Montag, 3. April 2017

"Streng gehütete Familiengeheimnisse" - Rund um den ersten Schwiegersohn von Mathilde Ludendorff

Welche Rolle spielten Jesuiten für das Lebensschicksal des ältesten Enkelsohnes von Mathilde Ludendorff, des Schriftstellers Walter Erich von Bebenburg/Richartz (1927-1980)?

Im August 2011 veröffentlichten wir hier auf dem Blog einen langen Aufsatz über das Lebensschicksal des ältesten Enkelsohnes von Mathilde Ludendorff, über den Schriftsteller des Absurden Walter Erich von Bebenburg-Richartz (14. Mai 1927-1980) (Wiki) (s. Stud.gr. Nat. 2011). Die Literaturgrundlage dieses Blogartikels war noch vergleichsweise schmal (1-12). Wenn wir seinen damaligen Inhalt mit dem vergleichen, was wir gerade heute erfahren haben (14-16) und im folgenden referieren werden, dann kommt er uns trotz seines schon damals schwerwiegenden Inhaltes harmlos vor. Den alten Aufsatz lassen wir - als Zeichen unserer bisherigen Naivität und Ahnungslosigkeit - so wie er war veröffentlicht und veröffentlichen ihn hiermit zugleich in einem neuen Aufsatz in stark erweiterter und überarbeiteter Form. Dabei bleibt der Kernteil (II. Teil) gleich - abgesehen von zwei Einschüben - nur Vorderteil (I. Teil) und Schluss (III. Teil) enthalten die neuen - insgesamt alle keineswegs sehr fröhlich stimmenden - Erkenntnisse.

Doch bevor wir darauf zu sprechen kommen, soll noch im Vorübergehen erwähnt werden, dass der frühere berufliche Abteilungsleiter von Walter Erich von Bebenburg letztes Jahr seinen vormaligen Aufsatz über Walter von Bebenburg mit einem weiteren ergänzt hat (13). In diesem hat er auch eine Fotografie aus diesem unserem Aufsatz übernommen. Angesichts dieses Umstandes ist es eigentlich nicht schön, dass er unseren Aufsatz selbst, dem er das Foto entnommen hat, nicht zitiert hat. Der Aufsatz enthält aber weitere, bislang unbekannte Fotografien von Walter von Bebenburg. Und er schließt mit den Worten:
Seine Tagebücher werden zurzeit von dem Münchener Germanisten Sven Hanuschek bearbeitet und sollen publiziert werden.
Man darf gespannt sein. Auch hat der Diogenes-Verlag zwischenzeitlich eine bislang unbekannte Fotografie von Walter Erich von Bebenburg veröffentlicht (Diogenes).

I. Teil:

Ein Jesuiten-Gymnasium in Hamburg

In dem früheren Aufsatz interpretierten wir das erschütternde Lebensschicksal des Schriftstellers Walter Erich von Bebenburg nicht zuletzt als Folge einer prägenden, frühen Lebenserfahrung desselben im Jahr 1949 im Umfeld seines leiblichen Vaters. Es war dies eine Erfahrung, von der sich uns - schon aufgrund der bisherigen Quellenlage - der Eindruck aufgedrängt hatte, dass es sich dabei um eine bewusste, so sagten wir, "verkommene, christliche Intrige", gesponnen im engeren verwandtschaftlichen Umfeld von Mathilde Ludendorff, gehandelt habe. Dazu passt nun nahezu nahtlos, was im folgenden zu referieren ist.

War das etwa eine zu weitgehende Interpretation der Quellenlage? Was uns bislang nicht bekannt gewesen ist, ist der folgende Umstand: 1946 ist in Hamburg ein Jesuiten-Gymnasium gegründet worden (Wiki). Und mehrere der Enkelkinder von Karl Richarz (1887-1966), des leiblichen Vaters von Walter Erich von Bebenburg, also Neffen von Walter Erich von Bebenburg, Kinder seiner Halbschwester, sind ab 1955 auf dieses Jesuiten-Gymnasium geschickt worden und haben dort ihr Abitur gemacht (14-16). Einer von ihnen - ein NATO-Vizeadmiral (Wiki) - gilt heute als "bekannter Absolvent" dieser Schule. Und der ein Jahr ältere Bruder dieses Admirals - der Schriftsteller Roland R. Ropers (geb. 1945) - bezeichnet sich noch heute stolz als spirituellen Schüler namhafter Jesuiten und Vertreter "christlicher Spiritualität" (Vita). Und erst indem wir uns mit diesen auffallenden Befunden auseinandersetzen, machen wir uns bewusst, dass der Stammvater dieser Hamburger Familie Richarz - der "visionäre" Lederfabrikant Leonhard Richarz (1857-1932) - aus einer katholischen Region nach Hamburg zugewandert war, nämlich aus Roisdorf im Rhein-Sieg-Kreis (4, S. 17).

Bei der Familie Richarz wird es sich also - so wird uns damit klar - schon immer um eine katholische Familie gehandelt haben. Eine solche erwartet man ja nicht unbedingt gerade als in Hamburg ansässig. Das hatte also bislang nicht ansatzweise von uns vermutet werden können. Aber dieser Umstand wird doch den Schwiegereltern Erich und Mathilde Ludendorff bekannt gewesen sein, so entsteht in uns die Frage. Haben sie diesen nicht irgendwo in ihren Lebenserinnerungen erwähnt?

Während man sich diese Frage stellt, darf man sich auch gerne daran erinnern, zu einer welchen tiefen Vertrauenskrise es 1881 zwischen Otto von Bismarck und seinem politisch hoch begabten Sohn Herbert von Bismarck (Wiki) kam. Nämlich als Herbert eine katholische Gräfin heiraten wollte. Erst als der Vater mit Selbstmord drohte, ließ Herbert von diesem Ansinnen ab, persönlich im Innersten von diesen Vorgängen erschüttert. Und man glaubt, die Gründe für Bismarcks hoch emotionale Haltung in dieser Frage nachvollziehen zu können. Er glaubte, sein Sohn würde mit dieser Ehe unter katholische Einflüsse geraten, also unter die Einflüsse der schärfsten Gegner seiner Politik. Musste solche Sorgen also nicht auch das Ehepaar Ludendorff haben angesichts der ersten Ehe ihrer Tochter? Es soll also zunächst einmal überprüft werden, was sie überhaupt über ihren Schwiegersohn in ihren Lebenserinnerungen schreiben.

Erst indem wir solche Fragen stellen, ist uns zum ersten mal Anlass gegeben, alle Ausführungen rund um die erste Ehe der Tochter Ingeborg von Kemnitz in den Lebenserinnerungen ihrer Eltern durchzusehen. Einer Zusammenstellung derselben sei vorausgeschickt, was wir auch erst aufgrund der eben genannten neuen Erkenntnisse erfahren haben, nämlich dass der Vater von Walter Erich von Bebenburg aus erster Ehe schon eine Tochter hatte, die zehn Jahre vor Walter Erich von Bebenburg geboren worden war, nämlich Margret Richarz, spätere verheiratete  Ropers (1917-2010), die Mutter der beiden eben schon genannten Jesuitenschüler, also die Halbschwester Walter Erich von Bebenburgs. Sie war zu Weihnachten 1926, als sich ihr Vater in München-Ludwigshöhe, im Hause Erich Ludendorffs, ein zweites mal verheiratete, knapp zehn Jahre alt. Ihre Mutter war kurz nach ihrer Geburt gestorben (4, S. 17). Sie sollte, wie wir gleich noch erfahren werden, für eine kurze Zeit ein sehr herzliches Verhältnis haben zu ihrer Stiefgroßmutter Mathilde Ludendorff.


Weihnachten 1926 - Hochzeit in München-Ludwigshöhe


Erich und Mathilde Ludendorff schreiben außerordentlich zurückhaltend in ihren Lebenserinnerungen über ihren Schwiegersohn Karl Richarz und dessen Familie. Soweit übersehbar, ist nirgendwo von einem Katholizismus dieser Familie auch nur in Andeutungen die Rede. Die Hochzeit ihrer Tochter mit Karl Richarz erfolgte zu Weihnachten 1926 in München-Ludwigshöhe, nur wenigen Wochen nach der einschneidenden, lebensbedrohlichen, schweren Kehlkopf-Operation bei Erich Ludendorff durch den berühmten Arzt Sauerbruch. Kaum war diese Krisenzeit überwunden, so schreibt Mathilde Ludendorff (17, S. 111),
da brachte ich meine Tochter, die zum Weihnachtsfeste und zu ihrem eigenen Hochzeitsfeste heimgekommen war, zum anderen Krankenhaus und hatte dort nun Tage ernster Sorge. Aber auch sie wurden überwunden.
Da fünf Monate später, am 14. Mai 1927, Walter Erich von Bebenburg, in Hamburg geboren wurde (natürlich mit dem Geburtsnamen Walter Erich Richarz), wird es sich bei diesem Krankenhaus-Aufenthalt nahe liegender Weise um Schwangerschafts-Probleme gehandelt haben. Zu Weihnachten fand dann die Hochzeit statt, über die Mathilde Ludendorff nur kurz erwähnt, dass es einen Stromausfall gab (17, S. 113). Auch Erich Ludendorff schreibt nur ganz kurz (1951, S. 52):
Weihnachten 1926 begingen wir in unserem Hause in Ludwigshöhe die Vermählung unserer Tochter mit einem Geflügelfarmbesitzer.
Beider Ausführungen zu dieser Hochzeit sind also auffallend knapp gehalten. Dabei muss man es doch für keineswegs unwahrscheinlich halten, dass auch die Eltern von Karl Richarz zu diesem Anlass in München-Ludwigshöhe weilten, also der 69-jährige "visionäre" Lederfabrikant Leonhard Richarz (1857-1932). Auch er wird doch - angesichts der hohen Verehrung, die Erich Ludendorff in seiner Familie scheinbar genoss (15) - die Gelegenheit wahrgenommen haben, die persönliche Bekanntschaft mit Erich Ludendorff zu machen. Oder wurde angesichts der vorausgegangenen Operation der Kreis der Eingeladenen klein gehalten? Über all das gibt es keine Angaben in den Lebenserinnerungen beider Ludendorffs.

September 1927 - "Großmutter-Freuden" in Tutzing


Was erfahren wir weiter über das Schicksal dieser jungen Ehe, die doch - offenbar - erst aufgrund der Schwangerschaft geschlossen worden ist? Im Mai wurde der Sohn geboren. Der Sommer und Herbst 1927 sah im Leben der Eheleute Ludendorff einen tiefen Umbruch. Dies war die Zeit, in der der damalige "Bestseller" "Die Vernichtung der Freimaurerei durch Enthüllung ihrer Geheimnisse" fertig gestellt und veröffentlicht wurde. Außerdem war es die Zeit, in der das Ehepaar Ludendorff in Ostpreußen der Einweihung des Tannenberg-Denkmales beiwohnte. Hinsichtlich beider Themen füllen sich in ihren Lebenserinnerungen Seiten über Seiten. Aber über den Hochsommer 1927 schreibt Mathilde Ludendorff auch (17, S. 144):
Da erfuhr meine Arbeit eine neue, gar liebe Unterbrechung, weil ich Großmutter geworden war. Ich reiste nach Griemshorst, sah mein herziges Enkelchen und half meiner Tochter, die ich viel, viel zu überlastet mit Arbeit und Sorgen fand und dann mit schwerem Herzen schon nach einer Woche wieder verlassen musste. Ein Trost war, dass sie noch in diesem Herbst auf längere Zeit mit dem kleinen Stieftöchterchen und dem Bübchen zur Erholung in das Tutzinger Häuschen kommen werde. Wie schwer riß ich mich da los, wo ich so viel noch hätte helfen wollen!
Das hier erwähnte Stieftöchterchen war die schon erwähnte Margret Richarz, spätere verheiratete Ropers (1917-2010), die damals zehnjährige Halbschwester des gerade erst geborenen "Walterchens". Sie lebte also beim Vater und wurde von ihrer neuen Stiefmutter Ingeborg mit betreut. Dann, viele Seiten später, schreibt Mathilde Ludendorff vergleichsweise ausführlich über ihre neuen "Großmutter-Freuden". Das soll hier einmal weitgehend vollständig zitiert werden. Sie erwähnt ihren eigenen Hochzeitstag und die daran anschließende Reise nach Ostpreußen und schreibt weiter (17, S. 188f):
Noch vor unserer Feier des 14. 9. und der daran anschließenden Reise hatte ich eine gar liebe, dem Kampf entgegengesetzte Freude. Ingeborg wurde mit den beiden Enkelchen: dem Stiefenkeltöchterchen, mit dem ich recht gute Freundschaft geschlossen hatte, und dem Enkelbubchen, erwartet. Jede Großmutter wird mir darin Recht geben, dass die Freude an Enkeln wohl nicht weniger innig zu nennen ist als die an den eigenen Kindern, wohl aber vielleicht noch bewusster erlebt wird.
So nahm ich mir denn zwei Tage Urlaub am 1. 9., fuhr zum schlummernden Tutzinger Häuschen und richtete dort mit einer Arbeitshilfe ein Kinderzimmer mit allem Zubehör ein. Die Kinderbadewanne, das Kinderbettchen kamen zu neuen Ehren und wurden frisch gestrichen. Die Wickelkommode konnte noch anhand der Säuglingspflege-Erinnerung mit allem Zubehör versorgt werden. Die Waage und das Körbchen mit der Wärmflasche für die Vorratwindeln standen zurecht. Als ich diese Siebensachen alle gerichtet hatte, saß ich lange in dem friedlichen Zimmerchen und dachte an die Jahre der jungen Mutterschaft zurück, in denen die Gewichtswaage noch der Herrscher über Glück und Unglück war, da das Bettchen mit dem Kind das Weltall war, während außerhalb - außer dem Mann und den Angehörigen - recht wenige ganz, ganz ferne Erscheinungen den Kosmos belebten. Welch eine Kluft zu dem Kampf wider eine so gehässige, mit so viel Lüge und Schlechtigkeit gegen uns fauchende, enthüllte Geheimwelt.
Ob ich es damals gewagt hätte, Mutter werden zu wollen, wenn ich die Welt so gekannt hätte wie heute, wenn ich geahnt hätte, für welch verkommene Welt ich sie zum Leben trug?
Aber nicht nur um meiner Kinder und Enkel, nein, um ihrer aller willen muss eben jeder Wissende alles daran setzen, hier Wandel zu wirken. Der Kampf gilt doch auch den zukünftigen Geschlechtern; mögen sie dereinst wachsam, wehrtüchtig und Herr der geheimen Feinde ihr Leben etwas mehr mit Feierstunden segnen können, als wir dies tun dürfen. Am 4. 9. schrieb ich der Mutter:
"Hier wächst die Arbeit mit jedem Tag, aber auch der Erfolg. 20.000 Bücher sind verkauft. (...) Das Gift der Feinde spritzt hoch an den Mauern unseres Gartens in Ludwigshöhe, in dem unterdes friedlich und unbekümmert darum die Pflaumen groß werden, daß heute ein ganzer Ast trotz der Stützen abkrachte."
Sie spricht dann vom Einkochen der Pflaumen, von den schon erwähnten Vorbereitungen in Tutzing und schreibt dann weiter an ihre Mutter:
"Von dieser Großmama- und Hausfrauenarbeit gings dann wieder zur Korrektur der letzten Fahnen des Werkes "Selbstschöpfung", zu Artikeln für die Wochenschau und zu den fast täglichen wichtigen Besprechungen beim Tee."
Und im Haupttext:
Ich konnte meine jahrzehntelange Übung in der Bewältigung mehrerer Berufe recht gut gebrauchen. Als ich dann die liebe Gesellschaft abgeholt und im Tutzinger Heim untergebracht, mich vor allem an dem Vogelgezwitscher der Kinderstimmen frisch gebadet hatte, kehrte ich vor dankbarer Freude über die nie erhofften raschen Kampferfolge - die aus dieser anderen Welt betrachtet, einem so viel bewusster werden - in unser liebes, liebes "Hauptquartier" zurück.
Noch einige Male konnte ich mir einen Mittag frei machen für das junge Tutzinger Leben, das sich da der Sommersonne freute. Sonst aber ging die Arbeit ununterbrochen weiter. Außerdem trennte mich die Ostpreußenreise dann von Kind und Enkeln. Nur allzu bald nach unserer Heimkehr war der Tag ihrer Abreise nach Norden wieder gekommen. Gar wehmütig war es, all die Dinge in Tutzing nun wieder wegzuräumen, nur die Erinnerung an liebe Tage frisch zu halten.

