gehe alle Wege, um zu verhindern, daß römische Saboteure das Ergebnis wider den Willen des Führers und Reichskanzlers und meinerseits zerschlagen. Ich fürchte, daß Minister Heß keine klaren Weisungen gibt, die dem Ergebnis Rechnung tragen.
Mit Deutschem Gruß,
Ludendorff
Auf die Umstände, in deren Zusammenhang es zum Schreiben dieses Briefes kam, wird im 3. Band der Lebenserinnerungen Erich Ludendorffs ausführlich eingegangen (3, S. 174ff). Erich Ludendorff erhielt von verschiedenen Seiten Warnungen und Drohungen hinsichtlich eines neuen "30. Juni 1934" gegen seine eigene Person, also Morddrohungen und -warnungen.

Es ist wahrscheinlich, daß diesem persönlichen Brief das folgende Blatt Papier beilag, von dessen Text bislang nur die Rückseite bekannt geworden ist. Es scheint sich hierbei nun im Wortlaut identisch um jenes vervielfältigte "Brieftelegramm" zu handeln, das Ludendorff damals wahrscheinlich an viele Personen sandte, und das auch im Anhang seiner Lebenserinnerungen wiedergegeben ist (3, S. 260f, Anhang 34). Es trägt den Titel "Römische Hetze" und das Datum 5. 7. 1937.

Zur Erläuterung: Adolf Hitler hatte vor den versammelten Gauleitern am 2. oder 3. Juni 1937 einen vorgeblichen "Brief Ludendorffs" vorgelesen, der ihm vom italienischen Botschafter zugespielt worden war (3, S. 175), ohne davon Ludendorff selbst Mitteilung zu machen, wie es für solche Fälle zuvor am 30. März ausdrücklich zwischen ihnen vereinbart worden war. Ohne also Ludendorff selbst die Möglichkeit zur Prüfung und Richtigstellung zu geben. Erst viele Wochen später holte das Reichskanzleramt eine Stellungnahme von Ludendorff selbst ein. Und noch viel später teilte es der Öffentlichkeit offiziell mit, daß es sich bei diesem Brief um eine Fälschung handeln würde. Das Gerücht hinsichtlich landesverräterischer Umtriebe Ludendorffs hatten zuvor aber mehrere Gauleiter weiter verbreiten können, wie es Mitteilungen aus verschiedenen Teilen des Reiches entnommen werden konnte.

Sowie Ludendorff von diesen Gerüchten erfuhr, schrieb er an Hitler und verschiedene Minister, wie schon oben in seinem Brief erwähnt. Diese antworteten wochenlang nicht auf Ludendorffs Eingaben oder sie antworteten ausweichend, hinauszögernd (3, S. 176 - 182).

Sturz von Generälen, Morde an Röhm, General Schleicher, Dollfuß, Tuchatschewski (1934 bis 1938)

Ein solches Vorgehen mit fingierten Vorwürfen war ja ein typisches von seiten diverser Geheimdienste und von Seiten von Diktatoren und Politikern, um billige Vorwände zu haben, sich mißliebiger innenpolitischer Gegner entledigen zu können, ohne mit zu großen innenpolitischen Unruhen rechnen zu müssen. Erich Ludendorff, der von der Ernsthaftigkeit der hier vorliegenden Möglichkeiten ausgehen mußte, mußte natürlich alles in seinen Kräften Stehende tun, um das Schlimmste zu verhindern.