Februar 1928 - "Wenig gute menschliche und wirtschaftliche Eindrücke" in Hamburg


Am 3. Februar 1928 sahen sich die Familienangehörigen während einer Vortragsreise des Ehepaares Ludendorff in Hamburg wieder. Die Vortragsreise galt natürlich dem "Freimaurer-Kampf" und wühlte damals unglaublich viele Menschen auf in Deutschland. Durch diese Vorträge gewann das Ehepaar Ludendorff tausende, wenn nicht zehntausende neuer Anhänger hinzu. Über das Privatleben während solcher Reisen berichtet zunächst Erich Ludendorff (1951, S. 144):
Es war natürlich, dass ich auch die Reisen benutzte, um Verwandte zu besuchen und wiederzusehen. So trafen wir schon in Hamburg bei Treuenfelds meine Tochter und ihren Mann aus Griemshorst. Wir besuchten auch die Geflügelfarm, gewannen aber leider hier wenig gute menschliche und wirtschaftliche Eindrücke, die sich auch als sehr berechtigt herausstellten, als meine Tochter sich veranlasst sah, Griemshorst zu verlassen und sich von ihrem Manne scheiden zu lassen. Das Gericht trat den Ausführungen meiner Tochter bei, was allerdings, wie bei unseren Gerichtsverfahren üblich, recht lange Zeit in Anspruch nahm.
Mathilde Ludendorff schreibt über dasselbe Ereignis wesentlich ausführlicher (17, S. 233f):
Es folgte Magdeburg (...) - und dann wenigstens ein Ruhetag in Hamburg. Dorthin hatten wir alle Kinder bestellt, und ich hoffte, die Freude des Wiedersehens würde mich schon wieder frisch machen. Aber als gleich darauf der Vortrag in den zwei Sagebiel-Sälen begann, hatte ich nur einen Gedanken in der Seele, dass meine liebe Tochter, die nahe vor mir saß, wohl sehr unglücklich, ja krank sein müsse, fast am Zusammenbrechen, und dass sie mir wohl viel verschweige. Während meine Stimme zu den Tausenden sprach, glitt mein Blick immer wieder zu ihr hin, und jedes mal ward mir das Unheil klarer bewusst und legte sich mit Zentnerschwere auf meine Seele. Die nächsten Tage, die wir dann bei ihr verbrachten, enthüllten durch eine Unterredung mit ihrem Arzt die furchtbaren Gefahren und das ganze Unglück, dem sie ausgesetzt war, schweigend ausgesetzt geblieben wäre. Ich wusste sie arbeitsüberlastet, gefährdet und elend zurück gelassen, konnte mich nur wehmütig an dem Enkelkindchen freuen und von der Hoffnung zehren, dass sie uns in wenigen Wochen mit dem Kinde besuchen werde und sich bei uns ausruhen und gesundpflegen sollte.
Was sich hinter den Bezeichnungen "gefährdet" und "elend zurück gelassen" verbirgt, kann man nur vermuten. Hatte sich ihr Ehemann einer anderen Frau zugewandt? War sie "gefährdet", weil eine dauerhafte Duldung einer solchen Situation ihrer Seele geschadet hätte? Aber offensichtlich war sie auch körperlich "gefährdet". Denn Mathilde Ludendorff spricht im weiteren zwar über ihr eigenes Glück (17, S. 236f),
... hätte nicht das Unglück meines armen Kindes, die unmittelbare Lebensgefahr von Kind und Enkel, gar schwer auf mir gelastet und mich besonders in wachen Nächten ergriffen. Es ließ sich da nichts erzwingen. Im Gegenteil! Drängte man zu viel zu der versprochenen Erholungsreise für Kind und Enkel, so konnte alles vereitelt werden. Endlich hatte uns auch der Arzt geholfen und das Kommen in unser Heim stand bevor. Wie anders war da mein Richten der Kindersachen in dem obersten Stock unseres Heimes in Ludwigshöhe als jenes in Tutzing, da ich noch an das Glück des Kindes glaubte! Und als ich dann die beiden an der Bahn abholte und ich Kummer und körperlichem Elend nahe in die Augen sah, da ward auch mir schwer um's Herz! Einige Tage später haben wir dann das Ausmaß dessen erfahren, was hier schweigend erlitten wurde, stand es auch erst klar in der Seele der Erleidenden. Besonders Gefahren, denen das Kind ausgesetzt war, wurden da allmählich bestimmend für einen Entschluss, der immer von dem Menschen selbst ausgeht, nie daher von dritten geraten werden könnte.
Sie wollte ihrer Tochter dann in Tutzing wohnen lassen (17, S. 237):
Davon aber wollte der Vater nichts wissen, der meinen Kindern so nahe stand, als wären es seine eigenen. Er sagte: "Das Kind bedarf noch auf lange meines Schutzes." Wie wahr hatte er gesprochen!
Mit Vater ist hier natürlich Erich Ludendorff gemeint. Und weiter:
So blieb denn von nun ab der oberste Stock ein Heim für Kinderjubel und Kindertränen, und heiter sang ein Kanarienvogel von einer anderen Welt als der des Kampfes mit überstaatlichen Geheimorden!
 - in dem das Ehepaar Ludendorff damals begriffen war, nämlich den freimaurerischen und katholischen Geheimorden:
Gar oft am Tag huschte ich nunmehr von der Arbeit hinauf zur Pflege beider. Die liebe Welt der Säuglingspflege mit all ihren kleinen Sorgen und großen Freuden machte mich gesund und frisch für die schwere Kampfarbeit. (...) Wir freuten uns der zum Leben erwachenden Seele, der das im Winde belebte Laub noch ein Wunder war, die das Brausen nachzuahmen trachtete und dabei mit den Händchen die Bewegung der Blätter ernst und eifrig nachahmte. 
Ingeborg von Kemnitz selbst schreibt 1937 (21, S. 35):
Als meine Eltern mich auf einer Vortragsreise besuchten und gesehen hatten, unter welchem unhaltbaren Unglück ich lebte, nahmen sie mich mit meinem noch nicht ein Jahr alten Söhnchen in ihr Haus auf und halfen mir unermüdlich, in meinem schweren Ringen, das nun folgen musste. Ich führte meiner Mutter den Haushalt (...) und ich sah tagtäglich das unermüdliche ungeheurer Arbeiten meiner Eltern. (...) Vier Jahre lebte ich so mit den Eltern zusammen.  

1928 bis 1931 - Die "Niedertracht" des Schwiegersohnes im Scheidungsprozess


Mathilde Ludendorff schreibt in ihren Lebenserinnerungen (17, S. 240):
Der Prozeß meiner Tochter, der dank des weitreichenden Armes der Freimaurerei in den kommenden 3 1/2 Jahren manches Belehrende brachte, begann.
Es wurde das Tutzinger Haus zum Bewohnen hergerichtet (17, S. 241):
Nach unserer Heimkehr sollten dann Ingeborg und das Enkelchen mit den Kölnern darin zusammen fröhlich sein und von Herzen Erholung finden.
Die "Kölner" waren die Schwester Mathilde Ludendorffs, die geschiedene Pianistin Frieda Stahl, mit ihrer Tochter Edith Stahl, die damals noch ein Kind gewesen sein wird. Im Herbst 1929 brachten Erich und Mathilde Ludendorff ihr grundlegendes Buch "Die Jesuitenmacht und ihr Ende" heraus. Darin sprachen sie von der "Dressur im schwarzen Zwinger", also von all jenen Psychotechniken, die heute mit Begriffen wie "Schwarze Pädagogik" oder "Seelenmord" belegt werden. Das Buch brachte ihnen viel neue Gegnerschaft ein wie sie in ihren Erinnerungen schildern. Womöglich ist ihnen aber bis zu ihrem Lebensende nie bewusst geworden, dass es sich bei der Familie Richarz um eine solche handelte, die in er Folgezeit mehrere ihrer Kinder auf ein Jesuiten-Gymnasium schicken konnte, und aus denen dann eifrige Befürworter jesuitischer Spiritualität werden konnten. Am 4. November 1929 schreibt Mathilde Ludendorff an ihre eigene Mutter (1, S. 51):
Nun müssen wir morgen nach Stade fahren, weil vor der Vernehmung noch lange Unterredungen mit dem Anwalt nötig sind, der anscheinend Ingeborgs Gegenanwalt ist (!) (vielleicht ist er auch Bruder oder Römling; wir haben ja so viele liebe Freunde!)
"Bruder" heißt hier "Freimaurer-Bruder", der Begriff "Römling" ist wohl selbsterklärend, er bezeichnet einen Vertreter katholischer Lobby-Interessen. Über den Juni 1930 schreibt sie (1, S. 107):
Noch immer schwebten damals über meiner Tochter die Schrecken des Prozesses; aber sie war von uns so viel Prozeßführung (zeitweise waren es deren 9) gewohnt, war so unser täglicher Kamerad in all den schweren Zwischenfällen des Kampfes geworden, dass sie ruhiger daran trug als andere, die solchen Vergleich nicht haben. 
Am 25. November 1930 schreibt Mathilde Ludendorff an ihre Mutter (1, S. 128):
Ich weiß nicht, ob ich es Euch schon schrieb, dass unterdessen zwei Prozesse von den 9, die augenblicklich (einschließlich Ingeborgs) schweben, erledigt sind.
Zum Anfang 1931 schreibt nun wieder Erich Ludendorff in seinen Lebenserinnerungen (1951, S. 307f):
Der Scheidungsprozeß meiner Tochter zog sich in die Länge. In der ersten Instanz in Stade war die Klage abgewiesen, die zweite Instanz war das Landgericht in Celle. Immer neue Beschuldigungen gegen meine Tochter wurden herangezogen, auch meine Frau und ich wurden im Januar 1931 zur Vernehmung nach Celle geladen. Ich habe in jenen Tagen wieder einmal einen tiefen Blick in Deutsches Gerichtswesen und Prozessualverfahren getan. Es war möglich, Ungeheuerlichkeiten auf gut Glück auszusprechen, obwohl sie die Unwahrheit an der Stirne trugen. Aber doch war eine Widerlegung vor dem Gericht nötig. Die sogenannte Gleichheit vor dem Gericht kann zum Frevel an Menschen werden, solange nicht unwahre Angaben auch einer der beiden Parteien unter schwerste Strafe gestellt werden. Die unerhörten Beschuldigungen wurden widerlegt, aber schließlich war Aufregung über solche Niedertracht und das Unvermögen des Gerichts, sie fernzuhalten, unvermeidlich.
Auch aus diesen vielen Andeutungen wird man noch nicht recht verstehen können, worum es konkret ging. Es ging vor allem um das Sorgerecht für den Sohn Walter. Und man darf annehmen, dass Karl Richarz den Vorwurf erhob, seine Mutter Ingeborg würde ihn in außerordentlichem Maße vernachlässigen. Aber das ist nur Vermutung. Deutlich wird in jedem Fall, wie Erich Ludendorff hier das Verhalten seines vormaligen Schwiegersohnes beurteilte: "Niedertracht", "immer neue, unerhörte Beschuldigungen", "Ungeheuerlichkeiten auf gut Glück ausgesprochen, die die Unwahrheit auf der Stirn trugen". Es sind das alles durchaus Eigenschaften, die aus einer Perspektive, die der Psychosekte Jesuitenorden kritisch gegenübersteht, leicht Menschen zugesprochen wird, von denen man zu der Meinung kommt, dass diese unter jesuitischem Einfluss handeln würden. Das wird hier nur gesagt, weil diese Möglichkeit ja unter dem heutigen Erkenntnisstand nicht mehr vollständig ausgeschlossen werden kann. Mathilde Ludendorff schreibt etwas kürzer dazu (1, S. 152f):
Der Prozeß meiner Tochter (in den die Hand der Freimaurerei sehr hineinragte) schleppte sich trotz der Einfachheit der Lage unfruchtbar hin und sollte vier Wochen nach Jahresbeginn endlich zu einer Vernehmung ihrer Eltern, die wir schon lange gewünscht hatten, führen. Nie hätte ein eigener Vater fürsorglicher handeln können, als der Mann, für den das Eddawort "der Herzensgroßmütige" wie für keinen anderen Deutschen wie geschaffen war! Er bot sofort an, dass wir beide uns in Celle, wo der Prozeß lief, vernehmen lassen wollten, da es für mein Kind günstiger war als eine Münchner Vernehmung. (...) Wir konnten in langen Vernehmungen bei Gericht Seltsamkeiten genug feststellen, aber auch meinem Kinde durch gründliche Aussagen helfen.
Und zu dem Besuch der Tochter Ingeborg bei ihren Eltern, die im Juni 1931 in Seefeld in Tirol Urlaub machten, schreibt sie (1, S. 207f):
An diesen lieben, fröhlichen Tagen feierten wir zu Dreien auch das Ende der langjährigen schweren Sorgen meiner Tochter, denn wir glaubten, es sei schon entschieden, dass das liebe Walterchen nun Ingeborg allein zugesprochen sei, während dies tatsächlich erst zwei Monate später durch das Reichsgericht noch bestätigt werden musste. Unser liebes Enkelkind, das uns fast zu Dreien gemeinsam gehörte, da es bei uns vom Säuglingsalter an aufgewachsen war, sollte uns nun für immer bleiben! Es war fast zu viel des Glückes bei solcher Gewißheit, zugleich in der wunderbarsten Bergwelt zusammen sein zu dürfen. Ja, das waren liebe sonnige Tage!
Diese Worte machen noch einmal deutlich wie wenige all derjenigen, die noch zu bringen sein werden, wie außergewöhnlich eng das Verhältnis zwischen Walter von Bebenburg zu seinen Großeltern war. Und mit ihnen dürften die Ausführungen zur ersten Ehe und zum Scheidungsprozeß der Tochter Ingeborg in den Lebenserinnerungen ihrer Eltern einigermaßen vollständig wiedergegeben sein. Wie man sehen konnte, wird hier nirgendwo erwähnt, dass Karl Richarz, der geschiedene Ehemann, katholisch war. Und das geschah in Jahren, in denen laut beider Lebenserinnerungen sie immer wieder intensiv mit ihrem "Kampf gegen Rom" und gegen katholische Geheimorden wie insbesondere dem Skaldenorden beschäftigt waren und in denen sie das ihnen feindliche Wirken dieser Orden auch bis in ihre unmittelbarste persönliche Umgebung weiter verfolgten. So vermuteten sie etwa, dass der Tannenbergbund-Landesführer von Schleswig-Holstein, von Waldow, Mitglied des Skaldenordens war oder zumindest unter dem Einfluss dieses katholischen Ordens stand. Der Skaldenorden war ein Orden, der damals auch von Vertretern der Bekennenden Kirche als ein sehr einflussreicher - und den bekennenden Christen feindlicher - in der NSDAP wahrgenommen worden ist.

In dieser ganzen Zeit sah das Ehepaar Ludendorff laut Mathilde Ludendorff in den Widernissen des Scheidungsprozesses ihrer Tochter insbesondere das Wirken von Freimaurern. Es ist das eine typische Erscheinung, die man immer wieder antrifft, wenn man von dem Erkenntnisstand von heute, von siebzig Jahren später auf das Leben von Erich und Mathilde Ludendorff zurück blickt. (Das geschieht in noch umfangreicherer Weise auch in dem unveröffentlichten Manuskript des Bloginhabers "Wie wurde Erich Ludendorff Geheimpolitikkritiker?" Und dabei wird klar: Obwohl beide ihren Zeitgenossen schon so weit voraus waren in dem Erkennen hintergrundpolitischer Zusammenhänge, haben sie oft solche Zusammenhänge wie sie bis in ihre nächste persönliche Umgebung hinein bestanden, offenbar dennoch bis zu ihrem Lebensende nie voll überblicken können oder sie auch nur in vollem Umfang erahnen können.)

II. Teil

Walter Erich von Bebenburg - Ein "verlorener Sohn"?


Walter Erich von Bebenburg war mütterlicherseits wie schon ausgeführt ein Enkelsohn der naturwissenschaftsnahen Philosophin und Psychologin Mathilde Ludendorff (1877-1966). Da seine allein erziehende Mutter Ingeborg die meiste Zeit seiner Kindheit und Jugend bei ihrer eigenen Mutter und bei ihrem Stiefvater Erich Ludendorff lebte (1) und schließlich auch den nachmaligen Leiter des Nachfolgeverlages des Ludendorff-Verlages heiratete, des 1949 gegründeten Verlages Hohe Warte, nämlich Franz Karg von Bebenburg, gibt es kaum einen Angehörigen seiner Generation, der persönlich einer Frau wie Mathilde Ludendorff näher gestanden hat, als er.

Mathilde Ludendorff hat in ihrer philosophischen Psychologie von den besonderen seelischen Gesetzen gesprochen, unter denen nahe Angehörige - und auch enge Mitarbeiter - von schöpferischen Menschen, von Kulturschaffenden stehen. Und sie hat diese Gesetze und seelischen Gefahren noch einmal um so bedrohlicher erachtet, um so umkämpfter und umfehdeter jenes Geistesgut ist, für das diese Kulturschaffenden und Mitarbeiter in ihrem Leben stehen - und oft auch mit ihrem Leben einstehen.

Natürlich dachte sie dabei auch an sich selbst und ihre Angehörigen. Doch wer würde bei diesen Worten Mathilde Ludendorffs nicht auch an das Lebensschicksal von Friedemann Bach denken, des ältesten Sohnes von Johann Sebastian Bach? Zumindest so wie es in der romanhaften Biographie von Albert Emil Bachvogel und in der ihr folgenden Verfilmung von 1941 dargestellt ist? Wer würde dabei nicht an die schweren Sorgen Ludwigs van Beethoven denken, die ihm nach dem Tod seines Bruders die Vaterpflichten für seinen Neffen Karl auferlegten? Wer würde dabei nicht an den ältesten Sohn von Theodor Storm denken, dem sein Vater viele schwere Stunden durchwachter, sorgenvoller Nächte widmete?

Abb. 1: (Wohl) Walter Erich von Bebenburg an der Hand seiner Großmutter Mathilde Ludendorff am 70. Geburtstag Erich Ludendorffs in Tutzing am 9. April 1935 - (Ehrenposten vor dem Haus, hinter beiden General Bronsart von Schellendorf) (Herkunft: Ebay, Oktober 2014)
Wer würde dabei nicht an jene zahlreichen Werke etwa des niederländischen Malers Rembrandt van Rijn denken, in denen er sich das Thema "verlorener Sohn" stellte? Wer nicht an die "Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" von Rainer Maria Rilke, die zahlreiche autobiographische Züge enthalten und die auch mit dem Thema des "verlorenen Sohnes" enden? "Man wird mich schwer davon überzeugen," so leitete Rilke diesen Teil ein, "dass die Geschichte des verlorenen Sohnes nicht die Legende dessen ist, der nicht geliebt werden wollte ..."


Abb. 2: (Wohl) Walter Erich von Bebenburg an der Hand seiner Großmutter Mathilde Ludendorff am 70. Geburtstag Erich Ludendorffs in Tutzing am 9. April 1935 - (neben beiden General Bronsart von Schellendorf, hinter ihnen Frieda Stahl [?]) - wohl auf dem Weg zur Ehrenformation für Erich Ludendorff (Herkunft: Ebay, Oktober 2014)
Auch wenn man sich in der politischen und kulturellen Geschichte des 20. Jahrhunderts sonst umsieht, wird man mancherlei besondere Spannungen im Verhältnis von Eltern und Kindern finden können. Etwa im Lebensschicksal von Bernward Vesper (1938-1971) (Wiki), dem langjährigen Freund von Gudrun Ensslin, Sohn des viel gelesenen nationalsozialistischen Schriftstellers Will Vesper (1882-1962) (Wiki).

Ein Enkelsohn Mathilde Ludendorffs wird zu einem Schriftsteller des Absurden

Immer wieder kommt Mathilde Ludendorff im sechsten Band ihrer Lebenserinnerungen auf "das Walterchen" zu sprechen. Als sie 1930 ihre psychologische Philosophie der Kinderseele und der Erziehung schrieb ("Des Kindes Seele und der Eltern Amt") krabbelte es um ihre Füße herum. Und es versonnte auch in den Folgemonaten und -jahren, wie sie schrieb, immer wieder den Alltag der Großeltern. In einem Brief an ihre eigene Mutter und an ihre Schwestern schreibt Mathilde Ludendorff am 12. August 1932 vom Starnberger See aus unter anderem (zit. n. 1, S. 263):
Bei der Tagung war zufällig Walterchen drei Tage bei uns, da Ingeborg in Stuttgart eingeladen war. Er war lieb und artig, fragte nur so drauf los. Das hat mich sehr ausgeruht. So fragte er unter allerhand Unsinn auch auf einmal: "Omama, wie tief ist denn die Nacht?" - "Wie meinst Du das?" - "Na, am Tag, da sehe ich wie tief alles ist, wie weit da Ammerland fort ist und der Dampfer, aber in der Nacht, da sehe ich das Ufer nicht."

Wir sprachen bei Tisch, daß ich am Sonntag die "Moral" behandeln werde. Da fragte das Bubchen: "Was ist denn Moral?" Erich sagte: "Das Artigsein, aber Du bist ja sehr artig hier, willst Du denn auch bei der Mama artig sein?" Da sagte er im Brustton der Überzeugung: "Opa, ich kann überhaupt nicht mehr unartig sein, denn ich kann ja neuerdings einen Zeppelin zeichnen; das war ja nur schuld, weil das ja noch nicht ging, jetzt bin ich immer artig!" - Ein süßes Kind, aber wie wird es, wie kann es einmal werden? -
Diesen Band Lebenserinnerungen schrieb Mathilde Ludendorf im Frühjahr 1937 nieder. Als sie ihre Lebenserinnerungen 1955 (nach einigen Anmerkungen zu schließen) das letzte mal durchsah, um sie druckfertig zu machen, da wird sie zu dieser Frage schon konkretere Gedanken gehabt haben. Es kam ihr aber offenbar nicht in den Sinn, diesen Brief um diese schon etwas besorgten Gedanken zu kürzen.

Drei Jahre später, 1935, als Walter Erich acht Jahre alt ist, sieht man ihn an der Hand seiner Großmutter auf seltenen Fotos vom 70. Geburtstag Erich Ludendorffs in Tutzing am 9. April 1935 (siehe Abbildungen 1 und 2), die im Oktober 2014 auf Ebay zum Verkauf angeboten wurden.

Selbst noch das Niederschreiben der eben genannten Lebenserinnerungen Mathilde Ludendorffs steht in einem gewissen Zusammenhang mit diesem Enkelkind. Berichtet Mathilde Ludendorff doch im fünften Band derselben (1967, S. 11f):
Es war der erste Morgen des Jahres 1937. Bei unserem Frühgang am Seeufer hörten wir den jubelnden Ruf "Prost Neujahr", den unser Enkelkind uns vom Giebelstübchen aus entgegen sandte, um uns durch diese unerwartete List das Neujahr abzugewinnen. (...) Dann aber wurde mein Mann ernst und sagte: "Wir wollen nicht fahrlässig sein und deshalb dieses Jahr wieder damit beginnen, an unseren Lebenserinnerungen weiter zu schreiben."
Gemäß des Wunsches von Mathilde Ludendorff wurden die letzten beiden Bände ihrer Lebenserinnerungen erst nach ihrem Tod veröffentlicht. Sie starb 1966. Der sechste Band wurde 1968 vom Stiefvater Walter von Bebenburgs veröffentlicht.