Die "Landesverrats-Brief-Affäre" rund um Erich Ludendorff steht zwischen den Morden des Jahres 1934 (des Röhm-Putsches und der Ermordung von Engelbert Dollfuß) und der Erschießung Tuchatschewskis in der Sowjetunion im Jahr 1937 (wobei auch im Zusammenhang des letzteren Ereignisses deutsche Geheimdienste eine Rolle spielten). Sowie der Bromberg-Fritsch-Krise von 1938. Die "Landesverrats-Brief-Affäre" konnte ähnliche Zwecke verfolgt haben wie die anderen genannten Ereignisse: Eine kriegsunwillige oder -feindliche deutsche Militäropposition, die das enge Einverständnis mit Erich Ludendorff suchte (5), handlungsunfähig zu machen.
Brieftelegramm
Tutzing, den 5. 7. 1937
Die Folge 7 des "Am Heiligen Quell" ist gedruckt. Es ist mir nicht möglich gewesen, die Hetze, die im Vatikan gegen mich betrieben wird, dort noch aufzunehmen.
Ich teile folgenden Tatbestand mit:
1. In der Presse, so in der Königsberger Allgemeinen Zeitung vom 16. 6. 37, erschien nachfolgende Mitteilung:
"Nach einer sensationellen Mitteilung des 'Osservatoro Romano', des offiziösen vatikanischen Organs, soll der Zentralrat der russischen Gottlosen beschlossen haben, alle antichristlichen Werke Ludendorffs im Staatsverlag in einer Auflage von 100.000 Exemplaren herauszugeben, um sie in russischer Sprache unter den Führern der Gottlosen-Bewegung in Sowjetrußland zu verbreiten. General Ludendorff wird also, so bemerkt ironisch das Organ des Vatikans, die volkstümlichste Persönlichkeit der Sowjetunion werden."
Solches wurde auch verschiedentlich von Kanzeln in Deutschland verkündet. Die Königsberger Allgemeine Zeitung fügt hinzu, daß nach der Deutschen Rundschau in Polen hiervon in Sowjetrußland selbst nichts bekannt ist.
2. Bald darauf wird Berliner Kreisen nachfolgendes, erlogenes Machwerk zugeführt, was den Stempel der Lüge und Niedertracht auf der Stirne trägt und mir Hochverrat anlügt. Es ist ein Brief, den ich an einen Österreicher geschrieben haben soll, der aber von mir nicht unterschrieben ist, obwohl ich angeblich deutlich auf meine Frau hinweise! Er liegt auch nicht im Original vor, sondern in einer Nachübersetzung aus einer Übersetzung! Welche Wirkung er zeitigen konnte - er scheint auch nicht nur in Berlin verbreitet zu sein - zeigt die Hetze gegen mich, die ich in der letzten (7.) Folge aufdeckte. Der Brief lautet:
"Besten Dank für Ihr Schreiben. Es freut mich, bestätigt zu finden, wie begeistert Sie sich sofort dem deutschen Gedanken und dem Gedanken der Freiheit angeschlossen haben, denn in der Tat, seiner Natur nach, seinem Blute, seiner Lebenshaltung kann der Deutsche so nicht leben, kann er nicht frei denken und reden.
Das Helotentum hat dem Deutschen nie gelegen, für die Italiener und Slaven ist Knechtschaft ein Normalzustand, für den Deutschen niemals: darum wird eine Staatskunst, die die eigenen Brüder als Söldner dem Ausland zur Verfügung stellt, heute oder morgen unbedingt Schiffbruch erleiden müssen.
Weder Spanien noch Rußland können und dürfen Ziel der deutschen Staatskunst sein.