Abb. 3: Mathilde und Erich Ludendorff auf einem Spaziergang mit ihrem "Walterchen", wohl 1936 oder 1937 (aus: 4)

"Das Haus mit dem Sonnenschein des Kinderlachens durchsonnt"

1937 war das Walter Erich zehn, 1938 elf Jahre alt. Und 1938 schrieb Mathilde Ludendorff über ihn, ohne seinen Namen zu nennen, wobei sie auf ihre schon niedergeschriebenen Lebenserinnerungen Bezug nahm (11, S. 129):
In meinen Lebenserinnerungen habe ich die Sonnenseite eines ernsten Schicksals, die schon vom zweiten Jahre unserer Ehe an auf Jahre hinaus mein Enkelsöhnchen in unser Haus führte, berichtet und manches liebe Vorkommnis erzählt, das unser Haus voll ernsten Kampfes mit dem Sonnenschein des Kinderlachens durchhellt hat. In jenen Jahren und später, als der Junge jedes Jahr für lange Ferienwochen in Tutzing zu Gast war, ward er von großväterlicher Liebe überschüttet. Auf den Spaziergängen ließ der Feldherr sich Kindermärchen und später Heldensagen von dem Knaben erzählen, äußerte seine Spannung auf den Fortgang, rätselte, wie es nun weitergehen werde, und freute sich über des Kindes Glückseligkeit, aber auch über die Früchte eines klaren Rasseerkennens in jungen Deutschen Kinderseelen. Wie manches Mal hat auch der Großvater die Waffenkammer mit den selbst geschnitzten Schwertern, Schilden und Lanzen besichtigt und die Waffen ausgewählt, die der Enkel am anderen Morgen, wenn er uns auf unserem Frühgange entgegen trabte, mitbringen sollte. Dann schritt er stolz vor uns her nach Hause, und wir beteuerten, wie nötig uns sein Schutz sei. Reich fluten die lieben Erinnerungen an alle die sonnigen Stunden durch meine Seele.
In ihrer Kinderpsychologie vertritt Mathilde Ludendorff die Meinung, daß Kinderseelen der "Volksseele", die aus dem Unterbewusstsein des Menschen heraus wirken würde, noch näher stehen würden als die Erwachsenen, und dass aus dieser heraus auch ihr kindliches Handeln sehr häufig entspringen würde. Dies ist hier angesprochen, wenn in der Sprache der damaligen Zeit von "klarer Rasseerkenntnis in jungen Deutschen Kinderseelen" gesprochen wird. Wobei sie auch die Volksdichtungen der Märchen und Heldensagen als aus der Volksseele heraus gestaltet ansieht, worauf zu einem großen Teil die Wirkung derselben auf Kinderseelen beruhen würde.

An einer Stelle ihres Buches "Des Kindes Seele und der Eltern Amt" hat Mathilde Ludendorff womöglich ebenfalls an ihr Zusammenleben mit ihrem Walterchen gedacht. Sie lautet (1954, S. 183):
Es lässt sich kaum etwas Köstlicheres denken als dies Familienleben genialer Eltern mit ihren Kleinen. Es birgt einen wunderreichen Zauber des tagtäglichen Erlebens, wie er harmonischer und inniger kaum ersonnen werden kann. Die Vertreibung aus diesem Paradies schließt sich meist bald an den Eintritt der Kinder in die Schule an. Die Schar der Altersgenossen, die aus einem ganz anders gearteten Familienleben kommen, und gar manche andere Ereignisse bewirken, daß die Einsargung des Ichs
- eine nach Mathilde Ludendorff wichtige seelische Gesetzmäßigkeit beim Älterwerden - 
rasche Fortschritte macht.
Aus der Vermutung heraus, daß seine Großmutter Mathilde Ludendorff, in deren nächster Nähe er fast von Geburt an aufgewachsen ist, jene Frau war, die am meisten Einfluß auf seine Jugend ausgeübt hat (3, 4), ist auch an den Beginn einer - auch biographischen - Studie über Walter von Bebenburg / Richartz ein Foto des neunjährigen Walter gebracht worden: Auf einem Spaziergang zusammen mit seinen Großeltern Mathilde und Erich Ludendorff.

"Ein süßes Kind, aber wie wird es, wie kann es einmal werden?"

Ob nun das Erscheinen der Lebenserinnerungen Mathilde Ludendorffs im Jahr 1968 einer der Auslöser für Walter Erich von Bebenburg war dafür, den Roman "Tod den Ärtzten" zu schreiben? Dieser wurde jedenfalls 1969 unter seinem Schriftstellernamen Walter Richartz veröffentlicht (2). Er ist mit Recht als eine Auseinandersetzung mit der Ludendorff-Bewegung (Wiki) empfunden worden und mit der geistigen Umwelt, in der Walter Erich von Bebenburg als Enkelsohn Mathilde Ludendorffs aufgewachsen war. Diesen Umstand kann man jedenfalls als Grund genug betrachten, sich denselben und den Lebensgang Walter Erich von Bebenburgs insgesamt im Rahmen der Themenstellungen der "Studiengruppe Naturalismus" genauer anzusehen (3).

Nur nebenberuflich war Walter Erich von Bebenburg /Richartz als Schriftsteller tätig. Hauptberuflich war er Leitender Chemiker bei der Firma Degussa in Frankfurt am Main. Bis zu seinem Lebensende hat er unter Schriftstellern viele Freunde gehabt. Noch heute wird er von vielen Literaturkennern geschätzt. Einer seiner Freunde, Sven Hanuschek, faßt auf Paraplui.de die schriftstellerische Lebensleistung von Walter von Bebenburg/Richartz folgendermaßen zusammen:
Richartz hat vier große Romane veröffentlicht, elf Erzählungsbände (zum Teil bei Diogenes und Haffmans, zum Teil in bibliophilen Verlagen), zusammen mit Urs Widmer hat er Shakespeares Stücke in Prosa nach- und neu erzählt (1978), es gibt 13 Hörspiele, außerdem Essays, Stücke, Rezensionen, Editionen, natürlich Forschungsbeiträge auf dem Gebiet der Chemie. Überdies war Richartz ein gefragter Übersetzer, seine Arbeiten auf diesem Gebiet sind weiterhin fast vollständig im Buchhandel lieferbar: Henry David Thoreau, Lewis Carroll, Stephen Crane, Raymond Chandler, Dashiell Hammett, F. Scott Fitzgerald, William Faulkner, Patricia Highsmith, Edward Gorey.
Abb. 4: 1969
Was nun den Leser an dem Roman "Tod den Ärzten" am meisten verwundert: Warum hat Walter von Bebenburg das Bedürfnis empfunden, diesen Roman zu schreiben? Was brachte die Vehemenz des schillernden Gedankenreichtums, der vielen skurrilen Erfindungen, auch Worterfindungen in dem Roman hervor? Er hat 180 Seiten in der 1997-Ausgabe von Diogenes. Welche Bedürfnisse waren es, die ihn trieben?

Es ist klar, daß ein so einfallsreicher, skurriler und absurder, "bis an die Grenzen getriebener" Roman den Verfasser innerlich umtreiben muß. Man könnte sich ja denken: Zehn Seiten zum Thema "Verschwörungstheorie" einmal ganz drollig und witzig, skurril zusammen geschrieben, sollten doch reichen, um ein solches Bedürfnis zu stillen. Ein solches Thema erschöpft sich aber doch irgend wann auch einmal. Für Walter von Bebenburg, respektive Richartz galt das aber - augenscheinlich - nicht. Beim Lesen seines Romanes wird sehr bald deutlich: Um diesen Roman zu schreiben, hatte zuvor sehr viel in ihm "arbeiten" müssen.

Die Rezensionen zu dem Roman "Tod den Ärtzten" waren seiner Zeit begeistert. Noch heute hat Walter von Bebenburg manchen Anhänger unter Schriftstellern und in der Literaturwissenschaft. "Die Zeit" etwa schreibt:
Ein völlig außer Rand und Band geratenes explosives und komisches Pamphlet, wie es gerade die deutsche Literatur selten hervorbringt.
Die "Neue Züricher Zeitung" schreibt:
Ein hochaktureller politischer Roman, einer der eindrücklichsten und überzeugendsten, die uns in den vergangenen Jahren erreichten. Richartz hat eine beneidenswerte Position innerhalb der zeitgenössischen Prosa inne.
Die "Frankfurter Rundschau" (2, S. 189):
"Der aggressivste deutsche Schriftsteller unserer Zeit." "... seine harte Wortkunst."
Abb. 5
Der Roman spielt sehr mit der absurden Sinnlosigkeit, mit dem "Existentialistischen" in allen Erscheinungen des persönlichen und gesellschaftlichen Lebens. Das heutige Zeitbewusstsein muss sich davon - insofern es Verantwortungsgefühl besitzt - so meinen wir, nicht mehr besonders angesprochen fühlen. Das heutige Zeitbewusstsein ist vielleicht auch ein ernsthafteres, weniger "verwitzeltes" als das damalige. Man macht sich quasi nicht mehr über alles und jedes lustig, wie das offenbar so stark das Bedürfnis jener 1968-er Generation gewesen ist, zu der Walter von Bebenburg, resp. Richartz gehört hat. Gerne kürzte er seinen Schriftstellernamen (Walter Erich Richartz) geheimnisvoll-verspielt mit "W.E.R." ab.

Der Roman zeigt zumindest eines auf: Walter Erich von Bebenburg war bestimmt nicht unbegabt. Sollte es genau dieser Umstand gewesen sein, der Menschen, die Mathilde Ludendorff nicht freundlich gesonnen waren, dazu veranlasst hat, auf ihren geliebten "Walter" in seiner Jugendzeit schlechte Einflüsse auszuüben? Diese Frage soll im folgenden behandelt werden.

Vergleich mit "1984" von George Orwell

Die Eigenart des Romans "Tod den Ärtzten" von Walter Richartz/von Bebenburg kann man sich auch verdeutlichen, wenn man ihn mit dem Roman "1984" von George Orwell vergleicht, erschienen 1948. Die Themen sind grob gesehen ähnlich: Es gibt eine Weltverschwörung - den "Big Brother" und eine führende Klasse (Orwell), bzw. die alles beherrschenden "Ärtzte" (von Bebenburg). Und es gibt eine kleine Gruppe von Menschen, die das Wagnis eingehen, sich gegen diese große "Weltverschwörung" zu stellen. Die Ludendorff-Bewegung sah und sieht sich unter anderem als eine solche Gruppierung an, ähnlich wie die heutigen "Infokrieger", bzw. die alternative Öffentlichkeit. George Orwell empfand sich als ohnmächtig gegenüber einem solchen "Big Brother" und nahm sich nach Vollendung seines Romanes das Leben.

Aber auch der Unterschied zu von Bebenburg/Richartz wird bald deutlich: Orwell hat im letzten Sinne nicht gespielt. Es war ihm ernst, wenn er den "englischen Sozialismus" ("engSoz") der Beteiligung an dieser Verschwörung anklagte. "1984", so ist von wissenschaftlichen Orwell-Biographien gut verdeutlicht (etwa von Schröder), beschreibt - nach Orwell's Verständnis - einfach nur die Situation von 1948, nicht eine Zukunftsvision. Es beschreibt seine Kriegserfahrungen als Mitarbeiter der BBC, des "Wahrheitsministeriums" seines Romans. Bei Walter von Bebenburg /Richartz hingegen wird nirgendwo Ernst erkennbar. Sein Roman dreht alles ins Witzige, Skurrile, Absurde, Lächerliche. - Ist das nicht fast erschreckend? Man fragt sich leise: Kann sich so ein Leben wenden, wenn an entscheidenden Stellen in diesem Leben Jesuiten auf dieses Einfluss ausgeübt haben. Und wir antworten ohne viel nachzudenken: Ja. Ist denn nicht die Mehrheit all der vielen witzelnden Entertainer im Fernsehen ebenfalls katholischer Herkunft gewesen? Harald Schmid, Stefan Raab (Jesuitenschüler), Thomas Gottschalk und wie sie alle, alle heißen, all die vielen Witzelnden? (Wir haben darüber auf unserem Parallelblog 2010 einmal einen längeren Artikel geschrieben.)

Es erübrigt sich die Frage: Was will Walter von Bebenburg/Richartz mit diesem Roman? Die Worte der "Frankfurter Rundschau"
Die Kaputtmacher, Naturschänder und Lebensverächter aller Schattierungen waren seines wuchtigen Einspruchs sicher
könnten eher absurde Sätze des Romanes selbst sein, als daß mit ihnen wirklich sinnvoll charakterisiert werden könnte, was Walter von Bebenburg/Richartz nun eigentlich mit seinem Roman hätte bewirken wollen. Gab es überhaupt irgendwelche "Absichten"? Oder steht hinter diesem Roman wie hinter allem bloß die krude, ganz und gar unbeantwortete Frage: "W.E.R."? - - - Steht hinter diesem Roman nicht einfach nur eine grenzenlose Öde und Sinnlosigkeit?

Worin lag das Bedürfnis, "Tod den Ärtzten" zu schreiben?

Über Walter von Bebenburg/Richartz ist schon 1994 eine wissenschaftliche, auch biographische Studie als Dissertation erschienen (4). Im Jahr 2007 stellte die renommierte literaturwissenschaftliche Zeitschrift "Die Horen" in einem 368-Seiten starken Band die Schriftsteller Walter von Bebenburg/Richartz und Günter Graß nebeneinander (5).