Und noch weniger kann der Italiener der Verbündete der Deutschen sein. Von den Tagen der Teutonen bis zum Verrat von 1915 zieht sich ununterbrochen die Kette des Leids, das den Deutschen aus der Berührung mit Rom und Italien wurde.
Die Ereignisse von Gudelajara zeigen, ganz abgesehen vom Charakter der Italiener, daß sich die Einstellung eines Volkes zum Kampf nicht in wenigen Jahren ändern läßt.
Sie schreiben, daß man auch in Österreich auf eine Wandlung im Reiche hofft, die sich unter dem Zeichen der Freiheit vollziehen und wahrhaft deutsch sein muß.
Wohlan, meine Frau, die Künderin einer neuen Weltanschauung und eines neuen Deutschtums, und ich werden uns freuen, mit jenen Herren in Verbindung zu treten, vorerst jedoch selbstverständlich und zweckmäßigerweise nur über Ihre Vermittlung, der Sie uns bekannt sind. Alles weitere wird sich dann schon alleine ergeben.
Es lebe die Freiheit!"
3. Am 27. 6. verbreiten die "Freien Stimmen" aus Klagenfurt unter "Berlin":
"In politischen Kreisen rechnet man, daß in den nächsten Tagen möglicherweise die Ludendorff-Bewegung verboten werden wird. Das Verbot der Dinterbewegung sei nur als ein Vorläufer zu diesem Schritt aufzufassen. (Eine Bestätigung dieser Meldung ist wohl abzuwarten. Anm. d. Red.)"
4. Am 2. 7. brachte der Vatikansender, wie mir entrüstete Volksgeschwister mitteilten, aus Rußland etwa:
"Die Komintern hätten in einer Geheimanweisung an die deutschen Kommunisten befohlen, daß diese recht zahlreich der Deutschen Gotterkenntnis (Ludendorff) beitreten sollen, weil jene Organisation am besten geeignet ist, die Einheit zwischen Staat und Kirche zu zersetzen."
Der Sender kündigte an, daß er jeden Freitag um 8 Uhr abends auf der kurzen Welle 50,50 in deutscher Sprache wiederkommt. Was kommt nun?
So die Hetze des Vatikans gegen Deutsche Gotterkenntnis. Dieses Roms, dessen Papst Nachfolger des Juden Petri sein will, der das Haupt der ersten christlichen Sekte - nach der Apostelgeschichte - war, die kommunistische Ideen verwirklichte, dieses Roms, dessen Papst ja auch nur den atheistischen Kommunismus verdammt.
Aber nichts fürchtet Rom so sehr wie Deutsche Gotterkenntnis, und darum erstrebt es, daß sie verdächtigt wird und, wenn es erreichbar ist, wieder in ihren Wegen in Deutschland behindert wird.
Dieses Spiel ist zu durchsichtig. Neulich sagte in "Der Haag" ein Vertreter des Vatikans zu einem Redner über Deutsche Gotterkenntnis, er habe recht, aber darauf komme es nicht an; die Auseinandersetzung zwischen Rom und Deutscher Gotterkenntnis wäre nur eine Machtfrage.
Ich bitte Sie, Ihren Freunden die Machenschaften Roms und die verlogenen niederträchtigen Mittel, die in seinem Sinne gebraucht werden, zu zeigen. Ich will nicht, daß das Ergebnis des 30. 3. 37 sabotiert wird.
Der Ruf Huttens gegen Romherrschaft ist auch meine Parole! Es lebe die Freiheit!
Ludendorff.
(Bei Ebay ist offenbar die zweite Seite dieses Dokumentes zugänglich geworden. Auf der Vorderseite des Blattes dürfte der erste Teil dieses Dokumentes zu finden sein.)