Abb. 7: "Doppel-Talente Günter Grass und Walter E. Richartz" (2007)
Der als schlank und hochgewachsen geschilderte Walter von Bebenburg/Richartz war - wie oben schon ausgeführt - aus einer kurzen Ehe hervorgegangen, die die älteste Tochter Mathilde Ludendorffs mit seinem leiblichen Vater, einem "flotten" Marineoffizier und Schürzenjäger, eingegangen war. Es war der Korvettenkapitän a. D. Karl Richarz, damals "Herr auf Griemshorst bei Stade" (12). Nach der Scheidung der Mutter verbrachte Walter Erich eine verträumte Kindheit und Jugend (4, S. 21):
Man bezog 1938 ein neues Haus in dem Ort Pähl, der sich wenige Kilometer von Tutzing entfernt befindet. (...) Richartz fuhr jeden Tag in die Kreisstadt Weilheilm/Oberbayern, um die dortige Oberschule zu besuchen. Da seine Mutter ihn weitgehend gewähren ließ und sein strengerer Stiefvater für die Dauer des gesamten Zweiten Weltkrieges Soldat war und nach seiner Rückkehr im Sommer 1945 zunächst als reisender Buchhändler arbeitete, konnte sich Richartz, wenngleich isolierter, so doch in gewisser Weise eigenständiger entwickeln.
Nach dem Abitur noch 1944 zum Kriegsdienst an die Ostfront eingezogen, konnte er nach kurzer russischer Kriegsgefangenschaft, aus der er floh, noch im Frühjahr 1945 in die Heimat zurückkehren (4, S. 21):
Von den Menschen seiner Umgebung dürfte die Großmutter mit ihrem energischen und - abseits der Feindbilder - durchaus warmherzigen Wesen den größten Eindruck auf Richartz hinterlassen haben. (...) Anfang 1946, 19 Jahre nach der Geburt von Walter Richartz, gebar seine Mutter einen zweiten Sohn. Bis zu ihrem Tod im Jahre 1970 verfiel sie seitdem in schwere manisch-depressive Zustände. Richartz liebte seine Mutter, doch der "weltanschauliche" Graben war später unüberwindlich geworden, da seine Mutter Anhängerin der "Ludendorff-Bewegung" blieb.
Walter von Bebenburg nannte sich als Schriftsteller nach seinem leiblichen Vater Karl Richarz (1887- 1966) (ab), einem früheren Korvettenkapitän und Marineschriftsteller (Amaz.), der in beiden Weltkriegen Kriegsdienst geleistet hatte, zu dem er aber nie eine engere Bindung entwickelte. Seinen bürgerlichen Namen von Bebenburg hatte Walter erhalten, nachdem seine Mutter 1933 Franz Karg von Bebenburg geheiratet hatte und dieser ihn adoptiert hatte. Im Winter 1945/46 begann Walter von Bebenburg in München ein Chemie-Studium (4, S. 22):
In erster Zeit bewohnte er ein Zimmer im Haus seiner Großmutter.
Also in Tutzing.
Seit 1948 hatte er in München ein eigenes Zimmer.
Walter von Bebenburg hat also die Einquartierung der Flüchtlinge bei seiner Großmutter und die häufigen Befragungen und Verhöre derselben durch die amerikanischen Besatzungsoffiziere miterlebt. Er hätte, wenn er noch leben würde, viele Beiträge zu einer Biographie Mathilde Ludendorffs nach 1945 beisteuern können.

1949 - Besuch beim Vater in Hamburg ...

Abb. 8
In seinem Freundeskreis begann sich Walter intensiv mit Jazz-Musik zu beschäftigen. In diesem Umstand deutete sich schon eine innere Abkehr von seiner Großmutter an. Mit 22 Jahren, 1949, besuchte Walter von Bebenburg erstmals seinen Vater Karl Richarz in Stade bei Hamburg. Dies schildert er in seiner 1966 erschienenen Erzählung "Prüfungen eines braven Sohnes". In der Umgebung seines Vaters, den er insgesamt als nicht sehr sympathisch schildert, herrschte nach seiner Darstellung auf dem Gebiet des Geschlechtlichen ein so lockerer Umgangston, dass man fast sagen muss, es sei die Absicht dieser Umgebung gewesen, ihn dort zusammen mit der 16-jährigen Tochter eines Freundes seines Vaters sein Ersterlebnis auf dem Gebiet des Geschlechtlichen erleben zu lassen.

/ Ergänzung (15.4.17): Es ist die Rede von den "wissenden Augen" der Mutter dieser Tochter und von den aufmunternden "Schweinereien", die ihm sein leiblicher Vater zur gleichen Zeit immer wieder bei Spaziergängen jovial, gönnerhaft und "juchten-duftend" aus der eigenen Jugend erzählt habe. Es sollte wohl reichen, wenn wir uns das folgende Zitat antun (S. 42f):
Er erkannte in mir knorrig den rechten Kerl, ein Abbild seiner früheren Jahre. Junges Blut muss schäumen. Dieses Hausgastrecht, dieses Auf und Ab von Augensignalen, Gliederverwicklungen, vielsagenden Pausen, anspielungsreichen Gesprächen! Diese vielwöchentlichen Aufenthalte, dieses Sohn-im-Haus-Sein!
Man könnte länger zitieren. W.E.R. nimmt nirgendwo ein Blatt vor den Mund, kennt keine Scham und schreibt selbst über alles bodenlos flach. Er ist - im Nachhinein - von seinem Vater angewidert. Aber es ist keine Empörung zu erspüren. Indem man das erneut auf sich wirken lässt, kommt einem der Gedanke, ob nicht überhaupt die literarischen "Produktionen" des W.E.R. geradezu als Musterbeispiel dienen könnten dessen, was seine Großmutter die Produktionen von "plappernden Toten" genannt hat. Kann man eigentlich noch bodenloser, flacher, wegwerfender über eines der heiligsten Gebiete des Lebens schreiben als es hier geschieht durch - - - W.E.R.? Es könnte Sinn machen, diesem Gedanken weiter nachzugehen. Dafür müsste man seine literarischen Produktionen noch einmal erneut sichten. Und dann könnte der vorliegende Beitrag sicherlich noch einmal in einem ganz anderen Sinne umgeschrieben werden. In einem ebenfalls lehrreichen. Ja, man bekommt eine Ahnung, dass durch eine solche erneute Sichtung und Einordnung dem literarischen Schaffen von Walter von Bebenburg doch noch ein bleibender "Sinn" abgewonnen werden könnte. Als eine Art Kontrast-Darstellung, ein erschreckendes Gegenbild zum Gehalt der Philosophie seiner Großmutter. Auch als eine Warnung. /

/ Ergänzung (3.4.17:) Wer nun außerdem zuvor schon einen Erlebnisbericht wie "Sacro pop" von Miguel A. Ostrowski (2004) zur Kenntnis genommen hatte (20), der weiß, welch obszöner Umgangston in Bezug auf das Geschlechtliche an Jesuiten-Gymnasien herrschen kann. So dass es wirklich nicht fern liegt, jenen Geist, den Walter von Bebenburg im Familien- und Freundeskreis seines leiblichen Vaters in Bezug auf das Geschlechtliche vorgefunden hat, in Zusammenhang mit dem Umstand zu bringen, dass seine Neffen sechs Jahre später auf ein Jesuiten-Gymnasium geschickt werden sollten. Dieser Zusammenhang drängt sich einfach zu krass auf und scheint einem zu deutlich zu sein. /

Und wenn man nun andererseits bedenkt, welche hohe Bedeutung die Psychologin Mathilde Ludendorff in ihrer Sexualpsychologie dem Ersterlebnis auf dem Gebiet des Geschlechtlichen zuspricht, bekommt man eine Ahnung davon, mit welchem Entsetzen und mit welcher tiefgehenden Empörung Mathilde Ludendorff diese Erzählung ihres Enkelsohnes gelesen hätte, wäre sie nicht im Jahr des Erscheinens dieser Erzählung gestorben. Und ihre Empörung hätte sich sicherlich noch um ein Beträchtliches gesteigert, wenn sie erfahren hätte, dass es in dieser Familie möglich war, dass nachwachsende Kinder auf ein Jesuiten-Gymnasium geschickt wurden.

Und indem man sich dies vorzustellen versucht, stellt man sich zugleich die Frage: Hat denn nicht wenigstens der (Stief-)Vater Franz von Bebenburg (1910-2003) an ihrer Stelle mit scharfer Empörung auf diese Vorgänge reagiert? Ihm war der Inhalt des gleich noch zu zitierenden Briefes Mathilde Ludendorffs an ihren Bruder (vom 21.1.1950) ja bekannt. Das geht schon aus dem Brieftext hervor ("Meinen Kindern ... habe ich vom Inhalte dieses Briefes Kenntnis gegeben"). Und außerdem hatte er als Schwiegersohn von Mathilde Ludendorff nach deren Tod bis zu seinem eigenen Tod den ersten Zugang zu den von ihr hinterlassenen Briefen in ihrem Nachlass.

Und zum Dritten konnte er als geistig interessierter Stiefvater doch nichts anderes getan haben als sich mit dem Inhalt des Buches seines Stiefsohnes ("Prüfungen eines braven Sohnes") bekannt zu machen. Allerdings wäre wohl noch zu klären, ab wann ihm bekannt war oder bekannt sein musste, dass sein Stiefsohn unter dem Namen W. E. Richartz publiziert. Hätte er da nicht selbst schon - aufgrund solcher Kenntnisse - Gründe sehen können - so wie wir - hier bewusste Machenschaften zu vermuten und dementsprechend einen ähnlichen Aufsatz über das Schicksal seines Stiefsohnes zu schreiben wie ein solcher jetzt hier von unserer Seite aus seit 2007 vorgelegt worden ist? Immerhin lebte Franz von Bebenburg noch 23 Jahre länger als sein Stiefsohn. Er muss doch etwas Klärendes zum Schicksal seines Stiefsohnes zu sagen gehabt haben? Die Notwendigkeit muss ihm doch bewusst geworden sein spätestens zu dem Zeitpunkt, an dem er von Biographen angesprochen worden ist.


... als Folge einer verkommenen, christlichen Intrige des Bruders Mathilde Ludendorffs?

Einen zusätzlichen Schlüssel zu den Vorgängen rund um diesen "braven Sohn" erhält man jedenfalls, wenn man einen Brief liest, den Mathilde Ludendorff ziemlich bald nach dem Besuch ihres Enkelsohnes bei seinem leiblichen Vater an ihren Bruder Fritz Spieß geschrieben hat. Fritz Spieß war im Gegensatz zu seinen drei Schwestern nicht aus der (evangelischen) Kirche ausgetreten und hat innerhalb der Familie einen sehr christlichen Standpunkt vertreten. Er war empört, daß seine Mutter kein christliches Begräbnis erhalten hatte, sondern noch vor ihrem Tod - wie ihre drei Töchter Mathilde Ludendorff, Frieda Stahl und Lina ("Lining") Richter - aus der Kirche ausgetreten und Mitglied in der weltanschaulichen Vereinigung "Deutschvolk e.V." geworden war, der Vorgängervereinigung des "Bundes für Gotterkenntnis (Ludendorff)". Letzteren hatten ihre Tochter und ihr berühmter Schwiegersohn gegründet. Und deshalb hatte sie auch ein entsprechendes nichtchristliches Begräbnis gewünscht - zur Empörung ihres Sohnes Fritz, die er auch anlässlich des Begräbnisses zum Ausdruck brachte.

Mathilde Ludendorff schrieb nun im Januar 1950 an ihren Bruder den folgenden Brief. Und sie schrieb dabei auch von ihrem Sohn Hanno von Kemnitz, der laut Auskünften aus dem Umkreis der Urenkel von Mathilde Ludendorff (vom 28.12.2011), 1946 geheiratet hatte und im August 1947 Vater seiner Tochter Hannelore von Kemnitz geworden ist (6-8). Von der angeratenen Taufe dieses Enkelkindes Mathilde Ludendorffs ist offenbar in dem folgenden Brief die Rede. Ebenso ist von ihrer beider Schwester Frieda Stahl, geborene Spieß, der Pianistin, die Rede und ihrem Enkelkind und von ihrer beider Schwester Lina Richter, geborene Spieß, der Malerin und Zeichnerin:
Tutzing den 21.1.50
Lieber Fritz,

Durch Zufälle kam es mir zur Kenntnis, daß Du ohne mit der Mutter von Walter, mit Ingeborg und Franz, der Walter adoptiert hat, Walter die Anregung gegeben hast, mit seinem Vater Richarz und seiner Halbschwester ohne Wissen seiner Eltern in Verbindung zu treten. Zum Glück hatte Walter nach langen Wochen, in denen er seinen Eltern mit Verschweigen der Wahrheit, also mit Unwahrhaftigkeit gegenüberstand endlich die Kraft, wenigstens nachträglich den Eltern Mitteilung zu machen. Du hast bei dem Zusammentreffen mit Ingeborg weder vorher noch nachher über Deine Worte zu Walter gesprochen, erst recht mir kein Sterbenswort bei unserem Zusammensein gesagt.

Ebenso erfuhr ich auf meine Frage hin, daß Du den Versuch machtest, Hanno zu überzeugen, eine christliche Taufe meines Enkelkindes sei wegen Erschwernissen in der Schule und Nachteile im Leben nötig oder anzuraten. Nur der Umstand, daß Hanno es ablehnte, die ernste Frage religiöser Überzeugung nach solchen Gesichtspunkten zu entscheiden, hat es verhindert, daß mir der gleiche Schmerz bereitet wurde wie ihn Friedel durchlebte, als ihr einziger 6-jähriger Enkel in einer Überzeugung getauft wurde, die sie gründlich ablehnt oder aber Hanno hinter meinem Rücken das Kind hätte taufen lassen!!!