"Herzlichen Dank für Ihre Glückwünsche zum Geburtstag!" (1938)

Die Landesverrats-Affäre verlief schließlich im Sande. Wenige Monate später, am 20. Dezember 1937, starb Erich Ludendorff. Ulrich Graf hatte noch Anfang Dezember, während des Krankenhaus-Aufenthaltes Ludendorffs in München angefragt, ob er Erich Ludendorff besuchen dürfe, wie aus dem folgenden Brief hervorgeht. (Adolf Hitler selbst hatte Erich Ludendorff - einigermaßen rücksichtslos, wie die Witwe berichtet - am Krankenbett besucht.) Graf sandte dann ein Beileidsschreiben, auf das die Witwe Mathilde Ludendorff Mitte Januar 1938 folgendermaßen antwortete:
Tutzing, 15.1.1938 (?)
Sehr geehrter Herr Stadtrat!

Das erschütternde Geschehen des allzufrühen Hinscheidens meines lieben Mannes ist Wirklichkeit. Tagtäglich muß dies neu begriffen werden. Nehmen Sie herzlichen Dank für Ihre warme Anteilnahme.

Ihre im Dezember ausgesprochene Bitte, meinen lieben Mann besuchen zu können, mußte wegen des Kräftezustandes abgeschlagen werden. Ich aber möchte Ihnen mitteilen, daß mein lieber Mann damals gesagt hat, er werde, wenn er nach Tutzing zurückkommt, Sie hier bei uns empfangen. Unsere Hoffnungen sind grausam zerstört worden, aber ich wollte Ihnen das doch mitteilen, weil es Ihnen wohl sicher Freude …. Es heißt auch doppelt zu kämpfen und vor allem auch die Mahnworte des Feldherrn, den „Am Heiligen Quell“ Folge 10 zu allen Gesinnungsgenossen zu tragen.
Mit deutschen Grüßen,

Mathilde Ludendorff
Diese Worte legen nahe, daß Ulrich Graf sich gegenüber Erich und Mathilde Ludendorff als Leser der Zeitschrift "Quell" bekannt haben könnte. Zum 4. Oktober 1938 gratulierte Ulrich Graf Mathilde Ludendorff zum Geburtstag. Es könnte also davon ausgegangen werden, daß dieser Kontakt ein ernsthafterer gewesen ist. Also ein Kontakt, der von Seiten Ulrich Grafs nicht nur etwa von "Karriererücksichten" geleitet gewesen sein muß. Denn nach dem Tod Erich Ludendorffs konnte es für regional angesehene Persönlichkeiten in Parteikreisen sicherlich nicht mehr unbedingt ein "Vorteil" sein, wenn sie mit der Witwe des bis zu seinem Tod so "schwierigen" Generals Ludendorff weiter freundlichen Umgang hielten. Auch dies läßt sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen. Mathilde Ludendorff jedenfalls antwortete:
Tutzing , 29.10.1938 (?)
Sehr geehrter Herr Stadtrat!

Nehmen Sie meinen herzlichen Dank für Ihre Glückwünsche zum 4. 10. . So wie der unendlich schwere erste Geburtstag des Feldherrn nach seinem Tode durch die Freude über die Gewinnung Österreichs durch den Führer leichter gemacht wurde, so sind am 4. 10. 1938 nun die Sudetendeutschen befreit worden. Doppelt ernst gehen wir nun daran, daß die Zahl derer in dem 80-Millionen-Volk, die die Gefahr der überstaatlichen Mächte einschätzen lernen, und die zur Deutschen Gotterkenntnis finden, größer wird. Denn jeder einzelne wird hierdurch tief im völkischen Staate verwurzelt. Mit Deutschen Grüßen

Dr. Mathilde Ludendorff
Dazu kann wohl in vorläufiger Weise angemerkt werden: Niemand, der bis zu jenem Zeitpunkt die außenpolitischen Erfolge des Nationalsozialismus bejahte, mußte deshalb auch die Methoden befürworten, mit denen diese erreicht worden waren - sowohl innen- wie außenpolitisch. Und das tut Mathilde Ludendorff in diesem Brief - wie auch sonst - nicht.  Im Verweis auf die Inhalte ihres eigenen weltanschaulichen Kampfes ist sogar implizit die Ablehnung dieser Methoden enthalten. Das durfte natürlich 1938 so offen wie vor 1933 nicht mehr geäußert werden. (Man vergleiche etwa die haßerfüllten Äußerungen und Drohungen in den Tagebüchern von Joseph Goebbels gegenüber der Ludendorff-Bewegung, insbesondere auch nach dem Tod Erich Ludendorffs.)

Offenbar hatte Mathilde Ludendorff - wie zuvor ihr Mann (siehe oben) - Ulrich Graf eine Bildniskarte mit eigenhändiger Unterschrift überreicht. Auch diese Spruchkarte ist im Konvolut enthalten:

Der gedruckte Text auf dieser Spruchkarte beinhaltet die einführenden Worte zu der Schrift Mathilde Ludendorffs "Deutscher Gottglaube" (erstmals erschienen 1928):
Froh sei die Heimkehr zu dem Deutschen Glauben,
Wer zögert oder wehwund rückwärts schaut,
Darf noch nicht heim zu ihm!