Wir haben, das ergibt sich aus den Tatsachen, so grundverschiedene Auffassungen über die Offenheit, die man Geschwistern gegenüber schuldet, ehe man in so wichtigen Fragen deren Kinder und Enkel im entgegengesetzten Sinne der Überzeugung der Geschwister zu beeinflussen beginnt, daß mir, die ich solche grundsätzliche Offenheit als notwendige Voraussetzung geschwisterlichen Vertrauens ansehe und eine Auseinandersetzung über diese unterschiedlichen Auffassungen niemals als eine Überwindung derselben ansehen könnte, daß mir nur die Möglichkeit bleibt, mir klar zu sagen, einen Bruder nach meiner Auffassung, also einen Menschen, der niemals in so wesentlichen Fragen meine Kinder oder Enkel meiner Überzeugung entgegen beeinflußt oder beeinflussen will, ohne mir, der Mutter oder Großmutter zuvor das offen zu sagen, habe ich nicht.

Das hindert mich natürlich nicht, Dir von Herzen alles Gute für Deinen Lebensabend, der ja nun wieder etwas rosiger vor Dir liegt, zu wünschen.

Meinen Kindern, die ein wundervolles Band des Vertrauens zu mir haben, habe ich vom Inhalte dieses Briefes Kenntnis gegeben und ich weiß schon zuvor, daß sie meinen Entschluß voll und ganz verstehen, Lining und Friedel haben mir schon ausgesprochen, daß auch sie keinen anderen Weg für mich sehen.

Für Dein warmes Mitgefühl an meiner Lage sage ich Dir herzlichen Dank. Ich behalte es in meinem Erinnern an die unerträglichsten Jahre meines Lebens. Wenn Du nun meine Kinder und deren Gatten oder meinen Enkel Walter in lebenswichtigen Fragen meiner Überzeugung entgegen beeinflußt oder zu beeinflussen versuchst, so fällt das Unrecht aus, daß Du es mir verschweigst, denn nun bist Du ja von der Pflicht enthoben, mir das mitzuteilen, da ich mich von Dir trenne.

Mit allen guten Wünschen
Tilli
Mathilde Ludendorff, die von der Verführung von Walter wahrscheinlich nichts wußte, empörte sich schon allein wegen der beabsichtigten Verführung zur Taufe so sehr, daß sie mit ihrem Bruder brach. Ob sie wohl schon zu diesem Zeitpunkt auch mehr geahnt hat, als sie in diesem Brief sagt? Schließlich war sie ausgebildete Psychiaterin.

Erste Heirat mit 23 Jahren (1950)

/ (Ergänzung 3.4.2017:) Nachdem man jedenfalls diese Geschehnisse zur Kenntnis genommen hat, und nun zusätzlich weiß, dass sie in einer Familie geschahen, deren Kinder sechs Jahre später auf ein Jesuiten-Gymnasium geschickt worden sind, verfolgt man die Lebensschicksale von Walter von Bebenburg mit nur noch um so erhöhter Anteilnahme. Fast mutet ja dieses Lebensschicksal an als sollte es ein Paradebeispiel sein für all die Verbrechen, die dem Jesuitenorden seit Jahrhunderten vorgeworfen werden, für all die geschlechtliche und sonstige Verkommenheit, für die er noch heute - zum Beispiel in den USA aber auch hier in Deutschland - verantwortlich gemacht werden muss. Auf unserem Parallelblog haben wir darüber insbesondere 2010 im Zusammenhang mit den damaligen "Enthüllungen" viele Beiträge veröffentlicht. Wir erinnern uns etwa an jenen Jesuitenpater adligen Namens in Frankfurt am Main, der seine "Unkompliziertheit" dadurch zum Ausdruck brachte, dass er auf einer Versammlung seiner Studentengemeinde eben daselbst einen Porno-Produzenten referieren ließ. Er rief uns noch zu später Stunde abends persönlich an, als wir einen Blogartikel darüber veröffentlicht hatten. Was er eigentlich mit seinem Anruf bezweckte, wissen wir nicht mehr, aus der Welt diskutieren kann man ja solche Zusammenhänge nicht. In den USA waren es vor allem Jesuiten, die eifrige Besucher der Theater-Aufführung "Vagina-Monologe" waren. Und auf dieser Linie kann unendlich viel weiteres referiert werden ... Etwa der "interessante" Umstand, dass große Verlage in kirchlicher Hand sehr viel Umsätze mit Erotik-Literatur machen. Des Elends, der Heuchelei, des Verbrechens und des Seelenmordes in diesen Kreisen ist kein Ende. /

Zurück zu dem uns nun noch viel erschreckender erscheinenden Lebensschicksal von Walter Erich von Bebenburg, dessen Geschlechtlichkeit nun - und auf diese Weise - geweckt worden war, und der noch 17 Jahre später darüber so bodenlos flach schreiben konnte. Noch im Jahr 1950 heiratete er eine Jugendfreundin. Er wechselte zum Wintersemester 1950/51 von der Universität München an die Universität Hamburg. Und schon im Jahr 1952 ließ er sich wieder scheiden.

Im Dezember 1952 beendete er dann sein Studium der Chemie mit der Diplomprüfung. Im Jahr 1955 promovierte er in Chemie und ging 1957 als Chemiker in die USA. Kurz bevor er Deutschland verließ und nachdem er sich von allen Verwandten, auch seinen Eltern und Großeltern in Bayern verabschiedet hatte, lernte er seine spätere zweite Frau kennen (4, S. 24, Anmerkung 17). In den USA heiratete er sie und kehrte im November 1960 zusammen mit dem gemeinsamen ersten Sohn nach Deutschland zurück. Der Sohn wurde ebenfalls Franz benannt wie der Stiefvater Walter von Bebenburgs, der auch den Vornamen Franz trug. Diesem Umstand darf man doch eine nicht unbeträchtliche, zumindest persönliche Nähe zu seinem Stiefvater entnehmen.

Abb. 9
1961 begann Walter von Bebenburg für die nächsten zwanzig Jahre als leitender Angestellter bei der Chemiefirma Degussa in Frankfurt in der Pharmazie zu forschen. Er entwickelte ein neues, gängiges Schmerzmittel. Die genannte literaturwissenschaftliche Studie zu Walter von Bebenburg-Richartz (4) formuliert einen "Dank", in dem es heißt:
Mari, Franz und Pitt von Bebenburg machten mir unveröffentlichte Texte und Photos von Richartz zugänglich und erzählten mir von ihm.
Hiermit sind wohl die zweite Frau und die beiden Kinder angesprochen (4, S. 249):
Ausführliche Gespräche über sein Wesen durfte ich auch mit vielen ehemaligen Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen, mit Hochschullehrern und den Verlegern von Richartz führen, wofür allen an dieser Stelle herzlicher Dank gesagt sei.
Zu diesen zählte offensichtlich auch der Stiefvater und Verleger Franz von Bebenburg, denn über das einzige Foto des Buches (siehe oben) heißt es (4, Vorsatztext):
Für die Abdruckerlaubnis der Photographie (Walter E. Richartz mit den Großeltern Mathilde und Erich Ludendorff, 1936) danke ich Herrn Franz von Bebenburg, Dießen/Ammersee.
Walter von Bebenburg-Richartz hat nach seinem Erstlingsroman "Tod den Ärtzten" noch zahlreiche andere Romane und Erzählungen geschrieben, die in diesem Beitrag zunächst nicht mehr behandelt werden sollen. 2012 ist in der Zeitschrift "Chemie in unserer Zeit" Walter E. Richartz' gedacht worden (9, 10):
Ein Spaziergang durch das literarische Werk des Erzählers, Übersetzers, Chemikers, Experimentators und Alltags-Surrealisten von Sven Hanuschek.  In diesem Beitrag steht der Schriftsteller W. E. Richartz im Mittelpunkt. Über den Chemiker berichtet Heribert Offermanns im voranstehenden Kurzaufsatz (S. 158–159).

Selbstmord 1980

Die Mutter von Walter von Bebenburg/Richartz starb im Jahr 1970. Sie hat ihr Leben lang viel an Depressionen gelitten wie man hört. Sein Stiefvater heiratete sehr bald eine neue Frau Duppel, die zwei Söhne mit in die Ehe brachte. Diese beiden - Wolfgang und Wilfried Duppel - besetzen beide heute sozusagen "Schaltstellen" innerhalb der Ludendorff-Bewegung, ebenso einer ihrer Söhne. Wir haben zwischenzeitlich in verschiedenen Beiträgen hier auf dem Blog die Vermutung geäußert, dass der Geist, in dem diese Familie arbeitet, der Geist eines Armin Mohler sein könnte, der den katholischen und korrupten Spitzenpolitiker Franz Josef Strauß beraten hat, und dass sich viel Katholisches, ja, Jesuitisches in ihrem Handeln und in ihren Veröffentlichungen findet. Die Beiträge zu diesen Themen finden sich hier auf dem Blog unter den Schlagworten "Hijacking" und "Zersetzung" (z.B. 5/2015 und mehrere andere). Dass sich auch der erste Ehemann von Ingeborg von Kemnitz in katholischen, ja, jesuitischen Zusammenhängen bewegte, passt in einer Weise zu unseren bisherigen Vermutungen wie man es wirklich nicht erwarten konnte. Wodurch nun aber womöglich das gesamte literarische Schaffen von W.E.R. einen ganz neuen Interpretationsrahmen bekommen könnte.

Seine Großmutter entwarf eine naturwissenschaftsnahe Philosophie, die dem einzelnen Leben jedes Menschen hier auf der Erde den größtmöglichen Sinn gab, die größtmögliche Heiligkeit. Und der ihr nahestehendste Enkelsohn, der fast wie ihr eigener Sohn aufgewachsen ist, wird geradezu zu "dem" "Schriftsteller des Absurden", also eines Menschen, der, wo er hinsieht, nirgendwo mehr Sinn sehen kann, schon gar nicht in seinem eigenen - womöglich zutiefst verpfuschten (?) - Leben. Der in seinem schriftstellerischen Leben über hunderte von Seiten hinweg Themen plappernd, unernst, verspielt "abrapselt" (siehe oben). Zu einem Schriftsteller, der die Darstellung der Absurdität des menschlichen Daseins womöglich in allen seinen literarischen Produktionen geradezu auf die Spitze getrieben hat. Und der nirgendwo (?) kraftvolle Abwehr erkennen lässt gegenüber jenen, durch deren Beeinflussung womöglich das Leben der Völker und der Einzelmenschen erst so unendlich sinnlos und absurd geworden ist wie wir doch spätestens heute allseits erkennen. (Diese hier genannte Vermutung sollte künftig noch einmal genauer anhand seines Schaffens überprüft werden.)

Abb. 10: "Büroroman"
Im Jahr 1979 hat Walter von Bebenburg/Richartz seine Arbeit als Leitender Angestellter der Firma Degussa aufgegeben, da er trotz aller beruflichen Erfolge sehr unter seiner beruflichen Tätigkeit litt. Dieses Leiden spiegelt sich unter anderem in seinem "Büroroman" wieder. Er wollte sich - wie ihm das schon von vielen zuvor angeraten worden war - vollzeitlich dem Schriftsteller-Beruf zu widmen. Es wird berichtet (4, S. 194-196):
Den Erinnerungen von Freunden und Bekannten zufolge hatte Richartz große Angst, durch den Wechsel zum Beruf des freien Schriftstellers in Armut zu geraten. (...) Doch Gründe, sich schon bald in der Gosse enden zu sehen, bestanden eigentlich nicht. (...)

Im Frühjahr 1979 lud Richartz zusammen mit seiner Ehefrau zu einem "Befreiungsfest" nach Hungen ein, im darauffolgenden Sommer verließ er sie und das gemeinsame Haus in Sprendlingen-Buchschlag, südlich von Frankfurt. Ende August 1979 mietete er sich eine kleine Wohnung in Frankfurt-Bornheim und pendelte fortan zwischen seiner Wohnung in Hungen, der Frankfurter Stadtwohnung, der Firma und dem Wohnort seiner Geliebten hin und her. Bereits im Oktober 1979 versuchte er, sich mit Schlaftabletten das Leben zu nehmen.

In seinen letzten Lebensmonaten entfremdete er sich fast völlig von der Hungener Schloßgemeinschaft und von den Mitgliedern der [Schriftsteller-Vereinigung] "Patio". Auch die Zeit mit den durchaus geschätzten Kollegen in der Firma ging nun endgültig zu Ende.

Regelmäßig sah er nur noch seine Geliebte, die sich jedoch nicht fest an ihn binden wollte. Wie es heißt, kämpfte er in den Zeiten der Trennung von ihr fast ohnmächtig gegen seine übergroßen, plötzlich freigewordenen Verschmelzungssehnsüchte. Richartz hielt das Experiment, freier Schriftsteller zu werden, für gescheitert. Sein letzter öffentlicher Auftritt war Ende Januar 1980 in Berlin anläßlich einer Lesung. Wenige Tage später vergiftete er sich in einem Waldstück oberhalb von Klingenberg am Main. (Der Todesort von Richartz befindet sich am Rande einer ehemaligen germanischen Fluchtburg.)
Richartz war zeitlebens ein ungeheuer tatkräftiger, arbeitsamer, fleißiger Mensch gewesen. Ein Schriftstellerfreund vermutete (4, S. 234):
Als er dem Käfig entsprang, ging er aus Mangel an Gerüst zugrunde, wie Weichtiere sterben, wenn ihnen die Schale zerschlagen wird.
Man kann seine Ergriffenheit oder Erschütterung angesichts dieses Lebensschicksales nicht verhehlen.

Nachkommen Walter Erich von Bebenburgs

Abb. 11: Pitt von Bebenburg
Es sei noch angefügt und ergänzt: Einer der Söhne von Walter von Bebenburg ist Pitt von Bebenburg (geb. 1962; siehe Bild). Er ist ein heute viel schreibender Korrespondent der "Frankfurter Rundschau" am Wiesbadener Landtag (Fr. Rdsch.). Er ordnet sich als politisch linksstehend ein, scheint das aber zugleich auch ähnlich kritisch zu sehen, wie etwa ein Jan Fleischhauer. Am 19. Januar 2010 hat er nämlich im Rahmen einer Veranstaltung der Friedrich Naumann-Stiftung mit dem Autor des Buches "Unter Linken", Jan Fleischhauer, diskutiert
über das „Lebensgefühl Links“ und die persönlichen Erfahrungen mit „den Linken“.
Hierfür wurde er folgendermaßen vorgestellt:
48, verheiratet, ist Hessen-Korrespondent der Frankfurter Rundschau. Studium der Soziologie. Journalistische Tätigkeit seit 1980 überwiegend für die FR, zeitweise auch für den Sender Freies Berlin (Fernsehen) und den Hessischen Rundfunk (Hörfunk). Politischer FR-Redakteur seit 1991, FR-Korrespondent in Berlin (2000 bis 2003) und in Wiesbaden (seit 2005).
In der "Frankfurter Rundschau" hat er in den letzten Jahren eine Vielzahl von Artikeln veröffentlicht (--> Übersicht abc). Er beschäftigt sich mit dem Ausgang von Wahlen ebenso wie mit hochpolitischen Affären wie die um die hessischen Steuerprüfer (hier eine nur eine ganz kleine, willkürliche Auswahl: 5.11.082.9.0927.9.0928.9.096.1.10).

III. Teil

Christliche und buddhistische Spiritualität, sowie "pathologische" "Verschwörungstheorie" eines Jesuitenschülers


Wie sind wir aufmerksam geworden auf den Umstand, dass die Familie Richarz ihre Kinder ab 1955 auf das Jesuiten-Gymnasium in Hamburg schickte? Der oben erwähnte Vater von Walter von Bebenburg, Karl Richarz (1887-1966), hat einen Enkelsohn, der ebenfalls Schriftsteller geworden ist, nämlich der Sprach-, Religions- und Kulturphilosoph Roland R. Ropers (geb. 1945) (14-16).  Er ist ein Sohn der Halbschwester von Walter Erich von Bebenburg, mithin sein Neffe. Ropers hat ab 1955 neun Jahre das Jesuiten-Gymnasium St. Ansgar in Hamburg besucht. Auch an diesem Jesuiten-Gymnasium hat es Jahrzehnte lang - wie an allen anderen Jesuiten-Gymnasien im deutschsprachigen Raum und weltweit - jene für Psychosekten typische vielfache, systematische und systematisch vertuschte sexualisierte Gewalt an Kindern gegeben, also: Seelenmord. Viele Menschen, die diesen Seelenmord erfuhren, starben eines frühen, unnatürlichen Todes, oft durch eigene Hand, oder haben lebenslange schwere psychische Probleme, Probleme mit ihrer Geschlechtlichkeit und Beziehungsprobleme. Die Psychiaterin Mathilde Ludendorff nennt - wie oben schon angedeutet - Menschen, die sich selbst durch bewusste Lebensentscheidung ermorden, "plappernde Tote". Und sie nennt Jesuiten "Leichname Loyolas". Die bewusste selbständige Entscheidung zum seelischen Tod, so beschreibt sie, kann durch bestimmte Umwelteinflüsse - und am geeignetesten durch solche wie sie im und durch den Jesuitenorden angewendet werden - sehr stark gefördert werden. Sie beschreibt die Jesuiten sozusagen als Meister in der Methode des lautlosen Seelenmordes. Nämlich jenes an sich selbst und an allen, die ihnen nahe kommen oder in ihren Einflussbereich geraten.

Diesen Seelenmord hat es nun sicherlich in den 1950er Jahren an diesem Jesuiten-Gymnasium ebenso gegeben wie in der Zeit danach. Dennoch ist dieses Gymnasium - wie alle anderen genannten - bis heute nicht geschlossen worden (Wiki). Dennoch ist der Jesuitenorden weder in Deutschland noch - unseres Wissens - sonst irgendwo auf der Welt infolge dieser Aufdeckungen verboten worden. In früheren Jahrhunderten waren bezüglich des Verbotes des Jesuitenordens sogar der Papst selbst und waren sogar katholische Landesherren sehr viel schneller bei der Hand als das heutige sogenannte "aufgeklärte", "kritische", demokratische Staatswesen sind, die doch womöglich noch viel mehr Anlässe und Gründe für ein solches Verbot sehen könnten als jene, die in früheren Jahrhunderten Verbote erließen. Aber der Jesuitenorden arbeitet auf lautlosen Sohlen. Er ist stark mit den gesellschaftlichen Eliten aller Länder dieser Erde verflochten. Dies kann ja auch am Beispiel Roland Ropers verdeutlicht werden. Ropers hat seit 1986 zahlreiche Bücher veröffentlicht, unter anderem zusammen mit dem bekannten Physiker Hans-Peter Dürr. In seiner Vita schreibt er (16):
Seit 1980 intensives Studium christlicher Spiritualität und fernöstlicher Weisheitslehren sowie Studium vergleichender Religionsphilosophie und Sprachwissenschaften in Colombo/Sri Lanka, Madras/Indien, Tokyo/Japan, Los Angeles, Washington und Chicago/USA. (...) Roland R. Ropers war Schüler des ZEN-Meisters und legendären deutsch-japanischen Jesuitenpaters Hugo Makibi Enomiya-Lassalle (1898-1990), des englischen Benediktinermönchs und Weisen Bede Griffiths (1906-1993) sowie des Universalgelehrten Professor Dr.rer.nat. Dr.phil. Dr.theol. Raimon Panikkar (1918-2010).
In so kurzer Lebenszeit noch mehr Weisheit mit den sprichwörtlichen Löffeln zu fressen, wird wohl kaum noch möglich sein. Heute schreibt Ropers als Kolumnist zahlreicher internationaler Magazine, unter anderem der "Epoch Times" und der "World Economy". Was uns auffällig erscheinen muss, ist der Umstand, dass dieser Jesuitenschüler für "Epoch Times" im Dezember 2014 sehr wohlwollend das Buch "Die Jahrhundertlüge" von Heiko Schrang rezensiert hat (18). Ob da die viele gefressene Weisheit dann doch etwas geholfen hat? Mit Heiko Schrang teilt Ropers (zumindest) eine "buddhistische Gesinnung". Ob auch eine katholische -  wie soll man das wissen. Schrang jedenfalls wurde mit diesem Buch zu einem namhafteren Autor der alternativen Öffentlichkeit. 2015 interviewte Roland Ropers Heiko Schrang. In diesem Interview fragte er (19):
Sie haben zwei höchst interessante und faktenreiche Bücher geschrieben, die jeder Bürger unseres Landes lesen sollte. (...) Welche Personen regieren die Welt heute, wie mächtig und einflussreich sind sie, was müssen wir tun?
Schrang antwortete:
Es gibt diverse geheime bzw. halbgeheime Organisationen, unter anderem die Bilderberger, Council of Foreign Relations (CFR), Skull & Bones, etc. Dort treffen sich die mächtigsten Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Medien und Militär und geben die Richtung vor, die dann von den politischen Führern verkündet wird. Wichtig ist dabei aber zu wissen, dass diese Mächtigen nicht einmal ein Prozent der Menschheit ausmachen und dem gegenüber stehen wir - nämlich 99 Prozent. Wir müssen uns dessen nur bewusst sein.
Nun, das sind so Thesen, die ja gemeinhin als böse Verschwörungstheorien abgetan werden, die verdummen könnten, wenn nicht gar pathologisch sind. Doch Ropers befragte Schrang auch zu Günther Jauch, Maybrit Illner, Sandra Maischberger, Anne Will und Frank Plasberg. Schrang antwortete:
Mir wurde im Rahmen der Recherche für mein zweites Buch durch einen Informanten und Insider der Medienlandschaft mitgeteilt, dass die Spitze der Moderatoren in Deutschland sich einem speziellen Schulungsprogramm unterziehen muss, wie sie mit systemkritischen Gästen umzugehen hat. Der in diesen Schulungen vermittelte und von mir beschriebene 12-Punkte-Plan, kann von jedem Zuschauer einer Talkshow nachvollzogen werden. Die Beteiligten sind nach Aussagen meines Informanten hinsichtlich des Inhaltes dieses geheimen Schulungssystems zum Stillschweigen verpflichtet.
Ropers hält diesen Aktivitäten nach durchaus eine weltweite, elitäre Verschwörung für diskutabel, bzw. denkbar, ja, er fragt sogar: Was müssen wir tun? Dennoch erklärt er im Januar 2017 Mathilde Ludendorff und ihren Kampf gegen überstaatliche Machtstrukturen rundweg für "pathologisch" (15). Diese beiden Umstände bringen zumindest wir hier auf dem Blog nicht widerspruchsfrei zusammen. Wir können das nicht als folgerichtig empfinden. Es ist das genannte Urteil über Mathilde Ludendorff - immerhin die Schwiegermutter seines Großvaters - in jedem Fall ein außerordentlich wenig differenziertes. Ein Urteil zudem, das sich völlig im Bereich des gerade noch kritisierten Mainstreams bewegt. Aber als Jesuitenschüler lernt man wahrscheinlich schon, solche und anderen Widersprüche auszuhalten.