Noch ist der Markstein da er steht und zaudert,
Der heimatnächste, den die Seele wählt.
Frei laß er andere zieh'n!
Dieser Spruch richtete sich an all jene, die irgendwo zwischen ihrem vormaligen christlichen Kinderglauben und dem von Mathilde Ludendorff vertretenen nichtchristlichen Gottglauben standen. Da 1937 eine große Kirchenaustrittswelle in Deutschland begann, konnten sich von solchen Worten erneut viele Menschen angesprochen fühlen.

Insgesamt bestätigt und erläutert der hier dokumentierte Briefwechsel viele Angaben in den Lebenserinnerungen von Erich und Mathilde Ludendorff selbst. Er macht erneut auf die Stellung Erich und Mathilde Ludendorffs im Dritten Reich aufmerksam, die ganz schlagwortartig und in wohl nur sehr vorläufiger Weise als die einer "innervölkischen Opposition" gegen den Nationalsozialismus und seiner Kriegswilligkeit gekennzeichnet werden kann. Einer Oppostion, wie man sieht, der auch verschiedene Nationalsozialisten selbst in der einen oder anderen Weise "warme Anteilnahme" entgegenbringen konnten.

(Entwurf 26.6.09, veröffentlicht 11.11.10, Ergänzungen: 25.09.11, 30.1.2013, 9.3.2013)

Literatur:

  1. Lindner, August (Büsum): Ludendorff - Widerstandskämpfer im Dritten Reich? Unveröffentlichtes Manuskript in dem Nachlaß des Autors. Bundesarchiv Koblenz und Landesarchiv Schleswig (Mit Briefwechseln des Autors mit den Historikern Walter Hubatsch, S. Kaehler, Egmont Zechlin und W. Foerster.)
  2. Eberle, Henrik: Briefe an Hitler: Ein Volk schreibt seinem Führer. Unbekannte Dokumente aus Moskauer Archiven - zum ersten Mal veröffentlicht. 2007
  3. Ludendorff, Erich: Vom Feldherrn zum Weltrevolutionär und Wegbereiter Deutscher Volksschöpfung. III. Band. Meine Lebenserinnerungen von 1933 bis 1937. (Notizen zum dritten Bande). Verlag Hohe Warte, Franz v. Bebenburg, Pähl 1955
  4. Frank, Walter: Geist und Macht. Historisch-politische Aufsätze. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg 1938
  5. Müller, Klaus-Jürgen: Generalobers Ludwig Beck. Eine Biographie. Hrsg. mit Unterstützung des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes, Potsdam. Ferdinand Schöningh, Paderborn u.a. 2008, 2. durchgesehene Auflage 2009
  6. Bading, Ingo: Charlotte Knobloch fordert Auseinandersetzung mit Mathilde Ludendorff. Auf: Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt, 23.8.2010
  7. Rosenberg, Alfred: Dietrich Eckart. Ein Vermächtnis. Verlag Frz. Eher Nachf., München 1928
  8. Müller, Klaus-Jürgen: Generaloberst Ludwig Beck. Eine Biographie. Schöningh, Paderborn 2007
  9. Bading, Ingo: Hitlers Mordpläne gegen Ludendorff im Sommer 1937. Studiengruppe Naturalismus, Teil 1, 29. 1. 2013,  Teil 2
  10. Ludendorff, General: Auf dem Weg zur Feldherrnhalle. Lebenserinnerungen an die Zeit des 9. 11. 1923 mit Dokumenten in 5 Anlagen. Ludendorffs Verlag, München 1937 (1. - 54. Tsd.) (156 S.); um neue Dokumente erweiterte Ausgabe: 1938 (41. - 64. Tsd.). Faksimile-Druck der Ausgabe von 1937 in: Archiv-Edition, Verlag für ganzheitliche Forschung, Viöl 1996

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