Was finden wir noch? Am 14. Oktober 2015 leitete Roland R. Ropers an Heiko Schrang die Email eines Münchner Arztes zur damaligen Flüchtlingskrise weiter. In dieser werden Flüchtlinge aus Afrika als "Tiere" bezeichnet. - Ach, schon wieder ein Dejavu ..., in der katholischen, von Wilfried Duppel, geleiteten Ludendorff-Zeitschrift "Mensch & Maß" wurde zur etwa selben Zeit dieselbe Personengruppe als "Tschandala-Rasse" bezeichnet (s. Stud.gr. Nat. 5/2015). - Jedenfalls ist das kein Grund für Ropers, diese Mail nicht an Schrang weiter zu leiten, und es ist kein Grund für Schrang, sie nicht auf Facebook zu veröffentlichen, was Ropers erwartet haben dürfte und wogegen er nicht Einspruch erhoben haben wird. Man wundert sich über den pauschal Menschen abwertenden Tonfall dieser Email, und dass diese sogar ohne jede Distanzierung nicht nur weiter geleitet sondern auch veröffentlicht wurde. (Im übrigen fällt einem dazu ein, dass Jesuiten auch für Brieffälschungen verschiedentlich in ihrer Geschichte verantwortlich gemacht worden sind, auch dazu gibt es hier auf dem Blog mindestens einen Beitrag.) Nun also der Facebook-Eintrag von Heiko Schrang (vom 14. Oktober 2015). Weil er sehr lang und nicht gar so lesenswert ist, heben wir die Menschen verachtenden Stellen hervor. Natürlich, das hat ja "nuuur" der tschechische Arzt geschrieben, es ist ja noch nicht einmal ein deutscher Arzt gewesen. Und auch Schrang oder Ropers haben das keiiiiiinesfalls geschrieben. Sie haben es nur weiter geleitet und veröffentlicht als ein Zeugnis, das der Urteilsbildung dienen soll:
Ich erhielt diese Mail von Roland R. Ropers, er ist Kolumnist von The Epoch Times Deutschland, Sprach- & Kulturphilosoph. Bevor Facebook es löscht unbedingt sichern! Hier die gesamte Mail von Herrn Ropers: Eine Freundin in Prag kennt einen pensionierten Arzt, der in einem Münchner Spital wieder angefangen hat zu arbeiten, weil dort dringend ein Anästhesist gebraucht wurde. Ich bin in schriftlichen Kontakt mit ihr und sie leitete mir eine Mail des Arztes weiter.
"Gestern hatten wir im Spital ein Meeting, weil die Situation hier und in anderen Münchner Spitälern unerträglich ist. Die Arztpraxen können keine Notfälle behandeln, also schicken sie alles in die Spitäler. Viele Mohammedaner verweigern die Behandlung durch weibliches Personal. Andererseits verweigert das weibliche Personal, unter diese Tiere zu gehen, besonders wenn diese aus Afrika stammen. Die Beziehung zwischen Personal und Migranten hat sich von schlecht zu katastrophal gewandelt.
Seit dem letzten Wochenende müssen Migranten, die ein Spital aufsuchen, von Polizisten mit Polizeihunden begleitet werden. Viele der Migranten haben AIDS, Syphilis, offene Tuberkulose, viele Tropenkrankheiten, von denen wir in Europa keine Vorstellung über deren Behandlung haben. Wenn sie ein Arzneimittelrezept in der Apotheke vorlegen, wird ihnen gesagt, dass sie dafür bezahlen müssen. Das führt zu unglaublichen Ausbrüchen, ganz besonders, wenn es sich um Arzneimittel für Kinder handelt. Sie lassen die Kinder einfach in der Apotheke zurück, mit den Worten: "So behandelt sie hier selbst!" Mittlerweile muss die Polizei nicht nur die Arztpraxen und die Spitäler bewachen, sondern auch die großen Apotheken.
Wir sagen ganz offen: Wo sind denn all die, die vor den Fernsehkameras Willkommen geschrien hatten, mit Transparenten auf den Bahnhöfen? Ja, es stimmt wohl, dass im Moment die Grenze geschlossen wurde, aber eine Million von denen ist schon hier und wir werden es definitiv nicht schaffen, sie wieder los zu werden.
Bisher betrug die Arbeitslosenzahl in Deutschland 2,2 Millionen. Nun wird sie auf mindestens 3,5 Millionen steigen. Die meisten dieser Leute sind vollkommen unvermittelbar. Eine winzige Minderheit hat überhaupt irgendeine Ausbildung. Darüber hinaus arbeiten ihre Frauen üblicherweise überhaupt nichts. Ich schätze übrigens, dass eine von 10 schwanger ist. Hunderte unter Tausend von ihnen haben Jugendliche und kleine Kinder unter 6 Jahren mitgebracht, viele von denen völlig ausgemergelt und vernachlässigt. Wenn das so weiter geht und Deutschland seine Grenzen wieder aufmacht, gehe ich zurück in die Tschechische Republik. Niemand kann mich unter diesen Umständen hier halten, nicht einmal zum doppelten Gehalt von Zuhause. Ich kam schließlich nach Deutschland, nicht nach Afrika oder Mittelost.
Sogar der Professor, der unserer Abteilung vorsteht, sagte uns, es macht ihn krank wenn er die Putzfrauen sieht, die Tag für Tag seit Jahren für 800,- € im Monat putzen und er dann die jungen Männer in den Gängen sieht, die mit ausgestreckter Hand darauf warten, alles gratis zu bekommen und wenn sie es nicht bekommen, aggressiv werden. "Ich brauch das wirklich nicht!"
Ich habe Angst, wenn ich zurückkomme, dass es eines Tages in Tschechien auch so sein wird. Wenn schon die Deutschen mit ihrer Eigenschaft damit nicht fertig werden, wird das in Tschechien das totale Chaos. Niemand, der mit denen noch nicht in Kontakt gewesen ist, hat eine Vorstellung, was von eine Art von Tieren das sind, besonders die aus Afrika und wie Mohammedaner sich in Hinblick auf ihre Religionszugehörigkeit überheblich gegenüber unserem Personal verhalten.
Bisher ist noch keiner des lokalen Personals an einer dieser mitgebrachten Infektionen erkrankt, aber bei so vielen hundert Patienten jeden Tag ist es nur eine Frage der Zeit. In einem bekannten Kinderspital am Rhein haben die Migranten das Personal mit Messern angegriffen, nachdem sie ihnen ein 8 Monate altes Kind an der Schwelle des Todes übergeben hatten, das sie seit drei Monaten quer durch halb Europa geschleppt hatten. Das Kind starb nach zwei Tagen, obwohl es Spitzenversorgung in einer der besten Kinderkliniken Deutschlands bekommen hatte. Der Arzt musste notoperiert werden und zwei Krankenschwestern landeten auf der Intensivstation. Niemand wurde bestraft! Der lokalen Presse ist es verboten, über diese Vorfälle zu schreiben. Daher wissen wir darüber nur durch unsere E-Mail-Kontakte. Was würde wohl einem Deutschen passieren, wenn er einen Arzt und zwei Krankenschwestern mit dem Messer niedersticht? Oder wenn er seinen syphilitischen Harn einer Krankenschwester ins Gesicht schüttet und sie so der Infektion aussetzt? Im Mindesten würde er geradewegs im Gefängnis landen und später vor Gericht. Diesen Menschen ist bisher gar nichts geschehen.
Also frage ich mich, wo sind denn nun all diese "Greeter" und Willkommensaktivisten von den Bahnhöfen? Die sitzen schön zu Hause, genießen ihre Gutmenschlichkeit und warten auf noch mehr Züge und auf ihre nächste Überweisung dafür, dass sie Versorger an den Bahnhöfen stehen können. Ginge es nach mir, würde ich all diese Willkommens-Schreier zusammen fangen und würde sie zunächst in die Notaufnahme unseres Spitals bringen, und zwar als Pfleger. Dann in ein Gebäude mit den Migranten, so dass sie dort in Eigenverantwortung um diese kümmern können. Und zwar ohne bewaffnete Polizei und ohne Polizeihunde, wie es sie heute in jedem Spital in Bayern gibt und ohne medizinische Unterstützung."
Ob das in dieser Email Beschriebene rein von den Fakten her mit den Tatsachen überein stimmt - und sei es auch nur teilweise - ist uns an dieser Stelle nicht wichtig. Wir fragen uns nur, wie man einen solchen Tonfall und die unkommentierte Weiterleitung desselben mit einer christlichen oder buddhistischen, den Menschen (vermutlich) achtenden Spiritualität in Einklang bringen kann. Und wir fragen uns noch mehr, ob all das nicht auch sonst zu jenem Astroturfing passt, das im Umfeld der Kritiker der damaligen Grenzöffnung zu beobachten ist. Mitte 2016 erinnerte sich Ropers dann an das Thema Ludendorff als Teil seiner eigenen Familiengeschichte. Und zwar in der folgenden Weise (13):
Ich selbst habe mich längst von dieser Familiengeschichte distanziert, die in unserer Kindheit ein Dauerthema war. In der Villa meines Urgroßvaters, Lederfabrikant Leonhard Richarz, bin ich in Stade an der Elbe am 11. Juli 1945 zur Welt gekommen. Mein Großvater, Fregattenkapitän Karl Richarz, sein ältester Sohn, wohnte mit uns damals unter einem Dach. Ich vergesse nie das recht große Ölgemälde des Preußenkönigs Friedrich des Großen und ein bedrohlich wirkendes Foto von Generalfeldmarschall Erich Ludendorff, Schwiegervater unseres Großvaters. Bereits in frühester Kindheit - Konfrontation mit abenteuerlichen und oft verherrlichten Kriegsgeschichten, die meiner Seele geschadet haben. Ich bin der älteste von fünf Brüdern, mein nächst jüngerer Bruder war Vize-Admiral, zuletzt in höchsten Funktionen bei der NATO in Brüssel.
Dass die Schwarze Pädagogik und der systematisch betriebene Seelenmord des Jesuitenordens seiner Seele geschadet hat, scheint Ropers an keiner Stelle zu thematisieren. (Falls doch, wären wir für Hinweise dankbar.) Und besonders viel Konkretes erfährt man zu dem Verhältnis seiner Familie gegenüber der Familie Ludendorff in diesem Artikel auch nicht. Als er ein halbes Jahr später, im Februar 2017, erneut auf dieses Thema zu sprechen kommt, schreibt er (14):
Ich bin der älteste von insgesamt sechs Söhnen unserer Eltern Walter und Margret Ropers (geb. Richarz), die im gesegneten Alter von 87 und 93 Jahren im Jahr 2010 gestorben sind. Mein Urgroßvater war der visionäre Lederfabrikant Leonhard Richarz (1857-1932). 
Erst diese beiden Artikel jedenfalls brachten uns überhaupt darauf, den vorliegenden Aufsatz in der nun vorliegenden Form umzuschreiben und zu veröffentlichen. Aber was wollte denn Roland R. Ropers nun eigentlich sagen, als er da im Januar 2017 weiter schrieb:
In meinem Nachbarort Pähl bin ich nun auf geradezu erschreckende Dokumente gestoßen, die aber auch endlich Aufschluss geben über Geheimnisse, die in unserer Familie streng gehütet wurden.
Welche Geheimnisse werden denn nun in seiner Familie streng gehütet? Und welchen Aufschluss hat er über sie nun gewonnen? Vielleicht kann er darüber einmal Auskunft geben und uns sagen, ob sie etwas mit dem zu tun haben, was in dem vorliegenden Beitrag versucht wurde, an Hinweisen zusammenzustellen. Ob sie das von uns zusammen gestellte Bild ergänzen oder ob sie ihm widersprechen? Denn in seinen eigenen weiteren Ausführungen wird dann ja gar nicht deutlich, was für "erschreckende Dokumente" er da in Pähl gefunden haben will. In Pähl. Dort ist Walter von Bebenburg aufgewachsen, das war der Wohnsitz seiner Eltern Franz und Ingeborg von Bebenburg, später der genannten Frau Duppel und ihrer Söhne. Welche "erschreckenden Dokumente" kann man dort finden?
Wir leben jetzt in einer Zeit in der vieles, wie nie zuvor, ans Licht kommt,
unkt er außerdem noch. Ja, was denn? Das, was wir hier in diesem Artikel beschrieben haben? Dann sollte wohl der hier vorgelegte Aufsatz auch auf "World Economy" veröffentlicht werden? - - -



/Erster Entwurf der früheren Aufsatzversion: 10.10.2007, 
Veröffentlicht nach völlig neuer Überarbeitung: 3.4.2017,
letzte Überarbeitung: 15.4.2017/


_______________________________________________
  1. Ludendorff, Mathilde: Freiheitskampf wider eine Welt von Feinden an der Seite des Feldherrn Ludendorff. VI. Teil von "Statt Heiligenschein und Hexenzeichen mein Leben". Verlegt bei Franz von Bebenburg, Pähl 1968 (GB)
  2. Richartz, Walter E.: Tod den Ärtzten. Roman. (1969) Diogenes Verlag, Zürich 1997
  3. Hanuschek, Sven: Reklame für Richartz. Auf: http://parapluie.de/archiv/epoche/richartz/
  4. Arzt, Gregor: Walter E. Richartz. Über literarische und naturwissenschaftlliche Erkenntnis. Mit einer Bibliographie zu Walter E. Richartz. Igel Verlag Wissenschaft, Paderborn 1995 (Diss. FU Berlin 1994)
  5. Morawietz, Kurt; Tammen, Johann P.: Doppel-Talente. Günter Grass und Walter E. Richartz. Die Horen, Bd. 227, Wirtschaftsverlag, 368 Seiten, 2007
  6. Radler, Rudolf, „Ludendorff, Mathilde, geborene Spieß“, in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 290-292 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd11857485X.html
  7. Bading, Ingo: Hanno von Kemnitz, der Sohn Mathilde Ludendorffs - Fragen zu seinem Nachlaß. Studiengruppe Naturalismus, 17.12.2011
  8. Brief aus dem Umkreis eines Urenkels von Mathilde Ludendorff vom 28.12.2011 
  9. Prof. Dr. Dr. Heribert Offermanns: W.E. Richartz, W. von Bebenburg – Schriftsteller und Chemiker : Doppelbegabung – Doppelexistenz – Doppelbelastung (pages 158–159). Chemie in unserer Zeit  Volume 46, Issue 3, pages 158–159, Juni 2012 First published online: 4 Jun 2012 | DOI: 10.1002/ciuz.201200591
  10. Prof. Dr. phil. Sven Hanuschek: “Walter E. Richartz hat anders getickt als die anderen, aber sehr leise”. First published online: 4 Jun 2012  DOI: 10.1002/ciuz.201200556  In: Chemie in unserer Zeit Volume 46, Issue 3, pages 160–166, Juni 2012 
  11. Ludendorff, Mathilde (Hg.): Erich Ludendorff - Sein Wesen und Schaffen. Ludendorffs Verlag, München 1938
  12. Scheele, Hans: Ahnentafel des Feldherrn Erich Ludendorff. Zentralstelle für Deutsche Personen- und Familiengeschichte, 1939 (12 S.) [Ahnentafeln berühmter Deutscher, Band 5, Ausgabe 1] (Google Bücher)
  13. Offermanns, Heribert: Grenzgänger Chemiker und Schriftsteller am Beispiel von Primo Levi und Walter E. Richartz.  Labor & More 4/2016, http://www.laborundmore.com/archive/424771/Grenzgaenger.html
  14. Ropers, Roland R.: Notizen am Seitenrand - Kontrovers und Wahr. Berühmte Bürger von Tutzing am Starnberger See. General Erich Ludendorff. Auf: World Economy, Wirtschaft und Finanzen-Report, 6. Juli 2016, http://www.world-economy.eu/details/article/notizen-am-seitenrand-kontrovers-und-wahr/ [3.4.2017]
  15. Ropers, Roland R.: Meine Familie - von Karl Richarz bis Mathilde und Erich von Ludendorff. Wir leben jetzt in einer Zeit in der vieles, wie nie zuvor, ans Licht kommt. Auf: World Economy, Wirtschaft und Finanzen-Report, 10. Januar 2017, http://www.world-economy.eu/pro-contra/details/article/meine-familie-von-karl-richarz-bis-mathilde-und-erich-von-ludendorff/ 
  16. Vita von Roland R. Ropers, geboren 1945. Auf: https://www.watchful-wisdom-walking.de/in-der-kraftvollen-stille-der-natur-nach-hause-kommen/vita-roland-r-ropers/
  17. Ludendorff, Mathilde: Freiheitskampf wider eine Welt von Feinden an der Seite des Feldherrn Ludendorff. V. Teil von "Statt Heiligenschein und Hexenzeichen mein Leben". Verlegt bei Franz von Bebenburg, Pähl 1967 (GB)
  18. Ropers, Roland R.: Heiko Schrang fordert mit „Jahrhundertlüge 2“: Erkennen – Erwachen – Verändern. In: Epoch Times, 15. Dezember 2014, http://www.epochtimes.de/feuilleton/buecher/heiko-schrang-fordert-mit-jahrhundertluege-2-erkennen-erwachen-veraendern-a1207247.html
  19. Ropers, Roland R: Wer regiert unsere Welt? Interview mit Autor Heiko Schrang. Auf: Macht steuert Wissen, 11. Februar 2015, http://www.macht-steuert-wissen.de/245/wer-regiert-unsere-welt-interview-mit-autor-heiko-schrang-von-roland-r-ropers/
  20. Ostrowski, Miguel A : Sacro Pop. Klartext, 2004 
  21. von Bebenburg, Ingeborg: Mutter und Kinder. In: Ludendorff, E. (Hrsg.): Mathilde Ludendorff - Ihr Werk und wirken. Ludendorffs Verlag, München 1937

Beliebte Posts